Offenes Quadrat II (AIDS-Denkmal)

Offe­nes Qua­drat II.

Am 31.Oktober 1997 voll­ende­te Ober­bür­ger­meis­ter Hans Kre­men­dahl das “Offe­ne Qua­drat II”. Die­se Instal­la­ti­on auf dem Wil­ly-Brandt-Platz in Elber­feld erin­nert an 41 (1997 nur 37) Men­schen, die in Wup­per­tal, Solin­gen und Rem­scheid an AIDS gestor­ben sind. Initi­iert hat­te das Pro­jekt “Namen und Stei­ne” 1992 die Deut­sche AIDS-Stif­tung in Bonn  zusam­men mit dem Künst­ler Tom Fecht.1 Zum 10jährigen Bestehen der Wup­per­ta­ler AIDS-Hil­fe ent­schloss sich der Ver­ein die­se Instal­la­ti­on auch nach Wup­per­tal zu holen. Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl hat­te die Schrim­herr­schaft über­nom­men, über 40 Pri­vat-und Geschäfts­leu­te ermög­lich­ten mit ihren Spen­den und ihrer Arbeits­kraft die Aus­füh­rung des Pro­jekts.2


Die Inschrift auf einem Stein: “Mémoi­re nomade/ Namen und Steine/ Wup­per­tal 1997”

Zusam­men mit den Ange­hö­ri­gen setz­te der Ober­bür­ger­meis­ter den letz­ten Stein und erklär­te, das die Form des Geden­kens den Ver­stor­be­nen wür­dig sei. Er ver­sprach sich wei­ter für die Betrof­fe­nen und die Besei­ti­gung der Miss­stän­de bei der ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung ein­zu­set­zen. Micha­el Jäh­me von der Wup­per­ta­ler AIDS-Hil­fe bedank­te sich bei den Unter­stüt­zern dafür, dass das Pro­jekt durch­ge­führt wer­den konn­te.3 Im Okto­ber 2000 wur­den vier wei­te­re Stei­ne dem Denk­mal hin­zu­ge­fügt. 4


Metall­pla­ket­te am Denk­mal.

Eine klei­ne metal­le­ne Pla­ket­te erklärt die Instal­la­ti­on:

Offe­nes Qua­drat II
Wup­per­tal 1997
Die­se Instal­la­ti­on erin­nert an Men­schen,
die an AIDS ver­stor­ben sind.
Sie ist Teil des Pro­jek­tes
“Denk­raum NAMEN und STEINE
der Deut­schen AIDS_Stiftung Bonn und
des Künst­lers Tom Fecht.
AIDS-Hil­fe Wup­per­tal e.v.

Die­se Tafel wur­de von der Bay­er AG finan­ziert.”

Gedenktafel für Oswald Laufer

Am 7. März 1933 wur­de in Elber­feld der 27jährige Oswald Lau­fer ermor­det. Der jun­ge Deut­sche jüdi­schen Glau­bens, Sozi­al­de­mo­krat und Mit­glied des Reichs­ban­ners Schwarz-Rot-Gold ver­ließ zwi­schen Mit­tag1 und frü­hem Abend2 das Geschäft sei­nes Vaters Simon an der Wil­helm­stra­ße. Von der Klotz­bahn aus lau­er­ten ihm fünf SA-Män­ner des “Mord-Stur­mes August Pup­pes” auf und erschos­sen ihn. Zwei Kame­ra­den vom Reichs­ban­ner brach­ten ihn sofort ins Kran­ken­haus, wo nur noch der Tod des Demo­kra­ten fest­ge­stellt wer­den konn­te. Er war das ers­te von min­des­tens 20 Opfern, die in die­sem Jahr durch den Ter­ror des NS-Regimes in Wup­per­tal ster­ben muss­ten.3
Eine aus­führ­li­che­re Bio­gra­fie fin­det sich auf www.gewerkschaftsprozesse.de
Erst nach dem Krieg wur­den zwei der fünf Täter zur Rechen­schaft gezo­gen. Wil­li Schnei­der und Erich Wohl­ge­muth wur­den zu 1948 zu fünf und vier Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt.4
Die Gedenk­ta­fel für Oswald Lau­fer.

Die Eltern Lau­fers über­leb­ten den Holo­caust nicht, nur sei­ne Schwes­ter Rosa konn­te mit ihrem Mann und den Kin­dern recht­zei­tig in die USA flüch­ten. Am 7.März 1998, 63 Jah­re nach dem Tod Oswald Lau­fers, wur­de in Anwe­sen­heit sei­nes Nef­fen, Prof.Dr. Gerd Kor­man, der aus den USA ange­reist war, die Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an den Mord durch Wolf­gang Ebert, Vor­sit­zen­der der Wup­per­ta­ler SPD, ent­hüllt. Der eben­falls Anwe­sen­de Minis­ter­prä­si­dent Johan­nes Rau mahn­te: “Wenn wir die Erin­ne­rung an die nicht wach­hal­ten, die Demo­kra­ten waren, dann wer­den wir die Demo­kra­tie nicht erhal­ten kön­nen.” 5 Prof.Dr. Kor­man erin­ner­te in einer kur­zen Anspra­che an das Leben und Wir­ken sei­nes Onkels. Der Kon­takt zwi­schen ihm und der SPD war über die Lei­te­rin der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge, Dr.Ulrike Schra­der, zustan­de gekom­men.6


Die Inschrift der Gedenk­ta­fel am Gebäu­de der Rat­haus Gale­rie in der Wil­helm­stra­ße lau­tet:

Oswald Lau­fer

Wup­per­ta­ler Bür­ger,
Jude und Sozi­al­de­mo­krat,
Mit­glied des Reichs­ban­ners
Schwarz-Rot-Gold,
wur­de an die­ser Stel­le
am
7.März 1933
von Ange­hö­ri­gen der SA erschos­sen.
Er war 27 Jah­re alt.

Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei Deutsch­lands
Unter­be­zirk Wup­per­tal”

Oswald Lau­fer ist auf dem jüdi­schen Fried­hof Am Wein­berg bei­gesetzt wor­den.


Ergän­zung vom 8. März 2013:
In der Nacht auf den 7. März 2013 wur­de die Gedenk­ta­fel vor dem 80. Jah­res­tag der Ermor­dung Lau­fers von Neo­na­zis beschmiert. Die Gedenk­fei­er des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gung für die 18 im Jahr 1933 von der SA ermor­de­ten Geg­ner der Natio­nal­so­zia­lis­ten wur­de dadurch zum Glück nicht gestört, die Tafel konn­te recht­zei­tig gerei­nigt wer­den.7


Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung durch die Geheime Staatspolizei

Am 1. Sep­tem­ber 1939 über­fiel das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deutsch­land Polen und ent­fes­sel­te den Zwei­ten Welt­krieg. Am sel­ben Tag wur­de in Wup­per­tal das Poli­zei­prä­si­di­um ein­ge­weiht. 60 Jah­re spä­ter wur­de aus Anlass die­ses Jah­res­ta­ges eine glä­ser­ne Gedenk­ta­fel am Ein­gang ein­ge­weiht, die an die Ver­fol­gung durch die Gehei­me Staats­po­li­zei (Gesta­po) erin­nert, die in die­sem Gebäu­de eine Dienst­stel­le mit 40 Beam­ten bezo­gen hat­te. In den 70 Zel­len des zuge­hö­ri­gen Poli­zei­ge­fäng­nis­ses fol­ter­te und miss­han­del­te die Gesta­po unter Dul­dung der Staats­an­walt­schaft ihre Opfer. Für vie­le waren die Zel­len “War­te­zim­mer des Todes”, so Poli­zei­prä­si­dent Köh­ler, bevor sie in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ermor­det wur­den. Auch ver­brach­ten 64 der 71 Opfer der Mor­de in der Wen­zeln­berg­schlucht hier ihre letz­te Nacht.1

Aus­lö­ser für die Anbrin­gung der Gedenk­ta­fel war eine Ver­an­stal­tung im Saal 300 des Poli­zei­prä­si­di­ums, die die Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge
1997 zur Erin­ne­rung an den Bia­lys­tok-Pro­zess, der in die­sen Räu­men statt­fand,
aus­ge­rich­tet hat­te. Es folg­te ein Gesprächs­kreis auf Initia­ti­ve des Sozi­al­wis­sen­schaft­lers Micha­el Okroy, der zusam­men mit dem Poli­zei­prä­si­den­ten die Auf­stel­lung eines Gedenk­zei­chens vor­an­trieb.2


Die Gedenk­ta­fel am Poli­zei­prä­si­di­um.

