Der Gerechtigkeitsbrunnen (1910)

Der Gerech­tig­keits­brun­nen auf einer unda­tier­ten Foto­gra­fie. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.4

Am 30. Juli 1910, es war der drit­te Fest­tag der Drei­hun­dert­jahr­fei­er der Stadt Elber­feld, wur­de auf dem Exer­zier­platz am Osters­baum der Gerech­tig­keits­brun­nen ent­hüllt. Der Platz trägt heu­te den Namen Platz der Repu­blik. In den Tagen zuvor waren bereits der Gold­schmie­de­brun­nen und die Anla­gen der Vil­la Frey­tag ein­ge­weiht wor­den. Der noble Stif­ter des Brun­nens war ein­mal mehr Frei­herr August von der Heydt, in des­sen Auf­trag der Bild­hau­er Bern­hard Hoet­ger die Figur des Brun­nens schuf. Der Frei­herr hat­te den Bild­hau­er in Paris ken­nen gelernt und schätz­te sei­ne Arbeit. Die Figur wur­de nach einer Akt­zeich­nung von 1905 mit dem Titel “Wägen­de” ent­wor­fen. Den Brun­nen selbst schuf Regie­rungs­bau­meis­ter Rie­mann.


Der Brun­nen am Tag der Ein­wei­hung am 30.Juli 1910. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/10/13

Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/10/15

Der Brun­nen besteht auf der unters­ten Ebe­ne aus drei guß­ei­ser­nen und aus dem Mund was­ser­spei­en­den Löwen, der eine trägt vor der Brust das Wap­pen des Stif­ters, der ande­re das Wap­pen der Stadt Elber­feld und der drit­te trug das Stif­tungs­schild und heu­te das Wap­pen der Stadt Wup­per­tal (s.u.). Dar­auf ist ein gro­ße Brun­nen­scha­le aus Kirch­hei­mer Muschel­kalk ange­bracht, deren Rand aus Kup­fer war. Byzan­ti­ni­sche Orna­men­te und “ver­wand­te Blatt­wel­len” zie­ren die Scha­le, die auf eini­ge wie ein Opfer- oder Tauf­be­cken wirkt. Das Fuß­band gibt einen Bibel­vers aus Sprü­che Salo­mos 10, 11 wie­der:


Des Gerech­ten Mund ist ein leben­di­ger Brun­nen”


Brun­nen­lö­we

In der Mit­te der Brun­nen­scha­le erhebt sich ein Podest, dar­auf fand sich ein was­ser­spei­en­der Basi­lisk. Auf ihm wie­der­um stand die Figur in Form einer Ado­ran­tin, deren Blick in den Him­mel gerich­tet war und deren Arme weit aus­ge­brei­tet waren. Der Ober­kör­per war unbe­deckt, ein um die Hüf­te gewi­ckel­tes rock­ar­ti­ges Gewand fiel bis zu den Fer­sen und war vor­ne offen.


Zur Ein­wei­hung über­gab Frei­herr August von der Heydt den Brun­nen mit den Wor­ten:

Als ein Erin­ne­rungs­zei­chen an den heu­ti­gen Ehren­tag habe ich mir erlaubt, die­sen Gerech­tig­keits­brun­nen zu stif­ten mit dem Mot­to ‘des gerech­ten Mund ist ein leben­di­ger Brun­nen’: Möge der Geist der Gerech­tig­keit wal­ten auch unter den spä­tes­ten Geschlech­tern die­ser Stadt.”


Am sel­ben Tag wur­de auch die Gedenk­ta­fel für die gefal­le­nen Söh­ne der Stadt Elber­feld im Rat­haus und der Brun­nen auf dem von der Heydt-Sport­platz eingeweiht.In der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus galt die Kunst Hoet­gers als ent­ar­tet und die Figur wur­de im Zwei­ten Welt­krieg ein­ge­schmol­zen.


Der Rest des Brun­nens mit zwei funk­ti­ons­tüch­ti­gen Löwen im August 2011

1957 war der Brun­nen abge­stellt, die Wid­mungs­ta­fel war ver­lo­ren und die Löwen ver­rot­te­ten. Die Stadt Wup­per­tal beauf­trag­te den Bild­hau­er Fritz Ber­nuth mit der Restau­ra­ti­on, die im Früh­jahr 1959 abge­schlos­sen wur­de. Die Wid­mungs­ta­fel wur­de dabei fälsch­li­cher­wei­se durch eine Tafel mit dem Wap­pen der 1929 geform­ten Stadt Wup­per­tal ersetzt. Die­ser Feh­ler konn­te auf­grund man­geln­der Mit­tel auch bei der fol­gen­den Gene­ral­über­ho­lung 1989 auf­grund der Kos­ten von 6.000 Mark nicht rück­gän­gig gemacht wer­den. Der Platz der Repu­blik wur­de zu dem Zeit­punkt neu­ge­stal­tet und der Brun­nen um weni­ge Meter ver­setzt. Der Anschluss an die Was­ser­ver­sor­gung wur­de erneu­ert.1


Das Elber­fel­der Wap­pen (Bild hin­zu­ge­fügt am 26.Juni 2012)

Das Wap­pen des Stif­ters (Bild hin­zu­ge­fügt am 26.Juni 2012)

Das fal­sche Wup­per­ta­ler Wap­pen (Bild hin­zu­ge­fügt am 26.Juni 2012)

Im Okto­ber 2011 kün­dig­te der bekann­te Mäzen Hans-Joa­chim Cam­p­hau­sen nach den erfolg­rei­chen Samm­lun­gen zur Rekon­struk­ti­on des Elber­fel­der Rit­ters und des Armen­pfle­ge­denk­mals die Rück­kehr der Figur des Gerech­tig­keits­brun­nen für den Som­mer 2012 an. 175.000 Euro sind für die Rekon­struk­ti­on gespen­det wor­den. 2 Am 24.Juni 2012 wur­de der neue Gerech­tig­keits­brun­nen ein­ge­weiht.


