Alpinium-Gedenktafel

Das Alpi­ni­um im Win­ter­schlaf.

1914 stif­te­ten Mit­glie­der des Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­eins, dem Trä­ger der Bar­mer Anla­gen, ihrem Ver­ein ein Alpi­ni­um. Der Alpen­gar­ten wur­de von Gar­ten­ar­chi­tekt Artur Stü­ting im Fischer­tal ange­legt und dien­te unter ande­rem als Schul­gar­ten. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Alpi­ni­um nicht mehr gepflegt und über­wu­cher­te. Zum 150. Jubi­lä­um des BVV wur­de das Alpi­ni­um wie­der­ent­deckt und von der Bar­mer Sek­ti­on des Deut­schen Alpen­ver­eins und der Rons­dor­fer Jugend­feu­er­wehr rekul­ti­viert. Am 14. Juni 2014 wur­de der Gar­ten erneut ein­ge­weiht und eine Gedenk­ta­fel auf­ge­stellt.1 Ange­regt wur­de die Restau­rie­rung und Gedenk­ta­fel von Klaus-Gün­ther Con­rads.2 Ein­drucks­vol­le Vor­her-Nach­her-Bil­der gibt es auf wuppertals-gruene-anlagen.de


Die Gedenk­ta­fel.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


 

Gedenkstein für Volker Schultheiß

Der Gedenkstein im Farn.
Der Gedenk­stein im Farn.

Einen Halb­ma­ra­thon und einen Zehn-Kilo­me­ter-Lauf bie­tet die Lauf­ver­an­stal­tung “Zucker­spiel” im Burg­holz jedes Jahr im Früh­jahr an — und ist genau das nicht, ein Zucker­spiel. Am 6. April 2013 ver­starb Vol­ker Schult­heiß, ein erfah­re­ner Läu­fer auf der Distanz, im Kran­ken­haus am Arren­berg, nach­dem er wäh­rend des Halb­ma­ra­thons zusam­men­ge­bro­chen war.1 Dem 56jährigen Mann aus Ker­pen setz­ten die Ver­an­stal­ter am Unglücks­ort im April 2014 einen Gedenk­stein.2


Das zerbrochene Herz

Die Bal­lons gehö­ren nicht zum Kon­zept.

Im Dezem­ber 2000 stell­te man im Rat­haus Bar­men die Skulp­tur “Das zer­bro­che­ne Herz” auf, mit der die 2012 ver­stor­be­ne Wup­per­ta­ler Bild­haue­rin Ulle Hees an die Dich­te­rin Else Las­ker-Schü­ler erin­ner­te. Das zer­bro­che­ne Herz sym­bo­li­siert die drei Begrif­fe Trau­er, Exil und Poe­sie, die das Wesen und Leben Else Las­ker-Schü­lers beschrei­ben. Sie mahnt vor der von Natio­nal­so­zia­lis­ten ver­ord­ne­ten Wort­lo­sig­keit durch erzwun­ge­ne Emi­gra­ti­on und Bücher­ver­bren­nung, erin­nert an das lite­ra­ri­sche Schaf­fen Las­ker-Schü­lers, ihre Weg­be­glei­ter und ihre Kind­heit in Elber­feld. Die 1,65 m hohe Ste­le wur­de der Stadt Wup­per­tal vom Rons­dor­fer Unter­neh­mer Enno Spring­mann gestif­tet. Nach­dem sie zunächst im Ein­gang des Bar­mer Rat­hau­ses eine Hei­mat gefun­den hat­te, soll­te sie zur Spiel­zeit 2001/2002 ins Schau­spiel­haus umzie­hen.1


Auf den Herz­tei­len fin­den sich Wort und Moti­ve aus Las­ker-Schü­lers Wer­ken.

Im Juni 2014 zog die Skulp­tur dann vom Opern­haus in das Rat­haus Elber­feld. Enno Spring­mann hat­te dar­um gebe­ten, da er der Mei­nung war, dass im Opern­haus zu wenig Betrach­ter “Das zer­bro­chen Herz” sehen konn­ten. Nun steht sie auf dem ers­ten Trep­pen­ab­satz gegen­über dem Haupt­ein­gang.2


Die Inschrift

Das zer­bro­che­ne Herz
Bron­ze-Ste­le von Ulle Hees
zur Erin­ne­rung an die Dich­te­rin Else Las­ker Schü­ler
Geb. 1869 in Wup­per­tal, Gest. 1945 in Jeru­sa­lem
Geschenk der Enno- und Chris­ta Spring­mann-Stif­tung
an die Stadt Wup­per­tal, Dezem­ber 2000


Die Boden­plat­te.