Die Inschrift der Gedenk­ta­fel lau­tet:

“Wir wol­len nicht ver­ges­sen!
Am 1.September 1939 wur­de das
neu­erbau­te Poli­zei­prä­si­di­um Wup­per­tal
bezo­gen. Neben dem Poli­zei­ge­fäng­nis
befand sich in die­sem Gebäu­de bis
1945 auch die ört­li­che Dienst­stel­le der
Gehei­men Staats­po­li­zei.
Die Gesta­po inhaf­tier­te, ver­hör­te und
miß­han­del­te hier Men­schen, die aus
poli­ti­schen, reli­giö­sen, ras­sis­ti­schen oder
welt­an­schau­li­chen Grün­den ver­folgt
wur­den. Zu den Opfern gehör­ten Sozi­al-
demo­kra­ten, Kom­mu­nis­ten, Ange­hö­ri­ge
der Kir­chen und ande­rer Reli­gi­ons-
gemein­schaf­ten, Juden, Sin­ti und Roma,
Homo­se­xu­el­le und aus­län­di­sche
Zwangs­ar­bei­ter. Vie­le von Ihnen kamen
von hier direkt in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger.

Zwi­schen 1941 und 1944 organ­sier­te die
ört­li­che Gesta­po sechs Mas­sen­trans­por­te.
Etwa 1.000 jüdi­sche Män­ner, Frau­en und
Kin­der aus Wup­per­tal, Rem­scheid
und Solin­gen und umlie­gen­den Städ­ten
wur­den in Ghet­tos und Ver­nich­tungs­la­ger
depor­tiert und dort ermor­det.

Der Poli­zei­prä­si­dent Wup­per­tal

1.September 1999”


Zur Gedenk­fei­er, die der Ein­wei­hung vor­aus­ging, erschie­nen Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl, Bür­ger­meis­te­rin Woh­lert, der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Bertl (SPD), Ver­tre­ter des Innen­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des und der Bezirks­re­gie­rung, zahl­rei­che Rats­mit­glie­der aus Wup­per­tal, Solin­gen und Rem­scheid, Ver­te­ter der christ­li­chen Kir­chen und der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­de, dar­un­ter der ehe­ma­li­ge lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de Blei­cher, der selbst Opfer des NS-Regimes gewor­den war. Außer­dem erschie­nen Ver­tre­ter des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des, des Lan­des­ver­bands der Sin­ti und Roma, der Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes und Ver­tre­ter der Wach­turm­ge­sell­schaft.3


Poli­zei­prä­si­dent Köh­ler führ­te in sei­ner Rede aus, dass es kei­ne Kon­ti­nui­tät zwi­schen der Poli­zei von damals und der von heu­te gebe. “Mit der dama­li­gen Poli­zei wol­len wir nichts zu tun haben.“4 Den­noch müs­se man sich der eige­nen Geschich­te stel­len und sie nicht mit Tabus bele­gen. Der Anfang der Nazi-Ver­bre­chen geschah in unse­ren Städ­ten und Gemein­den. “Von hier aus die­sem Poli­zei­prä­si­di­um führ­te die Blut­spur direkt die in die Ver­nich­tungs­la­ger”, das sol­le an die­sem Tag in Erin­ne­rung geru­fen wer­den.5


Anschlie­ßend sprach Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl. Er erin­ner­te unter ande­rem dar­an, dass das Gebäu­de in der Nach­kriegs­zeit als Rat­haus fun­gier­te und mit Robert Daum ein Ober­bür­ger­meis­ter die Stadt führ­te, der selbst in den Zel­len der Gesta­po geses­sen hat­te. Gera­de Ange­sichts der Ver­bre­chen, die in die­sem Gebäu­de von Men­schen ver­übt wor­den waren, “ist es so wich­tig, daß wir unse­re Demo­kra­tie nicht selbst­ver­ständ­lich hin­neh­men.” Kre­men­dahl appel­lier­te an die Zuhö­rer sich immer wie­der für die Demo­kra­tie ein­zu­set­zen, in der Hoff­nung, dass sol­che Ver­bre­chen nie wie­der gesche­hen mögen.6


Es folg­te die Anspra­che von Dr.Ulrike Schra­der, Lei­te­rin der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge, die die “qua­li­fi­zier­te” Beschäf­ti­gung des Poli­zei­prä­si­di­ums mit sei­ner NS-Ver­gan­gen­heit begrüß­te und ver­deut­lich­te, dass nur 43 Gesta­po-Beam­te inklu­si­ve der Schreib- und Hilfs­kräf­te eine 400.000 Ein­woh­ner-Stadt über­wa­chen soll­ten. Eine all­um­fas­sen­de Über­wa­chung der Bür­ger in der NS-Zeit hat es nicht gege­ben, auch wenn His­to­ri­ker die so lau­ten­de Insze­nie­rung der Gesta­po unge­prüft lan­ge Jah­re in die Geschichts­er­zäh­lung über­nah­men. Es war ein Mythos. (Um so erschre­cken­der wird inzwi­schen die weit­ver­brei­te­te Denun­zia­ti­on von der For­schung wahr­ge­nom­men, die ja auch im Fall der Cari­tas-Sekre­tä­rin Maria Huse­mann zur Ver­haf­tung führ­te.) Nach die­sem eher all­ge­mei­nen Bemer­kun­gen zur Gesta­po ging Frau Schra­der auf ein­zel­ne Schick­sa­le ein, die sich aus den Akten erschlie­ßen las­sen und beton­te das Wir­ken des Kri­mi­nal­be­am­ten Paul Kre­ber, an den inzwi­schen eine eige­ne Gedenk­ta­fel erin­nert. Sie erin­ner­te an die Lei­tung der Depor­ta­ti­on der Juden durch die Gesta­po und begrüß­te, dass alle Opfer­grup­pen auf der Gedenk­ta­fel ver­tre­ten sei­en und auch lan­ge Zeit dis­kri­mi­nier­te Grup­pen wie Homo­se­xu­el­le oder “Aso­zia­le” nicht län­ger miss­ach­tet wer­den. Aber sie mahn­te auch an, dass die Arbeit der His­to­ri­ker nun erst begin­nen müs­se, um auch am Bei­spiel der Poli­zei­be­hör­den Tabus zu ent­kräf­ten und Kli­schees und Mythen zu erken­nen, damit das Erin­ne­rungs­zei­chen als glaub­wür­dig wahr­ge­nom­men wer­de.7


Die Gedenk­fei­er wur­de vom Kla­ri­net­ten­en­sem­ble des Lan­des­po­li­zei­or­ches­ters NRW beglei­tet. Nach der Gedenk­fei­er folg­te die Ent­hül­lung der Gedenk­ta­fel und eine Kranz­nie­der­le­gung durch den Ober­bür­ger­meis­ter und den Poli­zei­prä­si­den­ten8Hol­ger Ste­phan, “Das Ver­gan­ge­ne ist nie­mals tot”, in: WZ vom 2.9.1999./note] unter musi­ka­li­scher Beglei­tung des Blech­blä­ser­en­sem­bles des Lan­des­po­li­zei­or­ches­ters NRW. Am 1. Dezem­ber 2000 wur­de im Poli­zei­prä­si­di­um eine Gedenk­ta­fel für den Poli­zis­ten Paul Kre­ber ent­hüllt, der wäh­rend des NS-Zeit Sin­ti und Roma vor der Depor­ta­ti­on bewahr­te.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Der Cronenberger Nagelschmied

1992 wur­de der Cro­nen­ber­ger Hei­mat- und Bür­ger­ver­ein stol­ze hun­dert Jah­re alt. Nach­dem die­ses Jubi­lä­um mit der Errich­tung eines Schleif­steins gewür­digt wor­den war, reg­te der CHBV an, dem Schlei­fer-Denk­mal ein Gegen­stück zu errich­ten: Ein Denk­mal für “Obrahm, dem Nagel­schmett”. Die Figur des Nagel­schmieds Abra­ham wur­de vom Cro­nen­ber­ger Mund­art-Dich­ter Robert Lüt­ters (1848–1918) als Sinn­bild für die Cro­nen­ber­ger Klein­ei­sen­in­dus­trie geschaf­fen. Das “Denk­mal des Gewer­be­flei­ßes” soll­te von den Cro­nen­ber­gern über den Kauf von “Bau­stei­nen” finan­ziert wer­den.1


“Obrahm”, der Nagel­schmiedt und sein Gesel­le.

Am 24. März 1993 wur­den in einer beschränk­ten Aus­schrei­bung die Künst­ler Gün­ther The­len, Bern­hard Klein­hans, Bern­hard Guski und Ulla Hees um Ent­wür­fe gebe­ten,2 der Cro­nen­ber­ger Karl-Heinz Dickin­ger lie­fer­te als Anre­gung eine Vor­la­ge.3 Anfang Okto­ber 1993 (laut CHBV am 15.10, aller­dings gab es bereits am 7.10. einen Arti­kel in der Wup­per­ta­ler Rund­schau (s.u.)) fiel die Ent­schei­dung zuguns­ten von Bern­hard Klein­hans,4 aller­dings hat­te nur der Köl­ner Bild­hau­er Gün­ther Thie­len einen wei­te­ren Ent­wurf abge­ge­ben. Mit fünf von sechs Stim­men ent­schied sich das ver­ant­wort­li­che Gre­mi­um für den San­den­hors­te­ner, der die Vor­la­ge stark ver­än­dert hat­te und dem Huf­na­gel­schmied noch einen Gesel­len zur Sei­te stell­te.5 Aller­dings bemän­geln die älte­ren Cro­nen­ber­ger heu­te, dass dabei die Rol­len­ver­tei­lung getauscht wur­de. Nicht der Schmied schwang im his­to­ri­schen Vor­bild den Ham­mer, son­dern der Gesel­le.


