Friedrich-Roeber-Denkmal

Am 19.Juni 1819 wur­de in Elber­feld Fried­rich Roeber gebo­ren. Er wird als viel­sei­tig begab­ter Mensch beschrie­ben und been­de­te bereits mit 14 Jah­ren mit dem Abitur die Real­schu­le in Elber­feld. Auf­grund man­geln­der finan­zi­el­ler Mit­tel konn­te er kei­ne wis­sen­schaft­li­che Lauf­bahn ein­schla­gen und begann eine kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung. Spä­ter wur­de er Teil­ha­ber des Bank­hau­ses von der Heydt, Kers­ten & Söh­ne. Neben sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit gab es für ihn aber eine ande­re Beru­fung: Lyrik und Dra­ma­tik. Er grün­de­te das “Roeber­sche Sonn­tags­kränz­chen” und ver­fass­te Thea­ter­stü­cke und Gedich­te. Sei­nen Ruhe­stand ver­brach­te er in Düs­sel­dorf, wo sei­ne Söh­ne Fritz und Ernst an der Kunst­aka­de­mie lehr­ten. Am 12.Oktober 1901 starb Fried­rich Roeber dort im Alter von 82 Jah­ren.
Das Fried­rich-Roeber-Denk­mal auf dem Car­naps­platz in Elber­feld. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de.

Fünf Jah­re nach dem Tod des Schrift­stel­lers setz­te ihm der Elber­fel­der Muse­ums­ver­ein am 23.September 1906 ein Denk­mal auf dem Car­naps­platz in der Elber­fel­der Nord­stadt. Eine aus schwe­di­schem Gra­nit geschaf­fe­ne Säu­le trug eine über­le­bens­gro­ße Bron­ze­büs­te des Dich­ters. Das Säu­len­ka­pi­tell war im Lou­is-sei­ze-Stil gehal­ten, in deren Zen­trum die schlich­te Wid­mung “Fried­rich Roeber” zu fin­den war. Am Fuß der Säu­le umschloß die­se ein Kranz­ge­win­de. Urhe­ber die­ses Denk­mals war der Düs­sel­dor­fer Bild­hau­er Karl Jans­sen, der auch das sehr ähn­li­che (und im Fall der Bron­ze­büs­te nahe­zu iden­ti­sche) Grab­denk­mal Roebers auf dem Düs­sel­dor­fer Nord­fried­hof schuf.1

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Denk­mal zer­stört.

Hubert-Pfeiffer-Stele

Irgend­wann am Anfang des Jah­res 20061, das Datum oder der Monat konn­te von den Betei­lig­ten bis­lang nicht ermit­telt wer­den, wur­de auf dem Vor­platz der Herz-Jesu-Kir­che in Unt­er­bar­men eine Ste­le zur Erin­ne­rung an Hubert Pfeif­fer auf­ge­stellt. Anlass dafür war ein Arti­kel in der Fest­schrift zum 100jährigen Bestehen der Gemein­de im Jahr 2003, in dem an den Orga­nis­ten und Kan­tor der Gemein­de erin­nert wur­de. Der Pfarr­ge­mein­de­rat ent­schloss sich dar­auf­hin, dem “Musi­kant Got­tes” eine sicht­ba­re Ehrung zu stif­ten.2


Hubert-Pfeif­fer-Ste­le.

Hubert Pfeif­fer wur­de am 14.Oktober 1891 in der Ben­dah­ler Stra­ße Nr.2 gebo­ren. Kurz nach der Geburt ver­lor er sei­ne Seh­fä­hig­keit, ent­wi­ckel­te aber schon in sei­ner Jugend mit Hil­fe einer Zit­ter sein musi­ka­li­sches Talent. Zunächst erhielt er Pri­vat­un­ter­richt, spä­ter besuch­te er die Blin­den­schu­le in Düren, die er mit 18 Jah­ren abschloss. Zwei Jah­re spä­ter bestand er die Orga­nis­ten- und Chor­lei­ter­prü­fung. Da er kei­ne ein­zi­ge Note schrei­ben und lesen konn­te, ent­wi­ckel­te er ein phä­no­me­na­les musi­ka­li­sches Gedächt­nis und konn­te bei­spiels­wei­se ein Fuge von Johann Sebas­ti­an Bach nach ein­ma­li­gem Hören feh­ler­frei wie­der­ge­ben.

Von 1911–1914 stu­dier­te am Elber­fel­der Kon­ser­va­to­ri­um Pott­hof-Zim­mer­mann, anschlie­ßend arbei­te­te er als Pri­vat­mu­sik­leh­rer, Kom­po­nist und gab Kon­zer­te. Beson­ders gern spiel­te er Orgel, Kla­vier und Cel­lo. Bei der Nie­der­schrift sei­ner Kom­po­si­tio­nen half ihm der mit der Fami­lie Pfeif­fer befreun­de­te Gene­ral­mu­sik­di­rek­tor Franz von Hos­se­lin. Von 1922 bis 1926 wirk­te er als Orga­nist und Kan­tor an der Unt­er­bar­mer Kir­che Herz-Jesu und schuf Musik für Mes­sen, Vio­li­ne und Kla­vier, Orgel, Orgel und Blech­blä­ser, Kla­ri­net­te, Motet­ten und Anti­pho­ne, sowie Kla­vier­so­na­ten. Hubert Pfeif­fer erhielt zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen, dar­un­ter den Beet­ho­ven Preis und den Staats­preis der Preu­ßi­schen Aka­de­mie der Küns­te. Am Ers­ten Weih­nachts­tag des Jah­res 1932 starb er an einer Blut­ver­gif­tung.3


