Gedenktafel für im Dienst getötete Polizisten

Als am 1.Dezember 2000 im Polizeipräsidium die Gedenktafel für den Polizeibeamten Paul Kreber feierlich eingeweiht wurde, wurde am gleichen Tag im selben Flur eine Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben, die an drei im Dienst getötete Polizisten erinnert. Die Tafel ist das Ergebnis von Kritik aus Reihen der Polizei an der Anbringung von zwei mahnenden Gedenktafel zur NS-Zeit, ohne dass die nähere Vergangenheit der Polizeiarbeit mit einem Erinnerungszeichen berücksichtigt wurde.[1]
Die Gedenktafel für im Dienst getötete Polizisten. Leider ist aufgrund der Ausführung in Glas und der Lichtsituation die Qualität der Bilder nicht optimal.

Die Gedenktafel aus Glas in Form eines querliegenden Kreuzes wurde wie die Gedenktafel für Paul Kreber vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, dem Eigentümer des Polizeipräsidiums, gestaltet und finanziert. Sie zeigt unter der Inschrift:

„Sie wurden in Ausübung ihres Dienstes Opfer von Gewalttaten“

drei Fotografien der Beamten, ihre Unterschrift, den Namen, das Geburts- und Todesdatum.
Von links nach rechts wird so diesen drei Kollegen gedacht:
Karl Sewing 13.06.1912 – 08.11.1965.
Der 54jährige Polizeimeister Karl Sewing wurde am 08.November 1965 in Remscheid getötet, als er und sein Kollege, der den Streifenwagen fuhr, um 5 Uhr morgens einen Mann stellten, nach dem sie zwei Schüsse gehört hatten. Als Sewing den Mann mit vorgehaltener Dienstwaffe aufforderte, seine Pistole niederzulegen, schoss der „schwer vorbestrafte Kriminelle“ durch das Fenster fünf bis siebenmal[3] auf den Polizisten, der im städtischen Klinikum[3] starb.[2] Die Tat geschah an der Einmündung der Straße „Zum Greuel“ auf die Lenneper Straße.[3] Einen Tag später wurde der flüchtige 30jährige Täter festgenommen und Haftbefehl erlassen. Die Obduktion des Leichnams Sewings ergab, dass zwei der drei Schüsse, die ihn trafen tödlich waren, einer drang ins Herz ein, der andere traf die Brustschlagader.[4]
Horst Fiedler 04.05.1953 – 24.04.1999
Der 45jährige Kriminalhauptkommissar Horst Fiedler war Rauschgiftfahnder und wurde am 24.April 1999 in Solingen Aufderhöhe bei einer Festnahme erschossen. Er leitete an diesem Tag die Observation eines 49jährigen Dealers und die anschließende Festnahme. Ohne Vorwarnung eröffnete der Verdächtige durch die geschlossene Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus das Feuer auf die Beamten. Horst Fiedler brach tödlich getroffen zusammen, ein 35jähriger Kollege wurde angeschossen, konnte das Feuer aber noch erwidern. Der Täter flüchtete trotz eines Oberschenkelsteckschusses über den Balkon. Eine Großfahndung wurde ausgelöst. Der Verdächtige flüchtete zunächst in eine 150m entfernte Garage und erzwang am Abend mit Waffengewalt Zutritt zu einem Haus und nahm die Bewohnerin als Geisel, ließ sie aber später frei. Am Mittag des folgenden Sonntags wurde er von den Beamten des SEK überwältigt und festgenommen. Horst Fiedler hinterließ zwei Kinder.[5]
Kirsten Späinghaus-Flick 28.07.73 – 27.02.2000
Die 26jährige Polizeiobermeisterin[6] Kirsten Späinghaus-Flick wurde am 27.Februar 2000 bei einem Beziehungsstreit zwischen einem 27jährigen Mazedonier und seiner Frau getötet. Die Ehefrau des Täters hatte die Polizei von einer Telefonzelle um Hilfe gerufen.[7] Beim Eintreffen der Polizei war die Frau verschwunden. Bei Kontrolle eines BMW an der Ecke Albert-Thaer-Straße/Röntgenstraße trafen die Polizisten auf den Ehemann, ohne dies zu wissen. Der Täter riss die Fahrertür von Späinghaus-Flick auf und attackierte die Polizistin mit einem 30cm langen Messer. Der Beamte auf dem Beifahrersitz sprang aus dem Wagen und stoppte den Täter mit einem Schuss in den Oberschenkel, nachdem dieser der Aufforderung, das Messer abzulegen nicht nachgekommen war. Späinghaus-Flick, deren Ehemann ebenfalls bei der Remscheider Polizei arbeitete, verstarb kurze Zeit später an ihren Verletzungen.[6] Am 2.März 2003 fand unter großer Anteilnahme die Bestattung in Lennep statt, über 1000 Polizisten gaben der getöteten Kollegin das letzte Geleit, auch NRW-Innenminister Fritz Behrens nahm an der Trauerfeier teil.[8]
Am Tatort erinnert ein einfaches Holzkreuz an den Tod der jungen Polizistin, für das Schüler des benachbarten Röntgen-Gymnasiums die Patenschaft für die Pflege des Kreuzes übernommen haben.[9]
Am 27.Februar 2003 wurde im Foyer der Polizeiinspektion Remscheid eine Gedenktafel für Kirsten Späinghaus-Flick und Karl Sewing eingeweiht. Ein Foto von ihr findet sich auf www.corsipo.de

[1] Auskunft Begegnungsstätte Alte Synagoge

[2] Kripo ist sicher: Schwerer Junge erschoß Remscheider Polizisten, in: GA vom 9.November 1965.
[3] Polizeibeamter in Remscheid heute auf der Straße erschossen, in: GA vom 8.November 1965.
[4] Todesschütze schweigt! in: GA vom 10.November 1965.
[5] Nach Polizistenmord: Verdächtiger gefaßt, in: WZ vom 26.April 1999.
[6] Eintrag zu Kirsten Späinghaus-Flick auf www.corsipo.de (abgerufen am 10.06.2012)
[7] Polizisten nach Messerattentat unter Schock, WZ vom 01.März 2000.
[8] Thomas Slotwinski, „Kirsten hatte die Fähigkeit, viel Licht zu verbreiten“, in: WZ vom 03.März 2000.
[9] Alexandra Kemp, Schüler pflegen Gedenkkreuz, in: RP-online, abgerufen am 10.06.2012.
[10] Eintrag zu Kirsten Späinghaus-Flick auf www.corsipo.de (abgerufen am 10.06.2012)

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