Der Schmied.

Es begann anschlie­ßend die Stand­ort­su­che und auch der Ver­kauf von Bau­stei­nen war noch nicht abge­schlos­sen.6 Der vom CHBV favo­ri­sier­te Stand­ort nahe Krings Eck muss­te 1994 noch eini­ge Wider­sprü­che sei­tens des Bau­ord­nungs­am­tes und der Poli­zei über­ste­hen, ins­be­son­de­re die Ver­le­gung einer Lit­faß­säu­le der “Deut­schen Städ­te­re­kla­me” auf die ande­re Stra­ßen­sei­te wur­de zum Pro­blem. Nach meh­re­ren Orts­ter­mi­nen wur­de dann doch eine Lösung gefun­den.7

Am 20. Okto­ber 1994 wur­de das 1,90 Meter hohe Bron­ze-Denk­mal auf­ge­stellt und konn­te am fol­gen­den Sonn­tag, dem 23. Okto­ber 1994 ein­ge­weiht wer­den.8Zur Fei­er spiel­te der Cro­nen­ber­ger Posau­nen­chor, es sang der Män­ner­chor, Vor­trä­ge wur­den gehal­ten und Bür­ger­meis­ter Kurt Drees ent­hüll­te in Ver­tre­tung der Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus, die ver­let­zungs­be­dingt fehl­te9, das Denk­mal. Zu die­sem Anlass gab der CHBV auch Gedenk­mün­zen im Wert von 15 DM her­aus und Arbei­ten des Bild­hau­ers Bern­hard Klein­hans wur­den in der Gale­rie im Rei­hen­haus aus­ge­stellt.10 35.000 DM kos­te­te “Obram der Nagel­schmett” am Ende inklu­si­ve der Auf­stel­lung.11


Gedicht zur Denk­mal­ein­wei­hung, mit Cro­nen­ber­ger Wap­pen.

Spä­ter ergänz­te man am Stand­ort des Denk­mals noch ein an die­sem Tage vor­ge­tra­ge­nes Gedicht von Karl-Heinz Dickin­ger. Die Über­set­zung ins Hoch­deut­sche lau­tet:

“Seh’ ich das Denk­mal
vor mir ste­hen,
komm ich an’s über­le­gen.
Könn­te nie­mals stur vor­über­ge­hen
und mich an gar nichts keh­ren!
Das Gegen­teil wäre hier ange­bracht;
ich müß­te mich tief ver­nei­gen,
um ihm mit Herz, ganz bedacht,
und ehr­lich Ehre zu zeigen!Wer kennt das Bild nicht all­zu­gut
vom Ham­mer­schmied und Jun­gen,
die vor der mäch­ti­gen Höl­len­glut
in ihrer Schmie­de stan­den?
Wo alles gehen muss­te, Hand in Hand,
die Schwie­len hat­ten und Bla­sen,
wo das Feu­er schmiss Schat­ten
an die Wand.
Blut koch­te in den Adern.
Wer kennt das Bild nicht all­zu­gut,
hört nicht die Häm­mer fal­len?
Hört nicht, wie noch mit fro­hem Mut
dabei auch Lie­der schal­len?
Wer hört nicht noch den
Amboß­klang,
das Schla­gen und das Klin­gen?
Wer nicht den stäh­ler­nen Lob­ge­sang
aus allen Win­keln drin­gen?
Wer guckt nicht dank­bar heu­te zurück
auf unse­re flei­ßi­gen Alten
und will, in dem Erin­ne­rungs­stück
sie nicht in Ehren hal­ten?
Kommst Du an’s Denk­mal
blei­be ein­mal ste­hen
um auch zu über­le­gen!
Du willst doch nicht vor­über­ge­hen
und dich an gar nichts kehren!?Es wäre mehr als ange­bracht,
dich ganz tief zu ver­nei­gen;
um ihm mit Herz, ganz bedacht
und ehr­lich Ehre zu zei­gen!“12

Der Gesel­le.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenktafel für Maria Husemann

Am 22.Juni 1993 wur­de über einer Tür zu einem Klas­sen­raum im Alt­bau des Erz­bi­schöf­li­chen Gym­na­si­ums St.Anna eine Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an Maria Huse­mann vom Köl­ner Dom­ka­pi­tu­lar Prof.Dr. Nor­bert Trip­pen ein­ge­weiht. Es sei beson­ders erfreu­lich, beton­te Trip­pen, dass die­se Gedenk­ta­fel an einer Schu­le jun­gen Men­schen ein Bei­spiel für Unrechts­be­wusst­sein gebe.1


Die Gedenk­ta­fel für Maria Huse­mann.

Die Gedenk­ta­fel ver­zeich­net in gol­de­ner Schrift unter dem Flam­men­kreuz der Cari­tas fol­gen­de Inschrift:

Hier wur­de am 22.Dezember 1943
die Cari­tas­se­kre­tä­rin
MARIA HUSEMANN
1892 — 1975
von der Gesta­po ver­haf­tet.

Als glau­bens­star­ke Katho­li­kin hat­te sie
vie­len Opfern der natio­nal-sozia­lis­ti­schen
Dik­ta­tur gehol­fen.
Ihr Lei­dens­weg führ­te durch das Gesta­po-
Gefäng­nis Wup­per­tal
sowie durch die KZ Ravens­brück und Gras­litz”


Die 1892 gebo­re­ne Maria Huse­mann kam 1926 zur ört­li­chen Geschäfts­stel­le der Cari­tas und arbei­te­te dort als Sekre­tä­rin. Nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten behielt sie zusam­men mit dem Geschäfts­füh­rer Hans Carls (1886–1952) ihr christ­li­ches Welt­bild bei. So sorg­ten sie dafür, dass aus­rei­se­wil­li­ge jüdi­sche und “halb­jü­di­sche” Bür­ger  Aus­rei­se­pa­pie­re und ande­re Hilfs­an­ge­bo­te der Aus­wan­de­rerfür­sor­ge erhiel­ten.2 Im Büro der Cari­tas an der König­stra­ße 27 (heu­te Fried­rich-Ebert-Str.) wur­de außer­dem “alles an Schrift­tum gegen das Nazi­re­gime ver­viel­fäl­tigt und wei­ter­ge­ge­ben. Wenn es auch nicht im Auf­trag von ihm [Hans Carls] geschah, so doch mit sei­nem Ein­ver­ständ­nis,” erklär­te Maria Huse­mann 1964 in ihrem Bericht: “Mein Wider­stands­kampf gegen die Ver­bre­chen der Hit­ler-Dik­ta­tur” (her­aus­ge­ge­ben vom Wup­per­ta­ler Stadt­de­chant und Katho­li­ken­rat 1983)3 Unter ande­rem wur­den hier die Pre­dig­ten des Müns­te­ra­ner Bischofs Cle­mens von Galen gegen die Eutha­na­sie ver­viel­fäl­tigt und ver­teilt.4

Im März 1940 ver­lie­ßen die letz­ten Schü­ler am Ende des Schul­jah­res das Gym­na­si­um, das nach mehr­fa­chem Abbau von Klas­sen auf poli­ti­schen Druck geschlos­sen wur­de. In den Räu­men fand das Büro der Cari­tas eine neue Hei­mat, nach­dem am Ende der 30er Jah­re das bis­he­ri­ge Büro ver­kauft wor­den war, um es dem Zugriff der Natio­nal­so­zia­lis­ten zu ent­zie­hen. 5


Am 16. Sep­tem­ber 1941 wur­de das Büro wegen der Ver­brei­tung der ver­bo­te­nen Schrif­ten zum ers­ten Mal denun­ziert. Ein Besu­cher hat­te sich dort kri­tisch über die Natio­nal­so­zia­lis­ten geäu­ßert und um Abschrif­ten der Pre­dig­ten von Galens gebe­ten. Die Frau eines Oberst­leut­nant wur­de Zeu­ge und ihr Mann zeig­te den Besu­cher gegen­über der Kom­man­dan­tur Wup­per­tal an. Für den Besu­cher und Vater von vier Kin­dern  folg­ten 18 Mona­te Lager­auf­ent­halt, im Büro der Cari­tas wur­den ledig­lich die Pre­dig­ten und die Schreib­ma­schi­ne beschlag­nahmt. Maria Huse­mann wur­de nach anfäng­li­cher Ver­haf­tung auf frei­en Fuß gesetzt.6
Am 7. Novem­ber wur­de dafür Hans Carls ver­haf­tet und Maria Huse­mann küm­mer­te sich trotz der Gefah­ren für ihre eige­ne Per­so­nen dar­um, den schwer­kran­ken Mann, der im März 1942 ins KZ Dach­au kam, mit Lebens­mit­teln, Medi­ka­men­ten und Kon­tak­ten zur Außen­welt zu ver­sor­gen. Spä­ter wei­te­te sie ihre Unter­stüt­zung auf wei­te­re Inhaf­tier­te aus und knüpf­te deutsch­land­weit Kon­tak­te. Außer­dem fuhr sie ein­mal im Monat nach Mün­chen, um die aus dem KZ her­aus­ge­schmug­gel­ten Berich­te Hans Carls in Emp­fang zu neh­men, zu ver­wah­ren und auch an höchs­te kirch­li­che und welt­li­che Krei­se wei­ter­zu­lei­ten.7