Wei­te­re Gedenk­zei­chen zur Erin­ne­rung an Else Las­ker-Schü­ler:
Mein­wärts
Gedenk­ta­fel am Geburts­haus
Gedenk­ta­fel am Wohn­haus


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Engel des Nordens

Der klei­ne Angel of the North.

An der A1 in Gateshead im Nor­den Eng­lands steht die Skulp­tur Angel of the North von Ant­o­ny Gorm­ley. Die 20 Meter hohe und 54 brei­te Skulp­tur eines umar­men­den Engels ist eine Attrak­ti­on am Tyne. In Wup­per­tal, hoch oben über dem Tal der Wup­per, auf Licht­scheid, steht seit dem 9. Mai 2014 eine klei­ne, mit Erlaub­nis von Gom­ley ange­fer­tig­te Replik im Maß­stab 1:10 im Vor­gar­ten eines Hau­ses. Lutz Bür­ger mach­te sie sei­ner Frau Michel­le, einer gebür­ti­gen Eng­län­de­rin, zum Geschenk.1


Posi­ti­on des Kunst­werks auf der Kar­te


Textilhistorisches Denkmal an der Junior-Uni

Das Denk­malensem­ble an der Juni­or Uni.

Vor dem 21. Juli 2014 weih­te der Bar­mer Bezirks­bür­ger­meis­ter Hans-Her­mann Lücke von der CDU zusam­men mit dem Geschäfts­füh­rer der Juni­or Uni, Ernst-Andre­as Zieg­ler, eine Denk­mal­grup­pe ein, die aus Tei­len eines alten Fabrik­ge­bäu­des einer Bar­mer Fär­be­rei besteht. Drei Metall­säu­len, die die Kel­ler­de­cke tru­gen, eine Back­stein­wand und das Fun­da­ment des Schorn­stein sind alles, was von dem Gebäu­de aus den 1860er Jah­ren übrig geblie­ben ist, an des­sen Stel­le nun der far­ben­fro­he Neu­bau der Juni­or-Uni steht. Die Denk­mal­grup­pe wur­de von den Archi­tek­ten des Neu­baus, Hans Chris­toph Göde­king und Johan­nes Nied­wo­rok ent­wor­fen und wird kom­plet­tiert von einem alten Fens­ter, dass die Funk­ti­on einer Gedenk­ta­fel aus­übt.1


Die neun­tei­li­ge Gedenk­ta­fel.

Die Inschrift erklärt:

“Die Wup­per­ta­ler Juni­or Uni für das
Ber­gi­sche Land steht in der gro­ßen Tra­di­ti­on
von For­scher­geist, Unter­neh­mer­mut und
her­vor­a­gen­der Fach­kräf­te­kom­pe­tenz -
über Jahrhunderte.An die­ser Stel­le wur­den Far­ben für die
Tex­til­in­dus­trie her­ge­stellt.
Dar­an erin­ner­te bis zum Jah­re 2010 eine
völ­lig her­un­ter­ge­kom­me­ne Indus­trie­rui­ne.
Beim Abriss wur­den die­se archi­tek­to­ni­schen
Merk­zei­chen für die Nach­welt gesi­chert:
die­ser ursprüng­lich neunge­teil­te
Fens­ter­rah­men, drei stäh­ler­ne Stüt­zen und
ein Zie­gel­mau­er­block.”

Hans-Her­mann Lücke, der das Denk­mal ein­weih­te, wur­de dazu von der Juni­or Uni ein­ge­la­den, die sich für die Unter­stüt­zung der Bar­mer Bezirks­ver­tre­tung bedan­ken woll­te.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Hermann-Steinacker-Gedenktafel

Unten links befin­det sich die Gedenk­ta­fel.

