Denkmal zum 100.Jubiläum des Bürgervereins Dönberg

Der Find­ling mit der Bron­ze­ta­fel im Park an der Höhen­str.

Anfang Okto­ber 2008 setz­te der Bür­ger­ver­ein Dön­berg sich selbst ein Denk­mal — zu sei­nem 100jährigen Bestehen. Der Find­ling aus einem hei­mi­schen Stein­bruch wur­de im drei Jah­re zuvor aus einem ver­wil­der­ten Grund­stück her­ge­stell­ten Park an der Höhen­stra­ße auf­ge­stellt. Bear­bei­tet wur­de er vom Wup­per­ta­ler Gra­nit- und Mar­mor­stein­metz sowie Stein­bild­hau­er Hans-Jörg Her­hau­sen und sei­nem Stein­metz­ge­sel­len Sven Berg. Außer­dem wur­de er mit einer Bron­ze­ta­fel ver­se­hen. Für die Auf­stel­lung des zwei Ton­nen schwe­ren Kalk­steins sorg­te dann die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Dön­berg.1


Lei­der liegt die Gedenk­ta­fel im Schat­ten

Die schlich­te Inschrift lau­tet:

100 Jah­re
Bür­ger­ver­ein
Dön­berg e.V.
2008”


Die Grün­dungs­ur­kun­de des Ver­eins weist den 11.April 1970 als Grün­dungs­da­tum des Ver­eins aus. Spä­ter erin­ner­te man sich jedoch an den Vor­läu­fer, den “Dön­ber­ger Bür­ger­ver­ein 1908” und fand ein Doku­ment aus dem die­se Bezeich­nung her­vor­ging und somit das Grün­dungs­jahr. In den 50er Jah­ren 2 mög­li­cher­wei­se auch durch Zwang in der NS-Zeit wur­de der Ver­ein auf­ge­löst, und erst in den 70ern wie­der­be­lebt, um die dro­hen­de, und 1975 voll­zo­ge­ne Ein­ge­mein­dung Dön­bergs nach Wup­per­tal zu ver­hin­dern. 3 

Gedächtnisfenster zur Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung

Die Fried­hofs­kir­che an der Hoch­stra­ße.

Hoch oben in der Nord­stadt, an den Fried­hö­fen der Hoch­stra­ße, steht die 1894–98 nach Plä­nen des Ber­li­ner Archi­tek­ten Johan­nes Otzen erbau­te Fried­hofs­kir­che. Die größ­te und eine der schöns­ten Kir­chen Wup­per­tals ver­lor 1943 beim Luft­an­griff auf Wup­per­tal durch die Druck­wel­len der Deto­na­tio­nen ihre ori­gi­na­len Fens­ter der Glas­ma­le­rei Mül­ler aus Qued­lin­burg. 1946 wur­den sie zunächst durch ver­schie­den­far­bi­ges Kathe­dral­glas ersetzt, das einst als Pro­vi­so­ri­um gedacht war, aber dann doch 62 Jah­re Bestand hat­te. Erst 2008 konn­te die Gemein­de zwei der sechs gro­ßen Roset­ten­fens­ter aus­tau­schen. In vier Jah­ren sam­mel­ten die 3300 Gemein­de­mit­glie­der dafür 120.000 Euro.1 Nach einem begrenz­ten Wett­be­werb ent­schied man sich für den Wer­ni­ge­ro­der Glas­künst­ler Gün­ter Grohs, des­sen Ent­wür­fe die Glas­werk­statt Schnee­mel­cher aus Qued­lin­burg aus­führ­te. Für die West­sei­te, die zunächst ange­fer­tigt und 2008 ange­bracht wur­de, gab die Evan­ge­li­sche Gemein­de Elber­feld-Nord die The­men “Hel­mut Hes­se — ein Mär­ty­rer aus der Gemein­de” und “Theo­lo­gi­sche Erklä­rung von Bar­men” vor.2 Am 25.Mai 2008 wur­den die neu­en Fens­ter mit einem fei­er­li­chen Got­tes­dienst ein­ge­weiht.3


Das Gedenk­fens­ter zur Erin­ne­rung an die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung in der Elber­fel­der Fried­hofs­kir­che.