Nach dem Luft­an­griff auf Elber­feld in der Nacht zum 25.Juni 1943 ver­lor sie ihre Woh­nung und auch die Schu­le wur­de teil­wei­se beschä­digt. Sie über­gab die Schrift­stü­cke an eine Bekann­te, die bald dar­auf das gefähr­li­che Mate­ri­al wie­der zurück­ge­ben woll­te. Mit Hil­fe des Mari­en­heims auf der Hardt wur­de eine Über­ga­be orga­ni­siert. Der Chauf­feur nahm die in einer Zigar­ren­kis­te ver­wahr­ten Doku­men­te in Emp­fang und brach­te sie zur Hardt, wo ein Arbei­ter die Kis­te in Erwar­tung von Rauch­wa­ren aus dem Fahr­zeug stahl. Er warf die für ihn wert­lo­sen Papie­re auf der Hardt weg, Pas­san­ten brach­ten sie zu einem Betrieb an der Straß­bur­ger Stra­ße, wo ein katho­li­scher Arbei­ter sie drei Wochen ver­wahr­te, bevor er sie an den Betriebs­lei­ter wei­ter­gab, der sie dem Kreis­lei­ter über­stell­te. Am 22. Dezem­ber 1943 wur­de Maria Huse­mann von der Gesta­po im Büro in der St.Anna-Schule ver­haf­tet.8


Am 23. August 1944 wur­de sie, nach dem sie im März ver­ur­teilt wor­den war, ins Frau­en­kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ravens­brück gebracht. Im Sep­tem­ber 1944 kam sie in das Arbeits­la­ger Gras­litz des KZs Flos­sen­brück, wo sie Rüs­tungs­pro­duk­te her­stel­len muss­te. Im Früh­jahr 1945 wur­de das Lager geräumt und es begann einer der vie­len grau­sa­men Todes­mär­sche. Auch hier behielt Maria Huse­mann ihre christ­li­che Nächs­ten­lie­be und setz­te sich für zwei erschöpf­te “jüdi­sche Kame­ra­din­nen” ein und wur­de mit ihnen am 30.04.1945 ent­las­sen. Sie brach­te die bei­den erschöpf­ten und kran­ken Frau­en in ein Not­kran­ken­haus und begab sich dann auf den Weg nach Hau­se. Am 5.Juni 1945 kam sie in Wup­per­tal an und wur­de bis zum 2.August wegen völ­li­ger Erschöp­fung behan­delt.9
Sie arbei­te­te bis 1951 wie­der mit Hans Carls im Büro der Cari­tas und erhielt die sil­ber­ne Ehren­na­del der Cari­tas ver­lie­hen. Ab 1950 war sie Vor­sit­zen­de des von ihr mit­ge­grün­de­ten “Bund der Ver­folg­ten des Nazi-Regimes”, 1959 war sie neben Johan­nes Rau Mit­be­grün­de­rin der “Gesell­schaft für christ­lich-jüdi­sche Zusam­men­ar­beit” und spä­ter deren Geschäfts­füh­re­rin. 1970 erhielt sie das Bun­des­ver­dienst­kreuz I.Klasse durch Johan­nes Rau. Am 12.Dezember 1975 ver­starb Maria Huse­mann und wur­de auf dem katho­li­schen Fried­hof Uel­len­dahl bestat­tet.10


Das Drei-Kaiser-Denkmal und die Freiheitseiche

Am 9. Novem­ber 1814 wur­de auf dem Elber­fel­der Neu­markt eine Eiche gepflanzt, die dar­an erin­nern soll­te, dass genau ein Jahr zuvor die Stadt von der napo­leo­ni­schen Herr­schaft befreit wor­den war. Dem vor­aus­ge­gan­gen war ein Auf­ruf “zahl­rei­cher ächt deutsch gesinn­ter Män­ner” im Nie­der­rhei­ni­schen Anzei­ger (Nr. 37 vom 2.November 1814), einer Bei­la­ge der Pro­vin­zi­al-Zei­tung Elber­feld. In dem Auf­ruf wur­den die stol­zen Gefüh­le der wie­der­ge­won­nen deut­schen Frei­heit beschwo­ren. Die auf­ru­fen­den Män­ner konn­ten “unmög­lich umhin, den Wunsch, der in ihrer See­le ruht, laut aus­zu­spre­chen, daß man doch auch hier zum ewi­gen Andenken der ret­ten­den Schlacht bei Leip­zig ein Denk­mal stif­ten möch­te[…]”. Die­ses Denk­mal soll­te um die zu pflan­zen­de Eiche ent­ste­hen, wes­we­gen das Denk­mal auch den Namen “Frei­heits­ei­che” trägt. Auf vier Qua­der­stei­nen soll­ten die drei ver­bün­de­ten Mäch­te geehrt und der Grund der Errich­tung erklärt wer­den. Der Ober­bür­ger­meis­ter Brü­ning stimm­te in der nächs­ten Aus­ga­be am Fol­ge­tag der Errich­tung zu und reg­te an, dem Denk­mal eine “Fon­tai­ne” hin­zu­zu­fü­gen, da für kla­res, hel­les Was­ser auf dem Markt­platz ein drin­gen­des Bedürf­nis bestand. Schließ­lich über­leg­te man einen Tag spä­ter sogar, hei­len­des Mine­ral­was­ser zuzu­füh­ren und so “sie­chen Kör­pern” Gene­sung zu ver­schaf­fen. Doch zunächst wur­de die Eiche gepflanzt.


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal auf dem Neu­markt, vor dem 21.6.1894, an dem der Düs­sel­dor­fer Hof (das Haus an der rech­ten Sei­te hin­ter dem der Schorn­stein zu sehen ist) abge­ris­sen wur­de. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/2

Am 3.Januar 1815 grün­de­ten dann 46 Män­ner mit “ächt deut­scher Gesin­nung” die Eichen­ge­sell­schaft und began­nen mit der Pla­nung des Denk­mals. Am 29.August 1817 konn­te der Grund­stein gelegt wer­den, am 26.September erklär­te der König sei­ne Zustim­mung zu dem Denk­mal und am 9.November 1817 fand die Ein­wei­hung statt.


Post­kar­te mit der Ansicht des Neu­markts vor 1894. Links vom Mit­tel­punkt des Bil­des die Frie­dens­ei­che und ihre Ein­he­gung. (Bild ergänzt am 9. Juli 2018)

Post­kar­te mit der Ansicht des Neu­markts aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve vor 1894. Im Zen­trum die Frie­dens­ei­che. (Bild ergänzt am 9. Juli 2018)

Im Jahr 1894 wur­de der Neu­markt umge­stal­tet und das Denk­mal muss­te an einen neu­en Stand­ort ver­setzt wer­den. Man ent­schied sich für die Alte Hardt. Am 9.November 1894 rief der “Hülfs-Ver­ein für gedien­te Wehr­män­ner” zur Teil­nah­me an einer neu­en Pflan­zung einer Eiche am sel­ben Tag um 10:30 Uhr auf.


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal um 1910 auf der Hardt. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2

Der genaue Stand­ort ist ein wenig schwer zu bestim­men, da die Hardt ja auch mehr­fach umge­baut und ver­än­dert wur­de. Auf jeden Fall erkennt man im Hin­ter­grund der Post­kar­te die Kirch­tür­me von Sankt Mari­en. Ruth Mey­er-Kahr­weg loka­li­siert das Denk­mal ober­halb des Suid­bert-Denk­mals, wel­ches wie­der­um auf dem heu­ti­gen Spiel­platz­be­reich der Alten Hardt stand.


Die Inschrif­ten der Säu­len lau­ten:
“Franz
dem I.
Kai­ser
von
Oes­ter­reich”
“Alex­an­der
dem I.
Kai­ser
aller
Reus­sen.”

Fried­rich
Wil­helm
dem III.
König
von Preus­sen.”

