Gedächtnisfenster zur Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung

Die Friedhofskirche an der Hochstraße.
Hoch oben in der Nordstadt, an den Friedhöfen der Hochstraße, steht die 1894-98 nach Plänen des Berliner Architekten Johannes Otzen erbaute Friedhofskirche. Die größte und eine der schönsten Kirchen Wuppertals verlor 1943 beim Luftangriff auf Wuppertal durch die Druckwellen der Detonationen ihre originalen Fenster der Glasmalerei Müller aus Quedlinburg. 1946 wurden sie zunächst durch verschiedenfarbiges Kathedralglas ersetzt, das einst als Provisorium gedacht war, aber dann doch 62 Jahre Bestand hatte. Erst 2008 konnte die Gemeinde zwei der sechs großen Rosettenfenster austauschen. In vier Jahren sammelten die 3300 Gemeindemitglieder dafür 120.000 Euro.[2] Nach einem begrenzten Wettbewerb entschied man sich für den Wernigeroder Glaskünstler Günter Grohs, dessen Entwürfe die Glaswerkstatt Schneemelcher aus Quedlinburg ausführte. Für die Westseite, die zunächst angefertigt und 2008 angebracht wurde, gab die Evangelische Gemeinde Elberfeld-Nord die Themen „Helmut Hesse – ein Märtyrer aus der Gemeinde“ und „Theologische Erklärung von Barmen“ vor.[1] Am 25.Mai 2008 wurden die neuen Fenster mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.[2]
Das Gedenkfenster zur Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung in der Elberfelder Friedhofskirche.
Die Barmer Theologische Erklärung wurde am 31. Mai 1934 von der Bekenntnissysnode in der Gemarker Kirche in Barmen verabschiedet. Die Bekenntnissysnode und ihre Erklärung war eine Reaktion auf die erfolgreichen Versuche der nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ die evangelische Kirche zu übernehmen und auch hier das Führerprinzip einzuführen. Die Barmer Theologische Erklärung wurde vor allem vom Reformierten Karl Barth und dem Lutheraner Hans Asmussen geprägt. Sie lehnten den Anspruch der „Deutschen Christen“, in Adolf Hitler eine Offenbarung Gottes zu sehen, ab. Am 19. und 20. Oktober 1934 folgten in Berlin-Dahlem die zweite Bekenntnissysnode der Bekennenden Kirche, im Juni 1935 die dritte in Augsburg. Bei der vierten und letzten im Februar 1936 in Bad Oeynhausen war die Organisation der Bekennenden Kirche aufgrund inhaltlicher Differenzen kaum mehr vorhanden. 1936 protestierte die vorläufige Kirchenleitung noch in einer Denkschrift an Hitler gegen Entchristlichung, Antisemitismus und Terrormaßnahmen, doch zur Reichspogromnacht am 9.November 1938 schwieg sie. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden viele Mitglieder in den Untergrund gedrängt oder verhaftet, wie 1943 Helmut Hesse.[3]
Im Zentrum des Fensters steht die Inschrift:

 „Jesus Christus ist
das Wort Gottes
das wir hören
dem wir im Leben
und sterben zu
vertrauen und zu
gehorchen haben.“

Die Zeilen stammen aus der ersten These der Barmer Theologischen Erklärung, die lautet:
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt
wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und
im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als
Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch
noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes
Offenbarung anerkennen.“

Der Wortlaut der Barmer Theologischen Erklärung findet sich hier.

Günter Grohs verzichtete bei der Gestaltung der Fenster bewusst auf die Bebilderung der Fenster und eine thematische Darstellung. Die Fenster zeigen Spuren und Wege, die der Betrachter selbst ergründen soll. Außerdem soll so eine dauerhafte Sprache gefunden werden, die folgenden Generation noch etwas zu sagen hat und nicht zeitgenössischen Moden unterliegt. So blieb zur Umsetzung der Thematik nur die Schrift als „zeitlose Botschaft“ im zentralen Quadrat, dass die Windeisen, die die Glasflächen stabiliseren, vorgeben. Begrenzt wird es auch von den senkrecht und horizontal verlaufenden Bahnen, die in die Ausläufer der Außenkreise münden und so mittlere und äußere Bereiche des Fensters verbinden. Die zwölf Außenkreise wiederum stoßen mit ihren schmalen  Friesen in den Mittelkreis vor, verflechten sich mit dem breiten farbigen Band und dies scheinbar unendlos, als Symbol für die Unendlichkeit, die Einheit von Anfang und Ende.[4]

Am Werth unweit der Gemarker Kirche steht bereits seit 1984 ein Mahnmal zur Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung.

Im September 2009 wurden auch die Fenster an der Ostseite – zum Friedhof  – erneuert. Sie zeigen die Themen „Tod und Auferstehung“. Für dieSüdseite sind die Themen „Wort und Sakrament“ geplant.

[1] Broschüre „Ein Licht auf meinem Wege. Die Fenster der Friedhofskirche Wuppertal-Elberfeld.
[2] Neue Fenster für die Friedhofskirche, in: WZ vom 15.Mai 2008.
[3] 75 Jahre Barmer Theologische Erklärung. Eine Arbeitshilfe zum 31. Mai 2009, S.11 f.
[4] Günter Grohs, Erläuterungsbericht zu meiner Wettbewerbsarbeit.

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