Vor dem 20. März 20141 wur­de an der Wülf­ra­ther Stra­ße an der Stütz­mau­er zum Schul­hof der För­der­schu­le Huf­schmied­stra­ße eine Gedenk­ta­fel ange­bracht, die an Her­mann Stein­acker erin­nert. Der Anar­chist wur­de am 20. Novem­ber 1870 in Olden­heim bei Karls­ru­he gebo­ren, mach­te eine Aus­bil­dung zum Schnei­der und schloss sich der SPD an. 1910 führ­te ihn die poli­ti­sche Poli­zei in Ber­lin im Anar­chis­ten-Ver­zeich­nis auf, er hat­te sich also von der SPD getrennt. Anar­chis­ten wur­den im Kai­ser­reich sowohl von der Poli­zei über­wacht und bekämpft, von der SPD und Gewerk­schaf­ten als Fein­de behan­delt. Die radi­ka­len Elber­fel­der Pazi­fis­ten wur­den mit Beginn des Ers­ten Welt­kriegs inhaf­tiert, Stein­acker kam erst im März 1916 frei — und wur­de prompt zum Mili­tär­dienst ein­ge­zo­gen. In den Dyna­mi­ken des Kriegs­en­des und der Revo­lu­ti­on wuchs die Freie Arbei­ter-Uni­on Deutsch­lands (FAUD) 1200 Mit­glie­der, deren Zahl aber ab 1923 wie­der schrumpf­te und 1933 nur noch 40 Mit­glie­der zähl­te.
Her­mann Stein­acker besaß eine Schnei­der­stu­be in der Para­de­stra­ße und war eine bedeu­ten­de Figur der FAUD im Wup­per­tal und Men­tor der anar­chis­ti­schen Kin­der- und Jugend­grup­pen. Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 die Macht in Deutsch­land über­nom­men hat­ten, orga­ni­sier­te er den anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Wider­stand in Wup­per­tal. Im Okto­ber 1934 wur­de er von der Gesta­po ver­haf­tet und zu einem Jahr und neun Mona­ten Haft ver­ur­teilt, die er in der JVA Lüttring­hau­sen ver­brach­te. Nach sei­ner Ent­las­sung sam­mel­te er Gel­der zur Unter­stüt­zung der Volks­front­re­gie­rung im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg. Im Febru­ar 1937, acht Mona­te nach sei­ner Ent­las­sung, flog das Netz­werk der Anar­cho-Syn­di­ka­lis­ten im Rhein­land auf und Stein­acker wur­de erneut ver­haf­tet. Im Janu­ar 1938 wur­de er mit 88 wei­te­ren Ange­klag­ten vor dem Ham­mer Ober­lan­des­ge­richt ver­ur­teilt und erhielt eine der Höchst­stra­fen, 10 Jah­re  Haft, die er zum Groß­teil im Zucht­haus in Müns­ter ver­brach­te. Fol­ter und Haft schwäch­ten ihn, sodass er von Mit­häft­lin­gen von sei­ner Zel­le in den Arbeits­saal getra­gen wer­den muss­te. Eines Tages schlief er wäh­rend der Arbeit dort ein und wur­de wegen Arbeits­un­fä­hig­keit im Janu­ar 1944 in das KZ Maut­hau­sen depor­tiert. Als Arbeits­un­fä­hi­ger wur­de er als unwer­tes Leben in der Welt­an­schau­ung der Natio­nal­so­zia­lis­ten ange­se­hen und am 14. April 1944 mit­tels einer Sprit­ze mit Kup­fer­vi­tri­ol ermor­det. Die Gesta­po über­gab sei­ner Toch­ter anschlie­ßend sei­ne blut­ver­schmier­te Bril­le. 2


Die Gedenk­ta­fel ähnelt jener für Otto Böh­ne.

Die Gedenk­ta­fel erklärt unter einem nicht näher bezeich­ne­ten Foto:

Her­mann Stein­acker (20.11.1878 — 14.04.1944)

Über­zeug­ter Geg­ner des 1. Welt­krie­ges,
zen­tra­le Figur der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Bewe­ge­ung in
der Wei­ma­rer Repu­blik, Wider­stands­kämp­fer gegen die NS-Dik­ta­tur.

Stein­acker wur­de 1944 durch die Nazis im
Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen ermor­det.