 “Zum Andenken
des IX.Novembers
MCCCXIII
des Ein­zugs­ta­ges
der ers­ten
ver­bün­de­ten
Trup­pen
Errich­tet
von der
Eichen
Gesell­schaft

Nach­dem das Denk­mal an sei­nem neu­en Stand­ort auf­ge­stellt wur­de, ergänz­te man, ohne dass sich heu­te ein Datum ermit­teln lie­ße, eine Tafel, wie auf dem fol­gen­den Foto zu erken­nen ist. Die Tafel exis­tiert nicht mehr.


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal auf der Hardt Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/15

Die Inschrift lau­te­te:

Errich­tet
auf dem Neu­markt
A.D.1817
————
Über­ge­führt
nach der Hardt
im Novem­ber
1894”

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de die Eiche beschä­digt und muss­te ent­fernt wer­den, der Rest blieb zunächst erhal­ten, bis man das Denk­mal (in den 50er Jah­ren 1) wegen der Erwei­te­rung des Spiel­plat­zes demon­tier­te und auf dem Lager­platz auf der Hardt depo­nier­te.2


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal 2011.
Am 13.Januar 1990 erin­ner­te Ulla Dah­men-Ober­bos­sel in der West­deut­sche Zei­tung an das Denk­mal und beklag­te, dass es auf der Hardt ver­gam­me­le. Ein bereits zwei­ein­halb Jah­re zuvor durch die WZ ange­reg­te Auf­stel­lung im Hof des His­to­ri­schen Zen­trums wur­de aus Platz­grün­den vom Gar­ten­amt abge­lehnt.3 Erst fünf Jah­re spä­ter konn­te die WZ einen neu­en Sach­stand ver­mel­den: am 4.März 1995 pflanz­te Minis­ter­prä­si­dent Johan­nes Rau einen neu­en Baum, der eben­so wie das Fun­da­ment des Denk­mals vom Bezirks­ver­band Gar­ten- u. Land­schafts­bau Ber­gisch Land gestif­tet wor­den war. Als Stand­ort bot das Gar­ten- und Forst­amt die ehe­ma­li­ge Kut­schen­auf­fahrt des Ber­gi­schen Hau­ses an. Minis­ter­prä­si­dent Rau bezeich­ne­te die Pflan­zung als “gute Tra­di­ti­on” und Bäu­me als “Sinn­bild des Lebens”. Das Pflan­zen von Bäu­men habe er in Isra­el gelernt, gleich­wohl war er froh, dass er ange­sichts der Grö­ße des Bau­mes die Pflan­zung nur sym­bo­lisch vor­neh­men muss­te. Die Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus freu­te sich über einen neu­en Anzie­hungs­punkt auf der Hardt, aller­dings fehl­ten noch 50.000 DM zur Sanie­rung der Säu­len.4 War­um die WZ in ihren Arti­keln 1995 den Baum hart­nä­ckig als Frie­dens­ei­che bezeich­net, ist unklar, die Moti­va­ti­on war 1814 ein­deu­tig ein Sym­bol der Frei­heit zu schaf­fen.
Wei­te­re vier Jah­re spä­ter konn­te die WZ end­lich die Ret­tung des Denk­mals berich­ten. Die Fir­ma Vor­werk & Co. schenk­te der Stadt zum 70jährigen Stadt­ju­bi­lä­um am 1.August 1999 die Restau­rie­rung der Säu­len in Höhe von 50.000 DM.5 Zunächst muss­te jedoch ein Rück­schlag ver­kraf­tet wer­den, Unbe­kann­te hat­ten im Früh­jahr 2000 die von Johan­nes Rau gepflanz­te Eiche zer­stört. Der Bezirks­ver­ein Gar­ten- u. Land­schafts­bau Ber­gisch Land stif­te­te erneut eine Eiche für das Denk­mal. Am 9.November 2000 — ent­spre­chend der his­to­ri­schen Tra­di­ti­on — wur­de das restau­rier­te Denk­mal vom Ober­bür­ger­meis­ter Hans Kre­men­dahl in Anwe­sen­heit des Stif­ters Dr.Jörg Mit­tel­s­ten Scheid (der per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter der Fir­ma Vor­werk & Co.) sei­ner Bestim­mung über­ge­ben.6 Am 15.November 2001 muss­te die WZ erneut ver­kün­den, dass die Eiche ersetzt wer­den muss­te, da man sie gefällt hat­te.7

Zur Neu­errich­tung wur­de auch eine neue Tafel ange­fer­tigt, die am Rand des klei­nen Plat­zes über das Denk­mal und sei­ne Geschich­te auf­klärt:


Die neue Tafel unweit des Denk­mals.

Die Inschrift lau­tet:

 “Drei-Kai­ser-Denk­mal
Die Frei­heits­ei­che
Denk­mal der Eichen­ge­sell­schaf­tAm 9.November 1814 Jah­res­tag der Befrei­ung Elber­felds von der napo­leo­ni­schen Herr­schaft auf dem Neu­markt in Elber­feld gepflanzt. Am 9.November 1817 mit einem stei­ner­nen Denk­mal umge­ben.
1894 zur Hardt über­führt
1943, im 2.Weltkrieg, stark zer­stört
Am 4.März 1995 vom Bezirks­ver­band Gar­ten- und Land­schafts­bau Ber­gisch Land unter der Schirm­herr­schaft  des Minis­ter­prä­si­den­ten von Nord­rhein-West­fa­len, Johan­nes Rau, als neu­er Baum gepflanzt.
Rekon­struk­ti­on des Denk­mals unter Ver­wen­dung der his­to­ri­schen Stein­frag­men­te mit einer gross­zü­gi­gen Spen­de der Fami­lie Mit­tel­s­ten Scheid anläss­lich des 70.Jahrestages der Grün­dung der Stadt Wup­per­tal im Jahr 1999 und Wie­der­eröff­nung des Denk­mals am 9.November 2000.”
[Es fol­gen die Inschrif­ten der vier Säu­len.]
Im Dezem­ber 2011 wur­de bekannt, dass rus­si­sche Poli­ti­ker der Stadt ange­bo­ten haben, die Instand­set­zung des gesam­ten Denk­mals zu finan­zie­ren.8 Urhe­ber des Vor­schlags war das Wup­per­ta­ler Deutsch-Rus­si­sche Kul­tur­zen­trum “Applaus”.9  Laut Radio Wup­per­tal zwei­felt die Stadt aber am Wil­len, die Sanie­rung ent­spre­chend dem deut­schen Denk­mal­schutz-Richt­li­ni­en durch­zu­füh­ren.10 Ende Dezem­ber erklär­te die Ver­wal­tung zum Vor­ha­ben des rus­si­schen Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten Gen­adj Kli­mow, dass kei­ne denk­mal­schutz­recht­li­chen Beden­ken vor­lä­gen. Aller­dings mahn­te man eine gründ­lich über­leg­te poli­ti­sche Ent­schei­dung an, schließ­lich besitzt eine Instand­set­zung die­ses Denk­mals, das drei auto­ri­tä­re Herr­scher ehrt, erheb­li­chen Sym­bol­cha­rak­ter — eben­so wie die Ableh­nung die­ses Vor­schlags.11 Ergän­zung vom 29.November 2012:
Am 21. Mai 2012 stell­te die Kom­mis­si­on der Kul­tur des Erin­nerns fest:

Dr. Ill­ner erläu­tert die his­to­ri­sche Aus­gangs­si­tua­ti­on des Drei-Kai­ser-Denk­mals. Wie ande­re Denk­mä­ler sei auch das Drei-Kai­ser-Denk­mal auf der Hardt als Hin­weis auf die Macht des rus­si­schen Zaren zu ver­ste­hen. Aus sei­ner Sicht ist es frag­lich, das Denk­mal in sei­nen ursprüng­li­chen Zustand zurück­zu­ver­set­zen. Auf­grund einer Restau­rie­rung des Denk­mals vor acht Jah­ren mit Unter­stüt­zung von Dr. Mit­tel­s­ten Scheid befin­det es sich in einem gepfleg­ten Zustand. Eine Hin­weis­ta­fel zur Bedeu­tung des Denk­mals ist vor­han­den.
Die Kom­mis­si­on ist sich einig, dem Anlie­gen der Initia­to­ren nicht zu ent­spre­chen.”
12


