Ein Barmer Löwe am Goethe-Platz

1914 hieß der Hubert-Pfeiffer-Platz in den Barmer Südhöhen noch Goethe-Platz und war alles in allem in einem bedauerlichen Zustand, sodass die Stadtväter beschlossen, ihn zu sanieren und Parkbänke aufzustellen, damit man in Ruhe den damals weiten Blick nach Langerfeld und auf den Ehrenberg genießen konnte. Zur Erinnerung an die Arbeiten ließ man in die Stützwand an der Mörikestraße ein Steinrelief ein, das das Barmer Wappen, den Bergischen Löwen mit dem Garnbündel, und die folgende Inschrift zeigt.1


“Zur Zeit des beginnenden großen Krieges, ausgeführt durch die Stadt Barmen, MDCCCCXIV


Das Relief

Nach der Vereinigung Barmens mit den anderen vier Städten zu Wuppertal musste der Goethe-Platz 1935 wie viele doppelte Straßennamen umbenannt werden. Er erhielt den Namen des blinden Komponisten Hubert Pfeiffer, an den in Unterbarmen inzwischen ein eigenes Denkmal erinnert.


Position des Kunstwerks auf der Karte


Bismarckturm

Im Jahr 1904 beschlossen die Städte Elberfeld und Barmen, angeregt durch den Nationalliberalen Verein Elberfelds1, gemeinsam einen Bismarckturm zu errichten und sich so an der “Mode” der Zeit zu beteiligen, für den 1898 verstorbenen ehemaligen Reichskanzler Feuersäulen zu errichten.2 Bereits 1898 hatte Elberfeld ein Denkmal für Bismarck errichtet, 1900 folgte eines in  Barmen, welches bis heute auf dem Geschwister-Scholl-Platz existiert. Die beiden Städte entschieden sich die Kosten zu teilen und auf der Grenze zwischen den beiden Nachbarn auf der Hardt einen Turm nach Vorbild des Entwurfs “Götterdämmerung” vom Architekten Wilhelm Heinrich Kreis zu bauen.3 Dieser hatte 1898 einen Wettbewerb der “Deutschen Studentenschaft” gewonnen. Von den 240 Türmen im Deutschen Reich, von denen 184 im Gebiet der heutigen Bundesrepublik standen, existieren heute noch 173 (davon 146 in der BRD). 47 von ihnen orientierten sich am Entwurf “Götterdämmerung”. Die meisten (167) verfügten über eine Vorrichtung, um ein Feuer brennen zu lassen, das an einem Tag in ganz Deutschland die Nacht erhellen sollte. Geplant war der 1.April, der Geburtstag des eisernen Kanzlers, doch die Idee setzte sich nicht durch.4


Der Bismarck-Turm auf der Hardt auf einer Postkarte von 1917. Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.3

Das Motiv zur Errichtung des Turms wird im Spendenaufruf der Städte aus dem Juli 1904 deutlich:

“Die Feuer, die fortan am 1.April auch von der Zinne unseres von beiden Städten zu errichtenden Bismarckturms über das bergische Land lodern werden, sollen Zeugnis dafür ablegen, daß die heilige Flamme des deutschen Idealismus, deren Wahrung uns heute mehr als nottut, niemals in unseren Herzen erlöschen wird, daß keine Nacht der Zukunft, und möge sie noch so finster drohen, imstande sein wird, den durch Bismarck zum Siege gebrachten Reichsgedanken in der Seele des deutschen Volkes verdunkeln zu lassen.”5

Die Motive wurden natürlich nicht von allen geteilt und so lehnte die sozialdemokratische Zeitung “Freie Presse” die Erhebung Bismarck zum “Nationalgötzen” ab.6

Die Baukosten wurden mit 40.000 Mark veranschlagt und bis zum 1.April 1905 kamen 25.000 Mark zusammen, sodass der geplante Baubeginn verzögert wurde. Zwei Jahre später waren es 31.000 Mark.


Der Bismarckturm auf der weitgehend waldlosen Hardt auf einer Postkarte unbekannten Datums, vermutlich vor dem Ersten Weltkrieg. (Reproduktion) Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.3.

