Stolpersteine (2007)

Als sich der Künst­ler Gun­ter Dem­nig 1990 in Köln mit dem 50. Jah­res­tag der Depor­ta­ti­on von Sin­ti und Roma aus­ein­an­der­setz­te, zeich­ne­te er die Wege der Depor­tier­ten mit einer roll­ba­ren Druck­ma­schi­ne nach. 1992 ver­leg­te er dann einen Stein mit Zei­len des zuge­hö­ri­gen Erlas­ses vor dem His­to­ri­schen Rat­haus in Köln. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich das zunächst theo­re­ti­sche Kunst­pro­jekt “Grö­ßen­wahn – Kunst­pro­jek­te für Euro­pa”, für das er die Über­le­gung anstell­te sechs Mil­lio­nen Stol­per­stei­ne in ganz Euro­pa zu ver­le­gen. Schließ­lich wur­den in Köln als Bei­spiel ers­te Stol­per­stei­ne ver­legt und seit­dem ist der Erfolg des Pro­jek­tes unge­bro­chen.1

Seit 2007 wer­den auch in Wup­per­tal Stol­per­stei­ne ver­legt. Getra­gen wird dies vom Ver­ein Stol­per­stei­ne in Wup­per­tal e.V. Der Jurist Mar­tin Gau­ger, der Arzt Eugen Rap­po­port und sei­ne Frau, die Opern­sän­ge­rin Elsa Rap­po­port, waren die ers­ten drei Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus, für die in Wup­per­tal am 7. Janu­ar 2007 von Gun­ter Dem­nig einer der 10x10 cm gro­ßen Mes­sing­stei­ne im Boden ver­legt wur­de.2 Sie ver­zeich­nen unter der Über­schrift “HIER WOHNTE” Namen und Lebens­da­ten der Per­son, an die gedacht wer­den soll. Mit dem dezen­tra­len Ansatz soll auf­ge­zeigt wer­den, dass die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht irgend­wel­che Men­schen waren, son­dern in der Nach­bar­schaft aller leb­ten und einen Namen hat­ten.


Vier Stol­per­stei­ne vor dem Haus Lui­sen­stra­ße 124 für Emil und Hen­ri­et­te Hirsch­berg, sowie Samu­el und Sophie Zucker­mann.
Vier Stol­per­stei­ne vor dem Haus Lui­sen­stra­ße 124 für Emil und Hen­ri­et­te Hirsch­berg, sowie Samu­el und Sophie Zucker­mann.

Das Pro­jekt erfreut sich bis heu­te gro­ßer Beliebt­heit und bleibt doch nicht kri­tik­frei. In Mün­chen bei­spiels­wei­se wird bis heu­te dar­um gerun­gen Stol­per­stei­ne zu ver­le­gen, der Stadt­rat erlaubt es nicht. Der Wup­per­ta­ler Rat hat­te am 18. Dezem­ber 2006 der Vor­la­ge VO/0814/06 ein­stim­mig zuge­stimmt. Kri­tik kommt in Wup­per­tal z.B. von der Lei­te­rin der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge Wup­per­tal, Dr. Ulri­ke Schra­der. In 2006 ver­öf­fent­lich­ten kri­ti­schen Anmer­kun­gen setz­te sie sich mit dem Habi­tus der Stol­per­stein-Initia­ti­ven aus­ein­an­der, die eine “Wer nicht für mich ist, ist gegen mich Hal­tung” ein­näh­men, unge­ach­tet der Art der Kri­tik, die ihnen ent­ge­gen­schla­ge. Dar­über hin­aus habe das Pro­jekt mit dem inzwi­schen “vor­aus­ei­len­den Gehor­sam mora­li­sche ‘funk­tio­ni­ern­der’ Ent­schei­dungs­trä­ger” sei­nen pro­vo­ka­ti­ven Cha­rak­ter ver­lo­ren. Es sei nun Teil des Estab­lish­ments. Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt von Schra­der setzt sich mit der Art des Geden­kens aus­ein­an­der. An die betref­fen­de Per­son wird erin­nert, weil sie Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus’ wur­de, die Art des Todes macht sie also erin­ne­rungs­wür­dig, nicht ihr Leben, ihre Bio­gra­fie. Die Beschäf­ti­gung mit den Bio­gra­fi­en der Opfern des Natio­nal­so­zia­lis­mus lehnt sie aller­dings nicht ab, denn dies sei ein inten­si­ve, fast inti­me Form des Geden­kens, nur der Stol­per­stei­ne leis­te genau das nicht. Nur kar­ge Daten lösen kein Erin­nern aus. Über­haupt sei dies eine ein­fa­che und leich­te Form des Erin­nerns. Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt — und sicher­lich ein wesent­li­cher — ist das Paten­schafts­sys­tem. Da jeder Stol­per­stei­ne von einem Paten gekauft wird, ver­rät dies die mit­un­ter star­ke Ich-Bezo­gen­heit des Pro­jek­tes. Man kann einen eige­nen Stein kau­fen und so sei­nes eige­nen Geden­kens geden­ken. Dazu kommt die Hal­tung des Künst­lers, der mitt­ler­wei­le von und für das Pro­jekt lebt und in Wup­per­tal z.B. Nach­ah­mun­gen von Schü­lern unter­sag­te. Die kaum noch über­seh­ba­re Mas­se von Stol­per­stei­nen und die feh­len­de Hier­ar­chi­sie­rung der Opfer­grup­pen füh­ren am Ende zu einer Belie­big­keit des Pro­jekts, so Schra­der. Dabei ver­drängt es mit sei­nem markt­schreie­ri­schem Geha­be ande­res, orts­in­di­vi­du­el­les Geden­ken und eige­ne Gedenk­for­men.3

Die­se Kri­tik­punk­te sind sicher­lich beden­kens­wert. Vor allem das Mono­pol des Künst­lers und die “Ablass­zah­lung” der Paten­schaft, also die Mög­lich­keit sich sei­nen Gedenk­stein, ja viel­leicht sogar sein Opfer, zu kau­fen, sind zu kri­ti­sie­ren. Ande­rer­seits bie­ten die Stol­per­stei­ne immer noch Anlass zur Dis­kus­si­on um Erin­ne­rung, um Erin­ne­rungs­kul­tur. Dass es eine akzep­tier­te Form des Geden­kens gibt, muss nicht schlecht sein und am Ende kommt es dar­auf an, wie die ein­zel­nen Gemein­den mit den ver­leg­ten Stol­per­stei­nen und den dahin­ter­ste­hen­den Men­schen, Bio­gra­fi­en, Leben umge­hen. Wenn sie und ihr Schick­sal regel­mä­ßig in Erin­ne­rung geru­fen wer­den, wenn sie der Erin­ne­rung die­nen und nicht ein­fach nur unbe­ach­tet im Geh­steig lie­gen, wenn sie Anlass geben Fra­gen zu stel­len, ist das dezen­tra­le Stol­per­stein­pro­jekt als län­der- und regio­nen­über­grei­fen­de Gedenk­form nicht ver­kehrt.
(Dis­c­lai­mer: Der Ver­fas­ser die­ses Ein­tra­ges ist war frei­er Mit­ar­bei­ter des Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge Wup­per­tal.)
Eine Lis­te der in Wup­per­tal ver­leg­ten Stol­per­stei­ne gibt es auf der Home­page des Ver­eins Stol­per­stei­ne Wup­per­tal e.V. und auf der Home­page der Begeg­nungst­stät­te Alte Syn­ago­ge Wup­per­tal.

Kei­ne Kar­te, da dezen­tra­les Mahn­mal.