Der Platz der Repu­blik mit dem Gerech­tig­keits­brun­nen im Zen­trum auf einer Luft­bild­auf­nah­me zwi­schen 1919 und 1939 Samm­lung His­to­ri­sche Zen­trum, 010/10/79

Der Goldschmiedebrunnen

Der Gold­schmie­de­brun­nen im Hof der Kna­ben­mit­tel­schu­le. Ent­nom­men aus: Der Gold­schmie­de­brun­nen in Elber­feld, in: Die Gold­schmie­de­kunst, Nr.41, vom 8.Oktober 1910, S. 395. (Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, Akte J II 85 A)

Die Figur. Ent­nom­men aus: Der Gold­schmie­de­brun­nen in Elber­feld, in: Die Gold­schmie­de­kunst, Nr. 41, vom 8. Okto­ber 1910, S. 396.

Als im Jahr 1910 die Stadt Elber­feld 300 Jah­re Stadt­rech­te fei­er­te, stif­te­te der Gold­waren­händ­ler Karl Schmitz aus die­sem Anlaß und zur Erin­ne­rung an sei­nen Vater den Gold­schmie­de­brun­nen für den Hof der neu­ge­bau­ten Kna­ben­mit­tel­schu­le an der dama­li­gen Bran­den­bur­ger Stra­ße, die heu­te Pfalz­gra­fen­stra­ße heißt. In dem Gebäu­de ist nun das Ber­gi­sche Kol­leg unter­ge­bracht. Der Wert der Stif­tung betrug 5429,29 Mark. Aus­ge­führt wur­de die Figur des Brun­nens von Fried­rich Cou­bil­lier, der auch die Sta­tue von Adolf von Berg auf Schloß Burg schuf. Am 28.Juli 1910 wur­de der Brun­nen im Rah­men der Fei­er­lich­kei­ten der Drei­hun­dert­jahr-Fei­er ein­ge­weiht.


Die Gesamt­hö­he des Brun­nens betrug über drei Meter. Das Brun­nen­be­cken wur­de aus einem Block Gra­nit gear­bei­tet und hat­te einen Durch­mes­ser von ca. zwei Metern. In der Mit­te der Brun­nen­scha­le erhob sich ein vier­ecki­ger Sockel, auf dem die bron­ze­ne Figur eines mit­tel­al­ter­li­chen Gold­schmieds stand. Er trug Schurz­felll und Kap­pe und schau­te nach­den­kend auf den Treib­ham­mer in der einen und eine klei­ne Prunk­kan­ne in der ande­ren Hand. Die Figur war etwas über einen Meter hoch. Neben der gelun­ge­nen Figur lob­te der Autor des Arti­kels in “Der Gol­schmie­de­kunst” die sechs Spru­del, die am Rand des Beckens auf­stei­gen und so das Trin­ken ohne Becher ermög­li­chen, was als “hygie­nisch wert­voll” ein­ge­stuft wird.


Auf der Rück­sei­te des Brun­nens war eine Bron­ze­ta­fel mit einer Wid­mung ange­bracht:
Die Bron­ze­ta­fel mit Wid­mung. Ent­nom­men aus: Der Gold­schmied-Brun­nen in Elber­feld, in: Deut­sche Uhr­ma­cher-Zei­tung, Nr. 19 vom 1.Oktober 1910, S.317. (Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, Akte J II 85 A)

Die Inschrift lau­tet:

Im Anken­den an den Gold­schmied
Karl August Schmitz
* zu Len­nep 1819 + zu Elber­feld 1882
der Stadt Elber­feld
zur Drei­hun­dert­jahr­fei­er 1910
von sei­nem Soh­ne gestif­tet.”


Karl Schmitz wur­de am 6.Oktober 1854 in Elber­feld gebo­ren und war ein Mann, der sich oft für die Über­brü­ckung sozia­ler Gegen­sät­ze ein­setz­te. Seit 1894 waren die Ange­stell­ten der Fir­ma C.A.Schmitz am Gewinn betei­ligt und erhiel­ten Prä­mi­en zur Deckung von Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­run­gen. Außer­dem spen­de­te er häu­fig und oft ohne Namens­nen­nung zu Guns­ten von Hilfs­be­dürf­ti­gen oder lei­den­den Kin­dern. Seit dem 21.Dezember 1888 war er Armen­pfle­ger im 5. Armen­be­zirk, außer­dem war er Ehren­mit­glied des Sprach­ver­eins und setz­te sich für ein ver­ständ­li­ches Amts­deutsch ein. Am 31.Dezember 1910 beging er Selbst­mord, weil er glaub­te wahn­sin­nig zu wer­den.