Am 1.April 1907 erfolgte die Grundsteinlegung. Dokumente, Tageszeitungen und Münzen im Wert von 18,86 Mark wurden beigelegt, allerdings kurze Zeit später geklaut, wie der General-Anzeiger am 17.April 1907 meldete. Die Bauleitung für den “Wuppertaler” Bismarckturm übernahm der Elberfelder Stadtbaurat Schönfelder. Der Turm erhebt sich auf einem quadratischen Unterbau von 11,30m Seitenlänge und erreichte eine Höhe von 22 Metern. Dem Mittelschaft von 7,8 x 7,8m sind an den Ecken runde Säulenschäfte vorgelegt.7 Der Sandstein hierfür stammte von der Nordseite der Hardt auf Barmer Stadtgebiet. Auf eine geplante Feuerschale verzichtete man und entschied sich, den Turm bengalisch zu beleuchten. An der Nordseite wurde 1912/1913 als einziger Schmuck das Wappen Bismarcks – ein dreiblättriges Kleeblatt mit dazwischenliegenden Eichenblättern – angebracht, das vom Elberfelder Bildhauer Carl Mersch gefertigt wurde.8


Hardt und Bismarcktum, im Hintergrund Elberfeld auf einer Fotografie, die aufgrund der Beschreibung nach 1930 entstanden ist. Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.3.

Am 19.Oktober 1907 wurde der Turm eingeweiht, einen Tag nach dem Gedenktag der Leipziger Völkerschlacht. Erst ein halbes Jahr später, am 17.April 1908, wurde der Turm gegen ein geringes Entgeld zur Besteigung freigegeben.9


Der Bismarckturm im August 2012. Das Wappen an der Nordseite ist gut zu erkennen.

In den Jahren 1999 und 2000 wurde der Turm von außen saniert. Von Oktober 2002 bis Januar 2003 wurde die Brüstung erhöht, verbreitert und mit Titanzinkblech verkleidet. Waschbetonplatten ersetzten die alte Teerdecke. Außerdem wurde eine Tür anstelle der Klappe am oberen Ausstieg eingebaut, an der Südseite wurde ein neuer Wasserspeier eingesetzt. Seitdem beträgt die Höhe des Turms durch neue Aufbauten insgesamt 23,50m. Im Anschluss an die Arbeiten wurde ein Teil des Innenraums saniert.10


Der Bismarckturm im Juli 2012.

Am 16. Juli 2005 war der Turm wieder für Besucher zugänglich. Die Arbeiten der Innensanierung hatten sich aufgrund der Haushaltslage der Stadt verzögert. Insgesamt wurden 90.000 Euro ausgegeben, unter anderem für die Erneuerung der Blitzschutzanlagen, der Elektroinstallation, die Sanierung der Stahlkonstruktion des Aufgangs und des Fußes der Stahlwendeltreppe kurz vor dem Ausstieg. Außerdem wurde die Funk-Relais-Station der Feuerwehr in den Hausanschlussraum auf der Eingangsebene verlegt.11 Im Sommer 2012 wurden innen zahlreiche Feuchtigkeitsschäden entdeckt.12


Das Bismarcksche Wappen an der Nordseite.

Der Bismarckturm ist bei trockener Witterung samstags von 13-18 Uhr und sonntags von 10-18 Uhr und an Feiertagen von 11- 18 Uhr geöffnet, im Winter nur bis 17 Uhr.13 Die Stadtflagge signalisiert die Anwesenheit des Türmers.



Weyerbuschturm

Der Weyerbuschturm auf dem Nützenberg.

Am 30.November 1897 machte der Elberfelder Knopffabrikant Emil Weyerbusch seiner Stadt in der Stadtverordneten-Versammlung ein eindrucksvolles Geschenk. Er stiftete 25.612,91 Mark zur Errichtung eines Aussichtsturms auf dem Nützenberg. Dort hatte der Elberfelder Verschönerungsverein bereits 1874 und 1880 zwei hölzerne Aussichtstürme errichtet, doch der zweite musste bereits 1888 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. In den Nächten klapperte der Holzturm so unheimlich, dass man ihm den Namen “Teufelsturm” verpasste. Ruth Meyer-Kahrweg vermutet, dass die ungewöhnlich krumme Summe der Stiftung darauf hinweist, dass Weyerbusch bereits einen Kostenvoranschlag besaß. Im Frühjahr 1898 begannen die Arbeiten am Turm, die das Hochbaumt der Stadt Elberfeld durchführte.


Der Weyerbuschturm im September 2011.

Der Weyerbuschturm auf einer Postkarte. Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.6.

