Nagelbilder Ehrenschilde in Barmen

Nach­dem bereits die Nach­bar­stadt Elber­feld ange­kün­digt hat­te, zum Hohen­zol­lern-Gedenk­tag am 21. Okto­ber 1915 ein Nagel­bild, den Eiser­nen Rit­ter, vor­zu­stel­len und zuguns­ten der Kriegs­wohl­fahrt durch die Nage­lung Spen­den ein­zu­trei­ben, woll­te Bar­men dem natür­lich nicht nach­ste­hen. Auch im Osten des Wup­per­tals woll­te man für die dor­ti­ge Wohl­fahrts­zen­tra­le eine sol­che Akti­on durch­füh­ren und war damit am Ende sogar schnel­ler als Elber­feld, da man den 17. Okto­ber 1915 zum Hin­den­burg­tag erklär­te und somit drei Tage eher die Nage­lung an der Ruh­mes­hal­le begann. Man hat­te sich gegen die Nage­lung einer mensch­li­chen oder tie­ri­schen Figur ent­schie­den und den Bild­hau­er Paul Wyn­and gebe­ten zwei höl­zer­ne Schil­de her­zu­stel­len, die das Wap­pen Hin­den­burgs und das Wap­pen Bar­mens zeig­ten.1 Stadt­bau­rat Köh­ler schrieb im Sep­tem­ber 1915 an den aus Elber­feld stam­men­den und in Ber­lin arbei­ten­den Bild­hau­er:


“Da unser Publi­kum sehr ver­wöhnt ist, müs­sen wir mit den Schil­dern den Vogel abschie­ßen, schon unse­rer Nach­bar­stadt Elber­feld gegen­über. Die Nage­lung muss vor­ge­zeich­net sein. […] Ver­schie­de­ne far­bi­ge Nägel sol­len, mit Aus­nah­me wei­ßer ver­zink­ter Nägel, die als Rand­nä­gel ver­wandt wer­den kön­nen, nicht ver­wen­det wer­den. Sie müs­sen daher stark mit Gold­un­ter­bund arbei­ten.
Das Publi­kum inter­es­siert sich außer­ge­wöhn­lich hier für die Sache. Da, wie bekannt, star­ke Kri­tik bei allen sol­chen Sachen ein­setzt, so muss etwas tadel­los gemacht wer­den.“2
Am 4. Okto­ber 1915 berich­te­te die Bar­mer Zei­tung dann über die anste­hen­de Nage­lung:

Die bei­den Ehren­schil­de — eines zu Ehren Hin­den­burgs, eines zu Ehren der namen­lo­sen Hel­den —  wer­den unter der wür­dig geschmück­ten Säu­len­hal­le vor der Ruh­mes­hal­le auf­ge­hängt. Jeder, der nageln will, löst zunächst an Ort und Stel­le eine Kar­te; er bekommt dann einen Nagel. Nach dem Ein­schla­gen des Nagels erfolgt die Namens­ein­tra­gung in das Eiser­ne Buch, das an Ort und Stel­le aus­liegt. Es wird gebe­ten, bei der Ein­tra­gung der Namen recht sorg­fäl­tig zu ver­fah­ren; das Eiser­ne Buch wird als dau­ern­des Erin­ne­rungs­zei­chen an bevor­zug­ter Stel­le auf­be­wahrt.“3