Gedenktafel zur Erinnerung an Hanna Wahl

Die Gedenk­ta­fel für Han­na Wahl

Am 18. Okto­ber 2013 weih­ten Grund­schü­ler der OGS Nüt­zen­ber­ger Stra­ße und der Geschich­te-Poli­tik-Kurs der Jahr­gangs­stu­fe 9 des Carl-Fuhl­rott-Gym­na­si­ums an der Grund­schu­le auf dem Nüt­zen­berg eine Gedenk­ta­fel ein, die an Han­na Wahl erin­nert. Die Gedenk­ta­fel ist als “Online-Denk­mal” kon­zi­piert, denn mit­tels eines QR-Codes führt sie neu­gie­ri­ge Pas­san­ten direkt zur Pro­jekt­sei­te “Jüdi­sche Kul­tur in Wup­per­tal”.1 Die Gedenk­ta­fel wur­de vom För­der­ver­ein der Freun­de des Carl-Fuhl­rott-Gym­na­si­um finan­ziert2 und zeigt ein Bild von Han­na Wahl und einen län­ge­ren Erläu­te­rungs­text:


En détail

Johan­ne (Han­na) Wahl wur­de am 13. April 1888 in Elber­feld (heu­te Wup­per­tal) gebo­ren. Nach der Schu­le wur­de sie Leh­re­rin. Am 6. Sep­tem­ber 1922 hei­ra­te­te sie den jüdi­schen Tex­til­kauf­mann Max Wahl und gab mit der Hoch­zeit ihren Beruf auf. Max Wahl war Teil­ha­ber an dem sehr aner­kann­ten Tex­til­ge­schäft Ph. Freu­den­berg in Elber­feld und muss­te 1934 sei­ne Teil­ha­ber­schaft aus ras­sis­ti­schen Grün­den und unter Druck des NS-Regimes auf­ge­ben.
In der Fol­ge leb­ten die Ehe­leu­te Wahl zunächst von einer Tätig­keit des Max Wahl als Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter. Um den Lebens­stan­dard des Paa­res wei­ter abzu­si­chern, stell­te Han­na Wahl 1936 einen Antrag zur Eröff­nung einer Pri­vat­schu­le. Da sie immer noch mit Max Wahl in soge­nann­ter “Ras­sen­schan­de” leb­te, erlang­te sie die Erlaub­nis unter der Auf­la­ge nur jüdi­sche und halb­jü­di­sche Kin­der zu unter­rich­ten und dies auch nur auf Volks­schul­ni­veau.
Die Geneh­mi­gung erfolg­te zum 1. April 1936. Han­na Wahl rich­te­te ihre Schu­le in ihrem Haus in der Nüt­zen­ber­ger Stra­ße 29 in Wup­per­tal Elber­feld ein. Nach dem Schul­ver­bot des Reichs­mi­nis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft, Erzie­hung und Volks­bil­dung für jüdi­sche Kin­der am 15. Novem­ber 1938 erhielt die Schu­le von Han­na Wahl erhöh­ten Zulauf durch nun nicht mehr in öffent­li­chen Schu­len unter­rich­te­ten Kin­der jüdi­scher Abstam­mung.
Das Leben jüdi­scher Bür­ger wur­de in die­ser Zeit immer schwie­ri­ger. Die Schu­le von Han­na Wahl wur­de am 1. Okto­ber 1939 nach der 10 VO zum Reichs­bür­ger­ge­setz vom 4. Juli 1939, wonach nur noch Juden Juden unter­rich­ten durf­ten, geschlos­sen. Zu die­sem Stich­tag hat­te sie noch 14 Schü­ler, die dann auf die jüdi­sche Schu­le in Hagen geschickt wur­den.
Vom 1. April 1942 bis zum 1. Juni 1945 arbei­te­te Han­na Wahl an der Evan­ge­li­schen Schu­le Johan­ne­um als Sekre­tä­rin. In der Nach­kriegs­zeit kämpf­te sie um ihr eige­nes Recht als Ver­folg­te des NS Regimes aner­kannt zu wer­den. Nach 13 Jah­ren wur­de ihr die­ses Recht zuge­stan­den und eine Ent­schä­di­gung zuge­spro­chen.
Han­na Wahl starb am 5. März 1965 und wur­de auf dem Refor­mier­ten Fried­hof in der Var­res­beck am 12. März 1965 bei­gesetzt.”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenktafel zur Erinnerung an die Erschießung von Zwangsarbeitern im Burgholz

Die Gedenk­ta­fel mit sehr ein­fa­chem Schild am ehe­ma­li­gen Schieß­stand im Burg­holz

Am 9. Mai 2004 wur­de vom Ver­ein Spu­ren­su­che NS-Geschich­te in Wup­per­tal e.V. tief im Burg­holz am ehe­ma­li­gen Schieß­stand der Wup­per­ta­ler Poli­zei eine klei­ne Gedenk­ta­fel ent­hüllt, die dar­an erin­nern soll, dass dort im Früh­jahr 1945 30 ost­eu­ro­päi­sche Zwangs­ar­bei­ter von der Wup­per­ta­ler Poli­zei und Gesta­po ermor­det wur­den. Mit unter den Tätern war der Vater von Lie­se­lot­te Bha­tia, die sich als “Täter­kind” für das Geden­ken im Ver­ein Spu­ren­su­che ein­setzt. Die klei­ne Gedenk­fei­er am Ort, der heu­te auch noch mit Blu­men geschmückt ist und wo ein ewi­ges Licht brennt, wur­de kom­plet­tiert durch eine Anspra­che von Micha­el Okroy von der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge.1


Die Inschrift.

Die Inschrift lau­tet:

“Zur Erin­ne­rung an die hier ermor­de­ten Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangsarbeiter/ Hier befand sich der Schieß­stand der Wup­per­ta­ler Polizei/ Im Febru­ar 1945 wur­den an die­sem Ort  6 Frau­en und 24 Män­ner aus der Sowjetunion/ die zur Zwangs­ar­beit nach Wup­per­tal ver­schleppt wurden/ unter Bei­hil­fe der Wup­per­ta­ler Polizei/
von der Gesta­po ermor­det / Von den Opfern des Mas­sa­kers ist nur der Name von Hele­na Matro­so­wa über­lie­fert.”
Der letz­te Weg der Zwangs­ar­bei­ter führt vom Kül­len­hahn die­se Stra­ße ent­lang.

In sei­ner Anspra­che beschrieb Micha­el Okroy die Vor­gän­ge, die zur Ermor­dung der 24 Män­ner und sechs Frau­en aus der Sowjet­uni­on im Burg­holz führ­ten. Je nach Quel­len wird als Tat­zeit­punkt der Monats­wech­sel Ende Februar/Anfang März 1945 oder der 21. März 1945 genannt, die Tat gehört damit zu den soge­nann­ten Kriegs­end­pha­se­ver­bre­chen. Im Janu­ar 1945 waren über 80 Zwangs­ar­bei­ter von der Wup­per­ta­ler Poli­zei fest­ge­nom­men wor­den, da im zuneh­mend desta­bi­li­sier­ten Drit­ten Reich mit dem Nähern der Front aus Wes­ten Zwangs­ar­bei­ter flo­hen oder frei­ge­las­sen wur­den und die­se sich durch Über­fäl­le und Plün­de­run­gen Nah­rungs­mit­tel beschaf­fen muss­ten. 32 Män­ner und sechs Frau­en wur­den schließ­lich als Haupt­ver­ant­wort­li­che der Gesta­po Außen­stel­le Wup­per­tal über­ge­ben und im Poli­zei­prä­si­di­um gefol­tert und miss­han­delt. Hele­na Matro­so­wa wur­de zum Bei­spiel Papier zwi­schen ihre Zehen gesteckt und ange­zün­det. Hier wur­de schließ­lich für die 30 Opfer auch das Todes­ur­teil — ohne Gerichts­ver­fah­ren — ver­hängt. Nach­dem aus dem Reichs­si­cher­heits­haupt­amt (RSHA) in Ber­lin die for­mel­le Bestä­ti­gung des Todes­ur­teils ein­ge­trof­fen war, wur­den die Vor­be­rei­tun­gen der Tat getrof­fen und die­se in der Abge­schie­den­heit des Burg­holz aus­ge­führt und die Lei­chen vor Ort ver­gra­ben.

Am 14. April 1945, knapp vier Wochen nach der Ermor­dung der 30 Zwangs­ar­bei­ter, wur­de Wup­per­tal durch ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen befreit. Die noch im Prä­si­di­um anwe­sen­den Poli­zis­ten wur­den dann mit LKWs zu einem Gefan­ge­nen­la­ger an den Rhein­wie­sen gebracht. Ende August 1945 führ­ten Ermitt­lun­gen zur Fest­nah­me der betei­lig­ten Poli­zis­ten und zu Hin­wei­sen auf den Tat­ort. Eini­ge inhaf­tier­te Tat­be­tei­lig­te muss­ten auf Anord­nung der nun bri­ti­schen Mili­tär­re­gie­rung die Lei­chen exhu­mie­ren und sämt­li­che Ange­hö­ri­gen der Wup­per­ta­ler Poli­zei­dienstel­le hat­ten an den außer­halb des Mas­sen­gra­bes auf­ge­bahr­ten Ermor­de­ten vor­bei­zu­ge­hen. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas, sein Stell­ver­tre­ter, füh­ren­de Ver­tre­ter der deut­schen Poli­zei und ein Abge­sand­ter des sowje­ti­schen Mar­schalls Schu­kow waren eben­falls vor Ort. Vier­zehn Täter wur­den 1947 in Ham­burg im soge­nann­ten Burg­holz-Case ver­ur­teilt, sechs zum Tode. Die Stra­fen wur­den aller­dings nicht in der aus­ge­spro­che­nen Här­te voll­streckt, die letz­ten Täter wur­den bereits 1953 aus der Haft ent­las­sen. Der Haupt­ver­ant­wort­li­che, der Lei­ter der Gesta­po­leit­stel­le Düs­sel­dorf Hensch­ke, wur­de 1948 zu einer 12jährigen Haft ver­ur­teilt, aber schon 1955 vor­zei­tig auf frei­en Fuß gesetzt. Die ermor­de­ten Män­ner und Frau­en wur­den im August 1945 auf Anord­nung der bri­ti­schen Mili­tär­re­gie­rung auf dem evan­ge­li­schen Fried­hof an der Schor­fer Stra­ße in Cro­nen­berg beer­digt und im Okto­ber wur­de das Mahn­mal dort als eines der ers­ten in Wup­per­tal, das an die Unta­ten der Natio­nal­so­zia­lis­ten erin­nert, errich­tet.2
Im Herbst 2014 ist der Ver­ein Spu­ren­su­che NS-Geschich­te in Wup­per­tal e.V.  sei­nem Ziel, eine Stra­ße im Burg­holz nach der ukrai­ni­schen Leh­re­rin  Hele­na Matro­so­va zu benen­nen, einen klei­nen Schritt wei­ter­ge­kom­men, die Bezirks­ver­tre­tung Cro­nen­berg stimm­te dem Vor­ha­ben zu. Aller­dings ist die­se nicht final zustän­dig, son­dern der Lan­des­be­trieb Wald und Holz, da der Weg zum Schieß­stand im Staats­forst liegt.3