Foto und Inschrift

Die Ste­le ent­warf das Wup­per­ta­ler Design­bü­ro Visu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on Neis­ser | Zöl­ler, gefer­tigt wur­de sie von der Kunst- und Bau­schlos­se­rei Richard Bogusch.4Sie zeigt den Musi­ker auf einer Foto­gra­fie im Pro­fil und dar­un­ter die Inschrift:


Die Rück­sei­te der Ste­le

Zur Erin­ne­rung an
den blin­den Wup­per­ta­ler
Künst­ler, Musik- und
Kom­po­si­ti­ons­leh­rer­Hu­bert Pfeif­fer
1891–1931von 1922–1926
Kan­tor und Orga­nist
unse­rer Gemein­de
Herz-Jesu”

Auf der Rück­sei­te der Stee­le ste­hen in Blin­den­schrift der Name und die Lebens­da­ten des Musi­kers. 5


Die Ein­wei­hung der Ste­le ist nach der Fer­tig­stel­lung der Neu­ge­stal­tung  des Kirch­plat­zes geplant, die nach der Sanie­rung der Kir­che in die­sem Jahr in Angriff genom­men wer­den soll.6 Hubert Pfeif­fer wur­de auf dem kath.Friedhof an der Lie­big­stra­ße begra­ben, wo heu­te noch sein Grab zu fin­den ist. Außer­dem benann­te die Stadt Wup­per­tal eine Stra­ße und einen Platz im Kom­po­nis­ten­vier­tel im Bar­mer Süden nach ihm.
Vie­len Dank an den Mit­in­itia­tor der Ste­le, Hel­mut Frink, für die Hil­fe bei der Recher­che.

Armenpflege-Denkmal (1903)

Das Armen­pfle­ge­denk­mal, der Kirch­platz und die refor­mier­te Kir­che. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1928, S.13. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Es war der 24.September 1903, als bei strah­len­dem Son­nen­schein eine fest­li­che Men­ge Elber­fel­der Bür­ger Zeu­ge wur­de, wie das Armen­pfle­ge-Denk­mal auf dem Kirch­platz neben der alten refor­mier­ten Kir­che (heu­te City-Kir­che genannt) im Her­zen Elber­felds ein­ge­weiht wur­de. Das Denk­mal war den drei Män­nern gewid­met, die das “Elber­fel­der Sys­tem” geschaf­fen hat­ten: Dani­el von der Heydt, David Peters und Gus­tav Schlie­per. Das Elber­fel­der Sys­tem war eine Reak­ti­on auf die Ent­wick­lung Elber­felds zur Indus­trie­stadt und soll­te ab 1853 die Armen­ver­wal­tung der Stadt refor­mie­ren. Man dezen­tra­li­sier­te die Ver­wal­tung und setz­te in der Betreu­ung der Armen auf vie­le ehren­amt­li­che Armen­pfle­ger, die ihre weni­gen Kli­en­ten gut betreu­en konn­ten.


Das Armen­pfle­ge­denk­mal. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S.49. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Die Stadt Elber­feld hat­te zum 50jährigen Jubi­lä­um die­ses von vie­len Städ­ten über­nom­me­nen Sys­tems einen Wett­be­werb aus­ge­schrie­ben, bei dem der Ent­wurf “Hül­f­reich und gut” des Ber­li­ner Bild­hau­ers Wil­helm Neu­mann-Tor­borg den zwei­ten Platz errang und mit leich­ten Ände­run­gen zur Aus­füh­rung bestimmt wur­de. Neu­mann-Tor­borg schuf im glei­chen Jahr das Bar­mer Dör­pfeld-Denk­mal. Teil der Wett­be­werbs­be­din­gun­gen war, dass das Denk­mal Bild­nis­se der drei Grün­der ent­hal­ten und die Armen­pfle­ge aus­drü­cken soll­te. Inklu­si­ve der Kos­ten für das Fun­da­ment soll­ten die Kos­ten nicht mehr als 15.000 Mark betra­gen. Eben­falls an dem Wett­be­werb teil­ge­nom­men hat­ten Wil­helm Alber­mann aus Köln, Gus­tav Eber­lein und Lud­wig Bru­now aus Ber­lin.


Das Armen­pfle­ge-Denk­mal auf einer Foto­gra­fie unbe­kann­ten Datums. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6

Das Denk­mal auf dem ca. zwei Meter hohen Gra­nit­so­ckel zeigt eine Frau­en­gestalt, die einen gebückt sit­zen­den Greis mit einer Spei­se labt. Am Sockel fan­den sich drei Bron­ze­re­li­efs der Begrün­der des Elber­fel­der Sys­tems, auf der Rück­sei­te war fol­gen­de, von der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung fest­ge­leg­te Inschrift ange­bracht:

“Den Begrün­dern der Neu­ord­nung
des Armen­we­sens
in dank­ba­rer Erin­ne­rung
errich­tet von der Stadt
Elber­feld
1853–1903“1
Die Reli­efs (ohne die sie umge­ben­den Orna­men­te) von Gus­tav Schlie­per, Dani­el von der Heydt, David Peters. Ent­nom­men aus RMK, S.138, dor­ti­ge Quel­len­an­ga­be: “Samm­lung Stadt­ar­chiv”

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den die Figu­ren­grup­pe und die Reli­efs ein­ge­schmol­zen. Gerüch­te, sie hät­te an einem Ver­steck den Krieg über­lebt, haben sich nicht bestä­tigt. Der Sockel wur­de aller­dings auf dem Platz ein­ge­gra­ben und dient heu­te wie­der unter dem 2011 neu­en Armen­pfle­ge-Denk­mal. Zur Erin­ne­rung an das zer­stör­te Denk­mal und das Elber­fel­der Sys­tem wur­de 1973 eine Gedenk­ta­fel an der Nord­wand der City-Kir­che ange­bracht. Außer­dem exis­tiert bis heu­te im His­to­ri­schen Zen­trum ein Bron­ze-Modell des Denk­mals, das 1903 von Frau Aders gestif­tet wor­den war.