Emil Weyerbusch wurde 1846 geboren und war Inhaber einer Knopffabrik in Elberfeld. Von 1884-1903 war er Stadtverordneter, von 1885-1903 Abgeordneter für Elberfeld-Barmen im Preußischen Landtag. Darüber hinaus war er 27 Jahre als Armenpfleger tätig und unterstützte finanziell das Waisenhaus, das Neviandt-Stift, den Elberfelder Verschönerungsverein und das städtische Museum. In erster Ehe war er mit Mathilde von der Heydt, der Tochter August von der Heydts, verheiratet. Nach ihrem Tod 1889 in Bombay heiratete er 1891 Emilie Juliane Frowein, die Witwe Paul von der Heydts. 1909 starb er während eines Kuraufenthalts am Gardasee.


Die Widmung Weyerbuschs, darüber das Wappen Elberfelds.

Engel-Figur unterhalb des Erkers

Wann genau der Weyerbuschturm eingeweiht wurde, ist unklar. Zusätzlich stiftete Weyerbusch noch ein Wärterhaus am Turm, das von April 1900 bis Mai 1901 errichtet wurde. Die Kosten hierfür betrugen 45.021,73 Mark. Der Weyerbuschturm besitzt einen u-förmigen Grundriss und besteht aus Basaltbossenmauerwerk. Eine zweiläufige Freitreppe mit Zwischenpodest führt zum Eingang an der Südseite auf 3,5 Meter Höhe. In halber Höhe des 35,50 Meter hohen Turms befindet sich ein Erker der sich als kleines Türmchen nach oben fortsetzt. Auf ihm sitzt ein spitzes Kupferdach mit einer Wetterfahne. Die ehemals luftige Altane wurde 1945 bis auf einige Fensteröffnungen, die 1981/82 mit Schiefer verkleidet wurden, zugemauert. Über ihr befindet sich in  20,50 Meter Höhe die Aussichtsplattform. 1


Eine weitere Ansicht

Von 1972 bis 1978 wurde das Turmzimmer vom Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. genutzt.2

2006 wurde im Rahmen der “Regionale” um den Weyerbuschturm eine neue Parklandschaft geschaffen, unter anderem wurden einige Bäume für einen besseren Blick vom Turm gefällt.3 Im April 2008 wurde das Dach saniert, nachdem sich Teile der Konstruktion gelöst hatten. Die Kosten wurden mit 10.000 € veranschlagt. 2009 wurden Turmhelm und Treppenraum für 55.000 € saniert.42011 wurde das Kupferdach des Erkers instand gesetzt. 5
Dennoch bleibt der Turm bis auf weiteres geschlossen. Ein innen liegender Stahlträger rostet an den Auflageflächen und das Podest der Treppe hat sich ca. 20 mm abgesenkt. Das Turmzimmer muss zur Sicherheit abgestützt werden. 6
Der „Förderverein historische Parkanlagen Wuppertal e.V.“ engagiert sich für die vollständige Sanierung des Turms und bittet um Spenden. Auf der Homepage des Weyerbuschturms finden sich auch nähere technische Informationen zum Zustand des Turms.

Von der Heydt-Turm

Der Von der Heydt-Turm auf dem weitgehend baumlosen Kiesberg. Postkarte, Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.5.

Am 24. September 1892 wurde auf dem Kiesberg der Von der Heydt-Turm eingeweiht. Anwesend waren Vertreter der Familie von der Heydt, Stadtverordnete der Stadt Elberfeld, Mitglieder des Elberfelder Verschönerungsvereins, zahlreiche Bürger und Oberbürgermeister Jaeger, der den Turm in die Obhut der Stadt übernahm. Zu den Kosten trugen die Stadt Elberfeld 10.000 Mark aus einer Stiftung Karl von der Heydts und der Elberfelder Verschönerungsverein 5.000 Mark bei.

Entworfen wurde der Turm von Stadtbauinspektor Schaumann in “mittelalterlicher Burgenmanier.” Er verfügt über eine zweiläufige Außentreppe, Erker und einen auf vier Kragsteinen gelagerten Altan. Einst konnte man von der Plattform in 20 Meter Höhe ungehindert über das Wuppertal bis nach Hagen gucken, heute haben die Bäume des Burgholz den Turm an Größe eingeholt.


