Denkmäler in Wuppertal

Am 21. Sep­tem­ber hat­te ich das Ver­gnü­gen in der Poli­ti­schen Run­de der Ber­gi­schen Volks­hoch­schu­le die­sen Blog und eini­ge Denk­mä­ler vor­zu­stel­len und dann dar­über zu dis­ku­tie­ren. Es macht wenig Sinn an die­ser Stel­le den Vor­trag ein­zu­stel­len, schließ­lich kennt der geneig­te Leser die Denk­mä­ler schon zur Genü­ge. Den­noch möch­te ich kurz mei­ne sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung, die Aus­wahl der vor­ge­stell­ten Denk­mä­ler und mei­ne Kom­men­ta­re dazu hier ver­öf­fent­li­chen.
(Stand der Recher­che 14.9.2015)

Errich­tun­gen vor 1870, in der Zeit des Kai­ser­rei­ches, der Wei­ma­rer Repu­blik, des Natio­nal­so­zia­lis­mus, der Bun­des­re­pu­blik und seit der deut­schen Ein­heit.

Zur bes­se­ren Ver­gleich­bar­keit die Epo­chen hier noch ein­mal mit Ein­be­rech­nung der jewei­li­gen Dau­er. Denk­mä­le­r­errich­tun­gen pro Jahr.

4 Kate­go­ri­en las­sen sich unter den Denk­mä­lern aus­ma­chen.

Für Lokal­pa­trio­ten: die Auf­schlüs­se­lung nach den Städ­ten von 1929.

Fol­gen­de Denk­mä­ler habe ich im Impuls-Vor­trag vor­ge­stellt:

Das Dank-Monu­ment ist Wup­per­tals ältes­tes Denk­mal, gehört aber nicht zu den klas­si­schen. Es steht nicht im öffent­li­chen Raum, son­dern im Raum der Gemein­de, die zwei­fel­los Anfangs des 18. Jahr­hun­derts noch eine ande­re öffent­li­che Rol­le spiel­te als heu­te. Es steht in reli­giö­sem und nicht im poli­ti­schen Kon­text und rich­tet sich, da auf Latein ver­fasst, nicht an ein brei­tes Publi­kum, wenn­gleich Latein natür­lich die Welt­spra­che der dama­li­gen Zeit war.

 

Das Drei-Kai­ser-Denk­mal ist ein Pro­toyp der Denk­mä­ler des 19. Jahr­hun­derts. Das Bür­ger­tum lös­te die Aris­to­kra­tie als Stif­ter ab und erober­te den öffent­li­chen Raum. Ein geschicht­li­ches Ereig­nis wird inter­pre­tiert und die­se Inter­pre­ta­ti­on öffent­lich fest­ge­schrie­ben. Die “Ächt deut­sche Gesin­nung” der Begrün­der der Eichen­ge­sell­schaft ver­weist auf den Beginn der Nati­ons-Idee. Der Baum als Sym­bol der Hei­mat­ver­wur­ze­lung und Bestän­dig­keit, spe­zi­ell die Eiche als deut­sches Natio­nal­sym­bol, wer­den ger­ne genutzt.
Heut­zu­ta­ge ist der undif­fe­ren­zier­te Umgang mit die­sem Denk­mal typisch. Erst befragt man die Kom­mis­si­on für die Kul­tur des Erin­nerns, ver­wirft deren Stel­lung­nah­me dann aber in einer Hau-Ruck-Akti­on im Rat. Schließ­lich ent­deckt man bei der Ein­wei­hung, dass Russ­land als Stif­ter doch pro­ble­ma­ti­scher ist, als man gedacht hat. Es macht den Anschein, als habe man über die Bedeu­tung und Sym­bo­lik von Denk­mal und Restau­ra­ti­on nicht gründ­lich nach­ge­dacht.

 

Das rei­che alle­go­ri­sche Pro­gramm, die Über­le­bens­grö­ße und die Stif­tung aus dem Bür­ger­tum sind typisch für das aus­ge­hen­de 19. Jahr­hun­dert. Das Bür­ger­tum legi­ti­miert mit der Stif­tung die Herr­schaft, aber auch sich selbst als Teil der Eli­te der Gesell­schaft. Es ver­deut­licht auch die wirt­schaft­li­che Pro­spe­ri­tät der Stadt, dass man in Elber­feld zwei sol­che Monu­men­tal-Denk­mä­ler in einem Jahr errich­ten konn­te.