Hier an die­ser Stel­le stand das Haus in dem er leb­te.

Nichts und Nie­mand ist ver­ges­sen!”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Otto-Böhne-Gedenktafel

Am 25. Febru­ar 2014 jähr­te sich zum 80. Mal der Todes­tag Otto Böh­nes, das Anti­fa-Café Wup­per­tal nahm dies zum Anlass an den Wup­per­ta­ler Stadt­ver­ord­ne­ten zu erin­nern.1 Mög­li­cher­wei­se in die­sem Zusam­men­hang brach­te man am Otto-Böh­ne-Platz in der Nord­stadt eine Gedenk­ta­fel an, am 20. März 2014 sprach man bereits von einer kürz­lich ange­brach­ten Gedenk­ta­fel.2


Die Gedenk­ta­fel.

Die Gedenk­ta­fel aus ein­fa­chem Kunst­stoff zeigt eine Foto­gra­fie Otto Böh­nes. Die Inschrift lau­tet:

Otto Böh­ne (4.1.1898 — 25.2.1934)
Wider­stands­kämp­fer und Kom­mu­nist

Otto Böh­ne starb im Kran­ken­haus in Papen­burg an den Fol­gen
grau­en­haf­ter Miss­hand­lun­gen, die ihm im KZ Kem­na und im
KZ Bör­ger­moor zuge­fügt wur­den.

Böh­ne wohn­te in der Wir­ker­stras­se 37 auf dem Elber­fel­der Ölberg.
Er war Nach­wuchs­lei­ter und Stadt­ver­ord­ne­ter der KPD.

Nichts und Nie­mand ist ver­ges­sen!”


Der am 4. Dezem­ber 1897 gebo­re­ne Otto Böh­ne kam aus Elber­feld und hat­te fünf Geschwis­ter. Er erlern­te den Beruf des Schlos­sers und kämpf­te im Ers­ten Welt­krieg. Anschlie­ßend arbei­te­te er bei Quan­te und schloss sich der KPD an, wo er es zum Orga­ni­sa­ti­ons­se­kre­tär brach­te. Noch im März 1933 wur­de er zum Stadt­ver­ord­ne­ten gewählt. Nach­dem er bereits im April 1933 von den Natio­nal­so­zia­lis­ten in Schutz­haft genom­men wor­den war, wur­de er im Juli 1933 in sei­ner Woh­nung in der Wir­ker­stra­ße 37 ver­haf­tet, vor den Augen sei­ner 13jährigen Toch­ter miss­han­delt und in das KZ Kem­na gebracht. Als Kom­mu­nist wur­de er in der Kem­na grau­sam gefol­tert und schwer miss­han­delt. Mit letz­ten Kräf­ten über­stand er nach der Auf­lö­sung des KZs Kem­na den Trans­port ins KZ Bör­ger­moor. Am 25. Febru­ar 1934 erlag er im Kran­ken­haus von Papen­burg sei­nen Ver­let­zun­gen. Er wur­de in sei­ner Woh­nung zwei Tage auf­ge­bahrt und anschlie­ßend auf dem Rons­dor­fer Kom­mu­nal­fried­hof bestat­tet. 3


Der Otto-Böh­ne-Platz wur­de am 21. Juni 1988 nach dem Wider­stands­kämp­fer benannt. (Wolf­gang Stock, Wup­per­ta­ler Stra­ßen­na­men, Essen 2002, S. 293.)

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


 

Engel der Kulturen (2014)

Der Engel der Kul­tu­ren am Rött­gen.

Am 15. Juni 2014 roll­te zum zwei­ten Mal der Engel der Kul­tu­ren durch Wup­per­tal.1 Die Skulp­tur zeigt die Sym­bo­le der drei Welt­re­li­gio­nen: Kreuz, David­stern und Halb­mond und wirbt für Tole­ranz. Je nach Blick­win­kel kann der Betrach­ter auch eine Engels-Sil­hou­et­te erken­nen. Nach­dem bereits 2010 am Has­pel ein Engel der Kul­tu­ren Teil des Pro­jekts des Künst­ler­paa­res Car­men Diet­rich und Gre­gor Mer­ten wur­de, kam es 2014 zu einem erneu­ten Pro­jekt in Wup­per­tal. Dabei wird zunächst eine ver­grö­ßer­te Ver­si­on der Skulp­tur durch eine Stadt gerollt und macht Sta­ti­on an Got­tes­häu­sern der Reli­gio­nen. Anschlie­ßend wird die Boden­in­tar­sie nach einem fes­ten Mus­ter in den Boden ein­ge­bracht und an Ort und Stel­le aus einer Stahl­plat­te eine wei­te­re Boden­in­tar­sie erstellt, die dann in einer ande­ren Stadt ver­wen­det wird. Mit den aus der Mit­te der Stahl­plat­te aus­ge­brann­ten Engeln soll eines Tages eine Skulp­tur in Jeru­sa­lem errich­tet wer­den.2