Der Von der Heydt-Turm auf einer Fotografie 1896. Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.5

Über dem Eingang fand sich bis zum Zweiten Weltkrieg eine Bronzetafel mit Reliefbildnissen der Brüder von der Heydt, die von Gustav Eberlein modelliert und von Schäffer & Walckcker in Berlin gegossen wurden. Die dazugehörige Inschrift lautete:

“Dem Andenken der Brüder Karl von der Heydt, Geh. Kommerzienrat, geb. 1806, gest.1881: Freiherr August von der Heydt, Königl. preuß. Handels- und Finanzminister, geb. 1801, gest. 1874: Daniel von der Heydt, Geh. Kommerzienrat, Vorsitzender der Elberfelder Armenverwaltung, geb. 1802, gest. 1774.”

Außerdem befand sich über dem Eingang das Wappen der Von der Heydts in Bronze und das der Stadt Elberfeld in den Stein gehauen. Die Bronzetafel kostete 6.000 Mark und wurde mit Spenden der Bürgerschaft finanziert.1


Fotografie der Einweihung des Von der Heydt-Turms am 24.September 1892. Stadtarchiv Wuppertal, 19.5.5

Ein Ausschnitt des obigen Fotos.

August von der Heydt wurde am 15.Februar 1801 in Elberfeld geboren und trat 1824 in das Bankhaus “Gebrüder Kersten” ein und heiratete Julie Blank. Ab 1827 wurde das Bankhaus unter dem Namen “von der Heydt-Kersten und Söhne” weitergeführt. Im selben Jahr wurde August von der Heydt Scholarch der reformierten Gemeinde und rettete in dieser Position das reformierte Gymnasium. 1833 wurde er in den Elberfelder Stadtrat gewählt und im selben Jahr zum Richter am Königlichen Handelsgericht. 1840 wurde zum Präsidenten des Handelsgericht ernannt und ab 1841 war er Abgeordneter im Provinziallandtag. Ab 1847 war er Landtagsabgeordneter in Berlin und ab 1848 Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten und kümmerte sich um den Ausbau von Post, Telegrafenwesen und der Eisenbahn.  Später wurde er zweimal Finanzminister in den Jahren 1862 und 1866-1869. Für seine Verdienste wurde er in den Freiherren-Stand erhoben und erhielt den Schwarzen Adlerorden. Am 13.Juni 1874 verstarb er in Berlin.2 1884 wurde ein kleines Denkmal zu seinen Ehren im Burgholz angelegt.

Daniel von der Heydt wurde am 31.Oktober 1802 in Elberfeld geboren und wurde 1827 Teilhaber des Bankhauses Vvon der Heydt-Kersten und Söhne. 1854 schied er aus diesem aus und eröffnete ein Geschäft “in Rohseide”. Er engagierte sich für kirchliche Belange und städtische Angelegenheiten. So gründete er aus Protest gegen die Kirchenordnung für evangelische Kirchen 1847 die niederländisch- reformierte Gemeinde. Für die Stadt Elberfeld machte er sich vor allem um das Armenwesen verdient. Nähere Informationen dazu finden sich im Eintrag zum Armenpflegedenkmal (errichtet 1903, erneuert 2011), auf dem auch er verewigt wurde. Außerdem förderte er die Gründung der Dampfschiffahrtsgesellschaft Mittel- und Niederrhein, die 1836 gegründet wurde und die Bergisch Märkische Eisenbahn, der er in leitender Position angehörte. Am 7.Juli 1874 starb er in Folge einer schweren Krankheit.3
Karl von der Heydt, geboren 1806, war der jüngste der drei Brüder und trat öffentlich nicht so stark in Erscheinung. Er kümmerte sich um die Leitung des Bankhauses und war Abgeordneter für Elberfeld im Provinziallandtag und wurde zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Er starb 1881.4


Der Von der Heydt-Turm im Winter 2010.

1953 wurde der Turm saniert, aber 1977/78 wegen Baufälligkeit gesperrt.5
Für Gruppen ist der Turm nach telefonischer Anmeldung zugänglich. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt Wuppertal.