Die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung wur­de am 31. Mai 1934 von der Bekennt­nis­sys­node in der Gemar­ker Kir­che in Bar­men ver­ab­schie­det. Die Bekennt­nis­sys­node und ihre Erklä­rung war eine Reak­ti­on auf die erfolg­rei­chen Ver­su­che der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen “Deut­schen Chris­ten” die evan­ge­li­sche Kir­che zu über­neh­men und auch hier das Füh­rer­prin­zip ein­zu­füh­ren. Die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung wur­de vor allem vom Refor­mier­ten Karl Barth und dem Luthe­ra­ner Hans Asmus­sen geprägt. Sie lehn­ten den Anspruch der “Deut­schen Chris­ten”, in Adolf Hit­ler eine Offen­ba­rung Got­tes zu sehen, ab. Am 19. und 20. Okto­ber 1934 folg­ten in Ber­lin-Dah­lem die zwei­te Bekennt­nis­sys­node der Beken­nen­den Kir­che, im Juni 1935 die drit­te in Augs­burg. Bei der vier­ten und letz­ten im Febru­ar 1936 in Bad Oeyn­hau­sen war die Orga­ni­sa­ti­on der Beken­nen­den Kir­che auf­grund inhalt­li­cher Dif­fe­ren­zen kaum mehr vor­han­den. 1936 pro­tes­tier­te die vor­läu­fi­ge Kir­chen­lei­tung noch in einer Denk­schrift an Hit­ler gegen Ent­christ­li­chung, Anti­se­mi­tis­mus und Ter­ror­maß­nah­men, doch zur Reichs­po­grom­nacht am 9.November 1938 schwieg sie. Mit Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs wur­den vie­le Mit­glie­der in den Unter­grund gedrängt oder ver­haf­tet, wie 1943 Hel­mut Hes­se.4


Im Zen­trum des Fens­ters steht die Inschrift:

Jesus Chris­tus ist
das Wort Got­tes
das wir hören
dem wir im Leben
und ster­ben zu
ver­trau­en und zu
gehor­chen haben.”


Die Zei­len stam­men aus der ers­ten The­se der Bar­mer Theo­lo­gi­schen Erklä­rung, die lau­tet:
Jesus Chris­tus, wie er uns in der Hei­li­gen Schrift bezeugt
wird, ist das eine Wort Got­tes, das wir zu hören, dem wir im Leben und
im Ster­ben zu ver­trau­en und zu gehor­chen haben.
Wir ver­wer­fen die fal­sche Leh­re, als kön­ne und müs­se die Kir­che als
Quel­le ihrer Ver­kün­di­gung außer und neben die­sem einen Wor­te Got­tes auch noch ande­re Ereig­nis­se und Mäch­te, Gestal­ten und Wahr­hei­ten als Got­tes Offen­ba­rung aner­ken­nen.”

Der Wort­laut der Bar­mer Theo­lo­gi­schen Erklä­rung fin­det sich hier.


Detail­auf­nah­me

Gün­ter Grohs ver­zich­te­te bei der Gestal­tung der Fens­ter bewusst auf die Bebil­de­rung der Fens­ter und eine the­ma­ti­sche Dar­stel­lung. Die Fens­ter zei­gen Spu­ren und Wege, die der Betrach­ter selbst ergrün­den soll. Außer­dem soll so eine dau­er­haf­te Spra­che gefun­den wer­den, die fol­gen­den Genera­ti­on noch etwas zu sagen hat und nicht zeit­ge­nös­si­schen Moden unter­liegt. So blieb zur Umset­zung der The­ma­tik nur die Schrift als “zeit­lo­se Bot­schaft” im zen­tra­len Qua­drat, dass die Wind­ei­sen, die die Glas­flä­chen sta­bi­li­se­ren, vor­ge­ben. Begrenzt wird es auch von den senk­recht und hori­zon­tal ver­lau­fen­den Bah­nen, die in die Aus­läu­fer der Außen­krei­se mün­den und so mitt­le­re und äuße­re Berei­che des Fens­ters ver­bin­den. Die zwölf Außen­krei­se wie­der­um sto­ßen mit ihren schma­len  Frie­sen in den Mit­tel­kreis vor, ver­flech­ten sich mit dem brei­ten far­bi­gen Band und dies schein­bar unend­los, als Sym­bol für die Unend­lich­keit, die Ein­heit von Anfang und Ende. 5