Am 8.6.2014 wur­de die­se Intar­sie in Köln bei einer Engel der Kul­tu­ren-Ver­le­gung erstellt.

Wäh­rend man 2010 durch Bar­men zog, ging es nun mit der 1,50 m hohen rol­len­den Skulp­tur durch den Elber­fel­der Nor­den, von der evan­ge­li­schen Phil­ip­pus­kir­che an der Kohl­stra­ße über die St. Micha­el-Schu­le und die katho­li­sche Kir­che St. Micha­el bis zum Zen­trum für Kin­der und Jugend­li­che am Rött­gen. Hier wur­de auch die Intar­sie im Boden ver­senkt.3 Eine isla­mi­sche oder jüdi­sche Sta­ti­on war nicht Teil des Weges, aber Ver­tre­ter der jüdi­schen Gemein­de und der DITIB-Moschee nah­men an der Pro­zes­si­on teil.4


Die in Wup­per­tal ent­stan­de­ne Intar­sie fand ihren Platz in Pader­born.

Friedrich-Engels-Denkmal

Das Fried­rich-Engels-Denk­mal im Engels-Gar­ten.

Zum drit­ten Mal seit 1958 gedach­te die Stadt Wup­per­tal vor weni­gen Tagen ihrem gro­ßen Sohn Fried­rich Engels. Und zum drit­ten Mal ist es der glei­che Ort, der Engels­gar­ten, in dem bereits ein Gedenk­stein (1958) und eine Skulp­tur (1981) an den Phi­lo­so­phen und Kom­pa­gnon von Karl Marx erin­nern. Natür­lich ist dies kein Zufall, stand dort, neben dem Opern­haus, doch bis zu sei­ner Zer­stö­rung das Geburts­haus Engels’ und dort steht heu­te das Engels-Haus, das Ver­wand­ten gehör­te und den Krieg über­leb­te. Doch genau genom­men ist es gar nicht die Stadt Wup­per­tal, die erin­nert und gedenkt, es ist die ungleich grö­ße­re Volks­re­pu­blik Chi­na, die der Stadt die­ses monu­men­ta­le Geschenk gemacht hat. Fried­rich Engels ist in der kom­mu­nis­ti­schen Volks­re­pu­blik bis heu­te ein Held und als Ma Kai, Mit­glied des Zen­tral­ko­mit­tees der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas und stell­ver­tre­ten­der Minis­ter­prä­si­dent, am 28. Novem­ber 2010 zu Gast im His­to­ri­schen Zen­trum war, wur­de der ers­te Kon­takt geknüpft und die Idee gebo­ren.


Aus spon­ta­ner Dank­bar­keit stif­te­te er in Aner­ken­nung der Leis­tun­gen der Stadt Wup­per­tal zur Wür­di­gung des Lebens­wer­kes des gro­ßen Natio­nal­öko­no­men und Phi­lo­so­phen und Soh­nes der Stadt Bar­men, Fried­rich Engels, als Geschenk des chi­ne­si­schen Vol­kes an die Wup­per­ta­le­rin­nen und Wup­per­ta­ler ein Denk­mal in Form einer Skulp­tur”, heißt es in der Rats­vor­la­ge.


Als Künst­ler wur­de Prof. Cheng­gang Zeng, Direk­tor des chi­ne­si­schen Skulp­tu­ren­in­sti­tuts, beauf­tragt. Im Okto­ber 2011 besuch­te Zeng Wup­per­tal, im April mach­te Muse­ums­di­rek­tor Dr. Ill­ner im Ate­lier in Peking einen Gegen­be­such und dis­ku­tier­te mit dem Künst­ler ver­schie­de­ne Ent­wür­fe.