Doppeldenkmal für Josef Neuberger und Dietrich Bonhoeffer

Die Ste­le für Dr. Josef Neu­ber­ger, im Hin­ter­grund, neben dem Hal­te­stel­le­schild, ist die zwei­te Ste­le für Diet­rich Bon­hoef­fer zu erah­nen.

Am 9. Novem­ber 2005 wur­den auf dem Außen­ge­län­de der Jus­tiz­voll­zugs­schu­le NRW auf der Hardt zwei Denk­mä­ler ent­hüllt. Sie ehren und erin­nern an Dr. Josef Neu­ber­ger, nach dem das Haus der Schu­le auch benannt ist, und Diet­rich Bon­hoef­fer. Initi­iert hat­te die Errich­tung Frank Frai­kin, der Lei­ter der Jus­tiz­voll­zugs­schu­le. Für die Aus­füh­rung wand­te er sich an Hans-Peter Osten von der JVA Her­ford, da  die­ser bereits im Rah­men der von ihm gelei­te­ten Arbeits­the­ra­pie mit Künst­lern und jugend­li­chen Straf­ge­fan­ge­nen Kunst­wer­ke geschaf­fen hat­te. Hans-Peter Osten hol­te wie­der­um hol­te den Stein­bild­hau­er Hel­mut Schön aus Bad Sal­zufflen ins Boot. Für die Gestal­tung der Schrift­ta­feln zeich­ne­te der Det­mol­der Bild­hau­er Wolf­gang Kar­ger ver­ant­wort­lich.1


Die Ste­le für Diet­rich Bon­hoef­fer, im Hin­ter­grund das Gebäu­de der ehe­ma­li­gen Jus­tiz­voll­zugs­schu­le.

Die bei­den Denk­mä­ler sind in der Gestal­tung bewusst ähn­lich gewählt. Bei­de basie­ren auf auf­rech­ten Stahl­röh­ren, die die Unbeug­sam­keit, den auf­rech­ten Gang und bei­der Män­ner in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus dar­stel­len sol­len, die sich allein ihrem gewis­sen ver­pflich­tend fühl­ten. An bei­den Tor­si, für deren Her­stel­lung Hans-Peter Osten ver­ant­wort­lich war, soll eine gro­ße stei­ner­ne Por­traitbüs­te den Blick des Betrach­ters ein­fan­gen, erklär­te Hel­mut Schön anläss­lich der Ein­wei­hung:


Die­se mas­si­ven Köp­fe aus einem Stein­block geschla­gen sind unge­heu­er gegen­wär­tig. Sie sind Mah­nung gegen das Ver­ges­sen des Nazi-Ter­ror­re­gimes, das den Einen ermor­det hat, dem der Ande­re nur knapp ent­kom­men konn­te. Sie hal­ten Geschich­te und die Aus­ein­an­der­set­zung damit leben­dig.
Sie kön­nen Stol­per­stein sein, Stein des Ansto­ßes, aber auf jeden Fall
ein Mahn­mal für mehr Tole­ranz und Ach­tung, mehr Mut und Auf­rich­tig­keit. In die­sem bes­ten Sin­ne ein Denk-Mal.“2


Das Por­trait Josef Neu­ber­gers.

Über die geehr­ten Per­sön­lich­kei­ten geben die bei­den Schrift­ta­feln Aus­kunft.

Josef Neu­ber­ger
Jus­tiz­mi­nis­ter des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len
vom 8.12.1966 — 12.9.1972

Josef Neu­ber­ger wur­de am 11.Oktober 1902 in Antwerpen/Belgien als Sohn jüdi­scher Eltern gebo­ren.
Zu Beginn des 1.Weltkriegs muss­te Josef Neu­ber­ger zusam­men mit sei­nen Eltern Bel­gi­en ver­las­sen. Die Fami­lie sie­del­te 1914 nach Düs­sel­dorf um, nach dem Abitur im Jah­re 1922 begann er ein Dop­pel­stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaft und der Öko­no­mie an der Uni­ver­si­tät in Köln.
1925 pro­mo­vier­te Josef Neu­ber­ger in Köln zum Dr. jur., zwei Jah­re spä­ter zum Dr.rer.pol. Nach Abschluss der Stu­di­en- und Refe­ren­dar­zeit erhielt er 1932 die Zulas­sung als Rechts­an­walt beim Amts- und Land­ge­richt Düs­sel­dorf, doch bereits im Juni 1933 wur­de ihm, weil er Jude war, die Zulas­sung als Rechts­an­walt wie­der ent­zo­gen. Kurz dar­auf eröff­ne­te er ein Treu­hän­der­bü­ro für Aus­wan­de­rungs­an­ge­le­gen­hei­ten, das er bis 1938 führ­te.
In der Pogrom­nacht des 9./10.November 1938 ris­sen SA-Män­ner Josef Neu­ber­ger aus dem Schlaf, zerr­ten ihn aus sei­ner Woh­nung und miss­han­del­ten ihn schwer.
In der für die Fami­lie lebens­ge­fähr­li­chen Lage ent­schlos­sen sich die Neu­ber­gers, Deutsch­land zu ver­las­sen. Die Fami­lie emi­grier­te zunächst nach Hol­land, wenig spä­ter nach Paläs­ti­na.
1952 kehr­te Josef Neu­ber­ger nach Deutsch­land zurück.
Josef Neu­ber­ger, der bereits als Gym­na­si­ast mit 16 Jah­ren der SPD bei­getre­ten war, wur­de 1956 Mit­glied des Rates der Stadt Düs­sel­dorf. Von 1959 bis 1975 gehör­te er dem Land­tag des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len an. Als Jus­tiz­mi­nis­ter in den Jah­ren 1966 bis 1972 leg­te Josef Neu­ber­ger wesent­li­che Grund­la­gen für die Ent­wick­lung eines moder­nen Straf­voll­zu­ges. Mit sei­nem Namen ver­bun­den sind vor allem:
- Die grund­le­gen­de Ver­bes­se­rung der Aus­bil­dung der Voll­zugs­be­diens­te­ten
— Die Errich­tung der ers­ten sozi­al­the­ra­peu­ti­schen Anstal­ten in NRW
— Die Ein­füh­rung des Ein­wei­sungs­ver­fah­rens
— Die Ver­selbst­stän­di­gung des Straf­voll­zu­ges durch Schaf­fung einer Straf­voll­zugs­ab­tei­lung im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um und Errich­tung der Jus­tiz­voll­zugs­äm­ter.

Nach sei­nem Rück­tritt als Jus­tiz­mi­nis­ter wirk­te Josef Neu­ber­ger als Hoch­schul­leh­rer an der Gesamt­hoch­schu­le Wup­per­tal.

Am 12.1.1977 ver­starb Josef Neu­ber­ger in Düs­sel­dorf, wo er auf dem jüdi­schen Fried­hof sei­ne letz­te Ruhe­stät­te fand.”


Seit 1991 ver­leiht die Jüdi­sche Gemein­de Düs­sel­dorf, in der Neu­ber­ger Mit­glied, Vor­sit­zen­der des Gemein­de­ra­tes sowie Vor­stands­vor­sit­zen­der war, die Josef-Neu­ber­ger-Medail­le an nicht­jü­di­sche Men­schen, die sich um das jüdi­sche Leben ver­dient gemacht haben.3


Das Por­trait Diet­rich Bon­hoef­fers.