Im Juni 2012 fand auf Ein­la­dung des Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Kul­tur­fo­rums im Deutsch-Rus­si­schen Kul­tur­zen­trums “Applaus” eine Podi­ums­dis­kus­si­on zur Fra­ge der Restau­rie­rung des Denk­mals statt. Teil­neh­mer waren der Lei­ter des His­to­ri­schen Zen­trums, Dr. Ill­ner, der Wup­per­ta­ler His­to­ri­ker Micha­el Oko­ry, Lud­mil­la Guti­na, die Geschäfts­füh­re­rin von “Applaus”, Jew­ge­nij Schma­gin, Gene­ral­kon­sul der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on in Bonn und der SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Rein­hard Grätz. Wäh­rend Schma­gin und Guti­na die rus­si­sche Initia­ti­ve als Bei­trag zur deutsch-rus­si­schen Völ­ker­ver­stän­di­gung  und eine Erin­ne­rung an deutsch-rus­si­sche Gemein­sam­keit (der Kampf gegen Napo­le­on) ver­stan­den wis­sen woll­ten, lehn­ten die His­to­ri­ker Okroy und Ill­ner die Ein­mi­schung Russ­lands in eine Denk­mal der Elber­fel­der Bür­ger­schaft ab. Außer­dem ver­deut­li­che der jet­zi­ge Zustand die wech­sel­vol­le Geschich­te des Denk­mals und der Stadt und eben­so die Geschich­te der deutsch-rus­si­schen Bezie­hun­gen.13
Im Juli 2012 beton­te Lud­mil­la Guti­na noch ein­mal den Wil­len, das Denk­mal mit Hil­fe von Spen­den, unter ande­rem aus Russ­land, zu restau­rie­ren, da es ein­zig­ar­tig in Euro­pa sei. Im Vor­der­grund ste­he das Geden­ken an die Befrei­ung Elber­felds von den Fran­zo­sen und nicht das Geden­ken an die Mon­ar­chen. Die Moti­va­ti­on der rus­si­schen Initia­ti­ve, die das Kul­tur­zen­trum ver­trat, sei die Erin­ne­rung an die Rus­si­sche Geschich­te.14
Im Novem­ber 2012 star­te­ten dann 15 Wup­per­ta­ler Bür­ger einen neu­en Auf­ruf zur Restau­rie­rung des Denk­mals, unter ihnen die His­to­ri­ker Klaus Goe­bel, Ruth Mey­er-Kahr­weg und der ehe­ma­li­ge Kul­tur­de­zer­nent Heinz Theo­dor Jüch­ter. Idea­ler­wei­se soll­te die Restau­rie­rung des Bür­ger­denk­mals von den Wup­per­ta­ler Bür­gern auch finan­ziert wer­den.15
Am 28. Novem­ber 2012 beschloss über­ra­schen­der Wei­se der Kul­tur­aus­schuss der Stadt auf einen am sel­ben Tag ein­ge­reich­ten Antrag der CDU und der SPD, dass die Ver­wal­tung das Denk­mal restau­rie­ren soll­te und die Finan­zie­rung dafür ver­trag­lich mit der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on geklärt wer­den soll­te. Begrün­det wur­de der Antrag damit, dass die Hardt-Anla­ge als Gar­ten­denk­mal ins Euro­päi­sche Gar­ten­netz­werk auf­ge­nom­men wur­de und dabei auch das Denk­mal als eines der ältes­ten in Deutsch­land eine Rol­le gespielt habe. Die­se Sach­ver­hal­te sei­en der Kom­mis­si­on für die Kul­tur des Erin­nerns bei ihrer gegen­tei­li­gen Ent­schei­dung nicht bekannt gewe­sen.16
Im Okto­ber 2013 berich­te­te die West­deut­sche Zei­tung, dass Gaz­prom Ger­ma­nia 70.000 € für die Restau­rie­rung des Denk­mals zur Ver­fü­gung stel­le. Den Kon­takt her­ge­stellt habe der Duma-Abge­ord­ne­te Vla­di­mir Sche­mya­kin. Obwohl damit augen­schein­lich die 71.000 € teu­re Sanie­rung des Denk­mals bis zum 200. jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Denk­mals am 9. Novem­ber 2014 erfol­gen könn­te, sah Lud­mil­la Guti­na eine Finan­zie­rungs­lü­cke, da man die “dile­tan­ti­sche” Teil­re­stau­rie­rung aus dem Jahr 2000 kor­ri­gie­ren müs­se, um eine ori­gi­nal­ge­treue Wie­der­her­stel­lung zu errei­chen.17

Ergän­zung vom 15. Novem­ber 2014
Die für den 9. Novem­ber 2014 geplan­te Ein­wei­hung wur­de auf­grund eines Beschlus­ses des Ältes­ten­ra­tes des Stadt­ra­tes ver­scho­ben. Grund hier­für war die Ankün­di­gung des rus­si­schen Bot­schaf­ters aus Ber­lin anrei­sen zu wol­len, was vor dem Hin­ter­grund des wei­ter schwe­len­den, undurch­sich­ti­gen Ukrai­ne-Kon­flikts für pro­ble­ma­tisch gehal­ten wur­de. “Es sah so aus, als ob das eine groß­rus­si­sche Ver­an­stal­tung wer­den könn­te”, sagt Kul­tur­de­zer­nent Mat­thi­as Nocke der Süd­deut­schen Zei­tung.18 “Ich wün­sche mir, dass Russ­land zu einer inne­ren Sou­ve­rä­ni­tät zurück­fin­det, die es ihm gestat­tet, die äuße­re Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät sei­ner Nach­barn zu ach­ten”, äußer­te Nocke gegen­über der WZ. Andern­falls gibt es dem­nach kei­ne Ein­wei­hungs­fei­er mit dem rus­si­schen Bot­schaf­ter.19 Die­ser beschwer­te sich dar­auf­hin bei der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­re­gie­rung, die die­sen Brief nach Rück­spra­che mit der Stadt­ver­wal­tung beant­wor­te­te. Die Ent­hül­lung erfolg­te nun am 9.11 infor­mell, die Arbei­ten sind abge­schlos­sen. Eine Ein­wei­hung wird es erst 2015 geben — wenn über­haupt.20

Ergän­zung vom 16. Febru­ar 2015
So sieht das reno­vier­te Denk­mal aus.


Win­ter auf der Hardt
Blick von der ande­ren Sei­te.
Inschrift für Alex­an­der I.

Ergän­zung vom 3. Janu­ar 2017:
Am 18. Novem­ber 2017 wur­de eine Infor­ma­ti­ons­ste­le gegen­über dem Denk­mal ein­ge­weiht. Sie erklärt die Geschich­te des Denk­mals und sei­ner Restau­rie­rung. Finan­ziert wur­de sie von der Spar­kas­se. Damit wur­de der Streit um das Denk­mal in Anwe­sen­heit des rus­si­schen Gene­ral­kon­suls und in Abwe­sen­heit des Ver­eins Applaus e.V. abge­schlos­sen. “Erin­nern ist gar nicht so ein­fach”, erklärt Ste­fan Seitz von der Wup­per­ta­ler Rund­schau.21


Reno­vier­tes, besprüh­tes Denk­mal mit Ergän­zungs­ta­fel aus dem Jahr 2000 (li.) und 2017 (re.)

Die Ste­le, mit QR-Code für mehr­spra­chi­ge Über­set­zung.

Gedenktafel am Geburtshaus von Else Lasker-Schüler

Die Gedenk­ta­fel am Haus Her­zogs­tr. 29.

Am 20. März 1990 weih­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus zusam­men mit Kul­tur­de­zer­nent Heinz Theo­dor Jüch­ter und Ver­te­tern aus Poli­tik und Ein­zel­han­del eine Gedenk­ta­fel für die Dich­te­rin Else Las­ker-Schü­ler ein. Sie hängt am Haus Her­zogs­tr. 29, auf die­sem Grund­stück befand sich das Bank­haus Aaron Schü­ler, dass dem Vater der Dich­te­rin gehör­te, die in die­sem Haus 1869 gebo­ren wur­de. Die Bron­ze­ta­fel (75x88cm) wur­de aus über­schüs­si­gen Mit­teln des Fonds für das Denk­mal “Mein­wärts” finan­ziert, das 1989 unweit des Hau­ses errich­tet wor­den war. Bereits seit 1967 erin­nert eine Gedenk­ta­fel am Haus Sado­wa­str. 7 an  die Jugend der Dich­te­rin im Wup­per­tal.1


Die zwei­ge­teil­te Inschrift lau­tet auf der lin­ken Spal­te:

Vor­mals stand hier das Geburts­haus
der bedeu­ten­den expres­sio­nis­ti­schen
Lyri­ke­rin
Else Las­ker-Schü­ler
Gebo­ren am 11.Februar 1869,
ver­brach­te Kind­heit und
Jugend in der Sado­wa­str. 7.
Als Jüdin bekam sie früh­zei­tig die
Ver­fol­gung durch den Natio­nal-
sozia­lis­mus zu spü­ren.
Sie emi­grier­te 1933 in die Schweiz
und starb am 22.Januar 1945 in
Jeru­sa­lem.”

Auf der rechen Spal­te steht:

 ‘Ich will in das Gren­zen­lo­se
zu mir zurück,
Schon blüht die Herbst­zeit­lo­se,
mei­ner See­le
Viel­leicht ist’s schon zu spät zurück
O, ich ster­be unter euch!
Da ihr mich erstickt mit euch
Fäden möch­te ich um mich ziehn -
wirr­warr endend
beir­rend,
Euch ver­wir­rend
um zu ent­flie­hen
Mein­wärts!’

Die­ses Gedicht Else Las­ker-Schü­lers
nahm der Bild­hau­er Ste­phan Huber
zum The­ma sei­nes Denk­mals,
das weni­ge Schrit­te west­lich
von hier zu fin­den ist.”

