Kriegerdenkmal auf dem Elberfelder Ehrenfriedhof

Der Elber­fel­der Ehren­fried­hof  wur­de schon im Novem­ber 1914 ein­ge­rich­tet und war für 150 Grab­stel­len vor­ge­se­hen. Bereits im Dezem­ber 1914 fand der ers­te Gefal­le­ne hier sei­ne letz­te Ruhe­stät­te. In den fol­gen­den Jah­ren muss­te der Fried­hof jedes Jahr erwei­tert wer­den.


Das eige­ne Grab als Trost auf einer Pro­pa­gan­da-Post­kar­te des Ver­eins Kriegs­hil­fe Elber­feld. Ger­ma­nia und der Reichs­ad­ler bekrän­zen das Grab des hel­den­haft Gefal­len mit einem Lor­beer-Kranz. Die Rea­li­tät sah bekannt­lich in den meis­ten Fäl­len anders aus. (Bild ergänzt am 28.12.2013)

Der Fried­hof liegt am Hang des Kies­bergs, unweit des Königs­hö­her Wegs, hin­ter einem Obe­lis­ken, der 1913 zur Erin­ne­rung an die Befrei­ungs­krie­ge gegen Napo­le­on 1813 auf­ge­stellt wur­de. Von dem Obe­lis­ken konn­ten man frü­her wahr­schein­lich wun­der­bar über die Stadt gucken. Heu­te ver­hin­dern vie­le Bäu­me aller­dings einen unge­trüb­ten Blick ins Tal. Eini­ge his­to­ri­sche Auf­nah­men zei­gen die Ent­wick­lung des Fried­hofs, des­sen Grab­stel­len anfangs noch mit Holz­schil­dern gekenn­zeich­net waren.


Der Ehren­fried­hof auf einer unda­tier­ten Post­kar­te. Der Sol­dat im Bild trägt noch die Pickel­hau­be, die 1915 aus dem Kriegs­ein­satz an der Front ent­fernt und 1916 im gesam­ten Heer durch den Stahl­helm ersetzt wur­de. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Der Ehren­fried­hof mit den ers­ten Grab­stel­len. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Der Ehren­fried­hof ver­mut­lich gegen Ende des Krie­ges oder sogar danach. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/19/12 (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Ein Schutz­haus am obe­ren Ende des Ehren­fried­hofs. Es exis­tiert heu­te nicht mehr. Da die Mau­er, die den Ehren­fried­hof umfrie­det, fer­tig zu sein scheint, ent­stand das Bild ver­mut­lich nach 1919. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum 010/19/13 (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Wenn man am unte­ren Ein­gang des Fried­hofs steht, bie­tet sich einem fol­gen­des Bild: Lin­kus und rechts füh­ren zwei Wege um eine gro­ße Lich­tung hoch zum Krie­ger­denk­mal am obe­ren Ende des Fried­hofs. Die Wege sind gesäumt von Grab­stel­len.

Auf dem  Ehren­fried­hof lie­gen heu­te 546 gefal­le­ne Sol­da­ten, davon sind 416  gebo­re­ne Elber­fel­der und 13 Aus­län­der. Die Fried­hofs­be­stim­mun­gen sahen vor, dass fol­gen­de Gefal­le­ne dort bestat­tet wer­den konn­ten: im Fel­de gefal­le­ne Elber­fel­der, in Elber­fel­der Laza­ret­ten Ver­stor­be­ne, Kriegs­in­va­li­den und Gefal­le­ne der Feind­staa­ten. Alle Fran­zo­sen und Eng­län­der, die dort ein­mal bestat­tet waren, wur­den nach dem Krieg wie­der in ihre Hei­mat über­führt.


Plan des Ehren­fried­hofs, ange­fer­tigt im April 1921. Ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1925, S.43. (Plan ergänzt am 07.09.2012)

Blick auf den Ehren­fried­hof vom “lin­ken” Weg.

Am Ran­de des Ehren­fried­hofs gibt es eine klei­ne Beson­der­heit. Auf einer Mau­er, abge­trennt vom Ehren­fried­hof, ste­hen vier Grab­stei­ne mit Namen aus dem sla­wi­schen Sprach­raum. Was es wohl mit die­sen Män­nern auf sich hat­te?

Das Denk­mal und die Grab­stei­ne erin­nert an die Opfer des Kapp-Put­sches.