Diet­rich Bon­hoef­fer
Theo­lo­ge und Wider­stands­kämp­fer
1906–1945

Diet­rich Bon­hoef­fer wird am 4.Februar 1906 in Bres­lau (heu­te: Wroclaw/Polen) gebo­ren.
Im Jah­re 1923 beginnt er ein evan­ge­li­sches Theo­lo­gie­stu­di­um, legt 1928  sein ers­tes und 1930 sein zwei­tes theo­lo­gi­sches Staats­ex­amen ab. Seit 1931 lehrt Diet­rich Bon­hoef­fer als Pri­vat­do­zent an der Uni­ver­si­tät Ber­lin und ist Stu­den­ten­pfar­rer an der Ber­li­ner Tech­ni­schen Hoch­schu­le.
Von 1933 bis 1935 betreut er die deut­sche evan­ge­li­sche Gemein­de in Lon­don-Syder­ham.
Bon­hoef­fer wird 1935 von Ver­tre­tern der “Beken­nen­den Kir­che”, die die NS-Ras­sen­ideo­lo­gie als mit dem Chris­ten­tum unver­ein­bar erklärt, gebe­ten, die Lei­tung des Pre­di­ger­se­mi­nars in Zingst und Fin­ken­wal­de zu über­neh­men. Obwohl er sich des damit ver­bun­de­nen Risi­kos bewusst ist, folgt er die­sem Ruf. Ein Jahr spä­ter wird ihm die Lehr­erlaub­nis für Hoch­schu­len ent­zo­gen und 1937 wird die Schlies­sung des Fin­ken­wal­der Pre­di­ger­se­mi­nars ver­fügt. Sei­ne Arbeit setzt Bon­hoef­fer im Unter­grund fort. 1940 wird das Pre­di­ger­se­mi­nar zum zwei­ten Mal geschlos­sen und Bon­hoef­fer erhält Rede- und Schreib­ver­bot.
1940 erhält Diet­rich Bon­hoef­fer über sei­nen Schwa­ger Hans von Dohn­anyi Anschluss an den poli­tisch-mili­tä­ri­schen Wider­stand um Admi­ral Wil­helm Cana­ris, der ihm im Amt Ausland/Abwehr im Ober­kom­man­do der Wehr­macht (OKW) beschäf­tigt. Als Ver­trau­ens­mann knüpft Bon­hoef­fer mit Hil­fe sei­ner öku­me­ni­schen Kon­tak­te Ver­bin­dun­gen zwi­schen den west­li­chen Regie­run­gen und dem deut­schen Wider­stand.
Am 5.April 1943 wird Diet­rich Bon­hoef­fer von der Gehei­men Staats­po­li­zei (Gesta­po) unter der Beschul­di­gung der Wehr­kraft­zer­set­zung ver­haf­tet und ist bis 1945 Gefan­ge­ner im Mili­tär­ge­fäng­nis Ber­lin-Tegel, im Ber­li­ner Gesta­po­ge­fäng­nis in der Prinz-Albrecht-Stras­se und im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger (KZ) Buchen­wald.
Am 8.April 1945 ver­schleppt ihn die “SS” in das KZ Flos­sen­bürg, wo er am 9.April, einen Monat vor Kriegs­en­de und kurz vor der Befrei­ung des Lagers, zum Tode ver­ur­teilt und am glei­chen Tag hin­ge­rich­tet wird.”
Ein Teil der Inschrift

Zur Ein­wei­hungs­fei­er erschien neben Ver­tre­ten von Kir­che, Jus­tiz und Stadt­rat auch die Nich­te Bon­hoef­fers, Renathe Beth­ge.4

Auf der Rück­sei­te der Ste­le für Josef Neu­ber­ger wur­de inzwi­schen eine Ple­xi­glas­ta­fel mit einer Erklä­rung des Arbeits­felds des Jus­tiz­voll­zugs­schu­le ange­bracht.


Die Ple­xi­glas­ta­fel. Undank­bar für den Foto­gra­fen.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenktafel zur Erinnerung an die Geschichte des Evangelischen Vereinshauses

Am 10. August 2007 ent­hüll­te Super­in­ten­dent Man­fred Rekow­ski am Evan­ge­li­schen Ver­eins­haus an der Kasi­no­stra­ße eine Gedenk­ta­fel, die die Geschich­te des Hau­ses erläu­tert. 1


Die Gedenk­ta­fel zur Erläu­te­rung der Geschich­te des Evan­ge­li­schen Ver­eins­hau­ses.

Die Tafel erklärt:

1860 — 1912
Am Ort der his­to­ri­schen “Reit­bahn”, die von 1828 bis 1824 als Thea­ter­spiel­stät­te dien­te, wur­de am 29. August 1860 das ers­te Evan­ge­li­sche Ver­eins­haus ein­ge­weiht. Die von einem Stif­tungs-Kura­to­ri­um ver­wal­te­te Ein­rich­tung wid­me­te sich neben der För­de­rung des Gemein­de­le­bens, evan­ge­li­scher Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten und christ­li­cher Gesel­lig­keit vor­nehm­lich sozia­len Zwe­cken, z.B. der Ver­sor­gung
und Betreu­ung von Wan­der­ge­sel­len, allein­ste­hen­den Frau­en, Obdach­lo­sen und armen Men­schen unab­hän­gig von ihrer Kon­fes­si­on.

ab 1912
Nach dem Abriss des alten Reit­bahn­ge­bäu­des ent­stand ein moder­ner und groß­zü­gi­ger Neu­bau­kom­plex, der im Mai 1912 ein­ge­weiht wur­de. Zu ihm gehör­ten eine Her­ber­ge, ein Gesell­schafts­haus, ein Tages­re­stau­rant mit Wirt­schaft sowie Kon­fe­renz­räu­me und
meh­re­re Säle, die von Ver­ei­nen und Gesell­schaf­ten ange­mie­tet wer­den
konn­ten. Die bei­den Ober­ge­schos­se wur­den als Hotel genutzt.

1919 — 1926
Nach dem Ers­ten Welt­krieg (1914–1918) wur­de das Evan­ge­li­sche Ver­eins­haus als Ver­samm­lungs­ort zu einem Zen­trum demo­kra­tie­feind­li­cher Kräf­te im Wup­per­tal. Dort tra­fen sich regel­mä­ßig rechts­ra­di­ka­le, anti­se­mi­ti­sche und völ­kisch-natio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen. Füh­ren­de Akti­vis­ten und Unter­stüt­zer der Natio­nal­so­zia­lis­ten tra­ten dabei als Red­ner auf: Joseph Goeb­bels, Erich Koch, Karl Kauf­mann, Gene­ral­feld­mar­schall von Macken­sen, Alfred Hugen­berg und Adolf Hit­ler, der 1922 und 1926 als Par­tei­red­ner im Ver­eins­haus gespro­chen hat.

1921 — 1939
Von Ende 1921 bis Novem­ber 1939 mie­te­te die Staat­li­che Poli­zei­ver­wal­tung die bei­den obe­ren Eta­gen des Hau­ses und rich­te­te dort das Poli­zei­prä­si­di­um Elber­feld-Bar­men ein. Ab 1933 befand sich hier die loka­le Außen­stel­le der Gehei­men Staats­po­li­zei. Für meh­re­re Jah­re war die­ser Ort nun der Aus­gangs­punkt der poli­zei­li­chen Ver­fol­gung von poli­ti­schen und reli­giö­sen Geg­ner des NS-Regimes, von Juden und ande­ren aus der “Volks­ge­mein­schaft” aus­ge­grenz­ten Men­schen. 1941/42 wur­den im gro­ßen Ver­eins­haus­saal Güter aus dem Besitz der depor­tier­ten Wup­per­ta­ler Juden öffent­lich ver­stei­gert.

1939 — 1950
Ende 1939 beschlag­nahm­te die Wehr­macht das Gebäu­de. Nach der schwe­ren Bom­bar­die­rung Elber­felds im Juni 1943 wur­de das kriegs­be­schä­dig­te Gebäu­de für die Städ­ti­schen Wer­ke geräumt.
Von 1944 bis 1950 war der gro­ße Saal als Apol­lo-Licht­spiel­thea­ter eine belieb­te Unter­hal­tungs­stät­te für die Wup­per­ta­ler Bevöl­ke­rung.

ab 1949
Seit 1949 dient das Ver­eins­haus wie­der evan­ge­li­schen Ein­rich­tun­gen
als Domi­zil, u.a. dem Luthe­ri­schen und Refor­mier­ten Gemein­de­amt,
der Lan­des­kir­chen­mu­sik­schu­le, Bibel­krei­sen und einer Altenspei­sung. 1955 erfolg­te schließ­lich die Umwand­lung des Gebäu­des in ein Alters­heim. Im April 2006 konn­te nach umfas­sen­den Sanie­rungs­ar­bei­ten das Evan­ge­li­sche Ver­eins­haus als moder­nes Alten­heim Kasi­no­stra­ße eröff­net wer­den und kommt so auch heu­te wie­der dem Stif­tungs­zweck als sozia­le Ein­rich­tung im Zen­trum von Wup­per­tal nach.”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Armin-T.-Wegner-Gedenktafel

Am 16. Okto­ber 1886 wur­de in Elber­feld in der Woh­nung eines weni­ge Mona­te in der Stadt leben­den preu­ßi­schen Eisen­bahn­bau­rats ein Sohn gebo­ren. Man gab ihm den Namen Armin Theo­phil Weg­ner. Die Woh­nung befand sich in einem Haus in der dama­li­gen Gus­tav­stra­ße. 100 Jah­re spä­ter, 1986, wur­de an die­sem Haus in der heu­ti­gen Von-der-Tann-Stra­ße 10 eine Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an die Geburt des Dich­ters ange­bracht. Um 18 Uhr ent­hüll­te Bür­ger­meis­te­rin Irm­gard Woh­lert in Anwe­sen­heit von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen Weg­ners die 25x60cm gro­ße Bron­ze­ta­fel, die in der Glo­cken- und Knust­gie­ße­rei Petit & Gebr. Edel­b­rock gegos­sen wor­den war.