Am Vor­abend der Ein­wei­hungs­fei­er der Ehren­schil­de am 17. Okto­ber 1915, gab es ein Mas­sen­kon­zert eines ver­ei­nig­ten Cho­res der Bar­mer Gesang­ver­ei­ne in der Stadt­hal­le, das vom städ­ti­schen Orches­ter beglei­tet wur­de und einen so gro­ßen Besu­cher­an­drang ver­zeich­ne­te, dass die Poli­zei die Zugän­ge zur Stadt­hal­le sper­ren ließ. Gespielt wur­den unter ande­rem der Kai­ser­marsch, Das blan­ke Wort und das Nie­der­län­di­sche Dank­ge­bet. Am Fest­ta­ge, einem Sonn­tag, ver­kauf­ten schon früh am Mor­gen jun­ge Mäd­chen eiser­ne “Hin­den­burg-Denk­mün­zen” und Ansichts­post­kar­ten zuguns­ten der Wohl­fahrts­zen­tra­le. Spä­ter am Tag zogen Ver­ei­ne und Schu­len unter Musik­be­glei­tung und mit ihren Fah­nen zur Ruh­mes­hal­le. Gegen­über der Ruh­mes­hal­le war ein Podest für die Sän­ger und Musi­ker auf­ge­baut wor­den, dane­ben stan­den die Fah­nen­ab­ord­nun­gen der Krie­ger-, Turn- und Gesang­ver­ei­ne, dar­an schlos­sen sich 500 “Feld­graue” (Sol­da­ten) aus den Laza­ret­ten und Ver­tre­ter aller Behör­den und Schu­len an. Die Fei­er begann mit dem Kai­ser­marsch, dann sprach der Ober­bür­ger­meis­ter, und schlug den ers­ten Nagel ein, bevor erneut die Lie­der des Vor­abends erschol­len.4
Am 19. Okto­ber 1915 ging ein Dank-Tele­gramm des geehr­ten Paul von Hin­den­burg ein:
Das Tele­gramm des Gene­ral­feld­mar­schall Paul von Hin­den­burg. Ent­nom­men aus: Akte C II 43, Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, S. 74.

Bereits am ers­ten Tag wur­den 6.000 Mark “gena­gelt”, zusam­men mit dem Ver­kauf der Post­kar­ten und Denk­mün­zen,  wur­den 38.600 Mark erlöst. Am 21. Okto­ber belief sich die Gesamt­sum­me bereits auf 300.000 Mark.5


Ein ers­ter Ent­wurf für die Hin­den­burg-Anla­ge. Ent­nom­men aus Akte C II 43, Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, S. 1

Bei die­sem “Kriegs­wahr­zei­chen” woll­te man es nicht belas­sen und schuf auch Plä­ne für ein Hin­den­burg-Denk­mal bzw. -brun­nen, das 1916 begon­nen und 1917 voll­endet wur­de. An ihm soll­ten die Ehren­schil­de befes­tigt wer­den. Links und rechts, unter den anti­ken Hel­men, soll­ten die Ehren­schil­de ange­bracht wer­den, dazwi­schen Wap­pen­schil­der der gro­ßen Schlach­ten Hin­den­burgs. Die Mau­er soll­te 3,20 Meter hoch sein, die Säu­le 10 Meter. Dar­auf soll­te ein Held einen Bären nie­der­rin­gen.6 Am Ende ent­stand dann das Denk­mal doch etwas anders. Ob die Ehren­schil­de wie geplant dort ange­bracht wur­den, ist unklar. Ruth Mey­er-Kahr­weg ver­mu­tet, dass sie aus Schutz vor der Wit­te­rung in der Ruh­mes­hal­le auf­ge­stellt wur­den und dort 1943 zer­stört wur­den.7

Neben dem Elber­fel­der Eiser­nen Rit­ter gab es ab 1916 auch in Voh­win­kel ein Nagel­bild, das Eiser­ne Schwert.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


 

Hindenburg-Gedenkstein am Lazarett des Vaterländischen Frauenvereins auf der Hardt

Am 10.November 1915 berich­te­te der Täg­li­che Anzei­ger der Stadt Elber­feld:


“Aus Dank­bar­keit für genos­se­ne treue Pfle­ge haben Ver­wun­de­te des Laza­retts des Vater­län­di­schen Frau­en­ver­eins an der Hardt die­sem ein schö­nes Geschenk gemacht und zwar einen
Hin­den­burg-Gedenk­stein

der in dem Gar­ten des Hos­pi­tals Auf­stel­lung gefun­den hat, und in eini­gen Tagen sei­ner Bestim­mung über­ge­ben wer­den soll. Der Gedenk­stein hat eine Höhe von etwa drei Metern und ist aus schwe­ren Fels­blö­cken, die in der Var­res­beck gefun­den wur­den, errich­tet. Im obe­ren Teil wird eine wohl­ge­lun­ge Hin­den­burg-Pla­ket­te in Bron­ze ange­bracht, wäh­rend am Fuße des Hügels, auf dem der Gedenk­stein auf­ge­baut ist, eine Tafel mit ent­spre­chen­der Wid­mung ein­ge­las­sen ist.
Der Ent­wurf des Denk­steins stammt von dem Kriegs­frei­wil­li­gen Ewald Schmahl, der sich eben­falls als Ver­wun­de­ter im Laza­rett an der Hardt befin­det. Jeder, der das Kunst­werk sieht, wird erstaunt sein dar­über, daß es nur von Ver­wun­de­ten errich­tet wur­de, die auch die schwe­ren Blö­cke aus­wähl­ten und zusam­men­füg­ten.”