 

Das Hei­ne-Denk­mal ist typisch und unty­pisch für das 19. Jahr­hun­dert. Typisch ist die Ehrung eines Dich­ters zum Anse­hen der Nati­on, die Erhe­bung der Bür­ger­li­chen in einen denk­mal­wür­di­gen Stand.
Unge­wöhn­lich war die Wahl der Per­son Hein­rich Hei­nes, der bis in die 1980er Jah­re in Deutsch­land sehr zwie­späl­tig beur­teilt wur­de. Für die einen ein begna­de­ter Dich­ter und Demo­krat, für die ande­ren Vater­lands­ver­rä­ter und Jude, Anti-Demo­krat, schlech­ter Dich­ter. In den 1890er Jah­ren ver­hin­der­te der in Deutsch­land exis­tie­ren­de Anti­se­mi­tis­mus ein gro­ßes Hei­ne-Denk­mal in Düs­sel­dorf, sei­ner Geburts­stadt. So war das Wup­per­ta­ler Hei­ne-Denk­mal das ältes­te in Deutsch­land, aber auch hier exis­tier­te es nur als pri­va­te Stif­tung. Ein Denk­mal han­delt auch immer aus, was sag­bar ist und wer denk­mal­wür­dig ist. Hein­rich Hei­ne war es im deut­schen Kai­ser­reich nicht.

Zwei Aspek­te sind an die­sem Denk­mal inter­es­sant: die Ent­ste­hung mit­ten im Ers­ten Welt­krieg und die Hin­den­burg Pro­pa­gan­da und dass es heu­te kom­plett ver­ges­sen ist: ein Zei­chen einer ver­gan­ge­nen Zeit. Den Anspruch, bis in die Ewig­keit zu wir­ken, hat es nicht ein­ge­löst.

Stell­ver­tre­tend für die 88 Krie­ger­denk­mä­ler, die nach dem Ers­ten Welt­krieg im Wup­per­tal ent­stan­den, steht das Cro­nen­ber­ger Krie­ger­denk­mal. Unge­wöhn­lich in der archi­tek­to­ni­schen Form (Pyra­mi­de) und der trau­ern­den Frau­en­gestalt, ohne alles Mili­tä­ri­sche, typisch hin­ge­gen die Namen­s­ta­feln, die an jeden ein­zel­nen Gefal­le­nen erin­nern sol­len. Seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on gibt es das Krie­ger­denk­mal der Neu­zeit, seit­dem nicht mehr Söld­ner für einen Fürs­ten kämp­fen, son­dern Wehr­pflich­ti­ge für “ihre” Nati­on. Einen beson­de­ren Boom erleb­te es zwi­schen den Welt­krie­gen.

 

Das Denk­mal hat eine durch­aus wech­sel­vol­le Geschich­te. Als es zuerst errich­tet wur­de, war es qua­li­ta­tiv man­gel­haft und schnell eher unbe­ach­tet. Ab 1958 gedach­te man dann am 20. Juli den Ver­folg­ten des Nazi-Regimes, bis in die 1970er Jah­re am Denk­mal. Der Wider­stand des 20. Juli, der wie wir heu­te wis­sen anti-demo­kra­tisch war, wur­de als Ermög­li­chung der Rück­kehr in die Völ­ker­ge­mein­schaft gefei­ert. Er war ein wich­ti­ger Teil des Selbst­bil­des der Bun­des­re­pu­blik. Immer wie­der dien­te das Denk­mal auch als Kund­ge­bungs­ort. 1983 hat­te Ober­bür­ger­meis­ter Gur­land am Denk­mal den 8. Mai 1945 bereits als „Tag der Befrei­ung von der Dik­ta­tur“ bezeich­net, dafür soll­te Bun­des­prä­si­dent v. Weiz­sä­cker 1985 bekannt wer­den. Posi­tiv sind sicher die Ver­su­che der Aktua­li­sie­rung durch den Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung.

