Von der Heydt-Turm

Der Von der Heydt-Turm auf dem weit­ge­hend baum­lo­sen Kies­berg. Post­kar­te, Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.5.5.

Am 24. Sep­tem­ber 1892 wur­de auf dem Kies­berg der Von der Heydt-Turm ein­ge­weiht. Anwe­send waren Ver­tre­ter der Fami­lie von der Heydt, Stadt­ver­ord­ne­te der Stadt Elber­feld, Mit­glie­der des Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­eins, zahl­rei­che Bür­ger und Ober­bür­ger­meis­ter Jae­ger, der den Turm in die Obhut der Stadt über­nahm. Zu den Kos­ten tru­gen die Stadt Elber­feld 10.000 Mark aus einer Stif­tung Karl von der Heydts und der Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein 5.000 Mark bei.

Ent­wor­fen wur­de der Turm von Stadt­bau­in­spek­tor Schau­mann in “mit­tel­al­ter­li­cher Bur­gen­ma­nier.” Er ver­fügt über eine zwei­läu­fi­ge Außen­trep­pe, Erker und einen auf vier Krag­stei­nen gela­ger­ten Altan. Einst konn­te man von der Platt­form in 20 Meter Höhe unge­hin­dert über das Wup­per­tal bis nach Hagen gucken, heu­te haben die Bäu­me des Burg­holz den Turm an Grö­ße ein­ge­holt.


Der Von der Heydt-Turm auf einer Foto­gra­fie 1896. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.5.5

Über dem Ein­gang fand sich bis zum Zwei­ten Welt­krieg eine Bron­ze­ta­fel mit Reli­ef­bild­nis­sen der Brü­der von der Heydt, die von Gus­tav Eber­lein model­liert und von Schäf­fer & Walck­cker in Ber­lin gegos­sen wur­den. Die dazu­ge­hö­ri­ge Inschrift lau­te­te:

Dem Andenken der Brü­der Karl von der Heydt, Geh. Kom­mer­zi­en­rat, geb. 1806, gest.1881: Frei­herr August von der Heydt, Königl. preuß. Han­dels- und Finanz­mi­nis­ter, geb. 1801, gest. 1874: Dani­el von der Heydt, Geh. Kom­mer­zi­en­rat, Vor­sit­zen­der der Elber­fel­der Armen­ver­wal­tung, geb. 1802, gest. 1774.”

Außer­dem befand sich über dem Ein­gang das Wap­pen der Von der Heydts in Bron­ze und das der Stadt Elber­feld in den Stein gehau­en. Die Bron­ze­ta­fel kos­te­te 6.000 Mark und wur­de mit Spen­den der Bür­ger­schaft finan­ziert.1


Foto­gra­fie der Ein­wei­hung des Von der Heydt-Turms am 24.September 1892. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.5.5

Ein Aus­schnitt des obi­gen Fotos.

August von der Heydt wur­de am 15.Februar 1801 in Elber­feld gebo­ren und trat 1824 in das Bank­haus “Gebrü­der Kers­ten” ein und hei­ra­te­te Julie Blank. Ab 1827 wur­de das Bank­haus unter dem Namen “von der Heydt-Kers­ten und Söh­ne” wei­ter­ge­führt. Im sel­ben Jahr wur­de August von der Heydt Scho­l­arch der refor­mier­ten Gemein­de und ret­te­te in die­ser Posi­ti­on das refor­mier­te Gym­na­si­um. 1833 wur­de er in den Elber­fel­der Stadt­rat gewählt und im sel­ben Jahr zum Rich­ter am König­li­chen Han­dels­ge­richt. 1840 wur­de zum Prä­si­den­ten des Han­dels­ge­richt ernannt und ab 1841 war er Abge­ord­ne­ter im Pro­vin­zi­al­land­tag. Ab 1847 war er Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in Ber­lin und ab 1848 Minis­ter für Han­del, Gewer­be und öffent­li­che Arbei­ten und küm­mer­te sich um den Aus­bau von Post, Tele­gra­fen­we­sen und der Eisen­bahn.  Spä­ter wur­de er zwei­mal Finanz­mi­nis­ter in den Jah­ren 1862 und 1866–1869. Für sei­ne Ver­diens­te wur­de er in den Frei­her­ren-Stand erho­ben und erhielt den Schwar­zen Adler­or­den. Am 13.Juni 1874 ver­starb er in Ber­lin.2 1884 wur­de ein klei­nes Denk­mal zu sei­nen Ehren im Burg­holz ange­legt.