Der Gold­schmie­de­brun­nen auf einer Foto­gra­fie im August 1940. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de, Nr.2722.

Im Zwei­ten Welt­krieg (nach August 1940) wur­de die Bron­ze­fi­gur ein­ge­schmol­zen. Das Brun­nen­be­cken wur­de 1967/69 bei der Erwei­te­rung des Schul­ge­bäu­des ent­fernt.1


Bild der Ein­wei­hung des Gold­schmie­de­brun­nens. Auf dem Bild sind fol­gen­de Per­so­nen zu sehen: (v.l.n.r.) Bau­rat Schoen­fel­der, Minis­ter v. Dall­witz, Reg.-Präs. Dr  Kru­se, Geheim­rat v. Boet­tin­ger, Lan­des­haupt­mann Dr. v. Ren­vers. Im Hin­ter­grund ist die Turn­hal­le zu sehen. Foto­gra­fie von Her­mann & Klein. Ent­nom­men aus: Offi­zi­el­le Fest­wo­che zur Drei­hun­dert­jahr-Fei­er der Stadt Elber­feld, Heft III, 2.August 1910. (Bild ergänzt am 04.August 2012)

Im Rah­men der Drei­hun­dert­jahr­fei­er wur­den auch die Anla­gen der Vil­la Frey­tag, der Gerech­tig­keits­brun­nen, die Gedenk­ta­fel für die gefal­le­nen Söh­ne der Stadt Elber­feld und der Brun­nen auf dem von der Heydt-Sport­platz ein­ge­weiht.

Flaggenmast und Löwe vor dem Elberfelder Rathaus

Flag­gen­mast und Ber­gi­scher Löwe auf dem Neu­markt. Im Hin­ter­grund das Rat­haus mit sei­nem Figu­ren­schmuck. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/47

Am 1. Okto­ber 1904 wur­de das Bank­haus von der Heydt, Kers­ten & Söh­ne stol­ze 150 Jah­re alt. Anläss­lich die­ses Jubi­lä­ums stif­te­te Frei­herr August von der Heydt der Stadt Elber­feld einen impo­san­ten Flag­gen­mast. Ent­wor­fen wur­de er von Prof. Lou­is Heitsch, der an der Elber­fel­der Kunst­ge­wer­be­schu­le lehr­te. Der Wert der Stif­tung lag bei 27.600 Mark.


Der vier Meter hohe Unter­bau aus Muschel­kalk trug zwei Bron­ze­ta­feln, von denen eine den Preu­ßi­schen Adler und die ande­re den Ber­gi­schen Löwen zeig­te. Auf der Rück­sei­te war über einem Lauf­brun­nen das Wap­pen des Stif­ters zu sehen. Auf dem Unter­bau war der mit vie­len Orna­men­ten geschmück­te Bron­ze­schaft mit der Stadt­kro­ne als Abschluss ange­bracht. Aus ihr erhob sich der 26 Meter hohe aus Eisen geschmie­de­te Flag­gen­mast, der von der Lau­rahüt­te in Schle­si­en her­ge­stellt wur­de und von Schlos­ser­meis­ter C.H.Schmidt aus Elber­feld gelie­fert wur­de. Vor dem Flag­gen­mast wach­te in auf­rech­ter Posi­ti­on sit­zend der mäch­ti­ge Ber­gi­sche Löwe.


Am 23. Mai 1908 wur­de der noch unvoll­ende­te Flag­gen­mast zum ers­ten Mal genutzt und trug das Stadt­ban­ner, als das Kron­prin­zen­paar durch­fuhr, nach­dem es in Bar­men zur Hun­dert­jahr­fei­er den Grund­stein für das neue Rat­haus gelegt hat­te. Vor 1940, ver­mut­lich 1939, wur­de der Flag­gen­mast ent­fernt, als der Luft­schutz­bun­ker unter dem Neu­markt gebaut wur­de.1


Der Flag­gen­mast in der Rück­an­sicht. Links ist der Jubi­lä­ums­brun­nen zu sehen. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/19.

Posi­ti­on des Kunst­werks auf der Kar­te


Figurengruppe und Brunnen unterhalb des Bergischen Hauses auf der Hardt

Post­kar­te aus dem Jahr 1910. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2

Auf der Jah­res­ver­samm­lung des Hardt-Ver­eins am 15.Mai 1902 wur­de vom Vor­stand dar­ge­legt, dass von der Stif­tung, die die Erben eines Herrn Wichel­haus getä­tigt hat­ten, noch 220 Mark übrig sein. Von dem bis­he­ri­gen Geld wur­de ein Spring­brun­nen auf der Hardt errich­tet. Man ent­schied sich dann in Abstim­mung mit Dr. Wichel­haus dazu, eine Ton­grup­pe der Fir­ma E.Marck Söh­ne aus Char­lot­ten­burg zu erwer­ben. Ruth Mey­er-Kahr­weg ver­mu­tet, dass obi­ge Post­kar­te die Figu­ren­grup­pe (eine Sze­ne aus dem Mär­chen Brü­der­chen und Schwes­ter­chen) und den Brun­nen dar­stellt. Als Stand­ort gibt sie das Pla­teau unter­halb des Ber­gi­schen Hau­ses an. Wann bei­de zer­stört oder ent­fernt wur­den, ist unbe­kannt.1


Foto­gra­fie des Brun­nens unweit der Trep­pe zum Ber­gi­schen Haus mit den Lands­knecht­fi­gu­ren. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2 (Bild ergänzt am 4.August 2012)

1995 wur­den anstel­le der Brun­nen zwei ein­fa­che Spring­brun­nen errich­tet.


