Armenpflege-Denkmal (1903)

Das Armen­pfle­ge­denk­mal, der Kirch­platz und die refor­mier­te Kir­che. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1928, S.13. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Es war der 24.September 1903, als bei strah­len­dem Son­nen­schein eine fest­li­che Men­ge Elber­fel­der Bür­ger Zeu­ge wur­de, wie das Armen­pfle­ge-Denk­mal auf dem Kirch­platz neben der alten refor­mier­ten Kir­che (heu­te City-Kir­che genannt) im Her­zen Elber­felds ein­ge­weiht wur­de. Das Denk­mal war den drei Män­nern gewid­met, die das “Elber­fel­der Sys­tem” geschaf­fen hat­ten: Dani­el von der Heydt, David Peters und Gus­tav Schlie­per. Das Elber­fel­der Sys­tem war eine Reak­ti­on auf die Ent­wick­lung Elber­felds zur Indus­trie­stadt und soll­te ab 1853 die Armen­ver­wal­tung der Stadt refor­mie­ren. Man dezen­tra­li­sier­te die Ver­wal­tung und setz­te in der Betreu­ung der Armen auf vie­le ehren­amt­li­che Armen­pfle­ger, die ihre weni­gen Kli­en­ten gut betreu­en konn­ten.


Das Armen­pfle­ge­denk­mal. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S.49. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Die Stadt Elber­feld hat­te zum 50jährigen Jubi­lä­um die­ses von vie­len Städ­ten über­nom­me­nen Sys­tems einen Wett­be­werb aus­ge­schrie­ben, bei dem der Ent­wurf “Hül­f­reich und gut” des Ber­li­ner Bild­hau­ers Wil­helm Neu­mann-Tor­borg den zwei­ten Platz errang und mit leich­ten Ände­run­gen zur Aus­füh­rung bestimmt wur­de. Neu­mann-Tor­borg schuf im glei­chen Jahr das Bar­mer Dör­pfeld-Denk­mal. Teil der Wett­be­werbs­be­din­gun­gen war, dass das Denk­mal Bild­nis­se der drei Grün­der ent­hal­ten und die Armen­pfle­ge aus­drü­cken soll­te. Inklu­si­ve der Kos­ten für das Fun­da­ment soll­ten die Kos­ten nicht mehr als 15.000 Mark betra­gen. Eben­falls an dem Wett­be­werb teil­ge­nom­men hat­ten Wil­helm Alber­mann aus Köln, Gus­tav Eber­lein und Lud­wig Bru­now aus Ber­lin.


Das Armen­pfle­ge-Denk­mal auf einer Foto­gra­fie unbe­kann­ten Datums. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6

Das Denk­mal auf dem ca. zwei Meter hohen Gra­nit­so­ckel zeigt eine Frau­en­gestalt, die einen gebückt sit­zen­den Greis mit einer Spei­se labt. Am Sockel fan­den sich drei Bron­ze­re­li­efs der Begrün­der des Elber­fel­der Sys­tems, auf der Rück­sei­te war fol­gen­de, von der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung fest­ge­leg­te Inschrift ange­bracht:

“Den Begrün­dern der Neu­ord­nung
des Armen­we­sens
in dank­ba­rer Erin­ne­rung
errich­tet von der Stadt
Elber­feld
1853–1903“1
Die Reli­efs (ohne die sie umge­ben­den Orna­men­te) von Gus­tav Schlie­per, Dani­el von der Heydt, David Peters. Ent­nom­men aus RMK, S.138, dor­ti­ge Quel­len­an­ga­be: “Samm­lung Stadt­ar­chiv”

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den die Figu­ren­grup­pe und die Reli­efs ein­ge­schmol­zen. Gerüch­te, sie hät­te an einem Ver­steck den Krieg über­lebt, haben sich nicht bestä­tigt. Der Sockel wur­de aller­dings auf dem Platz ein­ge­gra­ben und dient heu­te wie­der unter dem 2011 neu­en Armen­pfle­ge-Denk­mal. Zur Erin­ne­rung an das zer­stör­te Denk­mal und das Elber­fel­der Sys­tem wur­de 1973 eine Gedenk­ta­fel an der Nord­wand der City-Kir­che ange­bracht. Außer­dem exis­tiert bis heu­te im His­to­ri­schen Zen­trum ein Bron­ze-Modell des Denk­mals, das 1903 von Frau Aders gestif­tet wor­den war.

Fußnoten:

  1. RMK, S. 137–139.