Gedenktafel zur Erinnerung an das Armenpflege-Denkmal

Seit 1973 gedenkt eine schlich­te Bron­ze­ta­fel an der Nord­wand der City-Kir­che am Kirch­platz an das Armen­pfle­ge-Denk­mal aus dem Jahr 1903, wel­ches bis zu sei­ner Zer­stö­rung im Zwei­ten Welt­krieg an das Armen­pfle­ge­sys­tem in Elber­feld erin­ner­te.1


Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an das Armen­pfle­ge­denk­mal.

Die Inschrift der Bron­ze­ta­fel lau­tet:

Zur Erin­ne­rung an die Män­ner,
die sich um die Neu­ord­nung
der Elber­fel­der Armen­pfle­ge
ver­dient gemacht haben

Dani­el von der Heydt 1802–1874
Gus­tav Schlie­per       1805–1880
David Peters            1806–1874

Das Armen­pfle­ge-Denk­mal des
Bild­hau­ers Neu­mann-Tor­borg
aus dem Jah­re 1903 wur­de im
Zwei­ten Welt­krieg zer­stört.”

Im Jahr 2011 wur­de das Armen­pfle­ge-Denk­mal erneu­ert.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Elias-Eller-Gedenkstein

Im Jahr 1987 jähr­te sich zum 250.Mal der Zuzug des Stadt­grün­ders Eli­as Eller nach Rons­dorf. Zu die­sem Anlass reg­te der Stadt­ver­ord­ne­te und His­to­ri­ker Prof. Dr. Klaus Goe­bel an, die­sem ein Denk­mal zu set­zen. Der Ort wur­de schnell gefun­den, befin­det sich doch heu­te am Stand­ort des Wohn­hau­ses Ellers eine klei­ne Grün­an­la­ge, die Volks­mund Klein’s Ecke genannt wird. Ober­stadt­di­rek­tor Dr. Bodo Rich­ter und die Vor­stän­de der Spar­kas­se und der Refor­mier­ten Gemein­de Rons­dorfs stimm­ten dem Vor­schlag zu.1 Man bil­de­te einen Aus­schuss, dem der 1.Vorsitzende des His­to­ri­schen Arbeits­krei­ses der Refor­mier­ten Gemein­de, Sebu­lon Mon­hof, Prof. Dr. Klaus Goe­bel selbst, der Bezirks­vor­ste­her Kru­senot­to und sein Stell­ver­tre­ter Win­fried Arenz ange­hör­ten.2 Im Juli 1988 ent­schlos­sen sich die Rats­frak­tio­nen 10.000 DM für ein Eli­as-Eller-Denk­mal bereit­zu­stel­len. Damals plan­te man noch eine Sta­tue ähn­lich der Figu­ren­grup­pe des Band­wir­ker­pär­chens auf dem Band­wir­ker­platz.3 Ein Jahr spä­ter, im Juli 1989, berich­te­te die Wup­per­ta­ler Rund­schau, dass Stadt­ver­wal­tung und Bezirks­ver­tre­tung in einem beschränk­tem Wett­be­werb fünf Künst­ler ein­ge­la­den hat­ten, einen Denk­mals­ent­wurf vor­zu­le­gen, des­sen Kos­ten sich maxi­mal auf 50.000 DM belau­fen durf­te. Zu den ange­schrie­be­nen Künst­lern gehör­ten Vic­tor Bona­to, Man­fred Bre­dehl, Ans­gar Nie­hoff, Jind­rick Zeit­hamml und Tony Cragg. Von der ursprüng­li­chen Idee einer Sta­tue des Stadt­grün­ders rück­te man ab, da von Eli­as Eller kei­ne zeit­ge­nös­si­sche Dar­stel­lung über­lie­fert ist. 4 Über das Ergeb­nis der Aus­schrei­bung ist nichts bekannt, offen­sicht­lich waren außer den 10.000 DM der Stadt nicht genug wei­te­re Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt wor­den. Erst 1993 erhielt das Pro­jekt neu­en Auf­trieb, als das 250jährige Jubi­lä­um der Ver­lei­hung der Stadt­rech­te an Rons­dorf im Jahr 1995 näher rück­te.5 Ein Jahr spä­ter konn­te der Vor­sit­zen­de des Hei­mat- und Bür­ger­ver­eins, Kurt Flo­ri­an, bei der Pla­nung der 250-Jahr­fei­er eine Ent­hül­lung eines Denk­mals ankün­di­gen, wel­ches  vom Ver­ein und der Spar­kas­se finan­ziert wur­de. 7


Eli­as-Eller-Gedenk­stein in Rons­dorf.

Am 23. Sep­tem­ber 1995 ent­hüll­te schließ­lich Minis­ter­prä­si­dent Johan­nes Rau in Anwe­sen­heit der Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus, des Poli­zei­prä­si­den­ten Klaus Köh­ler, des Bezirks­vor­ste­hers Gerd Arendt und des Vor­sit­zen­den des Hei­mat- und Bür­ger­ver­eins, Kurt Flo­ri­an, einen Find­ling aus einem ober­ber­gi­schen Stein­bruch im Wert von 3.000 DM8 mit dar­auf ange­brach­ter Bron­ze­ta­fel. Ursu­la Kraus, Kurt Flo­ri­an und Johan­nes Rau hiel­ten Anspra­chen, das Poli­zei­mu­sik-Corps spiel­te, Gün­ther Lesche prä­sen­tier­te zwei Hei­mat­lie­der und das THW sorg­te für einen rei­bungs­lo­sen tech­ni­schen Ablauf der Ver­an­stal­tung.9 Anschlie­ßend wur­de im nahen Spar­kas­sen­ge­bäu­de eine Foto-Aus­stel­lung zur 250jährigen Geschich­te Rons­dorfs eröff­net.10

Ste­fan Kol­de­hoff bemän­gel­te nach der Ent­hül­lung in der Wup­per­ta­ler Rund­schau, dass die neue­re Rons­dor­fer Denk­mal­ge­schich­te vol­ler Pein­lich­kei­ten sei und bezog sich dabei unter ande­rem auf die Debat­ten um die Gedenk­ta­fel für die Rons­dor­fer Opfer das Natio­nal­so­zia­lis­mus. Kol­de­hoff beklag­te sowohl die Form des Denk­mals, als auch den Umgang mit der Errich­tung.