Spu­ren des Gedenk­steins oder eine Abbil­dun­gen konn­ten bis­lang nicht gefun­den wer­den. Der Gedenk­stein selbst muss­te ver­mut­lich dem Erwei­te­rungs­bau des spä­te­ren Rot-Kreuz-Kran­ken­hau­ses und heu­ti­gen Pfle­ge­zen­trums Haus Hardt wei­chen.

In einem Nach­ruf auf den Bild­hau­er Ewald Schmahl am 5.September 1931 wird eine von die­sem geschaf­fe­ne Hin­den­burg-Pla­ket­te erwähnt, die in zahl­rei­chen Wup­per­ta­ler Häu­sern zu fin­den sei. Ob die­se mit der Pla­ket­te auf dem Gedenk­stein iden­tisch war, ist unklar.1

Anmer­kung: In einer frü­he­ren Ver­si­on die­ses Ein­trags vom heu­ti­gen Tage wur­de das Laza­rett und spä­te­re Rot-Kreuz-Kran­ken­haus mit dem zur Zeit leer­ste­hen­den Mari­en­heim ver­wech­selt. Dies ist falsch. Vie­len Dank an Cesa­re Bor­gia für den Hin­weis.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


 

Nagelbild Eiserner Ritter

Am 21. Okto­ber 1915, es der Hohen­zol­lern-Gedenk­tag, an dem an die Über­nah­me der Herr­schaft über die Mark Bran­den­burg durch die Hohen­zol­lern gedacht wur­de, begann im Elber­fel­der Kai­ser-Wil­helm-Muse­um, dem heu­ti­gen Von der Heydt-Muse­um, die Nage­lung des Eiser­nen Rit­ters. Mit die­sem Nagel­bild, einer aus Öster­reich-Ungarn stam­men­den Akti­on, sam­mel­te der Ver­ein “Kriegs­hül­fe” im Ers­ten Welt­krieg spen­den für in Not gera­te­ne Bür­ger. Dazu konn­te man eiser­ne, sil­ber­ne und gol­de­ne Nägel erwer­ben und die­se in das Bild­nis nageln. Die Prei­se began­nen bei einer Mark und lagen deut­lich über dem Mate­ri­al­wert des Nagels. Ver­ei­ne und Schu­len leis­te­ten sich auch Schil­der mit Sinn­sprü­chen zu ent­spre­chen­den Prei­sen.1 Der All­ge­mei­ne Turn­ver­ein 1860 Elber­feld zahl­te bei­spiels­wei­se 100 Mark und brach­te ein Schild mit der Inschrift “Einig­keit macht stark — All­ge­mei­ner TV 1860 Elber­feld” an.2 Der Ver­ein erhoff­te sich einen Rein­ge­winn von 8.000 — 15.000 Mark, erziel­te aber bereits am ers­ten Tag die Sum­me von 11.000 Mark. Am Ende der Akti­on, am 30.April 1916 betrug der Rein­ge­winn 70.000 Mark.3
Abbil­dung des Nagel­bilds Zur Erin­ne­rung an die Nage­lung des Eiser­nen Rit­ters von Elber­feld, Kriegs­hül­fe, 1915, Akte S XIII 176, Stadt­ar­chiv Wup­per­tal