Die wuch­ti­ge Dar­stel­lung Engels.

Es kris­tal­li­sier­te sich ein Ent­wurf her­aus, der Fried­rich Engels sehr zurück­ge­nom­men und in natür­li­cher Hal­tung und Dimen­sio­nie­rung in fort­ge­schrit­te­nem Alter, als sin­nie­ren­den Phi­lo­so­phen dar­stellt. Der Ent­wurf unter­schei­det sich wohl­tu­end von den bekann­ten Dar­stel­lun­gen im Sti­le des „sozia­lis­ti­schen Rea­lis­mus“ und stellt eine gelun­ge­ne Syn­the­se von figu­ra­ler Dar­stel­lung und künst­le­ri­scher Inter­pre­ta­ti­on dar.”


Aller­dings hät­te Muse­ums­di­rek­tor Ill­ner Engels lie­ber als jun­gen Revo­lu­tio­när dar­ge­stellt gese­hen, so wie das Wup­per­tal ihn auch erlebt hat­te, bevor er sein Exil in Eng­land antrat.1Die Maße der 868 Kilo­gramm schwe­ren Skulp­tur lau­ten: Höhe 3,85m, Brei­te 1,18m, Tie­fe 1,12m, Sockel: 40 cm hoch.2 Der Grund für die Über­le­bens­grö­ße liegt übri­gens in der Skulp­tur Die Star­ke Lin­ke, denn die figür­li­che Dar­stel­lung Engels soll­te genau­so groß sein.3 Am 6. Novem­ber 2013 stimm­te der Kul­tur­aus­schuss der Stadt Wup­per­tal dem Vor­ha­ben zu (je eine Ent­hal­tung bei Ver­tre­tern der FDP, Grü­ne und SPD)4, am 18. Novem­ber folg­te der Rat die­sem Votum (gegen die Stim­me der NPD und mit zwei Ent­hal­tun­gen). 5


Engels denkt

Am 11. Juni 2014 wur­de die Skulp­tur von Ober­bür­ger­meis­ter Peter Jung in Anwe­sen­heit von Bot­schaf­ter Shi Ming­de, Prof. Zeng und zahl­rei­chen Bür­gern ein­ge­weiht. Im Anschluss gab es ein öffent­li­ches Chi­ne­sisch-Deut­sches Kul­tur­fest und der Bot­schaf­ter trug sich in das Gol­de­ne Buch der Stadt ein. 6  7 In sei­nem Blog erklär­te der Ober­bür­ger­meis­ter:


Das Denk­mal erlaubt eine beson­de­re Erin­ne­rung an den gro­ßen, welt­weit gese­hen wohl berühm­tes­ten Sohn unse­rer Stadt, hat in der Aus­ge­stal­tung trotz sei­ner Grö­ße aller­dings nichts gemein mit einer pla­ka­ti­ven “Hei­li­gen­ver­eh­rung” — son­dern ani­miert tat­säch­lich zu einer
dif­fe­ren­zier­ten Betrach­tungs­wei­se: Die Sta­tue zeigt Fried­rich Engels in
fort­ge­schrit­te­nem Alter, nach­denk­lich, sin­nie­rend, in sich gekehrt und
weist in der künst­le­ri­schen Aus­ge­stal­tung auch Spu­ren der Ver­gäng­lich­keit auf. Engels steht dabei auf einem klei­nen Podest und eben nicht auf einem Sockel, von dem er sozu­sa­gen — nach­den­kend, reflek­tie­rend — her­un­ter­ge­ho­ben wur­de.“8


Zur Ein­wei­hung sie­he auch den Gast­bei­trag vom Augen- und Ohren­zeu­gen Chris­to­pher Rein­bo­the.

Auf dem Sockel, das also nun Podest heißt, steht auf der Vor­der­sei­te in Deutsch und Chi­ne­sisch schlecht les­bar:


Aus­schnitt der Inschrift.