 

 Die­ses Denk­mal-Ensem­ble habe ich vor­ge­stellt, da ich vor die­ser Insti­tu­ti­on gespro­chen habe. Zum Schluss kam dann die Kri­tik am
wor­über auch sehr ange­regt dis­ku­tiert wur­de. Sie­he auch: Neu­schöp­fung des Figu­ren­schmucks am Elber­fel­der Rat­haus: Mein Stand­punkt
Fazit:
Denk­mä­ler sind inter­es­san­te Stu­di­en­ob­jek­te, sie spie­geln wie ein Pris­ma die Gedan­ken und Ide­en ihrer Stif­ter, aber weni­ger das rea­le his­to­ri­sche Ereig­nis. Man kann aber die Wir­kung der Denk­mä­ler anzu­zwei­feln. Der Schrift­stel­ler Robert Musil sag­te ein­mal: “Das Auf­fal­lends­te an Denk­mä­lern ist näm­lich, daß man sie nicht bemerkt. Es gibt nichts auf der Welt, was so unsicht­bar wäre wie Denk­mä­ler.” Ob das stimmt? Ich bin mir nicht sicher. Aber wis­sen Sie, wel­ches Denk­mal vor dem Ein­gang der VHS steht? [Die Fra­ge wur­de von meh­re­ren Per­so­nen prompt rich­tig beant­wor­tet: Es ist das Hele­ne-Stö­cker-Denk­mal]

Kein Hetzbook mehr

Was mit Pegi­da begann und nun mit
Hei­denau einen wei­te­ren trau­ri­gen Höhe­punkt erreicht, ist Ras­sis­mus,
Rechts­ex­tre­mis­mus und Aus­län­der­feind­lich­keit in Deutsch­land. Es ist
hoch­gra­dig ent­täu­schend, wie die säch­si­sche und die Bun­des­re­gie­rung
dar­auf nicht reagiert oder es mit Homöo­pa­thie ver­sucht und es ist
erbärm­lich, wie die Poli­zei des demo­kra­ti­schen Rechts­staats mit einer
frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung sich unfä­hig zeigt, dem
wir­kungs­voll zu begeg­nen. Jedes Fuß­ball­spiel wird bes­ser bewacht als ein
rechts­ex­tre­mer Mob.

Aber das soll hier gar nicht das The­ma
sein, son­dern Face­book. Face­book „glänzt“ in die­sen Tagen rei­hen­wei­se
mit Bewei­sen, dass es Ras­sis­mus und auch Sexis­mus unter­stützt und
bil­ligt. Dafür sei­en an die­ser Stel­le zwei Arti­kel ange­fügt, der gro­ße
Rest ent­hält zu vie­le Spu­ren von Ras­sis­mus und wird des­we­gen nicht
ver­linkt.

Tho­mas Lücker­ath: Face­book, das Netz­werk mit dem Herz für Hass
Mor­wen­na Fer­rier: How to beat Insta­gram and Facebook’s fema­le nipp­le ban? Use male nipp­les ins­tead

Ich bin sehr froh, kei­nen pri­va­ten Face­book-Account zu haben. Der Face­book-Account
für die­sen Blog und für Tal-Journal.net, über den ich neue
Ein­trä­ge direkt geteilt habe, wird nun gelöscht. Ich will in keins­ter
Wei­se mit Hetz­book ver­bun­den sein. Da das per­fi­de Netz­werk dies nicht
direkt ermög­licht, wird das erst in 14 Tagen der Fall sein kön­nen, ich
habe die Löschung ein­ge­lei­tet.

Wer dem Blog über Face­book folgt, kann dies alter­na­tiv per Goog­le+, RSS-Feed, Twit­ter, Mail oder über Wuppertalblogs.de tun.