Dani­el von der Heydt wur­de am 31.Oktober 1802 in Elber­feld gebo­ren und wur­de 1827 Teil­ha­ber des Bank­hau­ses Vvon der Heydt-Kers­ten und Söh­ne. 1854 schied er aus die­sem aus und eröff­ne­te ein Geschäft “in Roh­sei­de”. Er enga­gier­te sich für kirch­li­che Belan­ge und städ­ti­sche Ange­le­gen­hei­ten. So grün­de­te er aus Pro­test gegen die Kir­chen­ord­nung für evan­ge­li­sche Kir­chen 1847 die nie­der­län­disch- refor­mier­te Gemein­de. Für die Stadt Elber­feld mach­te er sich vor allem um das Armen­we­sen ver­dient. Nähe­re Infor­ma­tio­nen dazu fin­den sich im Ein­trag zum Armen­pfle­ge­denk­mal (errich­tet 1903, erneu­ert 2011), auf dem auch er ver­ewigt wur­de. Außer­dem för­der­te er die Grün­dung der Dampf­schif­fahrts­ge­sell­schaft Mit­tel- und Nie­der­rhein, die 1836 gegrün­det wur­de und die Ber­gisch Mär­ki­sche Eisen­bahn, der er in lei­ten­der Posi­ti­on ange­hör­te. Am 7.Juli 1874 starb er in Fol­ge einer schwe­ren Krank­heit.3
Karl von der Heydt, gebo­ren 1806, war der jüngs­te der drei Brü­der und trat öffent­lich nicht so stark in Erschei­nung. Er küm­mer­te sich um die Lei­tung des Bank­hau­ses und war Abge­ord­ne­ter für Elber­feld im Pro­vin­zi­al­land­tag und wur­de zum Gehei­men Kom­mer­zi­en­rat ernannt. Er starb 1881.4
Der Von der Heydt-Turm im Win­ter 2010.

1953 wur­de der Turm saniert, aber 1977/78 wegen Bau­fäl­lig­keit gesperrt.5
Für Grup­pen ist der Turm nach tele­fo­ni­scher Anmel­dung zugäng­lich. Nähe­re Infor­ma­tio­nen gibt es auf der Home­page der Stadt Wup­per­tal.

 

Die streitenden Knaben

Der ange­se­he­ne Kauf­mann und ehe­ma­li­ge Elber­fel­der Bür­ger Juli­us Seyd schenk­te dem Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein im Jahr 1879 eine Figu­ren­grup­pe des Bild­hau­ers Gus­tav Eber­lein. Die aus Zink­guß gefer­tig­ten “strei­ten­den Kna­ben” soll­ten im alten Stein­bruch auf der Hardt als Spring­brun­nen die­nen. Im Werks­ver­zeich­nis Eber­leins taucht die Figu­ren­grup­pe unter dem Titel “Kna­ben, um eine Gans strei­tend” auf und wird auf das Jahr 1873 datiert. Damals war Eber­lein auf­grund finan­zi­el­ler Sor­gen gezwun­gen von sei­nen Arbei­ten meh­re­re Kopi­en zu ver­kau­fen.1


Die strei­ten­den Kna­ben, laut dem Bei­blatt “um 1880”. Es ist aber unklar, ob damit das Jahr der Foto­gra­fie gemeint ist, oder das Datum der Auf­stel­lung der Figu­ren. Zu sehen sind die bei­den Kna­ben auf einem Fels­stein, der wie­der­um in einem klei­nen was­ser­ge­füll­ten Becken steht. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/9