Posi­ti­on des Brun­nens auf der Kar­te


Der Jubiläumsbrunnen auf dem Neumarkt

Der Jubi­lä­ums­brun­nen auf dem Neu­markt.

Als der Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein im Jahr 1895 sein 25jähriges Jubi­lä­um fei­er­te, stell­te er in den Anla­gen am Mir­ker Hain und am Fried­richs­berg Denk­mä­ler auf. Aber der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein hat­te noch mehr vor: Unter dem Vor­sitz des För­de­rers August von der Heydt ent­schied man sich dazu, der Stadt Elber­feld einen acht Meter hohen Monu­men­tal-Brun­nen nach Tri­es­ter Vor­bild zu schen­ken. Als Stand­ort wähl­te man den Neu­markt, wo der Bau des neu­en Rat­hau­ses geplant wur­de. Im Janu­ar 1900 ent­schie­den die Stadt­vä­ter, dass der Brun­nen nahe des Haupt­ein­gangs an der Ach­se der Fried­rich­stra­ße auf­ge­stellt wer­den soll­te.


Mee­resun­ge­heu­er und Mee­res­ni­xe.

Detail des Brun­nens.

Als Bild­hau­er enga­gier­te man den Düs­sel­dor­fer Leo Müsch, der 1888 bereits die Kai­ser­re­liefs des Cro­nen­ber­ger Drei­kai­ser­turms geschaf­fen hat­te. Als der 12 1/2 Meter hohe Brun­nen dann am 25.September 1901 zum ers­ten Mal sein Aus­se­hen ver­riet, da zum Abschluss der Arbei­ten die schüt­zen­de Hül­le ent­fernt wur­de, kam es zu einem Skan­dal.


Noch ein Mee­resun­ge­heu­er.

Der 3 Meter gro­ße Nep­tun mit Drei­zack.

In dem Brun­nen aus rotem Main­sand­stein mit sei­nem 8m gro­ßen geschwun­ge­nen Becken und dem drei­stu­fi­gen Auf­bau, den Nep­tun krön­te, tum­mel­ten sich Meer­göt­ter, Nixen, Tri­to­ne, Put­ten, Del­fi­ne und See­unge­heu­er, deren Geschlecht unver­hüllt war. Die Männ­lich­keit eini­ger Figu­ren war deut­lich sicht­bar. Die Kir­chen und Mora­lis­ten lie­fen Sturm gegen den Brun­nen und schließ­lich wur­den die Stei­ne des Ansto­ßes mut­wil­lig zer­stört. Der Bild­hau­er ersetz­te sie dar­auf­hin durch Arkan­thus­blät­ter, doch noch immer schwoll die Wut und der Abriß des Brun­nens wur­de gefor­dert. Viel Kri­tik rich­te­te sich auch gegen die Per­son des Frei­herrn von der Heydt und des­sen Moral. Die Pro­tes­te for­der­ten natür­lich Wider­spruch her­aus und eine hit­zi­ge Debat­te wur­de in der Stadt geführt.


Ein Mee­res­gott ohne Geschlechts­merk­ma­le.

Am 28.Oktober 1901 über­gab man den Brun­nen ohne beson­de­re Fei­er oder Ein­wei­hung der Öffent­lich­keit, am 4.Februar 1902 ent­schied die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung mit 17 zu 13 Stim­men, dass der Sta­tus Quo auf­recht erhal­ten wer­den soll­te, um weder der einen, noch der ande­ren Sei­te durch eine Ver­än­de­rung neue Gele­gen­heit zum Pro­test zu geben. Eine Eini­gung war nicht zu erwar­ten.1


Eine Bron­ze­ka­tu­sche am Becken­rand.

Eine bron­ze­ne Katu­sche ent­hält fol­gen­de Inschrift:

“Gestif­tet
von dem Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein
zur Erin­ne­rung
an die Fei­er des 25 jäh­ri­gen Bestehens
23.Mai 1895”

Eine wei­te­re klei­ne Bron­ze­ta­fel ver­kün­det: “Leo Müsch fec. Düs­sel­dorf 1901”

Im Herbst 1965 wur­de der Brun­nen instand gesetzt und saniert.2

Landsknechtfiguren am Bergischen Haus

Um die Jahr­hun­dert­wen­de wur­den am Auf­gang zum Ber­gi­schen Haus auf der Hardt zwei Lands­knecht­fi­gu­ren auf­ge­stellt. Wann genau dies geschah, ist unklar, auf einer Post­kar­te aus dem Jahr 1901 sind sie zum ers­ten Mal zu sehen.1 Eine Kar­te der Hardt, die auf den 1.April 1900 datiert ist, ver­zeich­net kei­ne Lands­knecht­fi­gu­ren.2