[Mit dem] zum ‘stadt­ge­schicht­li­chen Denk­mal’ hoch­sti­li­sier­ten Eller-Stein an der Staas­stra­ße hat Rons­dorf nun ein­mal mehr sei­ne Geschichts­lo­sig­keit durch Flucht ins Unver­bind­li­che doku­men­tiert. Ein so bana­ler wie lang­wei­li­ger Find­ling, ein aus­tausch­ba­rer nack­ter Stein also, mar­kiert seit Sams­tag jenen Ort, an dem einst das Wohn­haus des refor­mier­ten Pre­di­gers gestan­den haben soll, des­sen Aus­zug aus Elber­feld einst zur Grün­dung einer Gemein­de und spä­ter einer Stadt Rons­dorf füh­ren soll­te. […] Wer meint Kunst dür­fe nur Rea­li­tät wie­der­ge­ben, nicht aber inter­pre­tie­ren, fin­det zu solch plat­ten Kom­pro­miß­lö­sun­gen wie dem Find­ling, der eben­so­gut an der Kur­pro­me­na­de von Bad Wimp­fen an eine dor­ti­ge Lokal­grö­ße erin­nern könn­te. […] Das soge­nann­te ‘Eller-Denk­mal’ ist des­halb vor allem ein Monu­ment  für die Angst vor dem öffent­li­chen Dis­kurs in Rons­dorf. Wer meint, Sinn­stif­tung in bes­ten­falls eine Min­der­heit reprä­sen­tie­ren­den Ver­ei­nen insti­tu­tio­na­li­sie­ren zu kön­nen, ver­hält sich nicht nur unde­mo­kra­tisch. Er ver­kennt auch den wah­ren Sinn von Denk­ma­len: Nicht mehr hoh­les Pathos, ver­bin­den­des Erin­nern durch Erken­nen ist ihre Auf­ga­be. Ein Stein kann das nicht leis­ten.“11


Die Bron­ze­ta­fel.

Die Inschrift der Bron­ze­ta­fel des Denk­mals lau­tet:

 “Stadt Rons­dorf
Gegrün­det 1745
Ein­ge­mein­det 1929
Eli­as Eller
*1690     +1750
Ers­ter Bür­ger­meis­ter
Kirch­meis­ter der
refor­mier­ten Gemein­de”

Auf dem Sie­gel, wel­ches über der Inschrift zu sehen ist, steht:

Anno 1747 — Rons­dor­fer Stadt — Gerichts  — Insie­gel”

Im Inne­ren sieht man eine Figur mit einer Waa­ge und der lin­ken Faust dro­hend erho­ben. Dar­um steht ein Zitat aus Psalm 118,5:

Die Rech­te des Herrn beh­elt den Sieg.”


Wer war nun Eli­as Eller? (Eine aus­führ­li­che Bio­gra­phie fin­det sich im Por­tal Rhei­ni­sche Geschich­te des LVR.) Eli­as Eller wur­de 1690 auf dem Hof Rons­dorf in der Hon­schaft Erb­schloe des Kirch­spiels Lüttring­hau­sen gebo­ren. Sei­ne Eltern gehör­ten ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen an, die Mut­ter war Luthe­ra­ne­rin, der Vater refor­miert. Um 1700 ging Eller nach Elber­feld und arbei­te­te dort als Band­wir­ker in der Manu­fak­tur von Peter Bolk­haus. Nach des­sen Tod im Jahr 1712 über­nahm er durch die Hei­rat der zehn Jah­re älte­ren Wit­we Katha­ri­na (1680–1733) das Unter­neh­men, ein damals übli­cher Vor­gang. In der dama­li­gen refor­mier­ten Gemein­de Elber­felds mit ihren 3.000 Mit­glie­dern gab es star­ke Kon­tro­ver­sen und mehr­fach war­ben Pre­di­ger für eine nahes Jüngs­tes Gericht und dar­an anschlie­ßend ein tau­send­jäh­ri­ges Frie­dens­reich durch die Wie­der­kehr Jesu Chris­ti. Es bil­de­te sich eine Sozie­tät, die maß­geb­lich von der Haus­häl­te­rin im Hau­se Bölk­haus, Anna vom Büchel (1698–1743), beein­flusst wur­de, da sie sich auf “Weis­sa­gun­gen” ver­stand. In den 1720er Jah­ren kam Eller zu die­ser Grup­pe, hei­ra­te­te nach dem Tod sei­ner Frau 1733 Anna vom Büchel und wur­de zu einer zen­tra­le Figur. Meh­re­re hun­dert Men­schen gehör­ten spä­ter zur Grup­pe der Elle­ria­ner, die über die Stadt­gren­zen Elber­felds hin­aus Men­schen anzog. Anna vom Büchel pre­dig­te immer wie­der den Aus­zug aus Elber­feld, das sie als “Babel” bezeich­ne­te. Nach und nach lös­te sich die Grup­pe von der refor­mier­ten Gemein­de, obwohl dies anfangs nicht vor­ge­se­hen war. 1737 errich­te­te Eller ein Haus nahe des Hofes Rons­dorf und er plan­te eine neue Stadt, ein klei­nes Uto­pia. Nach und nach wuchs die Bevöl­ke­rung, 1741 gewähr­te Kur­fürst und Her­zog Karl Phil­ipp von der Pfalz die Geneh­mi­gung zur Errich­tung einer eige­nen Kir­chen­ge­mein­de, 1745 erhielt die­se dann die Stadt­rech­te. 1747 bestand die klei­ne Stadt bereits aus 78 Häu­sern mit über tau­send Ein­woh­nern. Eli­as Eller ver­such­te hier sei­nen Traum eines gött­li­chen Zion zu ver­wirk­li­chen. 1749 hei­ra­te­te er die Wit­we Anna Ger­trud Bos­sel­mann geb. Lucas (1695–1769), im fol­gen­den Jahr starb er am 16.Mai 1750.12