Die­se Post­kar­te wur­de 1918 abge­stem­pelt. Es ist aber unklar, wel­ches Bild älter ist. Auch hier ste­hen die Kna­ben um die Gans strei­tend auf einem Fel­sen. Das Was­ser­be­cken ist von Fels­ge­stein gesäumt. Auf der lin­ken Sei­te der Foto­gra­fie ist im Hin­ter­grund das Wil­berg-Denk­mal zu sehen. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/80

Wie an den Bil­der ersicht­lich, wur­de die Anla­ge min­des­tens ein­mal umge­stal­tet, mög­li­cher­wei­se wur­de auch der Stand­ort gewech­selt. Der Brun­nen ist heu­te nicht mehr vor­han­den.

Kaiser-Friedrich-Denkmal

Am 18. Okto­ber 1893 weih­te man auf dem Neu­markt in Elber­feld  — am Tag der Ein­wei­hung des Kai­ser-Wil­helm-Denk­mals am Döp­pers­berg — ein Denk­mal für den 99-Tage-Kai­ser Fried­rich III. ein, der 1888 sei­nem Vater auf den Thron gefolgt war und im glei­chen Jahr an Kehl­kopf­krebs starb. Sein Sohn Wil­helm II. über­nahm die Regie­rung. Unmit­tel­bar nach sei­nem Tod beschloss eine Bür­ger­ver­samm­lung in Elber­feld dem Ver­stor­be­nen ein Denk­mal zu stif­ten. Fried­rich III. war als erfolg­rei­cher Feld­herr im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg beliebt gewe­sen und sei­ne Bereit­schaft trotz sei­ner Erkran­kung den Thron zu bestei­gen, führ­te dazu, dass man ihn als “Dul­der” ver­ehr­te.
Kai­ser-Fried­rich-Denk­mal am Neu­markt in Elber­feld. Im Hin­ter­grund der Jubi­lä­ums­brun­nen.

Der Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­te Rein­hart Schmidt lei­te­te das Denk­mal­ko­mi­tee, dass sich in einem beschränk­tem Wett­be­werb für den Ent­wurf Gus­tav Eber­leins ent­schied, der auch das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal schuf. Die Kos­ten des Denk­mals mit der Stand­fi­gur des Kai­sers, eine alle­go­ri­schen Frau­en­fi­gur der Trau­er und einem Kna­ben, der dem Feld­herrn einen Lor­be­er­zweig reicht, wur­den durch Spen­den erbracht.1


Foto­gra­fie des Kai­ser Fried­rich III. Denk­mals. Datum unbe­kannt. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/24 (Bild ergänzt am 27.12.2011)

Ergän­zung vom 11.04.2012
Im Okto­ber 1901 erhielt das Kai­ser-Fried­rich-Denk­mal einen neue Umfrie­dung, so wie sie auf der Foto­gra­fie und Post­kar­te schon zu sehen ist, da der Jub­liäums­brun­nen im glei­chen Jahr errich­tet wur­de. Auf einer Bron­ze­ta­fel wur­de ein Zitat des ver­stor­be­nen Kai­sers ver­ewigt:

“Die Zeit in der wir Leben, ver­langt Licht und Auf­klä­rung“2

Ende der Ergän­zung.


Das Kai­ser-Fried­rich-Denk­mal und das Elber­fel­der Rat­haus. Im Hin­ter­grund (links) der Flag­gen­mast mit dem stei­ner­nen Löwen. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, S.15. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Im Novem­ber 1936 ent­fern­te man das Denk­mal, da die Ver­kehrs­ver­hält­nis­se am Neu­markt neu gere­gelt wur­den und man einen Park­platz plan­te. (Frü­her war eben nicht alles bes­ser). 1939 woll­te man das Denk­mal, dass nicht zer­stört wor­den war, auf der Hardt gegen­über der Gärt­ne­rei wie­der auf­stel­len. Der Zwei­te Welt­krieg ver­hin­der­te ver­mut­lich die Aus­füh­rung. 1951/52 soll das Denk­mal noch im städ­ti­schen Bau­hof an der Bay­reu­ther Stra­ße gela­gert wor­den sein, danach ver­liert sich sei­ne Spur. 3