Am 2. August 1915 hat­te der Zen­tral­vor­stand des Ver­eins “Kriegs­hül­fe” beschlos­sen, die Gestal­tung des Nagel­bilds Prof. Lou­is Heitsch zu über­tra­gen. Sein Ent­wurf wur­de dann von den Holz­bild­hau­ern Paul Krau­se und Vik­tor Szlo­wo­da aus­ge­führt. Das Nagel­bild war 4,20 Meter hoch und 2,50 Meter breit. Es zeigt einen gepan­zer­ten, mit­tel­al­ter­li­chen Rit­ter mit Schwert und Schild, auf dem ein Adler zu sehen ist. Die Rit­ter­fi­gur wird umdrängt von Schlan­gen. Über ihm steht in gro­ßen Let­tern “Gott mit uns”, sein Kopf wird an den Sei­ten flan­kiert von zwei Wap­pen, die den Ber­gi­schen Löwen und das Elber­fel­der Stadt­wap­pen zei­gen. Dar­un­ter fin­den sich Eiser­ne Kreu­ze. Das Podest, auf dem das Nagel­bild ange­bracht ist, zeigt den Schrift­zug “Kriegs­hül­fe” und dar­un­ter die Jah­res­zahl “1915”.4
Foto­gra­fie des Eiser­nen Rit­ters unbe­kann­ten Datums. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum.

Nach Abschluss des Krie­ges soll­te die Figur in eine Wand der Kir­che am Kolk ein­ge­las­sen wer­den, aber die Figur blieb bis März 1934 im Muse­um und kam dann ins Rat­haus am Neu­markt. Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Nagel­bild zer­stört.5
In Voh­win­kel wur­de im Jahr 1916 ein “Eiser­nes Schwert” als Nagel­bild auf­ge­stellt.

Hindenburg-Denkmal auf der Königshöhe

Am 15.Oktober 1915 — seit einem Jahr und zwei Mona­ten tob­te der Ers­te Welt­krieg — weih­te man auf der Königs­hö­he zwi­schen dem Som­mer­sitz der von der Heydts und dem gleich­na­mi­gen Turm auf dem Kies­berg ein Denk­mal für den Gene­ral­feld­mar­schall und dama­li­gen Ober­be­fehls­ha­ber Ost, Paul von Hin­den­burg, ein. Gestif­tet hat­te es ein­mal mehr Frei­herr August von der Heydt, sei­nes Zei­chens Pro­tek­tor des Elber­fel­der Krie­ger­ver­ban­des, Ritt­meis­ter der Land­wehr-Kaval­le­rie a.D. und Gehei­mer Kom­mer­zi­en­rat, “in dank­ba­rer Ver­eh­rung dem sieg­ge­wohn­te Schlach­ten­len­ker”, wie der Gene­ral-Anzei­ger bemerk­te. Der Tag der Ein­wei­hung war zugleich Hin­den­burgs 68. Geburts­tag.
Das Hin­den­burg-Denk­mal auf einer Post­kar­te aus dem Jahr 1916. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.

Das Denk­mal bestand aus einem andert­halb Meter hohen Sockel aus Sand­stein­blö­cken, auf denen ein eben­so hoher Sand­stein­block in Pris­men­form mit einem Gewicht von 50 Zent­nern ange­bracht war. An den Ecken des Sockels befan­den sich vier gro­ße Gra­na­ten aus einer Elber­fel­der Geschoss­fa­brik. An der Vor­der­sei­te war ein Bron­ze­re­li­ef des Feld­her­ren ange­bracht, dar­un­ter war in den Stein “Hin­den­burg Platz” gemei­ßelt. An der Rück­sei­te befand sich ein Eiser­nes Kreuz unter dem fol­gen­de Inschrift ange­bracht wor­den war: “1915 errich­tet von August Frei­herr von der Heydt.”


Ein Aus­schnitt einer Kar­te des “Burg­holz”, die im Jahr 1916 ent­stand und von Arthur Rie­mer ver­öf­fent­licht wur­de. Sie ist nicht genor­det, son­dern “gesüd­et”, d.h. Süden ist oben, Wes­ten rechts, Osten links und Nor­den ist unten. Der Maßsstab beträgt 1:10000. Wir sehen dem Kies­berg, den Ehren­fried­hof links, unten die Bahn­li­nie, den von der Heydt-Turm und ober­halb davon das Denk­mal mit dem Hindenburg-Platz.Stadtarchiv Wup­per­tal, Kar­ten­si­gna­tur: 55