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Otto-Schüller-Denkmal

Otto-Schül­ler-Denk­mal im Jahr 1910. Foto­gra­fie im Besitz des Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­eins.

Am 28.April 1902 weih­te der Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein in den unte­ren Bar­mer Anla­gen in Anwe­sen­heit des Bar­mer Ober­bür­ger­meis­ters Dr.Lentze das Denk­mal für Otto Schül­ler ein. Die­ser wur­de am 5.Oktober 1829 in Bar­men gebo­ren und spä­ter “Chef eines bedeu­ten­den Com­mis­si­ons- und Export­ge­schäf­tes”, das sei­nen Namen trug. 1867 wur­de er zum Stadt­ver­ord­ne­ten gewählt, 1869 wur­de er Bei­ge­ord­ne­ter. Die­ses Amte übte bis in das Jahr sei­nes Todes aus und wur­de auf eige­nen Wunsch am 28.März 1899 ent­las­sen. Zu die­sem Anlass wur­de er zum Ehren­bür­ger ernannt. Vom preu­ßi­schen König erhielt er den Roten Adler Orden IV.Klasse und den Kro­nen­or­den III.Klasse. Seit der Grün­dung des BVV 1864 gehör­te er die­sem an und stand ihm vie­le Jah­re als Vor­sit­zen­der vor. Am 30.November 1899 ver­starb Otto Schül­ler.


Aus­schnitt des obi­gen Bil­des.

Sein lang­jäh­ri­ger Freund und Mit­ar­bei­ter im Vor­stand, Hugo Hoesch, war nur weni­ge Mona­te zuvor gestor­ben und hat­te in sei­nem Tes­ta­ment Mit­tel für die Errich­tung eines Denk­mals bereit­ge­stellt. Die Kos­ten von 4000 Gold­mark für die Büs­te aus wei­ßem Marmor.vom Bild­hau­er Wil­helm Gies­ecke und für das Pos­ta­ment aus wei­ßem Seye­nit vom Bild­hau­er Adolf Bröck­ler wur­den davon zu drei Vier­teln gedeckt.


Die Inschrift auf dem Pos­ta­ment lau­te­te:
“Otto Schül­ler
Ehren­bür­ger
der
Stadt Bar­men
Vor­sit­zen­der
des
Ver­schö­ne­rungs-
ver­eins
1880–1899”
Ober­bür­ger­meis­ter Dr.Lentze erklär­te in sei­ner Anspra­che zur Ein­wei­hung des Denk­mals, wel­ches öst­lich des Weges lag, der die bei­den Tei­che trennt:
“Möge das Bild­nis von Otto Schül­ler einem Jeden der zahl­lo­sen Besu­cher unse­rer Anla­gen zum Bewußt­sein brin­gen, daß hier Alles aus Bür­ger­sinn und unei­gen­nüt­zi­ger Arbeit im Diens­te der Gesammtheit[sic!] geschaf­fen ist, möge sein Anblick einen Jeden zu ähn­li­chem Thun begeis­tern und vor allen Din­gen die kom­men­den Geschlech­ter anfeu­ern, es ihm gleich zu thun in der selbst­lo­sen Arbeit und Sor­ge für das Gemein­wohl!”

1946 wur­de das Denk­mal, das den Welt­krieg über­stan­den hat­te, zer­stört. Im August 1953 fand man bei Rei­ni­gungs­ar­bei­ten im Schlamm des was­ser­lo­sen Tei­ches den Kopf und brach­te ihn am Denk­mal wie­der an. Im April 1957 kam es erneut zu einer Atta­cke auf das Denk­mal, bei der am Hin­ter­kopf der Büs­te Mar­mor abplatz­te. Im Mai 1968 konn­te eine Nach­bil­dung auf dem Pos­ta­ment befes­tigt wer­den. Sie wur­de von Otto Pie­per geschaf­fen. Im Som­mer 1983 wur­de das Denk­mal so zer­stört, dass eine erneu­te Instand­set­zung nicht in Fra­ge kam.1


Res­te der Umfrie­dung des Denk­mals?

Offenes Quadrat II (AIDS-Denkmal)

Offe­nes Qua­drat II.

Am 31.Oktober 1997 voll­ende­te Ober­bür­ger­meis­ter Hans Kre­men­dahl das “Offe­ne Qua­drat II”. Die­se Instal­la­ti­on auf dem Wil­ly-Brandt-Platz in Elber­feld erin­nert an 41 (1997 nur 37) Men­schen, die in Wup­per­tal, Solin­gen und Rem­scheid an AIDS gestor­ben sind. Initi­iert hat­te das Pro­jekt “Namen und Stei­ne” 1992 die Deut­sche AIDS-Stif­tung in Bonn  zusam­men mit dem Künst­ler Tom Fecht.1 Zum 10jährigen Bestehen der Wup­per­ta­ler AIDS-Hil­fe ent­schloss sich der Ver­ein die­se Instal­la­ti­on auch nach Wup­per­tal zu holen. Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl hat­te die Schrim­herr­schaft über­nom­men, über 40 Pri­vat-und Geschäfts­leu­te ermög­lich­ten mit ihren Spen­den und ihrer Arbeits­kraft die Aus­füh­rung des Pro­jekts.2