Die Gedenk­ta­fel für Armin T. Weg­ner am Haus Von-der-Tann-Stra­ße 10.

Die Inschrift lau­tet:

“Geburts­haus von Armin T. Weg­ner
Geb. 16.10.1886 in Elber­feld, Gest. 17.05.1978 in Rom,
Edu­ard von der Heydt-Preis­trä­ger 1962
Dich­ter und uner­schro­cke­ner Kämp­fer
gegen das Unrecht.”
Am sel­ben Abend wur­de der Platz  am City-Cen­ter in der Elber­fel­der Innen­stadt in Armin-T.-Wegner-Platz umbe­nannt und um 19.30 Uhr eröff­ne­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus in der Stadt­bi­blio­thek eine Aus­stel­lung zu Leben und Werk Weg­ners. Die Fest­re­de zu die­sem Anlass hielt der­sel­be Mann, der im Mai 1962 die Lau­da­tio auf Trä­ger des Edu­ard von der Heydt-Prei­ses gehal­ten hat­te, Dr. Hans Ben­der. 2008 wur­de im Gym­na­si­um Bay­reu­ther Stra­ße ein Büs­te Weg­ners auf­ge­stellt.

Armin T. Weg­ner blieb nicht lan­ge in sei­ner Geburts­stadt, nach drei Jah­ren wur­de sein Vater nach Ber­lin ver­setzt. Spä­ter ging er in Bres­lau zur Schu­le, wäh­rend die­ser Zeit erschie­nen auch sei­ne ers­ten Gedich­te im Pri­vat­druck. 1909 folg­te dann der Gedicht­band “Zwi­schen zwei Städ­ten”. 1914 schloss er sein Jura­stu­di­um nach Sta­tio­nen in Bres­lau, Zürich und Ber­lin mit einer Dis­ser­ta­ti­on über den Streik im Straf­recht ab. Nach Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs nahm er als kriegs­frei­wil­li­ger Kran­ken­pfle­ger am Win­ter­feld­zug in Polen und bis Herbst 1915 am Feld­zug in der Tür­kei teil, wo er Zeu­ge des Völ­ker­mords an den Arme­ni­ern wur­de. Die­ses Erleb­nis ver­ar­bei­te­te er in sei­nen expres­sio­nis­ti­schen Gedich­ten, Erzäh­lun­gen und Rei­se­be­rich­ten und mach­te ihn zu einem Kämp­fer gegen jedes Unrecht. 1919 berich­te­te er in einem offe­nen Brief an den US-Prä­si­den­ten Woo­d­row Wil­son von sei­nen Erleb­nis­sen und der Not der Arme­ni­er. In Reden und Auf­ru­fen ver­ur­teil­te er Unter­drü­ckung und Krieg. So war es für ihn selbst­ver­ständ­lich, 1933 ein Pro­test­schrei­ben gegen die Juden­ver­fol­gung an Adolf Hit­ler zu rich­ten. Als Kon­se­quenz wur­de er im August 1933 ver­haf­tet und gefol­tert, sei­ne Bücher ver­bo­ten und ver­brannt. Nach sei­ner Frei­las­sung im Dezem­ber des Jah­res emi­grier­te er und leb­te ab 1936 in Posi­ta­no in Ita­li­en. Er erklär­te, “nie mehr die Hän­de die­ses Vol­kes zu berüh­ren, die mei­nen jüdi­schen Brü­dern und mir so Unaus­denk­ba­res ange­tan haben.”

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg galt Weg­ner zunächst als ver­schol­len. Im Novem­ber 1948 las er bei einem deut­schen Autoren­tref­fen in Zürich erst­mals wie­der aus sei­nen Wer­ken. 1956 erhielt er in Nea­pel das Bun­des­ver­dienst­kreuz I. Klas­se, 1962 den Edu­ard von der Heydt-Preis der Stadt Wup­per­tal. 1968 wur­de er vom Staat Isra­el zu einem Gerech­ten unter den Völ­kern ernannt. Am 17. Mai 1978 starb er in Rom.1


Seit 2002 gibt es in Wup­per­tal die Armin-T.-Wegner-Gesellschaft, 2003 wur­de in Los Ange­les die Armin-T.-Wegner-Society of USA gegrün­det. Letz­te­re stif­te­te zum 12, Geburts­tag Weg­ners eine Büs­te, die im Gym­na­si­um Bay­reu­ther Stra­ße auf­ge­stellt wur­de.


Gedenktafel zur Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung und Bibliothekssäuberung

Am 23. April des Jah­res 2004, dem “UNESCO Welt­tag des Buches”, wur­de von Bür­ger­meis­ter Peter Jung — in Ver­tre­tung des Ober­bür­ger­meis­ters Dr. Kre­men­dahl1 — und Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Dre­ver­mann2 an der Zen­tral­bi­blio­thek in der Kol­ping­stra­ße eine Gedenk­ta­fel (“Denk-Zei­chen”) zur Erin­ne­rung an die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Bücher­ver­bren­nung und “Säu­be­rung” der Biblio­the­ken ent­hüllt. Anwe­send war als Ver­tre­ter der jüdi­schen Gemein­de auch Rab­bi­ner Bar­ruch Rabi­no­witz.3 Vor­her hat­te die Schau­spie­le­rin Judith Gen­s­ke in einer lite­ra­ri­schen Lesung unter ande­rem Tex­te von Hein­rich und Tho­mas Mann, Kurt Tuchol­sky, Irm­gard Keun, Else Las­ker-Schü­ler und Armin T. Weg­ner vor­ge­tra­gen.4 Zur Ent­hül­lung erklär­te Bür­ger­meis­ter Peter Jung, Ver­nich­tung von Lite­ra­tur sei das Schlimms­te, was einer Gesell­schaft pas­sie­ren kön­ne. Die Besu­cher der Zen­tral­bi­blio­thek soll­ten dar­an erin­nert wer­den, dass sie die Frei­heit besä­ßen, an die­sem Ort aus­zu­lei­hen, was immer sie woll­ten.5


Die Gedenk­ta­fel

Unter zwei zeit­ge­nös­si­schen Bil­dern, die die Bücher­ver­bren­nung auf dem Brau­sen­wert­her Platz in Elber­feld und dem Rat­haus­platz in Bar­men, sowie einen Biblio­the­kar bei der “Säu­be­rung” der Buch­be­stan­des zei­gen, erklärt die schlich­te Tafel:

“Am 1.April insze­nier­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten auf dem Rat­haus­vor­platz in Bar­men und am Döp­pers­berg in Elber­feld öffent­li­che Bücher­ver­bren­nun­gen, die von Leh­rern und Schü­lern der Wup­per­ta­ler Ober­schu­len orga­ni­siert und durch­ge­führt wur­den. Die Stadt­bi­blio­thek Wup­per­tal war ab Früh­jahr 1933 mehr­mals Schau­platz natio­nal­so­zia­lis­ti­scher “Säu­be­rungs­ak­tio­nen”. Damit soll­te die soge­nann­te “undeut­sche” Lite­ra­tur aus den Büche­rei­be­stän­den “aus­ge­merzt” wer­den. Anfang 1936 wur­den bei einer sol­chen Akti­on mit Hil­fe von “Schwar­zen Lis­ten” mehr als 26.000 Bücher aus­ge­son­dert.
Der ideo­lo­gi­sche Hass und die Ver­bo­te rich­te­ten sich grund­sätz­lich gegen Autoren jüdi­scher Her­kunft sowie gegen alle Schrift­stel­ler, deren Wer­ke die Ide­en der Moder­ne ver­kör­per­ten und die pazi­fis­tisch oder poli­tisch links ori­en­tiert waren. Zu den ver­folg­ten Intel­lek­tu­el­len gehör­ten u.a. Ber­tolt Brecht, Alfred Döblin, Sig­mund Freud, Erich Käst­ner, Irm­gard Keun, Hein­rich und Tho­mas Mann, Erich Maria Remar­que, Anna Sag­hers, Kurt Tuchol­sky und die Wup­per­ta­ler Autoren Else Las­ker-Schü­ler und Armin T. Weg­ner.
Die Bücher­ver­bren­nun­gen und Biblio­theks­säu­be­run­gen der Natio­nal­so­zia­lis­ten ziel­ten auf die Zer­stö­rung einer an Huma­ni­tät und Auf­klä­rung ori­en­tier­ten deut­schen und euro­päi­schen Kul­tur. In ihrer Fol­ge wur­den zahl­rei­che Schrift­stel­ler, Künst­ler, Jour­na­lis­ten und Publi­zis­ten geäch­tet, zur Emi­gra­ti­on gezwun­gen, ermor­det oder in den Selbst­mord getrie­ben”
Die Stadt Wup­per­tal, im April 2004”