 

Toelleturm

Eine Postkarte mit Flora und Toelleturm. Sammlung Historisches Zentrum, 020/12/91 (aus der Sammlung Rinke)

Im März 1887 stellte die Familie des im Oktober 1886 verstorbenen Fabrikanten Ludwig Ernst Toelle dem Barmer Verschönerungsverein 15.000 Mark zur Verfügung, damit der Verein einen Aussichtsturm errichten konnte. Ludwig Ernst Toelle war Inhaber einer “Fabrik gummi-elastischer Waaren, wie Hosenträger, Strumpfgürtel etc., Kordel, u. Litzen, Bandagenstoffe”, die an der Loher Straße Nr. 9 beheimatet war. Seit 1874 war Stadtverordneter der Stadt Barmen und in dieser Funktion Mitglied zahlreicher Kommissionen, der Sparkassenverwaltung, der Handelskammer und des Gewerbegerichts. Seine Ehrenämter übte er mit großer Hingabe und Gewissenhaftigkeit aus. Sein hohes Ansehen bei seinem Mitbürgern verdankte er außerdem seinem anregenden Humor, seiner Lauterkeit und der “Güte seines Wesens”.1 Die Idee zur Errichtung eines Aussichtsturms kam ihm angeblich bei einem seiner zahlreichen Spaziergänge auf den Barmer Südhöhen, bei dem ihm die weite Aussicht auffiel, da die Bäume dort damals noch nicht so hoch standen wie heute.2


Fotografie einer Postkarte mit Toelle-Turm und Flora. Sammlung Historisches Zentrum, 020/12/27

Am 29.April 1888 – es war ein Sonntag – wurde der Turm der Bevölkerung übergeben. Gegen ein Entgeld von 10 Pfg. konnten die ersten Bürger auf 144 Stufen den 26 Meter hohen Turm besteigen. 600 Menschen bestiegen am ersten Tag das neue Bauwerk, an den folgenden Pfingsttagen waren es über 4600. Die bis heute phänomenale Weitsicht soll damals bis zum Kölner Dom gereicht haben, heute reicht sie in Richtung Westen bis zum Fernsehturm in Düsseldorf,  im Norden bis zum Langenberger Sender und im Süden bis zum Remscheider Rathaus und dem Waterbölles.

Eine Gedenktafel aus Marmor Granit erinnert im Eingangsbereich an den Stifter:


Die Gedenktafel für Ludwig Ernst Toelle.

Die Inschrift lautet:

“Dieser Aussichtsturm wurde
im Jahre 1887 gebaut und gestiftet
zum Eigentum des
Barmer Verschönerungs-Vereins
in Erinnerung an
Ludwig Ernst Toelle
1822-1886
von dessen Familie”

In den folgenden Jahren wurde der Turm zum stadtbildprägenden Symbol des Barmers Südens und des Villenviertels, das rund um den Toelleturm entstand. Er wurde durch seine direkte Anbindung an die 1959 stillgelegte Barmer Bergbahn und das nahe Luftkurhaus, welches im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, Anziehungspunkt für Barmer und Elberfelder. Im Ersten Weltkrieg wurde hier eine Patrouille mit einem Unteroffizier und sechs Mann stationiert, die auf dem Turm nach feindlichen Fliegern Ausschau hielten.


Der Toelleturm auf einer Fotografie, die nach dem 21.August 1929 entstanden ist, dem Tag der Einweihung des Brunnens im Vordergrund. Sammlung Historisches Zentrum, 020/12/18

 1950 musste der Turm zum ersten Mal restauriert werden, bereits 1969 erfolgte die nächste Sanierung, da die Standfestigkeit nicht mehr gegeben war. Der Turm blieb nun für Besucher geschlossen. 1977 wurde das Gelände wegen Baufälligkeit des Turms abgesperrt. Mit Hilfe einer 150.000 DM Spende von Bürgern, Firmen und der Sparkasse3, die allein 120.000 DM beisteuerte4 konnte der Turm 1978 wieder instand gesetzt und geöffnet werden. Anfang 1988 – zu seinem 100.Geburtstag – entdeckte man erneut gravierende Mängel und ein Abriss schien unvermeidlich. Doch ein Baugutachten von Carsten Langlie, Professor für Bautechnik an der Bergischen Universität, erklärte eine Rettung für möglich und bezifferte die Kosten auf 600.000 bis 700.000 DM. Diese Summe konnte durch Spenden der Wuppertaler Bürger aufgebracht werden und September 1989 konnten die Arbeiten beginnen. Die Dachdecker-innung versprach, die Dacharbeiten kostenlos auszuführen. Auf Barmen2008.de werden die Restaurierungsmaßnahmen beschrieben:


Der Toelleturm im Jahr 2011.