Das Gedächt­nis­fens­ter von unten

Am Werth unweit der Gemar­ker Kir­che steht bereits seit 1984 ein Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung.

Im Sep­tem­ber 2009 wur­den auch die Fens­ter an der Ost­sei­te — zum Fried­hof  — erneu­ert. Sie zei­gen die The­men “Tod und Auf­er­ste­hung”. Für die­Süd­sei­te sind die The­men “Wort und Sakra­ment” geplant.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedächtnisfenster zur Erinnerung an Helmut Hesse

Die Fried­hofs­kir­che an der Hoch­stra­ße.

Hoch oben in der Nord­stadt, an den Fried­hö­fen der Hoch­stra­ße, steht die 1894–98 nach Plä­nen des Ber­li­ner Archi­tek­ten Johan­nes Otzen erbau­te Fried­hofs­kir­che. Die größ­te und eine der schöns­ten Kir­chen Wup­per­tals ver­lor 1943 beim Luft­an­griff auf Wup­per­tal durch die Druck­wel­len der Deto­na­tio­nen ihre ori­gi­na­len Fens­ter der Glas­ma­le­rei Mül­ler aus Qued­lin­burg. 1946 wur­den sie zunächst durch ver­schie­den­far­bi­ges Kathe­dral­glas ersetzt, das einst als Pro­vi­so­ri­um gedacht war, aber dann doch 62 Jah­re Bestand hat­te. Erst 2008 konn­te die Gemein­de zwei der sechs gro­ßen Roset­ten­fens­ter aus­tau­schen. In vier Jah­ren sam­mel­ten die 3300 Gemein­de­mit­glie­der dafür 120.000 Euro.1Nach einem begrenz­ten Wett­be­werb ent­schied man sich für den Wer­ni­ge­ro­der Glas­künst­ler Gün­ter Grohs, des­sen Ent­wür­fe die Glas­werk­statt Schnee­mel­cher aus Qued­lin­burg aus­führ­te. Für die West­sei­te, die zunächst ange­fer­tigt und 2008 ange­bracht wur­de, gab die Evan­ge­li­sche Gemein­de Elber­feld-Nord die The­men “Hel­mut Hes­se — ein Mär­ty­rer aus der Gemein­de” und “Theo­lo­gi­sche Erklä­rung von Bar­men” vor.2 Am 25.Mai 2008 wur­den die neu­en Fens­ter mit einem fei­er­li­chen Got­tes­dienst ein­ge­weiht.3


Das Gedenk­fens­ter für Hel­mut Hes­se in der Fried­hofs­kir­che.

Der am 11. Mai 1916 in Bre­men gebo­re­ne Hel­mut Hes­se wuchs in einem pie­tis­ti­schen Haus­halt auf, sein Vater, Her­mann Albert Hes­se, war Pas­tor der Elber­fel­der Gemein­de und wohn­te in der Ale­man­nen­str. 40. Bereits wäh­rend des Gym­na­si­ums wur­de ihm klar, dass der Natio­nal­so­zia­lis­mus und der christ­li­che Glau­be nicht zusam­men gelebt wer­den konn­ten, auch wenn vie­le Chris­ten der Zeit ande­rer Ansicht waren. Obwohl er natur­wis­sen­schaft­licht begabt war, ent­schied er sich wie schon sei­ne drei Brü­der zuvor 1935 für das Stu­di­um der Theo­lo­gie. Bereits früh setz­te sich Hes­se für ras­sisch ver­folg­te Men­schen ein und half ihnen, wo er konn­te. Im Früh­jahr 1940 leg­te er das ers­te Examen vor der Prü­fungs­kom­mis­si­on der rhei­ni­schen Beken­nen­den Kir­che ab. Nach dem Vika­ri­at mel­det er sich im Sep­tem­ber 1941 zum zwei­ten Examen, doch nach der Ver­haf­tung der Ber­li­ner Prü­fungs­kom­mis­si­on der Beken­nen­den Kir­che stell­te die rhei­ni­sche ihre Arbeit ein. Hel­mut Hes­se wei­ger­te sich von dem Weg der Beken­nen­den Kir­che und den Erklä­run­gen von Bar­men und Dah­lem abzu­wei­chen und geriet so nicht nur in Kon­flikt mit der Lan­des­kir­che, son­dern auch mit der Beken­nen­den Kir­che.