Die­se Post­kar­te zeigt neben der alten Brü­cke zum Haupt­bahn­hof auch eine detail­lier­te­re Zeich­nung des Kai­ser-Fried­rich-Denk­mals. (Bild ergänzt am 23.1.15)

Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal auf eine Post­kar­te von 1898. Das obe­re Bild zeigt den Brau­sen­wert­her Platz, wo sich heu­te die Kreu­zung Döp­pers­berg erstreckt.

Auf die­ser Post­kar­te, gelau­fen 1899, sieht man schön die Anla­ge um das Denk­mal. (Bild ergänzt am 07.11.2012)

Am 9.März 1888 starb Kai­ser Wil­helm I. und damit begann das Drei­kai­ser­jahr. Weni­ge Tage spä­ter ent­schloss man sich in Elber­feld dem Kai­ser ein Denk­mal zu set­zen und sam­mel­te in der Bevöl­ke­rung 100.000 Mark. Prof. Gus­tav Eber­lein aus Ber­lin wur­de mit der Aus­füh­rung des Denk­mals beauf­tragt. Am 18.Oktober 1893, dem Tag der Völ­ker­schlacht bei Leip­zig, wur­de das Denk­mal in Anwe­sen­heit vie­ler Bür­ger ein­ge­weiht.


Foto­gra­fie des Kai­ser-Wil­helm-Denk­mals. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/3/92 (Bild ergänzt am 13.01.2012)

Foto­gra­fie der Ger­ma­nia, Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/3/107 (Bild ergänzt am 13.01.2012)

Foto­gra­fie des Löwen, (Bild ergänzt am 13.01.2012) Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/3/108

Das Denk­mal zeigt eine Rei­ter­sta­tue des Kai­sers als Feld­herr auf einem Gra­nit­pos­ta­ment. An die­sem lehnt sit­zend die Ger­ma­nia und hält Sym­bo­le des Krie­ges und des Frie­dens in den Hän­den: Schwert und Eiche, Lor­beer und Pal­me. Auf der Rück­sei­te des Denk­mals schritt ein bron­ze­ner Löwe die Stu­fen hin­ab, unter den Pran­ken Tro­phä­en des Sie­ges. An den bei­den Sei­ten­flä­chen zeig­ten Bron­ze­re­li­efs den Aus­zug und die Heim­kehr der Elber­fel­der Krie­ger.
Foto­gra­fie des Kai­ser-Wil­helm-Denk­mals. Bild ent­nom­men aus: Deutsch­lands Städ­te­bau, Elber­feld, bear­bei­tet und her­aus­ge­ge­ben von Stadt­bau­rat Koch, “DARI”, Ber­lin 1922, Abb.79. (Bild ergänzt am 07.09.2012)

Im März 1937 wur­de der Brau­sen­wert­her Platz ver­kehr­lich neu gestal­tet und das Denk­mal unter Pro­tes­ten der Bevöl­ke­rung abge­bro­chen. Im Dezem­ber 1937 wur­de das Rei­ter­denk­mal dann im Deweerth’schen Gar­ten auf einem neu­en vier­ein­halb Meter hohen Sockel neu auf­ge­stellt, aber ohne die Figu­ren der Ger­ma­nia und des Löwen und ohne die Reli­efs. Bis 1942 exis­tier­te das Denk­mal dort, infol­ge des Zwei­ten Welt­krieg wur­de es zer­stört oder ein­ge­schmol­zen. Der 1937 neu geschaf­fe­ne Sockel ist heu­te Teil des Mahn­mals für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus.1


Das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal an sei­nem letz­ten Stand­ort im Deweerth­schen Gar­ten, im Hin­ter­grund die Neue refor­mier­te Kir­che an der Sophi­en­stra­ße. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.8 (Bild ergänzt am 13.01.2012)

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te