“Um den technischen Ablauf der Restaurierung verstehen zu können, muß man wissen, daß der Toelleturm am Fuße einen Durchmesser von 7,70 Meter und oben von 5.14. Meter hat und zweischalig gemauert worden ist. Den  Zwischenraum bildet eine Art Cyklopenmauer aus unbehauenem Stein und ungerichteten Fugen, teils offen und ohne Mörtel. Im Winter konnte Wasser in das Mauerwerk eindringen und der jährliche Frost hatte “sprengende Wirkung”. Zunächst lockerte er das Mauerwerk, zuletzt drückte er es nach Außen. Kosmetische Arbeiten, wie ein Jahrzehnt zuvor, zum Beispiel durch abermaliges Verfugen, hätten am Grundübel nichts geändert, zumal die Plattform nicht vollständig dicht war. Die Analyse wurde erst durch Kernbohrungen möglich und das innere Mauerwerk sicht- und prüfbar. Die Experten kamen zu der Meinung, daß die innere Schale mit einer Dicke von 30 bis 60 Zentimeter intakt und tragfähig sei. So wurde denn die vollständige Sanierung “nur” der Außenhaut durchgeführt. Abschnittsweise wurde die schadhafte Außenmauer unter Mithilfe von Wasserdruck abgetragen und eine Spritzbetonschicht als Feuchtigkeitssperre aufgebracht. Anschließend erhielt der Turmschaft eine Umhüllung und Stütze aus Stahlbetonrohr. Ein guter Teil der abgerissenen Beyenburger Grauwacke wurde als äußere Verblendung, sprich “Mantel”, wiederverwendet, ergäntz durch neue Steine. Diese Vormauerschale hat eine 24 Zentimeter dicke Hinterlüftung. Nach der Fertigstellung hatte der Turm die gleichen Außenabmessungen wie beim Neubau. Zur Sanierung gehörten außerdem das Freilegen des inneren Mauerwerks, die Entfernung des Dacuhaustieges, Rekonstruktion der gesamten Aussichtsplattform, Erneuerung der Außentreppe und des Umlaufes, Überarbeitung aller Eisenteile, Anschlüsse für Strom und Wasser, Gartenarbeiten um den Turm herum.”5

Seit dem 11.August 1990 steht der Turm den Besuchern an jedem Sonn- und Feiertag wieder zur Verfügung.6 950.000 DM waren dafür ausgegeben worden, 150.000 DM davon stammten vom Land NRW.7 Zur Erinnerung an die Sanierung wurde über der Gedenktafel für Ludwig Ernst Toelle eine Glasplatte mit folgender Inschrift angebracht:

“Die Sanierung des Toelleturmes
im Jahre 1990 wurde durch groß-
zügige Spenden Wuppertaler Bürger
und mit Hilfe von Stadt und Land
ermöglicht”


Die zweite Gedenktafel erinnert an die Sanierung, ebenso…

.. die Inschrift über dem Eingang.

Diese Scheibe bietet den Besuchern auf dem Turm Orientierung.

Blick auf Barmen. (Ein Klick auf das Bild macht es größer.)

Blick auf Elberfeld. (Ein Klick auf das Bild macht es größer.)


Elisenturm

Die Mühle auf der Hardt. Reprod. eines Gemäldes, Stadtarchiv Wuppertal, Fotosammlung, 2.11.2

Die Geschichte des Elisenturms beginnt in den 1830er Jahren. Engelbert Eller hatte das Gelände der heutige Villa Eller im Botanischen Garten gekauft und dort seinen Sommersitz gebaut. Auf den Fundamenten 1 des ehemaligen Mühlenturms auf dem Gelände ließ er einem Aussichtsturm mit einer Sternwarte bauen. Im Jahr 1838 wurde er fertig gestellt und ist damit der früheste nachweisbare Aussichtsturm im Rheinland.


Elisenhöhe auf der Hardt, Reproduktion eines Stichs von 1839. Stadtarchiv Wuppertal, Fotosammlung, 2.11.2

Ende der 1840 Jahre stand der Turm dann der Bevölkerung als Aussichtsturm zur Verfügung.2 Den Name “Elisenturm” wählte der Stadtrat Eller als Reverenz an die preußische Königin Elisabeth Ludovika (1801-1873) 3, eine bayrische Prinzessin, die 1823 Friedrich Wilhelm von Preußen heiratete, der am 7. Juni 1840 als IV. diesen Namens den preußischen Thron bestieg.


Die Villa Eller und der Elisenturm im Februar 2010 auf der Hardt. Heute ist das Ensemble Teil des Botanischen Gartens.