Detail­auf­nah­me

Am 8.Juni 1943 wur­de er zusam­men mit sei­nem Vater ver­haf­tet. In sei­ner letz­ten Anspra­che zwei Tage zuvor hat­te er erklärt:

Als Chris­ten kön­nen wir es nicht mehr län­ger ertra­gen, dass die Kir­che
in Deutsch­land zu den Juden­ver­fol­gun­gen schweigt […] Sie darf nicht
län­ger ver­su­chen, vor dem gegen Isra­el gerich­te­ten Angriff sich selbst
in Sicher­heit zu brin­gen. Sie muss viel­mehr bezeu­gen, dass mit Isra­el
sie und ihr Herr Jesus Chris­tus selbst bekämpft wird.”


Nach fünf Mona­ten in Ein­zel­haft, in der der an Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz lei­den­de
zum Ske­lett abma­ger­te, wur­den Vater und Sohn am 13.November 1943 in das
KZ Dach­au ver­legt, wo Hel­mut Hes­se in der Nacht auf den 24.November 1943
ver­starb. 4


Im Zen­trum des Fens­ter steht die Inschrift.

Hel­mut Hes­se
11.05.1916 Bre­men
+ 24.11.1943 Dach­au
Selig sind die um
Gerech­tig­keit wil­len
ver­folgt wer­den”

Die Selig­prei­sung stammt aus der Berg­pre­digt und fin­det sich bei Mat­thä­us 5,10.


Gün­ter Grohs ver­zich­te­te bei der Gestal­tung der Fens­ter bewusst auf die Bebil­de­rung der Fens­ter und eine the­ma­ti­sche Dar­stel­lung. Die Fens­ter zei­gen Spu­ren und Wege, die der Betrach­ter selbst ergrün­den soll. Außer­dem soll so eine dau­er­haf­te Spra­che gefun­den wer­den, die fol­gen­den Genera­ti­on noch etwas zu sagen hat und nicht zeit­ge­nös­si­schen Moden unter­liegt. So blieb zur Umset­zung der The­ma­tik nur die Schrift als “zeit­lo­se Bot­schaft” im zen­tra­len Qua­drat, dass die Wind­ei­sen, die die Glas­flä­chen sta­bi­li­se­ren, vor­ge­ben. Begrenzt wird es auch von den senk­recht und hori­zon­tal ver­lau­fen­den Bah­nen, die in die Aus­läu­fer der Außen­krei­se mün­den und so mitt­le­re und äuße­re Berei­che des Fens­ters ver­bin­den. Die zwölf Außen­krei­se wie­der­um sto­ßen mit ihren schma­len Frie­sen in den Mit­tel­kreis vor, ver­flech­ten sich mit dem brei­ten far­bi­gen Band und dies schein­bar unend­los, als Sym­bol für die Unend­lich­keit, die Ein­heit von Anfang und Ende.5


Detail­auf­nah­me

Im Sep­tem­ber 2009 wur­den auch die Fens­ter an der Ost­sei­te — zum Fried­hof — erneu­ert. Sie zei­gen die The­men “Tod und Auf­er­ste­hung”. Für die Süd­sei­te sind die The­men “Wort und Sakra­ment” geplant.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Yzchok-und-Rita-Gerszt-Gedenktafel