Eben­falls an Else Las­ker-Schü­ler erin­nert Das zer­bro­che­ne Herz


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Armenpflege-Denkmal (2011)

Anmer­kung: Die­ser Ein­trag wur­de am 23.April 2012 in drei Arti­kel geteilt, sodass nun das Ori­gi­nal von 1903, die Erin­ne­rungs­ta­fel von 1973 und das neue Armen­pfle­ge-Denk­mal von 2011 je einen eige­nen Ein­trag besit­zen. Die­ser Ein­trag wur­de dabei kom­plett neu bear­bei­tet.


“Hül­f­reich und gut” nann­te Neu­mann-Tor­borg sei­nen Ent­wurf, mit dem er 1903 im Wett­be­werb antrat.

1903 stif­te­te die Stadt Elber­feld den Begrün­dern des 50 Jah­re zuvor ein­ge­rich­te­ten Elber­fel­der Sys­tems, einer damals moder­nen Sozi­al­für­sor­ge in der boo­men­den Indus­trie­stadt Elber­feld, das soge­nann­te Armen­pfle­ge-Denk­mal. Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de es zer­stört. Seit 1973 erin­nert eine Bron­ze­ta­fel an der City­kir­che (Kirch­stra­ße) an das zer­stör­te Denk­mal, von dem nur Fotos und ein Bron­ze-Modell, das der Stadt Elber­feld 1903 gestif­tet wur­de, übrig geblie­ben waren.


Das Armen­pfle­ge­denk­mal am 20.06.2011 auf dem Kirch­platz. Im Unter­schied zum Ori­gi­nal ist das Denk­mal heu­te um 180 Grad gedreht.

Weni­ge Mona­te, nach­dem der Elber­fel­der Rit­ter am Rat­haus sei­nen Wie­der­ein­zug gefei­ert hat­te, war der Mäzen und Orga­ni­sa­tor der Spen­den­ak­ti­on, Hans-Joa­chim Cam­p­hau­sen, schon weit in den Pla­nun­gen einer neu­en Rück­kehr. Das Armen­pfle­ge-Denk­mal soll­te wie­der auf­ge­stellt wer­den. Von den benö­tig­ten 175.000€ waren bereits 90% gesam­melt, um die zwei Ton­nen schwe­re Figu­ren­grup­pe wie­der auf sei­nem alten Sockel anzu­brin­gen.1 Vor allem 24 Ein­zel­spen­den2 und eine Spen­de der NRW-Stif­tung Natur, Hei­mat und Kul­tur in Höhe von 10.000€ hal­fen das Pro­jekt zu rea­li­sie­ren.3


Der Gene­ral­an­zei­ger sprach am 26.9.1903 von einer Alle­go­rie der Wohl­tä­tig­keit. (RMK S.138)

Das Denk­mal steht heu­te auf dem acht Ton­nen schwe­ren Ori­gi­nal­so­ckel des Denk­mals von 1903. Die­ser war nach dem Zwei­ten Welt­krieg im Bereich um die City-Kir­che ver­gra­ben wor­den, 1953 kurz wie­der­ent­deckt und erneut ver­gra­ben wor­den. Erst 2003 kam er bei Aus­gra­bun­gen auf dem Kirch­platz in einem ver­schüt­te­ten Kel­ler wie­der zum Vor­schein und wur­de zum Pfle­ge­zen­trum der Dia­ko­nie an der Blank­stra­ße ver­bracht und dort auf­ge­stellt. (Ein Bild davon fin­det sich auf Wiki­pe­dia.) 2011 wur­de er restau­riert, behielt aber eini­ger Narben[3], die von sei­ner Geschich­te zeu­gen. 4


Am 18. Juni 2011 konn­te die neue Figu­ren­grup­pe, die nach his­to­ri­schen Foto­gra­fi­en von der Kunst­gie­ße­rei Kay­ser in Düs­sel­dorf ange­fer­tigt wor­den war, nach einer kur­zen Andacht in der City-Kir­che im Bei­sein von Ober­bür­ger­meis­ter Jung5 auf dem Kirch­platz ein­ge­weiht wer­den.6 Zwei Ur-Enke­lin­nen der geehr­ten Män­ner ent­hüll­ten das Denk­mal von sei­nem wei­ßem Tuch. 7 Im Vor­feld beton­te Cam­p­hau­sen den Sym­bol­wert des Denk­mals: “Das Denk­mal ist ein Bei­spiel für posi­ti­ve Stadt­ge­schich­te. Es steht für das Elber­fel­der Sys­tem aus Mit­ein­an­der, Hil­fe und Ver­ant­wor­tung.“8


Drei Bron­ze­plat­ten schmü­cken den Sockel mit den Reli­efs der Män­ner, die das Elber­fel­der Sys­tem ein­ge­führt hat­ten.

Gus­tav Schlie­per

Dani­el von der Heydt.

David Peters.

Das Ori­gi­nal: Die Inschrift am Gra­nit­so­ckel von 1903

Die his­to­ri­sche Inschrift lau­tet:

Den Begrün­dern der Neu­ord­nung
des Armen­we­sens
in dank­ba­rer Erin­ne­rung
errich­tet von der Stadt
Elber­feld
1853–1903”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenktafeln für die Elberfelder Barrikade 1849

Gedenk­ta­fel für Wil­helm Kra­ne­feld, Schuh­ma­cher aus Elber­feld, 45 Jah­re.

Am 8. Mai 1999 weih­te man an der Ein­mün­dung der Her­zogstra­ße in den Wall mit­ten in der Elber­fel­der City Gedenk­ta­feln ein, die an die Ereig­nis­se des 9.Mai 1849 erin­nern sol­len. Die IG Metall stif­te­te die Tafeln aus Anlass des 150.Jahrestages die­ser Ereig­nis­se. Damals hat­te die preu­ßi­sche Regie­rung und der preu­ßi­sche König Fried­rich Wil­helm IV. die Ver­fas­sung und die Kro­ne der ers­ten deut­schen Natio­nal­ver­samm­lung, die in Frank­furt tag­te, abge­lehnt. Bereits am 29.April hat­ten sich über 1000 Men­schen in der Stadt ver­sam­melt. Preu­ßen ver­häng­te den Bela­ge­rungs­zu­stand und rief die Land­wehr ein. Nicht alle Män­ner folg­tem dem Auf­ruf, denn die Ein­be­ru­fung dien­te der Unter­drü­ckung der demo­kra­ti­schen Ele­men­te, die in der März­re­vo­lu­ti­on 1848 für die Demo­kra­tie gekämpft hat­ten. 153 Land­wehr­män­ner ver­wei­ger­ten den Gehor­sam und so rück­ten am 9.Mai 1849 Düs­sel­dor­fer Ula­nen vom Stein­be­cker Bahn­hof mit zwei Geschüt­zen in die rebel­lie­ren­de Stadt ein. Nach einem ers­ten Auf­ein­an­der­tref­fen am Neu­markt zog sich das Mili­tär zurück, in der Stadt wur­den Bar­ri­ka­den errich­tet, die größ­te an der Ein­mün­dung Her­zogstra­ße auf den Wall, gegen­über dem alten Elber­fel­der Rat­haus (hier ist heu­te das von-der-Heydt-Muse­um). Am Abend des 9.Mai 1849 ging das Mili­tär gegen die “Auf­stän­di­schen” vor, Schüs­se fal­len. Der preu­ßi­sche Kom­pa­nie­chef starb, eben­so drei Ver­fas­sungs­treue: Mat­thi­as Buch­mül­ler, ein 38jähriger Tage­löh­ner, Johann Busch­mann, 28 Jah­re alter Fär­ber und Wihelm Kra­ne­feld, 45, der von Beruf Schu­ma­cher war. Das Mili­tär zog sich zum Lau­ren­ti­us­platz zurück und ver­ließ am nächs­ten Tag die Stadt.


Klad­de­ra­datsch, 20. Mai 1849.

Fried­rich Engels eil­te aus Köln nach Elber­feld, um sich den Auf­stän­di­schen anzu­schlie­ßen, der Ver­such die Bahn­li­nie zu unter­bre­chen wur­den von der königs­treu­en Bar­mer Bür­ger­wehr ver­ei­telt. Aus dem Gefäng­nis am Turm­hof wur­den Gefan­ge­ne befreit, der Bru­der des preu­ßi­schen Minis­ter August von der Heydt, Dani­el, wur­de fest­ge­setzt. Eine Dele­ga­ti­on wur­de nach Ber­lin gesandt, dort jedoch offi­zi­ell nicht emp­fan­gen. Am 16.Mai signa­li­sier­te ein Tele­gramm das Ein­len­ken des Königs und der Wider­stand brö­ckel­te. Die 500 Auf­rüh­rer zogen für 6000 Taler ab und ver­lie­ßen am 17.Mai die Stadt, um wenig spä­ter in Rem­lin­gra­de fest­ge­nom­men zu wer­den. Am 19.Mai bes­tetz­te das Mili­tär die Stadt, der Ober­bür­ger­meis­ter von Car­nap wur­de abge­setzt. Der König lob­te die Bar­mer Treue und vor dem Elber­fel­der Land­ge­richt wur­de 122 Auf­stän­di­schen der Pro­zeß gemacht. Die Stadt Elber­feld setz­te der Wit­we des preu­ßi­schen Kom­pa­gnie­chefs eine Jah­res­ren­te aus, die Namen der gestor­be­nen Arbei­ter blie­ben lan­ge unbe­kannt.