Der zylindrische Turm steht auf einem rundem Sockel mit einem Durchmesser von 17,2 Metern, der talseitig 1,9 Meter hoch ist. Der Turm selbst hat einen mittleren Durchmesser von 9,4 Metern. Er verfügt über eine Gliederung durch acht weiße Pilaster mit korinthischen Kapellen. 14,5 Meter über dem Sockel befindet sich die 5,65 Meter hohe verglaste Laterne, in der sich der Ausstieg auf die diese umgebende Plattform befindet. Im ersten Obergeschoß befindet sich der Kuppelsaal mit kassertierter Kuppel, deren Scheitelhöhe sich 10,8 Meter über dem Sockel befindet. Er wird heute gerne für Hochzeiten genutzt. In seiner Gestaltung erinnert der Elisenturm an das Lysikratesmonument (siehe Bild in Wikipedia) in Athen oder auch an einen Leuchtturm, wie Baedeker in der Rheinreise 1846 schrieb.4


Der Elisenturm im April 2010.

Am Ende des 19.Jahrhunderts wurde der Turm dann von der Witwe Ellers dem Roten Kreuz überschrieben. 1907 kaufte die Stadt Elberfeld den Turm. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente er zeitweise als Wohnung, ab den 1950er Jahren dann wieder als Aussichtsturm und Sternwarte der Volkshochschule.5 1966 wurde der Turm einer Generalsanierung unterzogen, die Kosten betrugen 311.000 DM, wovon 40.000 DM aus Landesmitteln kamen. 1985 wurde die Putzhülle erneuert, 1998 geschah dies erneut und der Anstrich wurde in der heute vorliegenden Form durchgeführt.6


Eine Aufnahme vom August 2009.
Der Elisenturm hat keine regelmäßigen Öffnungszeiten.

Wandbrunnen an der Kölner Straße

Der Platz an der Kölner Straße im November 1964. Sammlung Untere Denkmalbehörde, K69485, Nr. 3114

Der Wandbrunnen von Erich Cleff im November 1964. Sammlung Untere Denkmalbehörde, K69484, Nr. 3115.

Im Jahr 1914 wurde an der Kölner Straße auf der Brücke über die Eisenbahn gegenüber der Stadthalle eine kleine Grünanlage angelegt, die ein Wartehäuschen für die vier Straßenbahnlinien, die sich dort trafen, erhielt. Außerdem wurde an der Wand zur Wohnbebauung der Blumenstraße ein Zierbrunnen installiert, der vom Bildhauer Erich Cleff geschaffen worden war. Er war etwa vier Meter breit und zwei Meter hoch. Seine Seitenteile waren mit Reliefs von stilisierten Pflanzenmotiven geschmückt. Das Wasser floss aus einer Zuleitung in der Rückwand in ein halbovales Becken, das mit Ornamenten verziert war.1


Heute ist der Brunnen heillos überwuchert, aber noch vorhanden.

Im Vordergrund das Brunnenbecken, das offensichtlich Beschädigungen aufweist.

Seit 2015 bemüht sich der Bürgerverein der Elberfelder Südstadt um eine Restauration des Brunnens.2

Trinkbrunnen der Evangelischen Volksschule Eichenstraße

Fotografie des Brunnens vor 1926. Entnommen aus: Deutschlands Städtebau, Barmen, bearbeitet und herausgegeben im Auftrag des Oberbürgermeisters vom Beigeordneten Stadtbaurat Köhler, 2.Auflage, 1926, S.50. Dort fälschlich der Schule Kreuzstraße zugeordnet.

1914 wurde der Schulhof der 1903/04 errichteten Evangelischen Volksschule Eichenstraße – heute ist hier die städt. Gemeinschaftsgrundschule Eichenstraße beheimatet – erweitert. Das dafür notwendige Grundstück wurde bereits 1908 von Johann Jakob Bredt erworben. Der neue Schulhof erhielt als Schmuck einen kleinen Trinkbrunnen aus Muschelkalk. Er besteht aus einem achteckigen Brunnenbecken mit einem Durchmesser von 2,5 Metern, das an der Außenseite Medaillons mit Tiermotiven trug, und einem das Brunnenbecken um drei Meter überragenden Obelisken. Am inneren Rand des Brunnenbeckens sprudelte aus feinen Düsen Wasser hervor.1


Der Brunnen heute. Er steht noch, sprudelt aber nicht mehr.

Der Zustand ist aber alles in allem…

… miserabel.

Jahn-Brunnen zum 50.Jubiläum der Ronsdorfer Turngemeinde

Der Jahn-Brunnen an der Scheidtstraße in Ronsdorf.