Bereits 1998 hat­te die Else-Las­ker-Schü­ler-Gesell­schaft einen Antrag an den Stadt­rat gestellt, auf dem Rat­haus­vor­platz in Bar­men eine Licht­in­stal­la­ti­on des Münch­ner Künst­lers Wolf­ram Kast­ner auf­zu­stel­len, um so an die Bücher­ver­bren­nung zu erin­nern. Eine Mehr­heit konn­te man damit nicht für sich gewin­nen.6 Am 12.Mai 2003 griff die PDS-Rats­frak­ti­on das The­ma erneut auf und stell­te den Antrag, am Rat­haus­vor­platz eine Gedenk­ta­fel anzu­brin­gen.7 Die FDP-Rats­frak­ti­on bean­trag­te am 9.Juli 2003 die Erstel­lung des Mahn­mals, wel­ches die Else-Las­ker-Schü­ler-Gesell­schaft 1998 vor­ge­schla­gen hat­te. Es wird im Antrag so beschrie­ben:


 “Wir möch­ten den Vor­schlag der Else-Las­ker-Schü­ler-Gesell­schaft e.V. auf­neh­men und bean­tra­gen, den Text “Wo man Bücher ver­brennt, ver­brennt man auch Men­schen” (Hein­rich Hei­ne) mit­ten in einem schwar­zen Brand­fleck auf eine bruch­fes­te Glas­plat­te vor dem Rat­haus zu pla­zie­ren. Die Glas­plat­te soll von unten bei Dun­kel­heit beleuch­tet wer­den, damit die Schrift im schwar­zen Fleck noch bes­ser sicht­bar ist.“8

Am 24. Sep­tem­ber 2003 beschloss dann der Kul­tur­aus­schuss einen Ver­wal­tungs­vor­schlag zur Auf­stel­lung einer Tafel an der Zen­tral­bi­blio­thek und lehn­te die Anträ­ge von PDS und FDP ab. Am 13.Oktober 2003 dürf­te der Rat der Stadt Wup­per­tal der Emp­feh­lung von Kul­tur- und Haupt­aus­schuss gefolgt sein.9

Gedenkstein und Gedenkbaum für die in der Landesfrauenklink gestorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen

Im Jahr 2000 grün­de­ten die Bun­des­re­pu­blik und die Stif­tungs­in­itia­ti­ve der deut­schen Wirt­schaft die Stif­tung „Erin­ne­rung, Ver­ant­wor­tung und Zukunft“ und stat­te­ten sie mit je 10 Mil­li­ar­den DM aus, um ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­ter, die im Zwei­ten Welt­krieg von Deutsch­land aus­ge­beu­tet wur­den, zu ent­schä­di­gen. Im Rah­men die­ser Maß­nah­me bekam das Archiv des Land­schafts­ver­bands Rhein­land, als recht­li­cher Nach­fol­ger der Pro­vin­zi­al­ver­wal­tung der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz den Auf­trag ent­spre­chen­de Doku­men­te zu sich­ten und die Namen der Zwangs­ar­bei­ter an die Natio­na­len Stif­tun­gen, die die Ver­tei­lung der Gel­der über­nah­men, zu über­sen­den. Ca. 400 Namen wur­den in den Doku­men­ten gefun­den und wei­ter­ge­lei­tet. Es stell­te sich her­aus, dass von ihnen noch 20 Per­so­nen in der Ukrai­ne,  Weiss­russ­land und Russ­land leb­ten. Ledig­lich aus der Ukrai­ne erhielt der LVR eine Rück­mel­dung, von Frau­en, deren Namen in den Geburts- und Ope­ra­ti­ons­bü­chern der dama­li­gen Lan­des­frau­en­kli­nik Wup­per­tal ver­zeich­net waren. Heu­te gehört die Kli­nik zur “Stif­tung der Cel­li­tin­nen zur hl. Maria” und trägt seit 2012 den Namen St.-Anna-Klinik, nach­dem sie von 1985 — 2011 Kli­nik Vogel­s­ang­stra­ße hieß. 1


2005 wur­de Dr. Bet­ti­na Bou­resh, wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin des Archivs, die sich bereits um die Recher­che der Zwangs­ar­bei­ter geküm­mert hat­te, damit beauf­tragt, ein Besuchs­pro­gramm für das Jahr 2006 vor­zu­be­rei­ten. Eine der Frau­en, die Wup­per­tal besu­chen woll­ten, bat dar­um das Grab ihres Soh­nes sehen zu kön­nen, der als Säug­ling in Wup­per­tal ver­starb. Das Grab konn­te nicht gefun­den wer­den und so mach­ten sich der LVR, die Aka­de­mie für Gesund­heits­be­ru­fe (AFG) als Nach­fol­ge­rin der Heb­am­men­schu­le und die Kli­nik St. Anna Gedan­ken, wie man dem Wunsch des Geden­kens Rech­nung tra­gen könn­te. 2


Gedenk­stein und Gedenk­baum vor der ehe­ma­li­gen Lan­des­frau­en­kli­nik.

Am 20. März 2006 war es schließ­lich soweit: zwei ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­te­rin­nen (Lidi­ya Chy­gy­ra und Ali­na Morus3) und eine Toch­ter einer Zwangs­ar­bei­te­rin, die in Wup­per­tal gebo­ren wur­de, (Lju­ba She­wa­ki­no-Seme­nov Niko­lai­ew­na4) kamen in Köln an und wur­den vom LVR dort emp­fan­gen. Sie wur­den von je einem Ver­wand­ten und die Grup­pe wie­der­um von einem Mit­ar­bei­ter der Ukrai­ni­schen Natio­nal Stif­tung beglei­tet. Im Rah­men des 7-tägi­gen Besuchs­pro­gramms besuch­ten sie am 22. und 23. März Wup­per­tal. Am ers­ten Tag wur­den die ehe­ma­li­gen Zwangs­ar­bei­te­rin­nen von Ober­bür­ger­meis­ter Peter Jung im Rat­haus begrüßt, der beton­te, dass man Schuld und Ver­ant­wor­tung für das, was den Frau­en gesche­hen war, emp­fin­de. Er bat um Ver­söh­nung der bei­den Län­der. Anschlie­ßend tru­gen sich die Frau­en ins Gol­de­nen Buch der Stadt ein. Da die Gedenk­stun­de, und die Erwar­tung des Kom­men­den die Damen mit­nahm, wur­de kur­zer Hand eine Unter­su­chung in der Kli­nik St. Anto­ni­us ange­ord­net, die ja eben­falls zum Kli­nik­ver­bund der “Stif­tung der Cel­li­tin­nen zur hl. Maria” gehört. Man emp­fahl ange­sichts hohen Blut­drucks eine Ent­span­nungs­pau­se und nutz­te die­se zu einer Schwe­be­bahn­fahrt. Anschlie­ßend wur­de es wie­der ernst. Man besuch­te das Gelän­de des ehe­ma­li­gen Bara­cken­la­gers “In der Fleu­te”, wo heu­te eine Klein­gar­ten­sied­lung zu fin­den ist. Eine der Zwangs­ar­bei­te­rin­nen, Lidi­ya Chy­gy­ra, hat­te hier als 20jährige gelebt und für die Flug­zeug­fa­brik Espen­laub in einem Tun­nel Flug­zeug­tei­le gerei­nigt.  In der Nähe der Bahn-Unter­füh­rung Clau­se­witz­stra­ße, in die jun­ge Frau bei Bom­ben­alarm Schutz such­te, war sie mit ihrem Sohn Vik­tor in einer Mut­ter-Kind-Bara­cke unter­ge­bracht, bis die­ser vor ihren Augen starb und wie ande­ren ver­stor­be­ne Säug­lin­gen dort ver­scharrt wur­de. Als 84jährige kehr­te sie nun an den Ort zurück. In die­ser Mut­ter-Kind-Bara­cke leb­te auch auch Lju­ba She­wa­ki­no-Seme­nov Niko­lai­ew­na mit ihrer Mut­ter.
Danach besuch­te man das Gelän­de an der Rons­dor­fer Stra­ße, wo Ali­na Morus nach der Geburt ihres Kin­des als 15jähriges Mäd­chen gelebt hat­te. Zuvor hat­te sie in einer Sei­fen­sie­de­rei in Düs­sel­dorf arbei­ten müs­sen.5Sie war bei ihrer Rück­kehr nach Wup­per­tal gera­de 79 Jah­re alt gewor­den.6


Foto­gra­fie: Nico­le Schä­fer LVR-ZMB.