Die Lands­knecht­fi­gu­ren auf einer Post­kar­te. Im Hin­ter­grund der Neu­bau des Ber­gi­schen Haus aus dem Jahr 1907 Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum

Die bei­den Lands­knech­te mit ihren Hel­le­bar­den wur­den aus Stein gefer­tigt und stan­den in läs­si­ger Hal­tung auf einem drei­stu­fi­gen Sockel. 1884 war zum ers­ten Mal an die­ser Stel­le auf der neu­en Hardt (ober­halb des heu­ti­gen Stand­orts des Drei-Kai­ser-Denk­mals am Ende der Stra­ße Zie­gen­burg) ein ein­stö­cki­ges Fach­werk­haus als Aus­flugs­lo­kal errich­tet wor­den, das sei­nen Auf­ga­ben bald nicht mehr gerecht wur­de. Im Früh­jahr 1907 wur­de es abge­ris­sen und ein neu­es, deut­lich grö­ße­res Haus von der Stadt Elber­feld nach Plä­nen von Stadt­bau­rat Schoen­fel­der errich­tet und am 17. bzw. 21.Dezember 1907 ein­ge­weiht. Der Päch­ter Otto Fischer und spä­ter sei­ne Wit­we betrie­ben das Haus von 1907 bis 1942, 1943 wur­de das Ber­gi­sche Haus und wahr­schein­lich damit auch die Lands­knecht­fi­gu­ren durch Bom­ben zer­stört. Die Trep­pe exis­tiert jedoch noch.3


Die Lands­knecht­fi­gu­ren auf einem Foto, des­sen Auf­nah­me­da­tum unbe­kannt ist. Wie man sieht, sind die Büsche an der Trep­pe ordent­lich gewach­sen, die Trep­pe hat sich ver­än­dert und auch am Ber­gi­schen Haus sind Ände­run­gen vor­ge­nom­men wor­den (z.B. an den Fens­tern). Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/9

Foto­gra­fie der Lands­knecht­fi­gu­ren unweit von Figu­ren­grup­pe und Brun­nen unter­halb des Ber­gi­schen Hau­ses auf der Hardt.  Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2 (Bild ergänzt am 4.August 2012)

Posi­ti­on des Kunst­wer­ke auf der Kar­te


Elberfeldia

Anläss­lich des Besu­ches des Kai­ser­paa­res am 24.Oktober 1900 in Elber­feld zur Ein­wei­hung des neu­en Rat­hau­ses wur­de der Weg, den die Majes­tä­ten nah­men, zu einer via tri­um­pha­lis aus­ge­schmückt. Gegen­über des Ein­gangs des Rat­hau­ses, am heu­ti­gen Stand­ort des Jubi­lä­ums­brun­nens, fand eine drei Meter hohe alle­go­ri­sche Figur der Stadt namens “Elber­fel­dia” auf einem vier Meter hohen Pos­ta­ment ihren Platz. Nach den Fei­er­lich­keit kam die Figur spä­tes­tens vor 1910 auf die Hardt, in die Nähe der Eli­sen­hö­he.


Die Elber­fel­dia auf der Hardt. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.

Die Figur der Elber­fel­dia trug ein lan­ges wal­len­des Gewand, stütz­te die rech­te Hand auf die Hüf­te, die lin­ke hielt einen Schild, auf dem das Elber­fel­der Wap­pen zu sehen war. Es ist unbe­kannt, wer die­se Figur schuf, ver­ant­wort­lich für die Aus­schmü­ckung des Neu­markts waren der Stadt­ver­ord­ne­te und Archi­tekt Kay­ser und Stadt­bau­in­spek­tor Brü­nig.1


Die Elber­fel­dia auf einer Post­kar­te, die am 27. Juli 1901 ver­schickt wur­de. Aller­dings unter­schei­det sich die Dar­stel­lung deut­lich von dem Foto, vor allem das Rost fehlt. Zudem die Beschrif­tung des Sockels und das Wap­pen an sel­bi­gem. (Bild hin­zu­ge­fügt am 9. Juli 2018)

1951 wur­de die Figur noch als erhal­tens­wert erwähnt, jedoch wur­de sie irgend­wann danach zer­stört. Die Über­res­te lie­gen auf dem Lager­platz der Hardt.2

Ehe­ma­li­ge Posi­ti­on des Kunst­werks auf der Kar­te
Die Posi­ti­on ist auf­grund der Quel­len­la­ge sehr unge­nau.


Figurenschmuck des Elberfelder Rathauses (1901/02)

Zur Ori­en­tie­rung: Der Betrach­ter steht auf dem Neu­markt links vom Ein­gang. Die bei­den Figu­ren stel­len Kai­ser Bar­ba­ros­sa und Her­zog Johann III. von Berg dar. Die Foto­gra­fie ent­stand im August 1940. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de, Nr. 2740

Am 24.Oktober 1900 weih­te der Kai­ser höchst­per­sön­lich das neue Elber­fel­der Rat­haus ein, nach­dem er bereits zuvor in Bar­men die Ruh­mes­hal­le und ihre Stand­bil­der eröff­net hat­te. Im Anschluss an die Ein­wei­hung des Rat­hau­ses fuhr der Kai­ser zur Pro­be mit der Schwe­be­bahn nach Voh­win­kel, wo er den Sie­ges­brun­nen ein­weih­te. Was der Kai­ser 1900 aller­dings nicht zu Gesicht bekam, war der Figu­ren­schmuck des Rat­hau­ses, die­ser war näm­lich noch nicht fer­tig und wur­de erst im fol­gen­den Jahr ange­bracht, die heu­te bekann­tes­te und wie­der­be­leb­te Figur des Rit­ters von Elber­feld kam sogar erst 1902 an ihren Platz.