In der Woche vom 19.–25. Juni 2008 war auf Ein­la­dung des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gung im Wup­per­tal e.V. Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man, die Toch­ter der Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fer  gegen das NS-Regime, Yzchok und Rita Gerszt, zu Gast in Wup­per­tal.1 Der Kon­takt zu ihr war über den His­to­ri­ker Ste­phan Stra­cke zustan­de gekom­men, der wäh­rend sei­ner For­schun­gen2 zu den Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts-pro­zes­sen auf das Schick­sal des kom­mu­nis­ti­schen und jüdi­schen Ehe­paars gesto­ßen war und zufäl­lig im Inter­net die Adres­se der Toch­ter gefun­den hat­te.3 Im fer­nen Ore­gon in den USA war man natür­lich über­rascht und zunächst auch skep­tisch, wie denn das Land der Täter heu­te mit ihnen umge­hen wür­de. Zusam­men mit ihrer Toch­ter und ihrem Schwie­ger­sohn wag­te Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man die Rück­kehr in ihre Geburts­stadt, in der ihren Eltern so viel Unrecht wider­fah­ren war. Wäh­rend ihrer Zeit in Wup­per­tal nahm Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man an der Gedenk­fei­er am Mahn­mal des KZ Kem­na teil und besuch­te auch ihr altes Wohn­haus in der Rei­ter­stra­ße Nr.3.4 In die­sem Rah­men wur­de im Juni 2008 eine Gedenk­ta­fel für ihre Eltern gegen­über des Hau­ses ange­bracht.


Die Gedenk­ta­fel für Yzchok und Rita Gerszt. Foto­gra­fiert am 5. Febru­ar 2012.

Die Gedenk­ta­fel zeigt unter der Über­schrift:

 “In Erin­ne­rung an die
Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fe­rIn­nen
Yzchok und Rita Gerszt.

eine Foto­gra­fie des Ehe­paars und erklärt: “[Lin­ke Spal­te]

Die Fami­lie leb­te mit ihrer Toch­ter Ste­pha­nie bis 1936 in der Rei­ter­stra­ße 3.
Yzchok und Rita Gerszt waren im jüdi­schen Arbei­ter-Kul­tur­ver­ein und in der KPD orga­ni­siert und betei­lig­ten sich am Wider­stands­kampf gegen die Natio­nal­so­zia­lis­ten.
Yzchok Gerszt wur­de am 30.Juni 1936 ver­haf­tet und in den “Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­sen” zu 4 Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt. Nach der Haft im Zucht­haus
Sieg­burg wur­de er nach Aus­schwitz depor­tiert. Dort wur­de er auf dem Todes­marsch am 13.Januar 1943 ermor­det.
Rita Gerszt floh mit ihrer 5 jäh­ri­gen Toch­ter nach Bel­gi­en, wur­de dort aber von der Gesta­po ver­haf­tet. Das 5 jäh­ri­ge Kind Ste­pha­nie Gerszt konn­te recht­zei­tig weg­lau­fen und über­leb­te das drit­te Reich ver­steckt in Wai­sen­häu­sern in Bel­gi­en. Rita Gerszt wur­de u.a. im KZ Ravens­brück inhaf­tiert und am 29.Mai 1942 in der Ver­ga­sungs­an­stalt Bern­burg ver­gast.”


Eine aus­führ­li­che­re Bio­gra­phie fin­det sich im offe­nen Bür­ger­an­trag des Ver­eins zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung zur Umbe­nen­nung der Trep­pe an der Rei­ter­stra­ße (s.u.):