Am 23. März stand ein Besuch in der ehe­ma­li­gen Lan­des­frau­en­kli­nik an, wo die Geschäfts­füh­rer Herr Kauf­mann und Herr Breuck­mann, sowie der Chef­arzt Dr. Falb­re­de die Gäs­te begrüß­ten. Dar­auf folg­te ein Rund­gang durch die Geburts­sta­ti­on, bevor man vor dem Gebäu­de an der Wie­se zur Vogel­s­ang­stra­ße zur Ein­wei­hung des Gedenk­steins schritt. Der Gedenk­stein soll an alle in Wup­per­tal ver­stor­be­nen Kin­der von Zwangs­ar­bei­te­rin­nen erin­nern und natür­lich auch an das ver­stor­be­ne Kind von Lidi­ya Chy­gy­ra. In einer klei­nen Zere­mo­nie wur­de der Gedenk­stein ent­hüllt und der Baum gepflanzt, zu des­sen Wur­zeln die ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­te­rin ein wenig ukrai­ni­scher Erde hin­zu­füg­te und deut­sche Erde mit in ihre Hei­mat nahm.7


Foto­gra­fie: Nico­le Schä­fer LVR-ZMB.

Der Gedenk­stein wur­de von der dama­li­gen Assis­ten­tin der Geschäfts­lei­tung, Imbritt Neu­mann, mit einem abge­wan­del­ten chi­ne­si­schen Sprich­wort ver­se­hen:

Denkst Du an ein Jahr,
dann säe ein Korn.
Denkst Du an ein Jahr­zehnt,
dann pflan­ze einen Baum.
Denkst Du an ein Jahr­hun­dert,
dann sor­ge für eine Zukunft
der Kin­der.

Wup­per­tal, 23.März 2006“8


Die Inschrift

Die Kos­ten für den Gedenk­stein und den Gedenk­baum (ein Cart­a­e­gus lae­vi­ga­ta — Ech­ter Rot­dorn9) über­nahm die Kli­nik St. Anna. 10

Nach dem Mit­tag­essen folg­te ein Gespräch zwi­schen den Zeit­zeu­gen und Schü­le­rin­nen der Heb­am­men­schu­le. Den Abschluss des Tages und des Besu­ches in Wup­per­tal bil­de­ten ein Besuch in der Ortho­do­xen Kapel­le der Kli­nik und anschlie­ßend ließ man blaue Luft­bal­lons mit Zukunfts­wün­schen in den Him­mel stei­gen.11
Im Anschluss an den Besuch der Zwangs­ar­bei­ter ent­stan­den eine Aus­stel­lung (“Riss durchs Leben”), die seit dem 4.Dezember 2012 eine dau­er­haf­te Hei­mat im Ganz­tags­gym­na­si­um Johan­nes Rau gefun­den hat, eine DVD und ein Buch über die Besu­che des LVR in der Ukrai­ne. Eine Inter­net­sei­te über die Aus­stel­lung “Riss durchs Leben” ist Anfang Dezem­ber 2012 online gegan­gen.
Zwei wei­te­re Besuchs­grup­pen aus der Ukrai­ne kamen im Juni 2009 und Sep­tem­ber 2010 nach Wup­per­tal und zur Kli­nik. In der Fol­ge ent­stand zwi­schen dem Ganz­tags­gym­na­si­um Johan­nes Rau und der Schu­le Nr. 10 in Chmel­nyzkyj eine Part­ner­schaft zur Erfor­schung der Zwangs­ar­beit im Rah­men des Jugend­for­schungs­pro­jek­tes “Ges­tern ist heu­te nicht vor­bei. Mor­gen viel­leicht.

Gedächtnisfenster zur Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung

Die Fried­hofs­kir­che an der Hoch­stra­ße.

Hoch oben in der Nord­stadt, an den Fried­hö­fen der Hoch­stra­ße, steht die 1894–98 nach Plä­nen des Ber­li­ner Archi­tek­ten Johan­nes Otzen erbau­te Fried­hofs­kir­che. Die größ­te und eine der schöns­ten Kir­chen Wup­per­tals ver­lor 1943 beim Luft­an­griff auf Wup­per­tal durch die Druck­wel­len der Deto­na­tio­nen ihre ori­gi­na­len Fens­ter der Glas­ma­le­rei Mül­ler aus Qued­lin­burg. 1946 wur­den sie zunächst durch ver­schie­den­far­bi­ges Kathe­dral­glas ersetzt, das einst als Pro­vi­so­ri­um gedacht war, aber dann doch 62 Jah­re Bestand hat­te. Erst 2008 konn­te die Gemein­de zwei der sechs gro­ßen Roset­ten­fens­ter aus­tau­schen. In vier Jah­ren sam­mel­ten die 3300 Gemein­de­mit­glie­der dafür 120.000 Euro.1 Nach einem begrenz­ten Wett­be­werb ent­schied man sich für den Wer­ni­ge­ro­der Glas­künst­ler Gün­ter Grohs, des­sen Ent­wür­fe die Glas­werk­statt Schnee­mel­cher aus Qued­lin­burg aus­führ­te. Für die West­sei­te, die zunächst ange­fer­tigt und 2008 ange­bracht wur­de, gab die Evan­ge­li­sche Gemein­de Elber­feld-Nord die The­men “Hel­mut Hes­se — ein Mär­ty­rer aus der Gemein­de” und “Theo­lo­gi­sche Erklä­rung von Bar­men” vor.2 Am 25.Mai 2008 wur­den die neu­en Fens­ter mit einem fei­er­li­chen Got­tes­dienst ein­ge­weiht.3


Das Gedenk­fens­ter zur Erin­ne­rung an die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung in der Elber­fel­der Fried­hofs­kir­che.

Die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung wur­de am 31. Mai 1934 von der Bekennt­nis­sys­node in der Gemar­ker Kir­che in Bar­men ver­ab­schie­det. Die Bekennt­nis­sys­node und ihre Erklä­rung war eine Reak­ti­on auf die erfolg­rei­chen Ver­su­che der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen “Deut­schen Chris­ten” die evan­ge­li­sche Kir­che zu über­neh­men und auch hier das Füh­rer­prin­zip ein­zu­füh­ren. Die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung wur­de vor allem vom Refor­mier­ten Karl Barth und dem Luthe­ra­ner Hans Asmus­sen geprägt. Sie lehn­ten den Anspruch der “Deut­schen Chris­ten”, in Adolf Hit­ler eine Offen­ba­rung Got­tes zu sehen, ab. Am 19. und 20. Okto­ber 1934 folg­ten in Ber­lin-Dah­lem die zwei­te Bekennt­nis­sys­node der Beken­nen­den Kir­che, im Juni 1935 die drit­te in Augs­burg. Bei der vier­ten und letz­ten im Febru­ar 1936 in Bad Oeyn­hau­sen war die Orga­ni­sa­ti­on der Beken­nen­den Kir­che auf­grund inhalt­li­cher Dif­fe­ren­zen kaum mehr vor­han­den. 1936 pro­tes­tier­te die vor­läu­fi­ge Kir­chen­lei­tung noch in einer Denk­schrift an Hit­ler gegen Ent­christ­li­chung, Anti­se­mi­tis­mus und Ter­ror­maß­nah­men, doch zur Reichs­po­grom­nacht am 9.November 1938 schwieg sie. Mit Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs wur­den vie­le Mit­glie­der in den Unter­grund gedrängt oder ver­haf­tet, wie 1943 Hel­mut Hes­se.4


Im Zen­trum des Fens­ters steht die Inschrift:

Jesus Chris­tus ist
das Wort Got­tes
das wir hören
dem wir im Leben
und ster­ben zu
ver­trau­en und zu
gehor­chen haben.”


Die Zei­len stam­men aus der ers­ten The­se der Bar­mer Theo­lo­gi­schen Erklä­rung, die lau­tet:
Jesus Chris­tus, wie er uns in der Hei­li­gen Schrift bezeugt
wird, ist das eine Wort Got­tes, das wir zu hören, dem wir im Leben und
im Ster­ben zu ver­trau­en und zu gehor­chen haben.
Wir ver­wer­fen die fal­sche Leh­re, als kön­ne und müs­se die Kir­che als
Quel­le ihrer Ver­kün­di­gung außer und neben die­sem einen Wor­te Got­tes auch noch ande­re Ereig­nis­se und Mäch­te, Gestal­ten und Wahr­hei­ten als Got­tes Offen­ba­rung aner­ken­nen.”

Der Wort­laut der Bar­mer Theo­lo­gi­schen Erklä­rung fin­det sich hier.