5 Jahre Denkmal-Wuppertal.de

7. Febru­ar 2010. Irgend­wo in Wup­per­tal ent­steht ein ers­ter Arti­kel in die­sem klei­nen Blog und wird ver­öf­fent­licht. Auf die­sen ers­ten Ein­trag, der heu­te schon nicht mehr im Ori­gi­nal exis­tiert — die digi­ta­le Welt macht’s mög­lich -, folg­ten 579 wei­te­re bis zum die­sem 580. Ein­trag. Seit­her wur­den 349 Denk­mä­ler, 5 Tür­me, 46 Brun­nen und 90 Skulp­tu­ren, Plas­ti­ken und Reli­efs aus dem öffent­li­chen Raum Wup­per­tals vor­ge­stellt. Die ein oder ande­re Tal­ge­schich­te war auch dar­un­ter. Es fehlt noch dies und das, doch die Recher­che gestal­tet sich bei den ver­blie­be­nen Objek­ten schwie­rig, aber — das ist ja das Schö­ne und Schreck­li­che am World­wi­de­web — so ein Pro­jekt ist nie abge­schlos­sen. Man muss es aber des­halb auch nicht ins Unbe­grenz­te wuchern las­sen, des­we­gen sind in der Win­ter­pau­se eini­ge noch nicht vor­ge­stell­te Objek­te von den Lis­ten ver­schwun­den, weil sie ent­we­der nicht zur Kate­go­rie “Stadt­schmuck im öffent­li­chen Raum” gehör­ten oder bei genau­er Prü­fung als nicht-denk­mal­wür­dig ver­wor­fen wur­den. Dies ist vor allem dann der Fall gewe­sen, wenn zwar an jemand erin­nert wur­de, die Hür­de aber recht klein war, z.B. bei auf­ge­stell­ten Park­bän­ken, mit einer schma­len Pla­ket­te.
Wenn ich an das ers­te Design vom Blog den­ke, schau­dert es mich und auch das letz­te, das eine gan­ze Zeit zu sehen war, hat mir nicht mehr gefal­len. Das neue erfreut Euch hof­fent­lich so wie mich. Die Menü­leis­te weist neben dem neu­en Text zu Ruth Mey­er-Kahr­weg, deren Vor­ar­beit in den 1980er Jah­ren gar nicht unter­schätzt wer­den kann, auch als neu­en Punkt die “Chro­ni­ken” aus. Hier ver­ber­gen sich von Time­li­ne­JS ani­mier­te Zeit­leis­ten, die zum raschen Stö­bern in den Geschich­ten der Stadt(teile) ein­la­den sol­len. Auch die­ses Pro­jekt ist nicht fer­tig und könn­te natür­lich immer wei­ter ergänzt und illus­triert wer­den, aber für Cro­nen­berg und Voh­win­kel steht schon mal eine Basis bereit. Die ande­ren fol­gen je nach Zeit und Lau­ne. Viel Spaß beim Stö­bern.

In eigener Sache — eine Zäsur

Vor weni­gen Minu­ten wur­de Ein­trag Nr. 530 ver­öf­fent­licht, er mar­kiert eine klei­ne Zäsur in die­sem Blog. Es ist der vor­erst letz­te Ein­trag, der sich mit den Denk­mä­lern, Brun­nen oder Plas­ti­ken der alten Bun­des­re­pu­blik beschäf­tigt. Gewiss, es gibt noch hier und da nicht geschrie­be­ne Ein­trä­ge, aber die­se benö­ti­gen noch wei­te­ren Recher­che­auf­wand. Die Objek­te, die Ruth Mey­er-Kahr­weg in ihrem Werk “Denk­mä­ler, Brun­nen und Plas­ti­ken” vor­stellt und aus dem ich mich groß­zü­gig bedient habe, deren Arti­kel ich aktua­li­siert und mit eige­nem Bild­ma­te­ri­al ver­se­hen habe, sind nun größ­ten­teils vor­ge­stellt, das Werk erschien 1991. 15 Jah­re Vor­ar­beit benö­tig­te Frau Mey­er-Kahr­weg [1], bis sie ihr Buch ver­öf­fent­li­chen konn­te, die­ser Blog geht im Febru­ar in sein vier­tes Jahr, er ist gewis­ser­ma­ßen der Zwerg auf den Schul­tern eines Rie­sen. 
325 Denk­mä­ler, Gedenk­ta­feln und ande­re Erin­ne­rungs­zei­chen wur­den vor­ge­stellt, 5 Tür­me, 41 Brun­nen und 77 Plas­ti­ken aller Art (Sum­ma sum­ma­rum: 450 Objek­te). Wer­ke aus RMK, wie ich das Buch in den Fuß­no­ten abge­kürzt habe, die noch feh­len, sind nicht mehr am Stand­ort und ihr Schick­sal gilt es zu ermit­teln. Auch für die neu­en Denk­mä­ler und Plas­ti­ken, die bis­lang nicht vor­ge­stellt wur­den, ist der Recher­che­auf­wand ungleich höher als wenn man auf Vor­ar­beit zurück­grei­fen kann, denn es ist oft müh­se­lig den betrof­fe­nen Stel­len die Infor­ma­tio­nen aus der Nase zu zie­hen und auch die Zei­tung als Quel­le ist in den letz­ten 20 Jah­ren erschre­ckend dünn gewor­den. Des­halb braucht die­ser Blog eine klei­ne Recher­che­pau­se, in der auch Lie­gen­ge­blie­be­nes auf und weg­ge­räumt wer­den soll. Daher geht es hier erst am Geburts­tag wei­ter, am 7. Febru­ar. 
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[1] Ulla Dah­men-Ober­bos­sel, Dich­ter, Kai­ser, Tote: Denk­mä­ler der Stadt, in: WZ vom 5. Dezem­ber 1991. 