Ein Stück wei­ter rechts, unge­fähr vom Jubi­lä­ums­brun­nen, ent­stand die­se Auf­nah­me, eben­falls im August 1940. Sie zeigt die Figu­ren von König Fried­rich Wil­helm III, Kai­ser Wil­helm II. und den Rit­ter von Elber­feld mit sei­nem Knap­pen. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de, Nr. 2739

Der Ver­ga­be der Auf­trä­ge an die Bild­hau­er ging eine lan­ge und inten­si­ve Debat­te über die Qua­li­tä­ten der Künst­ler und der Aus­ge­stal­tung der Figu­ren vor­aus. Unter ande­rem stritt man sich, ob die Figu­ren in Wart­hau­er Sand­stein, in Gal­va­no-Bron­ze oder Bron­ze­guß aus­ge­führt wer­den soll­ten, am Ende ent­schied man sich für die Aus­füh­rung in getrie­be­nem Kup­fer. Ver­ant­wort­lich für die Anfer­ti­gung aller Figu­ren war die Fir­ma Knodt aus Frank­furt am Main. Alle dar­ge­stell­ten Figu­ren ver­wie­sen auf die Geschich­te (und eine Legen­de) Elber­felds. Zusätz­lich wur­den am Ein­gang noch zwei alle­go­ri­sche Figu­ren der Wahr­heit und der Gerech­tig­keit ange­bracht.


Figur des Kai­sers Bar­ba­ros­sa (Fried­rich I.) Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/80

Kai­ser Bar­ba­ros­sa (ca.1122–1190) wur­de vom Ber­li­ner Bild­hau­er Pro­fes­sor Hein­rich Gün­ther-Gera geschaf­fen. In des­sen Herr­schaft wur­de der Hof Elber­feld als Tafel­gut des Köl­ner Erz­bis­tums erst­mals erwähnt. 1176 fiel der Hof als erb­li­cher Pfand­be­sitz an Graf Engel­bert von Berg, was der Kai­ser zwei­mal, 1179 und 1189 bestä­tig­te.


Figur des Her­zog Johann III. von Berg Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/81

Her­zog Johann III. (1490–1539) wur­de eben­falls vom Ber­li­ner Bild­hau­er Pro­fes­sor Hein­rich Gün­ther-Gera geschaf­fen. Der ers­te Her­zog der ver­ei­nig­ten Her­zog­tü­mer Jülich-Kle­ve-Berg gewähr­te 1527 gegen eine Zah­lung von 861 Gold­gul­den das Garn­pri­vi­leg an die Bewoh­ner Bar­mens und Elber­felds, sodass im Her­zog­tum nur im Wup­per­tal Garn gebleicht und gezwirnt wer­den durf­te. Die Garn­nah­rung gilt als Beginn der Wup­per­ta­ler Tex­til­in­dus­trie.


Die Figur des König Fried­rich Wil­helm III. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/59

König Fried­rich Wil­helm III. (1770–1840) stamm­te aus der Hand des Düs­sel­dor­fer Bild­hau­ers Hein­rich Bau­ke. Zu sei­ner Leb­zeit wur­de das Wup­per­tal von der fran­zö­si­schen Fremd­herr­schaft befreit (1813) und gelang­te 1815 zum König­reich Preu­ßen.


Die Figur Kai­ser Wil­helms II. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/58

Kai­ser Wil­helm II. (1859–1941) wur­de vom Düs­sel­dor­fer Bild­hau­er Fried­rich Cou­bil­lier geschaf­fen. Der Anlass, die­se Figur am Rat­haus anzu­brin­gen, war schlicht, dass das neue Rat­haus in sei­ner Regie­rungs­zeit gebaut und von ihm ein­ge­weiht wur­de.


Der Rit­ter von Elber­feld und sein Knap­pe. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/53