Am 25.September 1910 feierte die Ronsdorfer Turngemeinde (heute: Deutsche Turnerschaft Ronsdorf 1860 e.V.) ihr 50jähriges Bestehen und weihte zu diesem Jubeltag ein Denkmal in Form eines Brunnes zur Erinnerung an das Jubiläum und an Turnvater Friedrich Ludwig Jahn ein. Finanziert wurde der Brunnen durch Spenden der Ronsdorfer Bürgerschaft, geschaffen hatte den Brunnen der Düsseldorfer Bildhauer Franz Linden. Die Einweihungsrede wurde von Oberturnlehrer Schröder aus Barmen gehalten.


Ansicht des Denkmals

Der Brunnen besteht aus einem halbrunden Beclen, hinter dem sich ein oben gerundeter Aufbau aus Muschelkalk erhebt. Zwei Turner, im Relief dargestellt, halten ein von Eichengirlanden bekränztes Medaillon mit dem Bildnis des Turnvaters. Darunter befindet sich ein Mäanderfries. Darunter wiederum strömte einst das Wasser aus fünf Masken.


Das verwitterte Bildnis von “F.L.Jahn”, wie die Inschrift verrät.

Aus Anlass des 50jährigen Bestehens erhielt die Turngemeinde von der Stadt Ronsdorf für die “Verdienste um die Hebung der Volkskraft und Volksgesundheit und der Förderung der Erziehung zu edlen Bürgertugenden” die goldene Medaille und die Benutzung der Turnhalle wurde kostenfrei gestellt. Neben dieser 1887 errichteten Turnhalle in der Hochstraße (heute Scheidtstraße) wurde auch der Jahn-Brunnen aufgestellt. Während die Turnhalle dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer viel, überstand der Brunnen den Krieg und steht bis heute neben der 1956 errichteten zweiten Turnhalle.1


Die verwitterte Inschrift.

Auf der Rückseite befindet sich unter dem bekränzten vierfachen F der deutschen Turnerschaft die Inschrift mit folgenden Worten:

“Zur Jubelfeier der
Ronsdorfer Turnge-
meinde am Fünfund-
zwanzigsten Sep-
tember neunzehn-
hundertundzehn
1860 – 1910”

Der Brunnen auf dem von der Heydt-Sportplatz

Dieses Bild zeigt die Einweihungsfeier des Sportplatzes Freudenberg am 30.Juli 1910 und die zu diesem Anlass aufgeführten “Freiübungen der Schülern und Schülerinnen”. Fotograf: Carl Schäfer. Entnommen aus: Offizielle Festwoche zur Dreihundertjahr-Feier der Stadt Elberfeld, Heft III, 2.August 1910. (Bild ergänzt am 04.August 2012)

Als im Jahr 1910 dreihundert Jahre Stadt Stadtrechte in Elberfeld gefeiert werden konnten, wurde im Rahmen der Feierlichkeiten am 30.Juli gegen 15 Uhr der von der Heydt-Sportplatz am Freudenberg der Öffentlichkeit übergeben. Freiherr August von der Heydt hatte das Gelände der Stadt zur Pacht überlassen und seine Frau spendete dem Verein für Körperpflege die erforderliche Pachtsumme. Die Kosten für die Einebnung und Herrichtung des Platzes teilte sich die Stadt Elberfeld und der Verein der Freunde des Vereins für Körperpflege. Der Sport- und Spielplatz für die Schuljugend des Elberfelder Südens war damals der größte im Bergischen Land und Selma von der Heydt stiftete ihm auch einen Brunnen:


Der Brunnen auf dem von der Heydt-Sportplatz

Er besteht aus einem mächtigen Steinblock und drei halbrunden Becken, die heute bepflanzt sind und damals das Wasser aufnahmen. An der Vorderseite kündet die Inschrift:

“v.d.Heydt-Platz
eingeweiht bei
Gelegenheit der
Dreijahrhun-
dertfeier am 30.Juli
1910”

Besitzerin
Selma Freifrau v.d.Heydt.


Der Brunnen

1966 wurde der Brunnen nach dem Bau des Sportplatzhauses restauriert.Im Rahmen der Dreihundertjahrfeier wurden auch der Goldschmiedebrunnen, die Anlagen der Villa Freytag, der Gerechtigkeitsbrunnen und die Gedenktafel für die gefallenen Söhne der Stadt Elberfeld eingeweiht. 1