Detail­auf­nah­me

Gün­ter Grohs ver­zich­te­te bei der Gestal­tung der Fens­ter bewusst auf die Bebil­de­rung der Fens­ter und eine the­ma­ti­sche Dar­stel­lung. Die Fens­ter zei­gen Spu­ren und Wege, die der Betrach­ter selbst ergrün­den soll. Außer­dem soll so eine dau­er­haf­te Spra­che gefun­den wer­den, die fol­gen­den Genera­ti­on noch etwas zu sagen hat und nicht zeit­ge­nös­si­schen Moden unter­liegt. So blieb zur Umset­zung der The­ma­tik nur die Schrift als “zeit­lo­se Bot­schaft” im zen­tra­len Qua­drat, dass die Wind­ei­sen, die die Glas­flä­chen sta­bi­li­se­ren, vor­ge­ben. Begrenzt wird es auch von den senk­recht und hori­zon­tal ver­lau­fen­den Bah­nen, die in die Aus­läu­fer der Außen­krei­se mün­den und so mitt­le­re und äuße­re Berei­che des Fens­ters ver­bin­den. Die zwölf Außen­krei­se wie­der­um sto­ßen mit ihren schma­len  Frie­sen in den Mit­tel­kreis vor, ver­flech­ten sich mit dem brei­ten far­bi­gen Band und dies schein­bar unend­los, als Sym­bol für die Unend­lich­keit, die Ein­heit von Anfang und Ende. 5


Das Gedächt­nis­fens­ter von unten

Am Werth unweit der Gemar­ker Kir­che steht bereits seit 1984 ein Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die Bar­mer Theo­lo­gi­sche Erklä­rung.

Im Sep­tem­ber 2009 wur­den auch die Fens­ter an der Ost­sei­te — zum Fried­hof  — erneu­ert. Sie zei­gen die The­men “Tod und Auf­er­ste­hung”. Für die­Süd­sei­te sind die The­men “Wort und Sakra­ment” geplant.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedächtnisfenster zur Erinnerung an Helmut Hesse

Die Fried­hofs­kir­che an der Hoch­stra­ße.

Hoch oben in der Nord­stadt, an den Fried­hö­fen der Hoch­stra­ße, steht die 1894–98 nach Plä­nen des Ber­li­ner Archi­tek­ten Johan­nes Otzen erbau­te Fried­hofs­kir­che. Die größ­te und eine der schöns­ten Kir­chen Wup­per­tals ver­lor 1943 beim Luft­an­griff auf Wup­per­tal durch die Druck­wel­len der Deto­na­tio­nen ihre ori­gi­na­len Fens­ter der Glas­ma­le­rei Mül­ler aus Qued­lin­burg. 1946 wur­den sie zunächst durch ver­schie­den­far­bi­ges Kathe­dral­glas ersetzt, das einst als Pro­vi­so­ri­um gedacht war, aber dann doch 62 Jah­re Bestand hat­te. Erst 2008 konn­te die Gemein­de zwei der sechs gro­ßen Roset­ten­fens­ter aus­tau­schen. In vier Jah­ren sam­mel­ten die 3300 Gemein­de­mit­glie­der dafür 120.000 Euro.1Nach einem begrenz­ten Wett­be­werb ent­schied man sich für den Wer­ni­ge­ro­der Glas­künst­ler Gün­ter Grohs, des­sen Ent­wür­fe die Glas­werk­statt Schnee­mel­cher aus Qued­lin­burg aus­führ­te. Für die West­sei­te, die zunächst ange­fer­tigt und 2008 ange­bracht wur­de, gab die Evan­ge­li­sche Gemein­de Elber­feld-Nord die The­men “Hel­mut Hes­se — ein Mär­ty­rer aus der Gemein­de” und “Theo­lo­gi­sche Erklä­rung von Bar­men” vor.2 Am 25.Mai 2008 wur­den die neu­en Fens­ter mit einem fei­er­li­chen Got­tes­dienst ein­ge­weiht.3


Das Gedenk­fens­ter für Hel­mut Hes­se in der Fried­hofs­kir­che.

Der am 11. Mai 1916 in Bre­men gebo­re­ne Hel­mut Hes­se wuchs in einem pie­tis­ti­schen Haus­halt auf, sein Vater, Her­mann Albert Hes­se, war Pas­tor der Elber­fel­der Gemein­de und wohn­te in der Ale­man­nen­str. 40. Bereits wäh­rend des Gym­na­si­ums wur­de ihm klar, dass der Natio­nal­so­zia­lis­mus und der christ­li­che Glau­be nicht zusam­men gelebt wer­den konn­ten, auch wenn vie­le Chris­ten der Zeit ande­rer Ansicht waren. Obwohl er natur­wis­sen­schaft­licht begabt war, ent­schied er sich wie schon sei­ne drei Brü­der zuvor 1935 für das Stu­di­um der Theo­lo­gie. Bereits früh setz­te sich Hes­se für ras­sisch ver­folg­te Men­schen ein und half ihnen, wo er konn­te. Im Früh­jahr 1940 leg­te er das ers­te Examen vor der Prü­fungs­kom­mis­si­on der rhei­ni­schen Beken­nen­den Kir­che ab. Nach dem Vika­ri­at mel­det er sich im Sep­tem­ber 1941 zum zwei­ten Examen, doch nach der Ver­haf­tung der Ber­li­ner Prü­fungs­kom­mis­si­on der Beken­nen­den Kir­che stell­te die rhei­ni­sche ihre Arbeit ein. Hel­mut Hes­se wei­ger­te sich von dem Weg der Beken­nen­den Kir­che und den Erklä­run­gen von Bar­men und Dah­lem abzu­wei­chen und geriet so nicht nur in Kon­flikt mit der Lan­des­kir­che, son­dern auch mit der Beken­nen­den Kir­che.


Detail­auf­nah­me

Am 8.Juni 1943 wur­de er zusam­men mit sei­nem Vater ver­haf­tet. In sei­ner letz­ten Anspra­che zwei Tage zuvor hat­te er erklärt:

Als Chris­ten kön­nen wir es nicht mehr län­ger ertra­gen, dass die Kir­che
in Deutsch­land zu den Juden­ver­fol­gun­gen schweigt […] Sie darf nicht
län­ger ver­su­chen, vor dem gegen Isra­el gerich­te­ten Angriff sich selbst
in Sicher­heit zu brin­gen. Sie muss viel­mehr bezeu­gen, dass mit Isra­el
sie und ihr Herr Jesus Chris­tus selbst bekämpft wird.”


Nach fünf Mona­ten in Ein­zel­haft, in der der an Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz lei­den­de
zum Ske­lett abma­ger­te, wur­den Vater und Sohn am 13.November 1943 in das
KZ Dach­au ver­legt, wo Hel­mut Hes­se in der Nacht auf den 24.November 1943
ver­starb. 4


Im Zen­trum des Fens­ter steht die Inschrift.

Hel­mut Hes­se
11.05.1916 Bre­men
+ 24.11.1943 Dach­au
Selig sind die um
Gerech­tig­keit wil­len
ver­folgt wer­den”

Die Selig­prei­sung stammt aus der Berg­pre­digt und fin­det sich bei Mat­thä­us 5,10.


Gün­ter Grohs ver­zich­te­te bei der Gestal­tung der Fens­ter bewusst auf die Bebil­de­rung der Fens­ter und eine the­ma­ti­sche Dar­stel­lung. Die Fens­ter zei­gen Spu­ren und Wege, die der Betrach­ter selbst ergrün­den soll. Außer­dem soll so eine dau­er­haf­te Spra­che gefun­den wer­den, die fol­gen­den Genera­ti­on noch etwas zu sagen hat und nicht zeit­ge­nös­si­schen Moden unter­liegt. So blieb zur Umset­zung der The­ma­tik nur die Schrift als “zeit­lo­se Bot­schaft” im zen­tra­len Qua­drat, dass die Wind­ei­sen, die die Glas­flä­chen sta­bi­li­se­ren, vor­ge­ben. Begrenzt wird es auch von den senk­recht und hori­zon­tal ver­lau­fen­den Bah­nen, die in die Aus­läu­fer der Außen­krei­se mün­den und so mitt­le­re und äuße­re Berei­che des Fens­ters ver­bin­den. Die zwölf Außen­krei­se wie­der­um sto­ßen mit ihren schma­len Frie­sen in den Mit­tel­kreis vor, ver­flech­ten sich mit dem brei­ten far­bi­gen Band und dies schein­bar unend­los, als Sym­bol für die Unend­lich­keit, die Ein­heit von Anfang und Ende.5


Detail­auf­nah­me

Im Sep­tem­ber 2009 wur­den auch die Fens­ter an der Ost­sei­te — zum Fried­hof — erneu­ert. Sie zei­gen die The­men “Tod und Auf­er­ste­hung”. Für die Süd­sei­te sind die The­men “Wort und Sakra­ment” geplant.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te