Helene-Stöcker-Denkmal

Das Hele­ne-Stö­cker-Denk­mal vor der VHS.

Am 30. Mai 2014 wur­de vor der Volks­hoch­schu­le in der Auer Schul­stra­ße von Ober­bür­ger­meis­ter Peter Jung ein Denk­mal ein­ge­weiht, das Hele­ne Stö­cker gewid­met ist. Eine eher unbe­kann­te Per­son wird hier sicht­bar gemacht — im Gegen­satz zu Husch-Husch oder Fried­rich Engels, die eben­falls in Bron­ze gegos­sen nun im Stadt­bild ihren Platz erhal­ten haben.1


Dr. Hele­ne Stö­cker.

Am 13. Novem­ber 1869 wur­de Hele­ne Stö­cker in Elber­feld gebo­ren, ihre Eltern waren der Tex­til­fa­bri­kant Lud­wig Stö­cker und sei­ner Frau Hul­da. Von 1879 bis 1889 besuch­te sie die städ­ti­sche Höhe­re-Töch­ter-Schu­le, ab 1892 absol­vier­te sie ein Leh­re­rin­nen­se­mi­nar in Ber­lin und trat dort der Deut­schen Frie­dens­ge­sell­schaft bei, die von Ber­tha von Sutt­ner gegrün­det wor­den war. Nach dem erfolg­reich abge­schlos­se­nen Leh­re­rin­nen­se­mi­nar ver­öf­fent­lich­te sie 1893 ihren ers­ten Auf­satz und ent­wi­ckel­te das Leit­bild einer selbst­be­wuß­ten, wirt­schaft­lich unab­hän­gi­gen und dem Mann in kei­ner Wei­se unter­ge­ord­ne­ten Frau. 1896 begann sie, nach­dem dies nun mög­lich war, ein Stu­di­um der Lite­ra­tur­ge­schich­te, Phi­lo­so­phie und Natio­nal­öko­no­mie und grün­de­te den “Ver­ein Stu­die­ren­der Frau­en”. Ihr Stu­di­um been­de­te sie nach einer Zwi­schen­sta­ti­on in Glas­gow 1898/99 im Jahr 1901 an der Uni­ver­si­tät Bern mit der Pro­mo­ti­on.


Am 5. Janu­ar 1905 grün­de­te Dr. Hele­ne Stö­cker mit Ver­tre­te­rin­nen der pro­le­ta­ri­schen Frau­en­be­we­gung den “Bund für Mut­ter­schutz und Sexu­al­re­form”, mit dem Ziel Vor­ur­tei­le gegen­über ledi­gen Müt­tern und deren Kin­dern abzu­bau­en. Im sel­ben Jahr lern­te sie den Ber­li­ner Rechts­an­walt Bru­no Sprin­ger ken­nen und leb­te mit ihm bis zu sei­nem Tode 1931 zusam­men — ohne ihn zu hei­ra­ten. In der Zeit­schrift “Die neue Gene­ra­ti­on” (bis 1908 noch unter dem Namen “Mut­ter­schutz”), die sie ab 1905 her­aus gab, plä­dier­te sie für ihre “neu­en Ethik der Lie­be”, deren Grund­la­ge das Selbst­be­stim­mungs­recht der Frau über ihren Kör­per und ihre Sexua­li­tät bil­det. Die Lie­be und nicht die Ehe stell­te ihrer Ansicht nach die ein­zig legi­ti­me Basis jeder sexu­el­len Bezie­hung dar. Im Ers­ten Welt­krieg wur­de Hele­ne Stö­cker zur radi­ka­len Pazi­fis­tin. In der Wei­ma­rer Repu­blik war sie Mit­glied zahl­rei­cher Ver­bän­de und Ver­ei­ni­gun­gen, die sich für Frie­den und Frau­en­rech­te ein­setz­ten. 1933 emi­grier­te sie nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten nach Zürich. Die Natio­nal­so­zia­lis­ten erkann­ten ihr die Staats­bür­ger­schaft ab und zer­stör­ten ihre zurück­ge­las­se­nen Manu­skript­kis­ten. Via Schwe­den und die Sowjet­uni­on wan­der­te Stö­cker 1940/1941 in die USA aus und arbei­te­te dort an ihrer Auto­bio­gra­phie. Sie starb vor deren Voll­endung am 23. Febru­ar 1943 in New York.2


Das Denk­mal

Die Skulp­tur geht auf einen Ent­wurf der bekann­ten, 2012 ver­stor­be­nen Wup­per­ta­ler Bild­haue­rin Ulle Hees zurück, die zahl­rei­che Denk­mä­ler in Wup­per­tal gestal­te­te. Aus­ge­hend von einer Gips­skulp­tur Hees’ schuf der Wup­per­ta­ler Bild­hau­er Frank Brei­den­bruch ein Ton­mo­dell, sodass das Denk­mal von der Gie­ße­rei Loti­to in Köln gegos­sen wer­den konn­te. Die Armin-T.-Wegner-Gesell­schaft sam­mel­te 50.000 €, um das Denk­mal zu ver­wirk­li­chen.3


Detail

Detail

Das Denk­mal zeigt eine schma­le Per­son, die sich auf Bücher stützt, von ihnen getra­gen oder gleich­sam mit ihnen ver­wach­sen, mit Dok­tor­hut und ver­schie­de­nen Nischen und Details, die Hele­ne Stö­cker beschrei­ben zum Bei­spiel das Sym­bol des Pazi­fis­mus und der Frau.


Die Rück­sei­te des Denk­mals

Auf der Rück­sei­te der Figur ist in einer klei­nen Klap­pe auch ein Gruß an Ulle Hees ver­steckt, als Hom­mage an die Schöp­fe­rin des Denk­mals.


Der Gruß an Ulle Hees.

 

Die in das Pflas­ter ein­ge­las­se­ne Gedenk­ta­fel erklärt:

Dr. Hele­ne Stö­cker
Phi­lo­so­phin der Lie­be
Frau­en­recht­ler­ein
Sexu­al­re­for­me­rin
Pazi­fis­tin

Ste­le von Ulle Hees und Frank Brei­den­bruch
Auf Initia­ti­ve der Armin T. Weg­ner Gesell­schaft e.V.
und
Geschich­te Gestal­ten”


Inschrift an der Skulp­tur

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt gibt es unter: www.helenestöcker-denkmal.de


Fußnoten:

  1. Anne Gra­ges, Hele­ne Stö­cker: Eine Ste­le für die Phi­lo­so­phin der Lie­be, in: WZ-online vom 31. Mai 2014.
  2. Bio­gra­fie Hele­ne Stö­cker, Leben­di­ges Muse­um Online, Deut­sches His­to­ri­sches Muse­um Ber­lin (abge­ru­fen am 15. Juni 2014).
  3. Tan­ja Heil, Hele­ne Stö­cker wird ein Denk­mal gesetzt, in: WZ-online vom 12. März 2014.