Die Inschrift auf einem Stein: “Mémoi­re nomade/ Namen und Steine/ Wup­per­tal 1997”

Zusam­men mit den Ange­hö­ri­gen setz­te der Ober­bür­ger­meis­ter den letz­ten Stein und erklär­te, das die Form des Geden­kens den Ver­stor­be­nen wür­dig sei. Er ver­sprach sich wei­ter für die Betrof­fe­nen und die Besei­ti­gung der Miss­stän­de bei der ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung ein­zu­set­zen. Micha­el Jäh­me von der Wup­per­ta­ler AIDS-Hil­fe bedank­te sich bei den Unter­stüt­zern dafür, dass das Pro­jekt durch­ge­führt wer­den konn­te.3 Im Okto­ber 2000 wur­den vier wei­te­re Stei­ne dem Denk­mal hin­zu­ge­fügt. 4


Metall­pla­ket­te am Denk­mal.

Eine klei­ne metal­le­ne Pla­ket­te erklärt die Instal­la­ti­on:

Offe­nes Qua­drat II
Wup­per­tal 1997
Die­se Instal­la­ti­on erin­nert an Men­schen,
die an AIDS ver­stor­ben sind.
Sie ist Teil des Pro­jek­tes
“Denk­raum NAMEN und STEINE
der Deut­schen AIDS_Stiftung Bonn und
des Künst­lers Tom Fecht.
AIDS-Hil­fe Wup­per­tal e.v.

Die­se Tafel wur­de von der Bay­er AG finan­ziert.”

Veranstaltungsreihe: Konsumtempel und Ort der Moderne — 100 Jahre Warenhaus Tietz in Wuppertal

Am mor­gi­gen Sams­tag, den 14.April 2012, star­tet um 11 Uhr an der Nord­fas­sa­de des Kauf­hofs (Neumarktstraße/Genügsamkeitsstraße) die Ver­an­stal­tungs­rei­he “Kon­sum­tem­pel und Ort der Moder­ne — 100 Jah­re Waren­haus Tietz in Wup­per­tal” der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge mit der Eröff­nung eines ganz beson­de­ren Schau­fens­ters, in dem Pro­duk­te aus dem Waren­haus Tietz aus­ge­stellt wer­den. Die Mehr­zahl stammt aus dem Besitz von Pri­vat­per­so­nen aus Wup­per­tal und Umge­bung. Das Aus­stel­lungs­schau­fens­ter (“Schön ein­kau­fen bei Tietz”) ist bis zum 27.April zu sehen.

Am 12.April 1912 eröff­ne­te die Leon­hard Tietz AG am Neu­markt ihre präch­ti­gen Neu­bau, der heu­te noch der GALERIA Kauf­hof als Stand­ort für ihr Kauf­haus dient. Das Elber­fel­der Waren­haus galt bei sei­ner Ein­wei­hung neben dem 1909 errich­te­ten Bau in Düs­sel­dorf als das größ­te und bedeu­tends­te Waren­haus in Deutsch­land. Leon­hard Tietz (1849–1914) war 1889 aus Stral­sund nach Elber­feld gekom­men, wo er sein ers­tes Geschäft grün­de­te und eine revo­lu­tio­nä­re Idee ent­wi­ckel­te: Waren­häu­ser, die einem brei­ten Publi­kum Zugang zum Kon­sum einer brei­ten Waren­viel­falt ermög­lich­te — zu fes­ten Prei­sen, ohne Kauf­zwang, mit der Mög­lich­keit Waren umzu­tau­schen. Nach dem Macht­an­tritt der Natio­nal­so­zia­lis­ten wur­de das Unter­neh­men, des­sen Grün­der und eini­ge Vor­stand­mit­glie­der jüdi­schen Glau­bens waren, “ari­siert” und als “West­deut­sche Kauf­hof AG” neu­eröff­net und fort­ge­führt.
Mit zahl­rei­chen Part­nern erin­nert die Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge vom 14. bis zum 27.April 2012 in ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen an die­ses wich­ti­ge Kapi­tel deutsch-jüdi­scher (Stadt-)Geschichte.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es auf der Home­page der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge.

Der Jubiläumsbrunnen auf dem Neumarkt

Der Jubi­lä­ums­brun­nen auf dem Neu­markt.

Als der Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein im Jahr 1895 sein 25jähriges Jubi­lä­um fei­er­te, stell­te er in den Anla­gen am Mir­ker Hain und am Fried­richs­berg Denk­mä­ler auf. Aber der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein hat­te noch mehr vor: Unter dem Vor­sitz des För­de­rers August von der Heydt ent­schied man sich dazu, der Stadt Elber­feld einen acht Meter hohen Monu­men­tal-Brun­nen nach Tri­es­ter Vor­bild zu schen­ken. Als Stand­ort wähl­te man den Neu­markt, wo der Bau des neu­en Rat­hau­ses geplant wur­de. Im Janu­ar 1900 ent­schie­den die Stadt­vä­ter, dass der Brun­nen nahe des Haupt­ein­gangs an der Ach­se der Fried­rich­stra­ße auf­ge­stellt wer­den soll­te.


Mee­resun­ge­heu­er und Mee­res­ni­xe.

Detail des Brun­nens.

Als Bild­hau­er enga­gier­te man den Düs­sel­dor­fer Leo Müsch, der 1888 bereits die Kai­ser­re­liefs des Cro­nen­ber­ger Drei­kai­ser­turms geschaf­fen hat­te. Als der 12 1/2 Meter hohe Brun­nen dann am 25.September 1901 zum ers­ten Mal sein Aus­se­hen ver­riet, da zum Abschluss der Arbei­ten die schüt­zen­de Hül­le ent­fernt wur­de, kam es zu einem Skan­dal.