Die impo­san­te Eck­fi­gur des Rit­ters von Elber­feld mit sei­nem muti­gen Knap­pen ent­stammt eben­falls dem Werk des Ber­li­ner Bild­hau­ers Pro­fes­sor Hein­rich Gün­ther-Gera. Sie wur­de im Herbst 1901 fer­tig­ge­stellt und im Mai 1902 in der Nische am Rat­haus ange­bracht.1 Es ist eine Figur aus der Sagen­welt des Wup­per­tals, die für die Treue eines Knap­pen zu sei­nem Herrn steht.
Ruth Mey­er-Kahr­weg erwähnt in ihrer Erläu­te­rung nicht den Namen des Rit­ters, auch in Otto Schells Werk “Ber­gi­sche Sagen” von 1897 wird kein Name erwähnt. Heu­te ist die Figur als Rit­ter Arnold bekannt, aller­dings wur­de die­se Bezeich­nung von den Stadt­ver­ord­ne­ten 1900/1901 nicht benutzt. Es ist aber nicht unge­wöhn­lich, dass Sagen in ver­schie­de­nen For­men erzählt wer­den. Lei­der fin­den sich bei vie­len Ver­sio­nen im Inter­net kei­ne Quel­len­an­ga­ben, sodass es schwer ist, die Her­kunft zu veri­fi­zie­ren. Über­ein­stim­mend berich­ten die Erzäh­lun­gen davon, dass ein Rit­ter ver­folgt wur­de und dass sein Knap­pe von einer unbe­kann­ten Furt in einem gro­ßem Fluss, sehr wahr­schein­lich dem Rhein, wuss­te. Der Rit­ter und sein Knap­pe konn­ten sich dort sei­nen Wider­sa­chern ent­zie­hen, da die­se der Strö­mung nicht stand­hiel­ten. Eine zwei­te Geschich­te erzählt von einer unheil­ba­ren Erkran­kung der Gemah­lin des Rit­ters. Der Knap­pe eil­te dar­auf­hin fort und hol­te die Milch einer Löwin, mit deren Hil­fe die Frau gesun­de­te. Der Rit­ter wur­de dar­auf­hin miss­trau­isch und ent­ließ den Knap­pen, der als Lohn fünf Gul­den ver­lang­te. Mit die­sem Geld soll­te der Rit­ter eine Glo­cke beschaf­fen, die in der Elber­fel­der Umge­bung auf­ge­hängt wur­de. In einer ande­ren Ver­si­on der Sage wird ein Rit­ter Arnold von Elver­feld als Prot­ago­nist genannt, der bei der Schlacht von Worrin­gen (1288) flie­hen muss­te und dann von sei­nem Knap­pen durch den Rhein geführt wur­de. Die­se his­to­risch beleg­te Figur wird aller­dings bei Otto Schell als “Frev­ler” genannt, der in Feh­de mit Adolf V. von Berg lag und in Elber­feld eine Räu­ber­burg unter­hielt und sein Unwe­sen als Raub­rit­ter trieb.2 Es scheint doch sehr frag­lich, dass die Stadt­vä­ter solch eine Per­son an ihrem neu­en Rat­haus haben woll­ten.


Alle­go­ri­sche Figur der Wahr­heit. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/56

Zwei wei­te­re Figu­ren wur­den vom Ber­li­ner Bild­hau­er Pro­fes­sor Hein­rich Gün­ther-Gera geschaf­fen. Sie flan­kie­ren den Ein­gang und soll­ten den Stadt­ver­ord­ne­ten und sicher auch jeden Beam­ten und Bür­ger auf ihrem Weg durch das Rat­haus beglei­ten und bei Ent­schei­dun­gen mah­nend zur Sei­te ste­hen: Die Wahr­heit und die Gerech­tig­keit. Da die alle­go­ri­schen Figu­ren bei der Ein­wei­hung durch den Kai­ser noch nicht zur Ver­fü­gung stan­den, wur­de der jun­ge Bild­hau­er Eber­hard Schä­fer damit betraut, zwei in Gips model­lier­te und bron­zier­te Figu­ren der Wahr­heit und der Gerech­tig­keit zu schaf­fen, die spä­ter dann ersetzt wur­den.


Die Figur der Gerech­tig­keit. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/57

Alle Figu­ren auf einem Bild. Kai­ser Bar­ba­ros­sa, Her­zog Johann III. von Berg, König Fried­rich Wil­helm III, Kai­ser Wil­helm II. und der Rit­ter von Elber­feld (v.l.n.r.), im Ein­gangs­por­tal sind die “Wahr­heit” und “Gerech­tig­keit” zu sehen. Das Bild ent­stand zu den Fei­er­lich­kei­ten des 300.Jahrestages der Ver­lei­hung der Elber­fel­der Stadt­rech­te am 30.Juli 1910. Bild ent­nom­men aus: Offi­zi­el­le Fest­wo­che zur Drei­hun­dert­jahr-Fei­er der Stadt Elber­feld, Heft III, 2.August 1910. (Bild ergänzt am 04.August 2012)

Im Zwei­ten Welt­krieg gin­gen alle Figu­ren ver­lo­ren, ob sie von Bom­ben zer­stört oder bei einer Mate­ri­al­samm­lung ein­ge­schmol­zen wur­den, ist unklar.[3]32010 wur­den die Figu­ren des Rit­ters von Elber­feld und der Gerech­tig­keit und der Wahr­heit neu geschaf­fen. 
Im Juli 2013 steht die Rekon­struk­ti­on der vier Herr­scher­fi­gu­ren zur Debat­te.

Anmer­kung:
Da der ursprüng­li­che Figu­ren­schmuck sowohl alle­go­ri­sche Figu­ren als auch his­to­ri­sche Figu­ren ent­hält, wird die­ser Ein­trag sowohl unter “Denk­mä­ler” als auch unter “Stadt­schmuck” gelis­tet.