Man kann den Unter­schied zwi­schen den Grab­stei­nen gut erken­nen. Den­noch die Grab­stei­ne auf dem Ehren­fried­hof noch ein­mal von nahem:

Links im Bild der pro­vi­so­ri­sche Grab­stein des Gra­bes von Paul Heeks auf einer Post­kar­te. (Bild ergänzt am 30. Mai 2015, Thanks to for­scher from findagrave.com)

Die Grab­stei­ne sind Eiser­nen Kreu­zen nach­emp­fun­den und sehr schlicht gestal­tet, im Ver­gleich zu denen auf dem Ehren­fried­hof Bar­men. Genannt wer­den Name, Dienst­grad und Lebens­da­ten.

Das Krie­ger­denk­mal wur­de 1926 ein­ge­weiht, nach­dem man 1921 den Beschluss zur Errich­tung in der Elber­fel­der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung gefasst hat­te. Nach zwei Wett­be­wer­ben mit 255 und 22 Ein­sen­dun­gen ent­schied man sich 1922 für den Ent­wurf des in Elber­feld gebo­re­nen Archi­tek­ten H. Rudolph Jaobs und des Ham­bur­ger Bild­hau­ers Wil­helm Rex. Die Kos­ten betru­gen 6 1/2 Mio. RM, die zum Groß­teil von der Elber­fel­der Bür­ger­schaft gespen­det wur­den.
Die Sie­ger­ent­wurf “Hei­li­ge Stät­te” von Wil­helm Rex in der ursprüng­li­chen Ver­si­on. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S.45. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Der Wett­be­werbs­ent­wurf von Paul Wyn­and, Ber­lin. Das Denk­mal zeigt ein Reli­ef aus Sol­da­ten und einer zen­tra­len, mög­li­cher­wei­ser weib­li­chen Figur. Die Bedeu­tung wird durch die Inschrift dar­über deut­lich: Invi­tis — Vic­ti — Vic­tu­ri “Den Unbe­sieg­ten, von den Besieg­ten, den künf­ti­gen Sie­gern”. Einer ande­re Über­set­zung lau­tet: “Den Unbe­sieg­ten die Besieg­ten, die wie­der sie­gen wer­den” Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S. 44. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Der Wett­be­werbs­ent­wurf von Prof. Wil­helm Wand­schnei­der aus Ber­lin. Unten ist die Gesamt­an­la­ge zu sehen, oben die zen­tra­le Figur ein­zeln. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S. 44. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Wett­be­werbs­ent­wurf vom Archi­tek­ten Prof. Lud­wig Ruff und vom Bild­hau­er Kon­rad Roth aus Nürn­berg. Ein trut­zi­ges Mahn­mal, das an einen Wach­turm erin­nert. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S. 44. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Am Ende sah der fina­le, vom Stadt­rat abge­seg­ne­te Ent­wurf so aus:
Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1925, S. 43. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Das Denk­mal in fer­ti­gem Zustand auf einer unda­tier­ten Post­kar­te. (Bild ergänzt am 28.12.2013)

Und so sieht das Mahn­mal heu­te aus.

Das Denk­mal hat einen Durch­mes­ser von 12 Metern und ist aus frän­ki­schem Muschel­kalk gefer­tigt. An den Säu­len, die die bei­den Figu­ren-Dar­stel­lun­gen ver­bin­den, sind Namen­s­ta­feln ange­bracht. Sie ver­zeich­nen chro­no­lo­gisch jeden ein­zel­nen der 4704 gefal­le­nen Söh­nen der Stadt Elber­feld.1
Die Inschrift, gesäumt von den Wap­pen der Stadt, lau­tet:

Im Welt­krieg 1914/1918 gaben ihr Leben für das Vater­land die Söh­ne der Stadt Elber­feld”

Update 3. Janu­ar 2018:
Anfang Novem­ber 2017 wur­den sechs Gedenk­ta­feln von Metall­die­ben gestoh­len und die rest­li­chen dar­auf­hin ein­ge­la­gert.2


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Fußnoten:

  1. RMK, S. 246.
  2. Dani­el Neu­kir­chen, Wup­per­ta­ler Krie­ger­denk­mal ist nicht zu repa­rie­ren, in: West­deut­sche Zei­tung vom 27.November 2017.