Zwei Jah­re spä­ter, am 2.Oktober 1917, beschloss die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung der Stadt Elber­feld aus Anlass des 70.Geburtstages des Gene­ral­feld­mar­schalls, der inzwi­schen die Obers­te Hee­res­lei­tung über­nom­men hat­te, die Stra­ße des in der Ent­wick­lung befind­li­chen “Land­haus­vier­tels” “Hin­den­burg­stra­ße” zu nen­nen. Deren Fort­füh­rung zum Ehren­fried­hof soll­te “Hin­den­burg­weg” hei­ßen und der Kies­berg in “Hin­den­burg­hö­he” umbe­nannt wer­den. Zusam­men mit einer Spen­de von 25.000 Mark zu “Hee­res­wohl­fahrts­zwe­cken” wur­de Hin­den­burg in einem Tele­gramm um Erlaub­nis gebe­ten. Wäh­rend Hin­den­burg­hö­he und -weg in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind, besteht die Hin­den­burg­stra­ße bis heu­te.

Wäh­rend der Zeit des Kapp-Put­sches im März 1920 wur­den alle Metall­tei­le des Denk­mals demon­tiert. 1935 wur­de das Reli­ef, dies­mal als Bild­nis im Pro­fil, erneu­ert und kam im Zwei­ten Welt­krieg abhan­den. Anfang 1956 wur­de eine der Gra­nat­hül­sen gewalt­sam abge­ris­sen. Im April 1959 wur­de das Denk­mal im Auf­trag der Stadt ent­fernt.1

Georg Kolbes Brunnen und Skulptur “Bellona”

Foto­gra­fie des Bel­lo­na-Brun­nens, ent­stan­den  ver­mut­lich zwi­schen 1933 und 1943, da die Fah­ne im lin­ken Bild­ab­schnitt das Haken­kreuz der Natio­nal­so­zia­lis­ten zu tra­gen scheint. Im Hin­ter­grund das Hotel Kai­ser­hof, hier fin­det sich heu­te die Asphalt­wüs­te des Döp­pers­berg. Die Stra­ße, die links hin­ab führt, ist die Alte Frei­heit, man kann den Schwe­be­bahn­hof Döp­pers­berg (Köbo-Haus) erken­nen. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum. (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

1914 bemüh­ten sich Elber­fel­der Bür­ger eine Brun­nen­an­la­ge in der dama­li­gen Grün­an­la­ge am Haupt­bahn­hof  zu errich­ten und spen­de­ten dafür 4.600 Mk, im Juli 1915 waren unter ande­rem mit­hil­fe der Zin­sen der Lüh­dorf-Platz­hoff-Stif­tung 10.000 Mk zusam­men- gekom­men. Am 6.Juli 1915 konn­te Ober­bür­ger­meis­ter Funck den Stadt- ver­ord­ne­ten mit­tei­len, dass man erfolg­reich um Mit­tel aus dem Lan­des­kunst­fonds gewor­ben hat­te und das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um sich bereit erklärt habe, für Elber­feld einen Brun­nen zu spen­den. Die Kos­ten in Höhe von 30.000 Mk soll­ten zu einem Drit­tel von der Stadt getra­gen wer­den. Aus einem Wett­be­werb war bereits ein Ent­wurf des Bild­hau­ers Georg Kol­be als Preis­trä­ger her­vor­ge­gan­gen. Der Brun­nen besaß zwei Scha­len, aus der klei­ne­ren ergoss sich das Was­ser in eine grö­ße­re. In der Mit­te fan­den sich die bei­den Bron­ze­fi­gu­ren: Die Kriegs­göt­tin reich­te einem “erwa­chen­den Krie­ger”, so die zeit­ge­nös­si­sche Beschrei­bung, ein Schwert.1


Foto­gra­fie des Bel­lo­na-Brun­nens in der Grün­an­la­ge vor dem Haupt­bahn­hof. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum 010/3/45 (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Auf die­ser Post­kar­te ist zuse­hen, wie der Brun­nen in Betrieb mög­li­cher­wei­se aus­sah. Post­kar­te gelau­fen am 10. Janu­ar 1933. (Bild hin­zu­ge­fügt am 9. Juli 2018)

