Flaggenmast und Löwe vor dem Elberfelder Rathaus

Flag­gen­mast und Ber­gi­scher Löwe auf dem Neu­markt. Im Hin­ter­grund das Rat­haus mit sei­nem Figu­ren­schmuck. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/47

Am 1. Okto­ber 1904 wur­de das Bank­haus von der Heydt, Kers­ten & Söh­ne stol­ze 150 Jah­re alt. Anläss­lich die­ses Jubi­lä­ums stif­te­te Frei­herr August von der Heydt der Stadt Elber­feld einen impo­san­ten Flag­gen­mast. Ent­wor­fen wur­de er von Prof. Lou­is Heitsch, der an der Elber­fel­der Kunst­ge­wer­be­schu­le lehr­te. Der Wert der Stif­tung lag bei 27.600 Mark.


Der vier Meter hohe Unter­bau aus Muschel­kalk trug zwei Bron­ze­ta­feln, von denen eine den Preu­ßi­schen Adler und die ande­re den Ber­gi­schen Löwen zeig­te. Auf der Rück­sei­te war über einem Lauf­brun­nen das Wap­pen des Stif­ters zu sehen. Auf dem Unter­bau war der mit vie­len Orna­men­ten geschmück­te Bron­ze­schaft mit der Stadt­kro­ne als Abschluss ange­bracht. Aus ihr erhob sich der 26 Meter hohe aus Eisen geschmie­de­te Flag­gen­mast, der von der Lau­rahüt­te in Schle­si­en her­ge­stellt wur­de und von Schlos­ser­meis­ter C.H.Schmidt aus Elber­feld gelie­fert wur­de. Vor dem Flag­gen­mast wach­te in auf­rech­ter Posi­ti­on sit­zend der mäch­ti­ge Ber­gi­sche Löwe.


Am 23. Mai 1908 wur­de der noch unvoll­ende­te Flag­gen­mast zum ers­ten Mal genutzt und trug das Stadt­ban­ner, als das Kron­prin­zen­paar durch­fuhr, nach­dem es in Bar­men zur Hun­dert­jahr­fei­er den Grund­stein für das neue Rat­haus gelegt hat­te. Vor 1940, ver­mut­lich 1939, wur­de der Flag­gen­mast ent­fernt, als der Luft­schutz­bun­ker unter dem Neu­markt gebaut wur­de.1


Der Flag­gen­mast in der Rück­an­sicht. Links ist der Jubi­lä­ums­brun­nen zu sehen. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/19.

Posi­ti­on des Kunst­werks auf der Kar­te


Die Femlinde in den Barmer Anlagen

Die Lin­de in den Bar­mer Anla­gen ober­halb der Otto­stra­ße. (Bild ergänzt am 13.Juni 2012)

1893 erhielt der Bar­mer Dich­ter Emil Rit­ters­haus als Schöp­fer des West­fa­len­lie­des von der Stadt Dort­mund einen Lin­den­schöss­ling zum Geschenk. Es han­del­te sich dabei um einen Wur­zel­sproß der Dort­mun­der Fem­lin­de, die 1838 zum ers­ten Mal als “Vem­lin­de” erwähnt wur­de und deren “Ahnen” zum seit dem 13.Jahrhundert bekann­ten Feme­ge­richt in Dort­mund gehör­ten und damit Teil des höchs­ten Gerichts West­fa­lens waren. Emil Rit­ters­haus gab das Geschenk in die Obhut des Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­eins, der die­se im Okto­ber 1894 unter­halb der Bar­mer Stadt­hal­le ein­pflanz­te.

Im Janu­ar 1903 bemüh­te sich Albert Heu­ser, Mit­glied im Vor­stand des BVV, um eine schüt­zen­de und zugleich künst­le­risch gestal­te­te Umzäu­nung der Fem­lin­de. Sein Antrag wur­de ver­tagt, da die Mehr­heit der Ansicht war, dass eine bereits vor­han­de­ne Kup­fer­plat­te mit Inschrift genüg­te. Anfang 1908 ver­an­lass­te Heu­ser schließ­lich gemein­sam mit dem Direk­tor der Kunst­ge­wer­be­schu­le Wer­del­mann ein Preis­aus­schrei­ben. Es gewann der Bild­hau­er Wil­helm Gies­ecke mit sei­nem Ent­wurf “Stein und Eisen”, der bekann­te Bar­mer Archi­tekt Peter Klotz­bach beleg­te mit zwei Ent­wür­fen die Plät­ze zwei und drei.
Die Fem­lin­de zwi­schen 1908 und 1914. Bild ent­nom­men aus der Fest­schrift: Ver­schö­ne­rungs­ver­ein zu Bar­men zum 50jährigen Jubi­lä­um am 8.Dezember 1914, S. 27.