Dem­nach kam der am 16.Oktober 1901 in Polen gebo­re­ne Yzchok Gerzst 1920 nach Deutsch­land. Er arbei­te­te als Schnei­der und Rei­sen­der (Ver­tre­ter) für eine Her­ren­schnei­de­rei und mach­te sich spä­ter mit einer Lohn­schnei­de­rei selbst­stän­dig. 1924 trat er in die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei ein und enga­gier­te sich im Vor­stand des jüdi­schen Arbei­ter-Kul­tur-Ver­eins, der sei­nen Sitz an der Klotz­bahn hat­te. Ab 1931 arbei­te­te er unter ande­rem mit den Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fern Ewald Fun­ke,
Jukiel Gil­berg, Karl Ibach und Fried­rich Sen­ger im AM-Appa­rat (Abtei­lung Mili­tär­po­li­tik) der KPD.5 Der AM-Appa­rat war die nach­rich­ten­dienst­li­che Orga­ni­sa­ti­on der KPD, die von den Ver­haf­tungs­wel­len nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten kaum betrof­fen war und im Unter­grund wei­ter gegen das NS-Regime kämpf­te. 6 Zu den Auf­ga­ben Gerszts gehör­te es zum Bei­spiel Kon­tak­te zu anti­na­zis­ti­schen Poli­zei­be­am­ten auf­zu­neh­men. Ab 1933 orga­ni­sier­te das Ehe­paar Geld­samm­lun­gen bei jüdi­schen Sym­pa­thi­san­ten zur Finan­zie­rung der AM und Tref­fen des ille­ga­len Appa­rats. Am 30.Juni 1936 wur­de er bei der drit­ten Ver­haf­tungs­wel­le im Rah­men der Gewerk­schafts­pro­zes­se ver­haf­tet7 (zu den Pro­zes­sen sie­he auch den Ein­trag zum Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­se). Der gesam­te AM-Appa­rat wur­de von der Gesta­po zer­schla­gen.8 Aus­sa­gen von ande­ren Häft­lin­gen belas­te­ten Gerszt und er wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm zu 4 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt, die er zunächst in Her­ford und Sieg­burg ver­brach­te.


Rita Gerszt blieb mit der vier Mona­te alten Toch­ter Ste­pha­nie zurück und muss­te allein die um sich grei­fen­de Demü­ti­gung, Aus­gren­zung und Ter­ro­ri­sie­rung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung ertra­gen. Am 30.Juni 1939 erhielt sie einen Aus­wei­sungs­be­scheid. Die Bit­te, ihren Mann vor­zei­tig zu ent­las­sen, um mit ihm und dem Kind in die USA aus­wan­dern zu kön­nen, wo Ver­wand­te für ihn gebürgt hat­ten, um ein Ein­rei­se­vi­sum zu erhal­ten, wur­de abge­schla­gen. 1939 wur­de Rita vier Wochen inhaf­tiert und floh nach der Frei­las­sung nach Bel­gi­en, wo ihre Schwes­ter, Hele­ne Man­del­baum, mit ihrem Mann und den Kin­dern in Brüs­sel wohn­te. Nach­dem die Deut­schen auch Bel­gi­en besetzt hat­ten, orga­ni­sier­te Rita für sich und ihr Kind ein siche­res Ver­steck, doch bei der Ver­ab­schie­dung von Freun­den wur­de sie von der Gesta­po ver­haf­tet. Ste­pha­nie konn­te im Durch­ein­an­der flie­hen und fand nach lan­gem Umher­ir­ren die Woh­nung ihrer Tan­te wie­der. Die­se brach­te sie mit­hil­fe des “Comi­te de defen­se des juifs” unter fal­schem Namen in einem Wai­sen­haus in Forest unter. Rita Gerszt wur­de nach Düs­sel­dorf gebracht und dort wegen angeb­li­cher Devi­sen­ver­ge­hen zu vier Mona­ten Haft ver­ur­teilt und saß vom 7. Juni 1940 bis zum 9. Okto­ber 1940 im Gefäng­nis. Anschlie­ßend kam sie an das KZ Ravens­brück, wo sie laut dem Gedenk­buch für die Opfer von Ravens­brück unter dem Namen Rita Ger­ozt am 29.Mai 1942 in der T4 Anstalt  Bern­burg wäh­rend der “Akti­on 14f13” ermor­det wur­de. Die amt­li­chen Anga­ben geben als Todes­da­tum den 30.Juni 1942 an. Nach dem Ende sei­ner Gefäng­nis­stra­fe wur­de Yzchok Gerszt in “Schutz­haft” genom­men und nach Ausch­witz depor­tiert. Dort durch­litt er ein Mar­ty­ri­um und wur­de auf einem Todes­marsch kurz vor der Befrei­ung durch die Rote Armee am 13.Januar 1945, so die Ster­be­ur­kun­de, ermor­det.