Gedenk­ta­fel für Johann Busch­mann, Fär­ber aus Nevi­ges, 28 Jah­re.

Die IG Metall stif­te­te die von Ulle Hees kos­ten­los ange­fer­tig­ten Gedenk­ta­feln, die in das Pflas­ter ein­ge­las­sen sind, da sie sich als Indus­trie­ar­bei­ter­ge­werk­schaft in der Tra­di­ti­on des Kamp­fes der Arbei­ter für Mit­be­stim­mung sehe, sag­te damals der Wup­per­ta­ler IG-Metall-Vor­sit­zen­de Axel Dirx. Zusam­men mit Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl weih­te er die Tafeln ein. Paral­ell zur Ein­wei­hung fand eine Aus­stel­lung im Haus der Jugend mit dem Titel “Michels Erwa­chen — Eman­zi­pa­ti­on durch Auf­stand” statt. Obwohl damals drei Arbei­ter star­ben, habe ich nur zwei Tafeln gefun­den.1


Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an die Elber­fel­der Bar­ri­ka­de

Die Inschrift der Haupt­ta­fel lau­tet:

“Erin­ne­rung an die demo­k­rat­sche Revo­lu­ti­on
1848/49

Hier star­ben am 9.Mai 1849
die demo­kra­ti­schen Bar­ri­ka­den­kämp­fer
gegen das preu­ßi­sche Mili­tär.

Doch fall ich unbe­siegt, und mei­ne Waf­fen
sind nicht gebro­chen — nur mein Herz brach
H. Hei­ne, Enfant Per­du, 1851

IG Metall Wup­per­tal”


Mahnmal zur Erinnerung an die Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse

Mahn­mal mit Blick auf das alte Gebäu­de des Land­ge­richts.

Seit Mai 1995 erin­nert am Land­ge­richt in Wup­per­tal ein Mahn­mal, das die Wup­per­ta­ler Bild­haue­rin Ulla Hees geschaf­fen hat, an die Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­se. Bereits zum 50.Jahrestag der Gewerk­schafts­pro­zes­se gab es Über­le­gun­gen ein Mahn­mal zu errich­ten. Die Wup­per­ta­ler Künst­le­rin Ulle Hees hat­te 1984 einen Ent­wurf im Rah­men einer Rei­he namens “Fin­ger­zei­ge der Geschich­te” vor­ge­legt, jedoch fehl­te es trotz Unter­stüt­zung durch den DGB und des Land­tags­prä­si­den­ten zunächst an finan­zi­el­len Mit­teln, sodass sich Hees 1990 an die WZ wand­te. Damals waren, so geht aus dem Arti­kel her­vor, bereits 2/3 auf 30.000 DM ver­an­schlag­ten Kos­ten als Spen­den gesam­melt wor­den, wie Hei­no Ahr, der Vor­sit­zen­de des DGB Ber­gisch Land, fest­stell­te.1


Das Mahn­mal von oben

1992 war das 36.000 DM Mahn­mal dann fer­tig gestellt, doch Ter­min­schwie­rig­kei­ten, Dis­kus­sio­nen über den Inhalt der Gedenk­ta­fel und der Inschrift, sowie tech­ni­sche Pro­ble­me ver­zö­ger­ten die Auf­stel­lung des Denk­mals.2 Am 6.Mai  1995 wur­de das Denk­mal schließ­lich durch Minis­ter­prä­si­dent Johan­nes Rau, Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus, DGB-Kreis­vor­sit­zen­den Hei­no Ahr, NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Dr. Rolf Krum­sieck und Rudi Höff­gen, der sei­ner­zeit selbst zu den Opfern gehör­te, ein­ge­weiht. Der Minis­ter­prä­si­dent dank­te dem DGB dafür, dass er die “Män­ner und Frau­en des Arbei­ter­wi­der­stan­des” aus der Ver­gan­gen­heit geholt habe.3



Bis 2002 stand das Denk­mal neben dem Jus­tiz­hoch­haus, als die­ses abge­ris­sen wur­de, lager­te man das Mahn­mal ein. Am 29.November 2005 wur­de das Mahn­mal auf dem neu­ge­stal­te­ten Platz vor dem neu­en Jus­tiz­ge­bäu­de wie­der ein­ge­weiht, am glei­chen Tag wur­de auch eine Inter­net­sei­te online gestellt, die sich mit den Gewerk­schafts­pro­zes­sen beschäf­tigt, wes­we­gen an die­ser Stel­le nicht detail­lier­ter auf den Hin­ter­grund ein­ge­gan­gen wird.4


Als der Gesta­po ab dem 17. Janu­ar 1935 die Fest­nah­me meh­re­rer KPD-Funk­tio­nä­re gelang, konn­te sie im Lau­fe ihrer Ermitt­lun­gen die meis­ten ille­ga­len Par­tei- und Gewerk­schafts­grup­pen, die seit Früh­jahr 1934 auf­ge­baut wor­den waren, zer­schla­gen. Die fol­gen­den Mas­sen­ver­haf­tun­gen, bei denen nach einem Bericht des Sicher­heits­diensts der SS (SD) wahr­schein­lich an die 1900 Frau­en und Män­ner aus Wup­per­tal, Vel­bert, Solin­gen und Rem­scheid bis Ende 1936 in die Gewalt der Gesta­po gerie­ten, führ­ten zu den in der Öffent­lich­keit viel beach­te­ten Wup­per­ta­ler Gewerkschaftsprozessen.Der Ver­haf­tungs­er­folg der Gesta­po basier­te unter ande­rem auf deren bru­ta­len Ver­hör­me­tho­den. Im Zuge die­ser Ver­neh­mun­gen kamen meh­re­re Män­ner ums Leben. Ob sie Selbst­mord begin­gen oder an den Fol­gen der Fol­te­run­gen star­ben, lässt sich heu­te nicht mehr klä­ren.

Auch die Jus­tiz trug wesent­lich zum Macht­er­halt des NS-Regimes bei, indem sie Oppo­si­tio­nel­le ver­folg­te und ver­ur­teil­te. Die Staats­an­walt­schaf­ten beim Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Hamm und Volks­ge­richts­hof (VGH) in Ber­lin klag­ten meh­re­re hun­dert Per­so­nen wegen „Vor­be­rei­tung zum Hoch­ver­rat“ an. Mehr als 600 von ihnen wur­den für schul­dig befun­den und zwi­schen 1935 und 1937 vom OLG Hamm und dem VGH in meh­re­ren Teil­ver­fah­ren zu Gefäng­nis- und Zucht­haus­stra­fen ver­ur­teilt.” 5


Das Denk­mal besteht aus einem nied­ri­gen Sockel aus Pflas­ter­stei­nen, der an eine Pyra­mi­de erin­nert. Dar­auf fin­det sich die Bron­ze­skulp­tur, die dar­stellt, wie vie­le Men­schen unter einem Urteil lei­den und ver­su­chen Wider­stand dage­gen zu leis­ten.


 


Vor dem Mahn­mal sind zwei Bron­ze­plat­ten mit Inschrif­ten in den Boden ein­ge­las­sen:

 “In den Jah­ren 1935–1937 sind über 700 Wup­per­ta­ler
Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen in einem der gröss­ten
Mas­sen­pro­zes­se der NS-Zeit zu dras­tisch hohen
Zucht­haus- und Gefäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt wor­den.
Die ein­zel­nen Pro­zes­se wur­den von Straf­se­na­ten
des Ober­lan­des­ge­rich­tes Hamm  und von dem I.Senat des
Volks­ge­richts­ho­fes Ber­lin am Land­ge­richt Wup­per­tal
und in Hamm durch­ge­führt.

Im Geden­ken an die Frau­en und Män­ner, die wider­stan­den
und als akti­ve Kämp­fe­rin­nen und Kämp­fer der
Arbei­ter­be­we­gung unter dem Unrecht gelit­ten haben.

Deut­scher Gewerk­schafts­bund
Kreis Ber­gisch Land”


”… denn wo Unrecht  herrscht, da gibt es
immer auch Sehn­sucht von
Men­schen, die­ses Unrecht zu
besei­ti­gen. Die­se zutiefst mensch­li­che
Eigen­schaft ist unaus­lösch­bar…”

Zur Erin­ne­rung an den geleis­te­te Wider­stand und an die
Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­se

DGB Kreis Ber­gisch Land”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te