Albert Heu­ser über­nahm anschlie­ßend die Kos­ten für die Aus­füh­rung des Ent­wurfs. Vier obe­lis­kar­ti­ge behaue­ne Begren­zungs­stei­ne umge­ben die Lin­de und wer­den von einem eiser­nen Band ver­bun­den.  Erhal­ten sind auch noch die Res­te von Bruch­stei­nen, die dem gro­ßen Stein mit der Inschrift vor­ge­la­gert waren. Die Gedenk­ta­fel wur­de im Zwei­ten Welt­krieg ein­ge­schmol­zen.  Ihre Inschrift lau­te­te:

Fem­lin­de
Wur­zel­spross
d. Dort­mun­der Fem­lin­de
Emil Rit­ters­haus
geschenkt z. Dank für sein
West­fa­len­lied
Hier gepflanzt im Okto­ber
1894”


Die Umfrie­dung heu­te. Die Stei­ne sind ein­ge­sun­ken. (Bild ergänzt am 13.Juni 2012) 

Als 1908 die Umfrie­dung gestal­tet wur­de, war die Lin­de 9,85 m hoch und hat­te einen Stamm­um­fang von 49cm. Heu­te ist der Schöss­ling von damals ein statt­li­cher Baum und mitt­ler­wei­le weit über 100 Jah­re alt.1


Die Spu­ren der alten Tafel sind noch zu erken­nen. (Bild ergänzt am 13.Juni 2012)

Zum Feme­ge­richt in Dort­mund sie­he:  Ein­trag „Feme“ in der Wiki­pe­dia.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Die Jahrhunderteiche in den Barmer Anlagen

1908 fei­er­te die Stadt Bar­men ihr hun­dert­jäh­ri­ges Stadt­ju­bi­lä­um, die Stad­wer­dung ging zurück auf die “Fran­zo­sen­zeit”, als der Groß­her­zog Joa­chim Murat, Schwa­ger Napo­le­ons, die Stadt­rä­te bestimm­te, die schließ­lich am 8.Februar 1808 mit dem ers­ten “Mai­re” Carl Bredt ver­ei­digt wur­den. Damals hat­te die Stadt 14.000 Ein­woh­ner. Hun­dert Jah­re spä­ter fei­er­te die Stadt ihr gro­ßes Jubi­lä­um und die Fei­er­lich­kei­ten began­nen am 1.April 1908 mit der Pflan­zung einer Eiche auf dem “Jahr­hun­dert­platz” in den Bar­mer Anla­gen. Damals konn­te man von hier auf die umlie­gen­den Wäl­der und sogar bis nach Rade­vormwa­ld sehen, heu­te ist der Platz voll­stän­dig zuge­wach­sen. Der Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein hat­te die Eiche selbst­ge­zo­gen und sie war am Tag ihrer Pflan­zung 17 Jah­re alt und 7,77 m hoch. Der Stamm­durch­mes­ser betrug einen Meter über dem Boden 16 cm, der Stamm­um­fang 51 cm.
Rechts im Bild: Die Jahr­hun­der­tei­che.

Die fei­er­li­che Pflan­zung begann mit einer Anspra­che des Vor­sit­zen­den des Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­eins, Robert Bart­hels, anschlie­ßend sprach Dr.Hartmann, Bei­geord­ne­ter, in Ver­tre­tung des Bür­ger­meis­ters und dank­te dem Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein für sei­ne aktu­el­len und ver­gan­ge­nen Bemü­hun­gen um die Stadt. Anschlie­ßend füll­ten die Anwe­sen­den die Pflanz­gru­be mit einem kur­zen Spruch und drei Schau­feln Erde. Mit einem Hoch­ruf auf die Stadt schloss die Ver­an­stal­tung, spä­ter wur­de die Pflanz­gru­be voll­stän­dig ver­füllt.1
Die Holz­ta­fel mit Inschrift.

An der Eiche hängt bis heu­te eine Holz­ta­fel, die auf den Anlass der Her­rich­tung des Plat­zes und der Pflan­zung hin­weist. Die Inschrift lau­tet:

“Jahr­hun­dert
Platz
Zur Erin­ne­rung
an das 100 jäh­ri­ge
Bestehen der Stadt
Bar­men
am 3.2.1908”