Die Toch­ter des Ehe­paars über­leb­te den Zwei­ten Welt­krieg, wur­de 1944 von Alli­ier­ten Trup­pen befreit und kam in ein Wai­sen­haus einer jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on, die die Wai­sen­kin­der auf die Ein­wan­de­rung nach Isra­el vor­be­rei­te­te. Kurz vor der Abrei­se nach Paläs­ti­na mel­de­te sich Geor­ge Gerszt, ein Onkel aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, und sorg­te dafür, dass sie im Juni 1948 in die USA ein­rei­sen konn­te.9


Im Rah­men des Besuchs von Ste­pha­nie Gersz in Wup­per­tal im Juni 2008 bean­trag­ten die Grü­nen mit Unter­stüt­zung des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gun­gen im Wup­per­tal e.V die Benen­nung der an das Haus Rei­ter­stra­ße 3 gren­zen­den Trep­pe zur Pla­te­ni­us­stra­ße in “Gerszt-Trep­pe”.10Der Antrag wur­de ein­stim­mig, also auch von den Grü­nen, abge­lehnt. Aus dem Pro­to­koll:


Der Bezirks­bür­ger­meis­ter teilt mit, dass nach Rück­spra­che mit dem zustän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter drin­gend davon abge­ra­ten wer­de, die­se Benen­nung zu beschlie­ßen. So sei die­se Fami­lie nur eine von ca. 1200 ermor­de­ten Fami­li­en in Wup­per­tal. Sich hier­von eine her­aus zu suchen, sei nicht rat­sam.” 11


Die­se Begrün­dung ist unver­ständ­lich, da die Bezirks­ver­tre­tung in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ein­stim­mig beschlos­sen hat­te, eine Trep­pe am Osters­baum nach dem Elber­fel­der Rab­bi­ner Dr.Joseph Nor­den zu benen­nen — auch “nur” einer von vie­len Ermor­de­ten aus Wup­per­tal.12 Dem­entspre­chend wand­te sich der Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung in einem offe­nen Bür­ger­an­trag gegen die­se Ent­schei­dung und for­der­te mit zahl­rei­chen Unter­zeich­nern eine “Rita und Yzchok Gerszt-Trep­pe”.13
Am 25.Oktober 2008 wur­den vor dem Haus Reiterstr.3 zwei Stol­per­stei­ne für das Ehe­paar Gerszt ver­legt.14

Ergän­zung vom 17.Juni 2012: 
Eigent­lich hät­te man das vor der Ver­öf­fent­li­chung noch mal machen kön­nen, aber dar­an habe ich nicht gedacht. Die Gedenk­ta­fel, die ich am 5.Februar 2012 foto­gra­fiert habe, ist heu­te nicht mehr an Ort und Stel­le. (17. Juni 2012)

Sie­he auch die Ein­trä­ge zu Rita und Yzchok Gerszt im Gedenk­buch Wup­per­tal:

Rita GersztYzchok Gerszt

Schmiedehammerdenkmal an der Sambatrasse

Ein alter Rie­men­fall­ham­mer als Schmie­de­denk­mal auf Cro­nen­feld.

Am 26.Januar 2008, einem Sams­tag, prä­sen­tier­ten der Cro­nen­ber­ger Hei­mat- und Bür­ger­ver­ein (CHBV) und der Bür­ger­ver­ein Hah­ner­berg-Cro­nen­feld an der Sam­ba­tras­se auf Cro­nen­feld ein Stück Cro­nen­ber­ger Indus­trie­ge­schich­te:  Einen alten Rie­men­fall­ham­mer. Der Fall­ham­mer wur­de von Die­ter Haas gekauft, mit­hil­fe von Cro­nen­ber­ger Fir­men und Pri­vat­leu­ten wet­ter­fest auf­ge­ar­bei­tet und anschlie­ßend den Bür­ger­ver­ei­nen gestif­tet.1


Von der ande­ren Sei­te.