OB Funck war erfreut, dass “jedem Besu­cher der Stadt schon beim Ein­tritt eine Vor­stel­lung davon gege­ben wird, daß bei uns nicht nur die nüch­ter­ne Arbeit, son­dern auch Sinn für Höhe­res zu Hau­se ist.“2 Aller­dings dau­er­te es noch bis 1922, bis die Besu­cher den Brun­nen bewun­dern konn­ten. Roh­stoff­man­gel wäh­rend des Krie­ges und die Infla­ti­on in Fol­ge des Krie­ges ver­hin­der­ten die Auf­stel­lung. Die Kos­ten für die Stadt stie­gen so von 10.000 Mk Eigen­be­tei­li­gung und 3.00 Mk Neben­kos­ten auf 13.333 Mk Eigen­be­tei­li­gung und 12.000 Mk Neben­kos­ten (!) im Mai  1919, im Novem­ber 1921 war die Gesamt­hö­he von 47.000 MK erreicht.3


Die Figu­ren des ehem. “Elber­fel­der Brun­nens”, bzw. “Brun­nen am Haupt­bahn­hof” vor der Zen­tral­bi­blio­thek.

Kol­be scheint dem Brun­nen kei­nen Namen gege­ben haben (er nann­te es ein­fach den Elber­fel­der Brun­nen), sodass schon vor dem Auf­stel­len ver­schie­de­nen Bezeich­nun­gen kur­sier­ten. Es ging von “Krie­ger­ge­denk­brun­nen”, über “Auf­ruf” bis zur Bezeich­nung “Das Erwa­chen”, 1933 folg­te die Bezeich­nung “Krie­ger und Geni­us” durch Rudolf Bin­ding, die Bun­des­bahn­di­rek­ti­on Wup­per­tal sprach in der Fest­schrift zum 100jährigen Jubi­lä­um 1950 von “Trost und Leid” und erklär­te, dass eine Gott­heit dem ermat­te­ten Krie­ger ein Schwert rei­che. 1949 sprach die West­deut­sche Zei­tung erst von einem “Ster­ben­dem Krie­ger” und spä­ter von der “Bel­lo­na”.


Die Bel­lo­na-Grup­pe mit der klei­nen Brun­nen­scha­le vor der Zen­tral­bi­blio­thek. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

In die­sem Jahr (1949) wur­de die Figu­ren­grup­pe von der Grün­an­la­ge am Haupt­bahn­hof zur klei­nen Grün­an­la­ge neben der Stadt­bi­blio­thek (Kol­ping­s­tr.) ver­setzt. Die Fir­ma Hugo Wes­sel­mann nahm die Umset­zung vor, zunächst wur­de auch die klei­ne Brun­nen­scha­le mit­ver­setzt, spä­ter aber wie­der ent­fernt.4



Günther-Schmits-Gedenkstein

Es ist das ältes­te Wup­per­ta­ler Krie­ger­denk­mal für die Gefal­le­nen des Ers­ten Welt­kriegs und es ist nur einem Sol­da­ten gewid­met: Der Gün­ther-Schmidts-Weg, der ober­halb der Sam­ba­tras­se vom Bol­ten­berg zur Sam­ba­tras­se führt, ist nach dem Sohn des ehe­ma­li­gen Elber­fel­der Stadt­ver­ord­ne­ten Juli­us Schmits benannt, der wohl am 11. Janu­ar 1915 in den Argon­nen fiel. Der Tod sei­nes Soh­nes ver­an­lass­te ihn nicht nur dazu, dem Wald­weg den Namen sei­nes Soh­nes zu geben und einen Gedenk­stein auf­zu­stel­len, son­dern er leg­te mit sei­ner Gat­tin die “Gün­ther-Schmits-Stif­tung” an, deren Kapi­tal aus 100.000 Mark bestand. Mit den Zin­sen wur­de in Not gera­te­nen Elber­fel­der Inva­li­den des Jah­res 1914/1915 gehol­fen. Juli­us Schmits starb noch vor dem Ende des Krie­ges im April 1916.1
Gedenk­stein Gün­ther-Schmits-Weg

Die Inschrift auf dem ein­fa­chen Feld­stein lau­tet:

Gün­ther Schmits
Weg
— —
1915
Dul­ce et deco­rum est
pro patria mori”

Die Latei­ner erken­nen das Zitat des Dich­ter Horaz:

Süß und ehren­voll ist es,
für’s Vater­land zu ster­ben”