Der Siegesbrunnen in Vohwinkel

Als am 24.Oktober 1900 Kai­ser Wil­helm II. zusam­men mit Kai­se­rin Augus­te das Wup­per­tal besuch­te, weih­te er erst in Bar­men die Kai­ser­stand­bil­der in der Ruh­mes­hal­le ein, dann das neue Elber­fel­der Rat­haus und kam anschlie­ßend gegen 13:00 Uhr mit der Schwe­be­bahn nach Voh­win­kel. Bevor sich die Majes­tä­ten auf den Weg nach Mett­mann mach­ten, weih­ten sie am Kreis­haus in der Solin­ger Stra­ße (heu­te Grä­f­ra­ther Stra­ße) den Sie­ges­brun­nen ein. Kai­ser Wil­helm I. sprach dem Künst­ler mehr­fach sei­ner Aner­ken­nung aus, wie die Elber­fel­der Zei­tung notier­te. Post­kar­ten­an­sich­ten von die­sem Ereig­nis fin­den sich auf www.wuppertal-vohwinkel.net


Die Anla­ge mit dem Sie­ges­brun­nen vor dem ehem. Kreis­haus in der Grä­f­ra­ther Stra­ße in Voh­win­kel. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum

Anläss­lich des 100.Jahrestages der Geburt Kai­ser Wil­helms I. hat­ten sich 1897 die patrio­tisch gesinn­te Bür­ger Voh­win­kels ent­schlos­sen, die­sem Anlass ein ent­spre­chen­des Monu­ment zu errich­ten. Im Früh­jahr 1900 waren dann 30.000 Mark zusam­men­ge­kom­men, von denen 24.000 Mark von den Voh­wink­ler Bür­gern und aus­wär­ti­gen Freun­den stamm­ten und der Rest von der Gemein­de Voh­win­kel.


Der Sie­ges­brun­nen auf einer Post­kar­te. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.4.

Die Figur der Sie­ges­göt­tin, mit geflü­gel­tem Helm und dem Reichs­ap­fel auf der gen Him­mel gestreck­ten rech­ten Hand, wur­de vom Bild­hau­er Gus­tav Rutz ent­wor­fen und von der Gal­va­no­plas­ti­schen Kunst­an­stalt Geis­lin­gen-Stei­ge in Gal­va­no­bron­ze aus­ge­führt. Auf dem Schild zeigt die Göt­tin ein Reli­ef eines Män­ner­kop­fes, ver­mut­lich der geehr­te Kai­ser Wil­helm I. Die Göt­tin fand ihren Platz auf einem gewal­ti­gen mehr­stu­fi­gem Unter­bau aus Gra­nit, der von der Fir­ma Rade­ma­cher Söh­ne aus Aachen her­ge­stellt wur­de. Das Was­ser­be­cken des Brun­nens befand sich auf einem 25 m brei­ten Fun­da­ment, von dem das Was­ser dem Betrach­ter in einer Kas­ka­de ent­ge­gen rausch­te.


Die Sie­ges­brun­nen auf einer Foto­gra­fie im August 1940. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de, Nr. 2757.

Am 27.Januar 1901, dem Geburts­tag Kai­ser Wil­helms II., wur­de der Brun­nen unter gro­ßer Anteil­nah­me der Bevöl­ke­rung, der Schu­len und der Ver­ei­ne in die Obhut der Gemein­de über­ge­ben. Ver­mut­lich  wur­de der Sie­ges­brun­nen im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört.1Gus­tav Rutz schuf 1907 auch die alle­go­ri­sche Bron­ze­fi­gur der Musik vor der Elber­fel­der Stadt­hal­le.


Flora

Foto­gra­fie einer Post­kar­te mit Toel­le-Turm und Flo­ra. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 020/12/27

Es ist unklar, wann die auf der Post­kar­te zu sehen­de Figur in der Nähe des Toel­le­turms auf­ge­stellt wur­de. Sie ist auf meh­re­ren Post­kar­ten zu fin­den, von denen die ältes­te einen Post­stem­pel von 1899 auf­weist. Ver­mut­lich wur­de die etwa lebens­gro­ße Figur im Zusam­men­hang mit dem Bau des Luft­kur­hau­ses durch Adolf Vor­werk (1892) errich­tet. Die Figur stand auf einem grot­ten­ähn­li­chen Unter­bau inner­halb eines bepflanz­ten Ron­dells im Zen­trum der Kreu­zung von Hohen­zol­lern und Frie­sen­str. (die­se heißt heu­te Adolf-Vor­werk-Str.).


Eine wei­te­re Post­kar­te mit Flo­ra und Toel­le­turm. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 020/12/91, (aus der Samm­lung Rin­ke)

Die Bezeich­nung “Flo­ra” stammt aus einer Akten­no­tiz des Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­eins, der am 28.Juli 1913 ver­merk­te, dass die Stadt­ver­wal­tung Bar­men die Pfle­ge der Figur über­nom­men hat. 1927/28 wur­de der Platz vor dem Luft­kur­haus ver­än­dert, 1929 wur­de anstel­le des Ron­dells der heu­te noch vor­han­de­ne Brun­nen von Paul Wyn­and errich­tet. Was mit der Flo­ra pas­sier­te, ist nicht bekannt.1


Eine Post­kar­te mit Flo­ra und Toel­le­turm, gelau­fen 1914. (Bild ergänzt am 8. Febru­ar 2013)