Der Fall­ham­mer stamm­te aus der Repa­ra­tur­werk­statt der Stra­ßen-und Tief­bau­fir­ma Heikaus gegen­über dem Gar­ten­hal­len­bad. Dort wur­de das schät­zungs­wei­se über 175 Jah­re alte Gerät bis ins Jahr 2000 zum Schmie­den und Schär­fen der Werk­zeu­ge der Fir­ma benutzt. Der Trans­mis­si­ons­rie­men wur­de über einen Elek­tro­mo­tor betrie­ben. Bezirks­bür­ger­meis­te­rin Inge­borg Alker gedach­te mit einem platt­deut­schen Stück von Hans Rau­haus an die Tra­di­ti­on der Cro­nen­ber­ger Schmie­de, anschlie­ßend wur­de mit einem “Kla­ren” ange­sto­ßen. Bei Kot­ten­but­ter und Glüh­wein wur­de die Fei­er­stun­de mit dem Ber­gi­schen Hei­mat­lied vom Hah­ner­ber­ger Show-Chor “Show-Chor-Taler” beschlos­sen. 2


Detail des Ham­mers

Die Cro­nen­ber­ger Woche beton­te, die Auf­stel­lung des 1,4 Ton­nen schwe­ren Indsu­trie­denk­mals sei auch Zeug­nis für eine beson­de­re Stär­ke des Stand­orts Cro­nen­berg: Der Gemein­schafts­sinn. Der Malerb­treib Tesche arbei­te­te das Objekt auf, die Fir­ma Gis­bert Krä­mer stif­te­te ein sti­li­sier­tes Leder­band aus Stahl und die Fir­men Gabel­stap­ler Rei­chert und Gar­ten- und Land­schafts­bau Gelb­rich über­nah­men den Trans­port und die Auf­stel­lung. Ursprüng­lich, so konn­ten zwei ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Fir­ma Heikaus berich­ten, stamm­te der Fall­ham­mer von der Wagen­bau­fir­ma Brink­haus, die vor­her in den Räu­men an der Stra­ße “Zum Tal” behei­ma­tet gewe­sen war.3


Eine Tafel erklärt dem Pas­san­ten, was er gera­de betrach­tet.

Die am Rie­men­fall­ahm­mer ange­brach­te Tafel erklärt:

Alter
Rie­men­fall­ham­mer
der Cro­nen­ber­ger-
Werk­zeug­indus­trie
zum Schmie­den von
Hand­werk­zeu­gen

Schmie­de­häm­mer, bei denen sich die Ham­mer-
bären nur durch die Wir­kung der Schwer­kraft nach
unten bewe­gen, nennt man Fall­häm­mer.

Bei den ers­ten Aus­füh­run­gen wur­de der Ham­mer-
bär per Hand­kraft hoch­ge­zo­gen.
Nach Ein­füh­rung der Dampf­ma­schi­ne erfolg­te der
Antrieb über Trans­mis­si­ons­rie­men.

Geschmie­det wur­de mit 2–4 Schlä­gen zwi-
schen Ober- und Unter­ge­senk.”


Update vom 20. August 2015:
Am 20. August 2015 berich­te­te die Cro­nen­ber­ger Woche über die abge­schlos­se­ne Instand­set­zung des Denk­mals. Der Vor­sit­zen­de des Bür­ger­ver­eins Hah­ner­berg Cro­nen­feld (BHC), Jochen Pla­te, und Klaus-Peter Gon­dolf rei­nig­ten und ent­ros­te­ten das Denk­mal in mühe­vol­ler Arbeit, bevor sie dann dem Schmie­de­ham­mer einen neu­en Anstrich ver­pas­sen konn­ten. Die Far­be dafür stif­tet der Vor­sit­zen­de des Cro­nen­ber­ger Hei­mat- und Bür­ger­ver­eins, Rolf Tesche.4


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te