Noch ein Mee­resun­ge­heu­er.

Der 3 Meter gro­ße Nep­tun mit Drei­zack.

In dem Brun­nen aus rotem Main­sand­stein mit sei­nem 8m gro­ßen geschwun­ge­nen Becken und dem drei­stu­fi­gen Auf­bau, den Nep­tun krön­te, tum­mel­ten sich Meer­göt­ter, Nixen, Tri­to­ne, Put­ten, Del­fi­ne und See­unge­heu­er, deren Geschlecht unver­hüllt war. Die Männ­lich­keit eini­ger Figu­ren war deut­lich sicht­bar. Die Kir­chen und Mora­lis­ten lie­fen Sturm gegen den Brun­nen und schließ­lich wur­den die Stei­ne des Ansto­ßes mut­wil­lig zer­stört. Der Bild­hau­er ersetz­te sie dar­auf­hin durch Arkan­thus­blät­ter, doch noch immer schwoll die Wut und der Abriß des Brun­nens wur­de gefor­dert. Viel Kri­tik rich­te­te sich auch gegen die Per­son des Frei­herrn von der Heydt und des­sen Moral. Die Pro­tes­te for­der­ten natür­lich Wider­spruch her­aus und eine hit­zi­ge Debat­te wur­de in der Stadt geführt.


Ein Mee­res­gott ohne Geschlechts­merk­ma­le.

Am 28.Oktober 1901 über­gab man den Brun­nen ohne beson­de­re Fei­er oder Ein­wei­hung der Öffent­lich­keit, am 4.Februar 1902 ent­schied die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung mit 17 zu 13 Stim­men, dass der Sta­tus Quo auf­recht erhal­ten wer­den soll­te, um weder der einen, noch der ande­ren Sei­te durch eine Ver­än­de­rung neue Gele­gen­heit zum Pro­test zu geben. Eine Eini­gung war nicht zu erwar­ten.1


Eine Bron­ze­ka­tu­sche am Becken­rand.

Eine bron­ze­ne Katu­sche ent­hält fol­gen­de Inschrift:

“Gestif­tet
von dem Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein
zur Erin­ne­rung
an die Fei­er des 25 jäh­ri­gen Bestehens
23.Mai 1895”

Eine wei­te­re klei­ne Bron­ze­ta­fel ver­kün­det: “Leo Müsch fec. Düs­sel­dorf 1901”

Im Herbst 1965 wur­de der Brun­nen instand gesetzt und saniert.2

Gedenktafel für die Ronsdorfer Opfer des Nationalsozialismus

Am 20. Novem­ber 1994, es war Toten­sonn­tag, weih­te die Ober­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Wup­per­tal, Ursu­la Kraus, zusam­men mit dem Vor­ste­her der Bezirks­ver­tre­tung Rons­dorf, Win­fried Ahrenz, eine klei­ne Gedenk­ta­fel am Rons­dor­fer Ver­wal­tungs­haus ein. Sie erin­nert an die­je­ni­gen Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus, die in Rons­dorf leb­ten oder aus Rons­dorf kamen.1Die Vor­ge­schich­te der Gedenk­ta­fel begann acht Jah­re  zuvor. Damals hat­te die Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes — Bund der Anti­fa­schis­tin­nen und Anti­fa­schis­ten (VVN-BdA e.V.) bean­tragt, eine Stra­ße nach dem Wider­stands­kämp­fer und Mit­glied der KPD Eugen Schwe­bing­haus zu benen­nen. Die Rons­dor­fer Bezirks­ver­tre­tung ent­sprach die­sem Antrag trotz eines Rats­be­schlus­ses vom 13.Juli 1992 nicht.2 Am 3. Mai 1993 beschloss die Bezirks­ver­tre­tung dann die Anbrin­gung einer Gedenk­ta­fel mit den Stim­men von SPD, FDP und Bünd­nis ’90 Die Grü­nen. Die CDU ent­hielt sich, da sie mit der nament­li­chen Nen­nung der Opfer nicht ein­ver­stan­den war. Der Per­so­nen­kreis war auf die Zeit der Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft beschränkt wor­den, sodass Deser­teu­re und Opfer, die spä­ter an den Fol­gen einer Haft­stra­fe gestor­ben waren, nicht berück­sich­tigt wur­den. Grund­sätz­lich, so beton­te die CDU, sei man für die Gedenk­ta­fel, nur nicht in dem Wort­laut.3 Die Bezirks­ver­tre­tung kal­ku­lier­te 20.000 DM an Kos­ten für Tafel. Im April 1994 beschied dann die Ver­wal­tung, dass dafür kein Geld vor­han­den sei. Man rich­te­te ein Spen­den­kon­to ein und ein neu­er Kos­ten­vor­anschlag ging nur noch von 2.000 DM Kos­ten aus.4 Beson­ders die Mit­glie­der der Natur­freun­de und der VVN-BdA hal­fen die Gedenk­ta­fel zu finan­zie­ren, wie Ursu­la Kraus am Tag der Ein­wei­hung fest­stell­te.5
Die Gedenk­ta­fel für die Rons­dor­fer Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus

Die Inschrift lau­tet:

“Zur Erin­ne­rung an die Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen
Gewalt­herr­schaft in den Jah­ren von 1933 bis 1945Aus Rons­dorf wur­den in den Gefäng­nis­sen und
Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ermor­det:

Die drei jüdi­schen Fami­li­en
Leff­mann — Löwen­thal — Vogel

sowie
Karl Blä­cker — Hugo Ebbing­haus
Otto Kut­schat — Eugen Schwe­bing­haus
Robert Stamm — Paul Weg­mann

Den Opfern zum Geden­ken — den Leben­den zur Mah­nung”