Die Arbeit ist die Quel­le alles Reicht­hums, sagen die poli­ti­schen
Oeko­no­men. Sie ist dies — neben der Natur, die ihr den Stoff lie­fert,
den sie in Reicht­hum ver­wan­delt. Aber sie ist noch unend­lich mehr als
dies. Sie ist die ers­te Grund­be­din­gung alles mensch­li­chen Lebens, und
zwar in einem sol­chen Gra­de, dass wir in gewis­sem Sinn sagen müs­sen: sie hat den Men­schen selbst geschaf­fen (Dia­lek­tik der Natur)”

Auf der Rück­sei­te eben­falls zwei­spra­chig:

Geschenk der Volks­re­pu­blik Chi­na aus Anlass des Besuchs einer Dele­ga­ti­on der chi­ne­si­schen Regie­rung im Engels-Haus am 28. Novem­ber 2010. Ein Werk des Prä­si­den­ten des Chi­ne­si­schen Insti­tuts für Bild­hau­er­kunst, Pro­fes­sor Zeng Cheng­gang, errich­tet von der Bot­schaft der Volks­re­pu­blik Chi­na in Ber­lin am 11. Juni 2014”


Das Fried­rich-Engels-Denk­mal und die Star­ke Lin­ke.

Das Medi­en­in­ter­es­se war sehr groß, unter ande­rem berich­te­ten die WELT, der Spie­gel, der WDR, die BILD, der Deutsch­land­funk, 3sat, der FAZ und auch das ZDF. Fest­ge­stellt wird hier­bei auch, dass für die Stadt Wup­per­tal vor allem die Aus­sicht auf zah­len­de chi­ne­si­sche Tou­ris­ten und enge Wirt­schafts­be­zie­hung zum fern­öst­li­chen Staat das Motiv der Annah­me der Schen­kung waren und weni­ger die Per­son, die nun doch wie­der auf einem Sockel steht, als alter, wei­ser Mann. Was Fried­rich Engels wohl dazu sagen wür­de?

Eine sehr zu emp­feh­len­de Bio­gra­fie über Fried­rich Engels erschien 2012 und wur­de vom eng­li­schen His­to­ri­ker Tris­tam Hunt ver­fasst.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Helene-Stöcker-Denkmal

Das Hele­ne-Stö­cker-Denk­mal vor der VHS.

Am 30. Mai 2014 wur­de vor der Volks­hoch­schu­le in der Auer Schul­stra­ße von Ober­bür­ger­meis­ter Peter Jung ein Denk­mal ein­ge­weiht, das Hele­ne Stö­cker gewid­met ist. Eine eher unbe­kann­te Per­son wird hier sicht­bar gemacht — im Gegen­satz zu Husch-Husch oder Fried­rich Engels, die eben­falls in Bron­ze gegos­sen nun im Stadt­bild ihren Platz erhal­ten haben.1


Dr. Hele­ne Stö­cker.

Am 13. Novem­ber 1869 wur­de Hele­ne Stö­cker in Elber­feld gebo­ren, ihre Eltern waren der Tex­til­fa­bri­kant Lud­wig Stö­cker und sei­ner Frau Hul­da. Von 1879 bis 1889 besuch­te sie die städ­ti­sche Höhe­re-Töch­ter-Schu­le, ab 1892 absol­vier­te sie ein Leh­re­rin­nen­se­mi­nar in Ber­lin und trat dort der Deut­schen Frie­dens­ge­sell­schaft bei, die von Ber­tha von Sutt­ner gegrün­det wor­den war. Nach dem erfolg­reich abge­schlos­se­nen Leh­re­rin­nen­se­mi­nar ver­öf­fent­lich­te sie 1893 ihren ers­ten Auf­satz und ent­wi­ckel­te das Leit­bild einer selbst­be­wuß­ten, wirt­schaft­lich unab­hän­gi­gen und dem Mann in kei­ner Wei­se unter­ge­ord­ne­ten Frau. 1896 begann sie, nach­dem dies nun mög­lich war, ein Stu­di­um der Lite­ra­tur­ge­schich­te, Phi­lo­so­phie und Natio­nal­öko­no­mie und grün­de­te den “Ver­ein Stu­die­ren­der Frau­en”. Ihr Stu­di­um been­de­te sie nach einer Zwi­schen­sta­ti­on in Glas­gow 1898/99 im Jahr 1901 an der Uni­ver­si­tät Bern mit der Pro­mo­ti­on.