Neu im Blog: Schulschmuck

Es gibt eine neue Kate­go­rie im Blog: Schul­schmuck.
Gemeint sind damit all jene Plas­ti­ken, Skulp­tu­ren und Brun­nen, die in Schu­len oder auf Schul­hö­fen zu fin­den sind. Vor allem zwi­schen 1950 und 1980 ent­stand hier­von im Rah­men von ver­pflich­ten­der “Kunst am Bau” eine gro­ße Zahl von Objek­ten, die eine “halb­öf­fent­li­che” Stel­lung haben. Des­we­gen habe ich sie vom frei­zu­gäng­li­chen und “vol­l­öf­fent­li­chen” Stadt­schmuck getrennt, wo sie bis­her zu fin­den waren.

Gestern ist heute nicht vorbei

Letz­te Woche habe ich hier im Blog den Gedenk­stein und Gedenk­baum für die in der Lan­des­frau­en­klink gestor­be­nen Kin­der von Zwangs­ar­bei­te­rin­nen vor­ge­stellt. Die Geschich­te, die hin­ter der Ent­ste­hung des Gedenk­steins steckt, zeigt anschau­lich, dass die Ver­gan­gen­heit noch lan­ge nicht ver­ges­sen und “vor­bei” ist und Bedeu­tung für die Gegen­wart, ja auch die Zukunft hat. Und sie zeigt, wie die Beschäf­ti­gung mit Altem neue Brü­cken schla­gen kann. Beim Stu­di­um alter Ope­ra­ti­ons­bü­cher der Wup­per­ta­ler Lan­des­frau­en­kli­nik (heu­te St. Anna-Kli­nik) im Archiv des LVR fan­den sich zum eher abs­trak­ten, unper­sön­li­chen Schlag­wort “Zwangs­ar­bei­te­rin­nen” erst­mals Namen und die Anfän­ge, Bruch­stü­cke einer Bio­gra­fie. Dann kam über die ukrai­ni­sche Natio­nal Stif­tung ein Kon­takt zustan­de und man wuss­te, hin­ter wel­chen die­ser Namen sich heu­te noch leben­de Frau­en ver­ber­gen. Eine ers­te Besuchs­grup­pe kam im März 2006 nach Nord­rhein-West­fa­len und nach Wup­per­tal, wo zwei der drei Frau­en ihre Kin­der in der Lan­des­frau­en­kli­nik ent­bun­den hat­ten und die ande­re gebo­ren wor­den war. Aus den Namen und bio­gra­fi­schen Daten wur­den Men­schen aus Fleisch und Blut, mit Stim­me, Blick­kon­takt und leb­haf­ter Erin­ne­rung an die Zeit in Wup­per­tal. Aus dem vagen und abs­trak­ten Begriff Zwangs­ar­bei­te­rin­nen wur­den Per­so­nen und Per­sön­lich­kei­ten mit ihrer eige­nen, anrüh­ren­den Geschich­te, die nicht in Daten, Zah­len und Begrif­fen erstickt, son­dern vol­ler Leben­dig­keit Details, Gedan­ken und Erin­ne­run­gen erzählt.
Bewun­derns­wer­ter Wei­se mach­te der LVR wei­ter und lud wei­te­re Zwangs­ar­bei­te­rin­nen ein und besuch­te sie selbst in ihrer ukrai­ni­schen Hei­mat.  Aus all­dem ent­stand eine (Wander-)Ausstellung, die nun seit dem 4.Dezember dau­er­haft im Ganz­tags­gym­na­si­um Johan­nes Rau zu Hau­se ist und aus der nun eine Inter­net­sei­te gewor­den ist, auf der jeder die Geschich­ten der Frau­en, die in Wup­per­tal Müt­ter wur­den, teil­wei­se ihre Kin­der ver­lo­ren und unter äußerst har­ten Bedin­gun­gen arbei­ten muss­ten, nach­le­sen und nach­hö­ren kann: www.riss-durchs-leben-t.lvr.de/
Die Aus­stel­lung wie­der­um weck­te das Inter­es­se von Schü­lern des Ganz­tags­gym­na­si­um Johan­nes Rau, die dar­auf­hin die AG Ukrai­ne grün­de­ten. Sie forsch­ten und fan­den eine Part­ner­schu­le in der Ukrai­ne (die Schu­le Nr. 10 in Chmel­nyzkyj), mit der man zusam­men an der Recher­che und Auf­ar­bei­tung der schmerz­li­chen, gemein­sa­men Geschich­te arbei­te­te. In der Part­ner­schafts­ur­kun­de wird erklärt:

Unse­re Zusam­men­ar­beit beab­sich­tigt unse­re Jugend­li­chen auf­grund der
Erkennt­nis­se aus der Geschich­te und Dis­kus­sio­nen  über die Pro­ble­me der
Gegen­wart ein­an­der näher­zu­brin­gen. Mit der Wah­rung der his­to­ri­schen
Erin­ne­run­gen über die kom­pli­zier­ten und wider­sprüch­li­chen Ereig­nis­se der
Ver­gan­gen­heit soll unse­rer Über­zeu­gung nach Frei­heit, Men­schen­wür­de und
gegen­sei­ti­ger Respekt in einer mul­ti­kul­tu­rel­len glo­ba­li­sier­ten Welt
gewähr­leis­tet wer­den.
Hier­mit bekun­den wir unse­re Absich­ten, mit his­to­ri­schen Quel­len und
Zeit­zeu­gen zu arbei­ten sowie die Kul­tu­ren unse­rer Völ­ker ken­nen­zu­ler­nen.
Die Koope­ra­ti­on  zielt auf gegen­sei­ti­ge Besu­che unse­rer Schu­len und the­ma­tisch bedeut­sa­mer  his­to­ri­scher Orte.
Wir hof­fen, dass unse­re Freund­schaft zur Wei­ter­ent­wick­lung unse­rer
Zivil­ge­sell­schaf­ten als einer Gemein­schaft von frei­en Bür­gern in Euro­pa
bei­tra­gen wird.”

Im Novem­ber 2012 reis­ten die Schü­ler zum drit­ten Mal in die Ukrai­ne und forsch­ten dies­mal dort an 105 Feld­post­brie­fen deut­scher Sol­da­ten, die in einem zer­stör­ten Post­amt zurück­ge­blie­ben waren und seit­dem unge­öff­net in einem ukrai­ni­schen Gebiets­ar­chiv ruh­ten. Dabei haben die Schü­le­rIn­nen bewun­derns­wert prä­zi­se, ein­fühl­sam und mit viel Enga­ge­ment Geschich­te erar­bei­tet und prä­sen­tie­ren die Ergeb­nis­se eben­falls online: Ges­tern ist heu­te nicht vor­bei
Doch auch damit ist es nicht vor­bei. Mit ihrer Arbeit haben die Schü­le­rIn­nen und der LVR in der Ukrai­ne viel Auf­merk­sam­keit für ein ver­dräng­tes, fast ver­ges­se­nes The­ma geweckt und mit gro­ßem Echo hat man in den ukrai­ni­schen Medi­en auf die Arbeit der Schü­le­rIn­nen reagiert. Denn in der Ukrai­ne wur­den die zurück­keh­ren­den Zwangs­ar­bei­ter oft kei­nes­wegs wie ent­führ­te und geschun­de­ne Mit­bür­ger behan­delt, son­dern wie Kol­la­bo­ra­teu­re mit dem Feind der Sowjet­uni­on.
Hier und dort wer­den wei­ter Fra­gen gestellt und zusam­men Ant­wor­ten gesucht. Denn Ges­tern ist heu­te noch nicht vor­bei. Mor­gen viel­leicht.

Herzlich Willkommen

Hal­lo!
Schön, dass Dich Dein Weg hier­her geführt hat. Was fin­dest Du hier?
In die­sem Blog sol­len die Denk­mä­ler Wup­per­tals prä­sen­tiert wer­den, ande­re his­to­ri­sche Fund­stü­cke, Bil­der aus dem Tal und von den Höhen, Gedan­ken- und Gedan­ken­fet­zen, Mei­nun­gen und alles was mir sonst noch so ein­fällt.

Auf geht’s zum ers­ten Ein­trag!