Im ursprüng­li­chen Beschluss zur Gedenk­ta­fel waren die sechs Wider­stands­kämp­fer noch mit “Herr” titu­liert und der Text der Tafel ende­te mit “Bezirks­ver­tre­tung Wup­per­tal”. Dies wur­de nach­träg­lich noch geän­dert.6


Der 81jährge Moses Löwen­thal wur­de mit Emi­lie und Regi­na Leff­man im Juli 1942 ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger The­re­si­en­stadt depor­tiert und dort ermor­det. Löwent­hals Toch­ter Sel­ma Frank wur­de im glei­chen Jahr ins KZ Ravens­brück gebracht und spä­ter in Ausch­witz getö­tet. Sein Sohn Fritz war bereits 1941 mit sei­ner Frau Flo­ra und den Kin­dern Ruth (9 Jah­re alt) und Man­fred (6 Jah­re alt) ins Ghet­to Lodz ver­bracht wor­den. Sie kehr­ten nicht zurück. Leo Ley Löwen­thal ist nach sei­ner Depor­ta­ti­on nach Minsk im Jahr 1944 ver­schol­len, eben­so wie die 70jährige Rons­dor­fe­rin Rosa­lie Vogel. Im Novem­ber 1941 waren bereits Käthe und Hele­ne Gla­ser, Hele­ne Marx geb .Leff­mann und ihre Kin­der Lot­te und Rolf, Hele­ne Wolf und Johan­na und Hugo Roth­schild nach Lodz depor­tiert wor­den.7


Karl Blä­cker (*1879) war bis 1929 Stadt­ver­ord­ne­ter der KPD8 und wur­de, nach­dem er im KZ Kem­na war, zu acht Mona­ten Gefäng­nis­haft ver­ur­teilt. Anschlie­ßend wur­de er ins KZ Dach­au ver­bracht, wo er 1945, weni­ge Woche vor Ein­tref­fen der Ame­ri­ka­ner, ermor­det wur­de.9


Hugo Ebbing­haus (*1884 in Lüttring­hau­sen) war gelern­ter Band­wir­ker und wuchs in Rons­dorf auf. Er wur­de nach dem 30. Janu­ar 1933 ver­haf­tet und durch­leb­te im KZ Kem­na ein Mar­ty­ri­um. Er wohn­te bis zu sei­ner zwei­ten Ver­haf­tung im Febru­ar 1943 in der Rem­schei­der Stra­ße. Am 17. August 1944 wur­de er in Wup­per­tal zu acht Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Das KPD-Mit­glied starb beim Trans­port nach der Auf­lö­sung des Zucht­hau­ses Cos­wig an der Elbe. Sein Todes­da­tum und -ort sind unbe­kannt.10


Otto Kut­schat [auch Kutz­schat geschrie­ben, sie­he 11 und 12] (*1888) wur­de als KPD-Funk­tio­när 1935 zu zehn Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt und kam ins KZ Neu­en­gam­me. Er starb auf der Cap Arco­na nach der Eva­ku­ie­rung des KZs, die am 3. Mai 1945 tor­pe­diert wur­de und sank.13


Eugen Schwe­bing­haus (*1906 [8]) war Mit­glied der KPD und Wider­stands­kämp­fer. Nach der “Macht­er­grei­fung” tauch­te er unter und orga­ni­sier­te in Düs­sel­dorf die Arbeit der ver­bo­te­nen KPD. 1934 emi­grier­te er nach Frank­reich, 1936 kämpf­te er im spa­ni­schen Bür­ger­krieg gegen Fran­co. Spä­ter lei­te­te er die KPD-Aus­lands­or­ga­ni­sa­ti­on in Hol­land.14 Am 23.April 1943 wur­de er in Ams­ter­dam ver­haf­tet und vom Volks­ge­richts­hof 1944 ver­ur­teilt. Am 24.August 1944 wur­de Schwe­bing­haus in Bruch­sal hin­ge­rich­tet.15 Ein Bild von ihm fin­det sich auf www.gedenkbuch-wuppertal.de


Robert Stamm (*1900) war jüngs­ter Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter der KPD. Der Wider­stands­kämp­fer wur­de Ende 1936 ver­haf­tet und am 4.November 1937 in Ber­lin-Plöt­zen­see hin­ge­rich­tet.16 Eine aus­führ­li­che­re Bio­gra­phie und eine Foto­gra­fie fin­det sich auf der Home­page der Gedenk­stät­te Deut­scher Wider­stand.


Paul Weg­mann (*1889) war Sohn eines Band­wir­kers und ergriff den Beruf des Mecha­ni­kers. Schon früh ging er nach Ber­lin und wur­de dort 1918 in den Voll­zugs­rat des Arbei­ter- und Sol­da­ten­ra­tes gewählt. Spä­ter war er Mit­glied des Preu­ßi­schen Land­tags. Er war zunächst Anhän­ger der USPD, dann der KPD und spä­ter der SPD. 1934 wur­de er fest­ge­nom­men und nach kur­zer Zeit auf frei­em Fuß wie­der der Frei­heit beraubt. Nach neun Jah­ren Haft starb er am 3.April 1945 im KZ Ber­gen-Bel­sen, zwölf Tage vor der Befrei­ung durch die Eng­län­der.17

Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus, die ihre Rede mit dem Mahn­ruf der Frau­en von Ravens­brück begann (“Wenn ihr uns ver­gesst, war unser Ster­ben umsonst.”) mahn­te, man dür­fe auch wei­te­re Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Rons­dorf, wie Zwangs­ar­bei­ter und deser­tier­te Wehr­machts­sol­da­ten, nicht ver­ges­sen.18


Nach dem Umbau des Band­wir­ker­plat­zes (Ein­wei­hung 2007) und dem Abriss des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des wur­de die Tafel an der Stützwand an der Staats­stra­ße ange­bracht.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te