Am 5. Janu­ar 1905 grün­de­te Dr. Hele­ne Stö­cker mit Ver­tre­te­rin­nen der pro­le­ta­ri­schen Frau­en­be­we­gung den “Bund für Mut­ter­schutz und Sexu­al­re­form”, mit dem Ziel Vor­ur­tei­le gegen­über ledi­gen Müt­tern und deren Kin­dern abzu­bau­en. Im sel­ben Jahr lern­te sie den Ber­li­ner Rechts­an­walt Bru­no Sprin­ger ken­nen und leb­te mit ihm bis zu sei­nem Tode 1931 zusam­men — ohne ihn zu hei­ra­ten. In der Zeit­schrift “Die neue Gene­ra­ti­on” (bis 1908 noch unter dem Namen “Mut­ter­schutz”), die sie ab 1905 her­aus gab, plä­dier­te sie für ihre “neu­en Ethik der Lie­be”, deren Grund­la­ge das Selbst­be­stim­mungs­recht der Frau über ihren Kör­per und ihre Sexua­li­tät bil­det. Die Lie­be und nicht die Ehe stell­te ihrer Ansicht nach die ein­zig legi­ti­me Basis jeder sexu­el­len Bezie­hung dar. Im Ers­ten Welt­krieg wur­de Hele­ne Stö­cker zur radi­ka­len Pazi­fis­tin. In der Wei­ma­rer Repu­blik war sie Mit­glied zahl­rei­cher Ver­bän­de und Ver­ei­ni­gun­gen, die sich für Frie­den und Frau­en­rech­te ein­setz­ten. 1933 emi­grier­te sie nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten nach Zürich. Die Natio­nal­so­zia­lis­ten erkann­ten ihr die Staats­bür­ger­schaft ab und zer­stör­ten ihre zurück­ge­las­se­nen Manu­skript­kis­ten. Via Schwe­den und die Sowjet­uni­on wan­der­te Stö­cker 1940/1941 in die USA aus und arbei­te­te dort an ihrer Auto­bio­gra­phie. Sie starb vor deren Voll­endung am 23. Febru­ar 1943 in New York.2


Das Denk­mal

Die Skulp­tur geht auf einen Ent­wurf der bekann­ten, 2012 ver­stor­be­nen Wup­per­ta­ler Bild­haue­rin Ulle Hees zurück, die zahl­rei­che Denk­mä­ler in Wup­per­tal gestal­te­te. Aus­ge­hend von einer Gips­skulp­tur Hees’ schuf der Wup­per­ta­ler Bild­hau­er Frank Brei­den­bruch ein Ton­mo­dell, sodass das Denk­mal von der Gie­ße­rei Loti­to in Köln gegos­sen wer­den konn­te. Die Armin-T.-Wegner-Gesell­schaft sam­mel­te 50.000 €, um das Denk­mal zu ver­wirk­li­chen.3


Detail

Detail

Das Denk­mal zeigt eine schma­le Per­son, die sich auf Bücher stützt, von ihnen getra­gen oder gleich­sam mit ihnen ver­wach­sen, mit Dok­tor­hut und ver­schie­de­nen Nischen und Details, die Hele­ne Stö­cker beschrei­ben zum Bei­spiel das Sym­bol des Pazi­fis­mus und der Frau.


Die Rück­sei­te des Denk­mals

Auf der Rück­sei­te der Figur ist in einer klei­nen Klap­pe auch ein Gruß an Ulle Hees ver­steckt, als Hom­mage an die Schöp­fe­rin des Denk­mals.


Der Gruß an Ulle Hees.

 

Die in das Pflas­ter ein­ge­las­se­ne Gedenk­ta­fel erklärt:

Dr. Hele­ne Stö­cker
Phi­lo­so­phin der Lie­be
Frau­en­recht­ler­ein
Sexu­al­re­for­me­rin
Pazi­fis­tin

Ste­le von Ulle Hees und Frank Brei­den­bruch
Auf Initia­ti­ve der Armin T. Weg­ner Gesell­schaft e.V.
und
Geschich­te Gestal­ten”


Inschrift an der Skulp­tur

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt gibt es unter: www.helenestöcker-denkmal.de