Hermann-Steinacker-Gedenktafel

Unten links befin­det sich die Gedenk­ta­fel.

Vor dem 20. März 20141 wur­de an der Wülf­ra­ther Stra­ße an der Stütz­mau­er zum Schul­hof der För­der­schu­le Huf­schmied­stra­ße eine Gedenk­ta­fel ange­bracht, die an Her­mann Stein­acker erin­nert. Der Anar­chist wur­de am 20. Novem­ber 1870 in Olden­heim bei Karls­ru­he gebo­ren, mach­te eine Aus­bil­dung zum Schnei­der und schloss sich der SPD an. 1910 führ­te ihn die poli­ti­sche Poli­zei in Ber­lin im Anar­chis­ten-Ver­zeich­nis auf, er hat­te sich also von der SPD getrennt. Anar­chis­ten wur­den im Kai­ser­reich sowohl von der Poli­zei über­wacht und bekämpft, von der SPD und Gewerk­schaf­ten als Fein­de behan­delt. Die radi­ka­len Elber­fel­der Pazi­fis­ten wur­den mit Beginn des Ers­ten Welt­kriegs inhaf­tiert, Stein­acker kam erst im März 1916 frei — und wur­de prompt zum Mili­tär­dienst ein­ge­zo­gen. In den Dyna­mi­ken des Kriegs­en­des und der Revo­lu­ti­on wuchs die Freie Arbei­ter-Uni­on Deutsch­lands (FAUD) 1200 Mit­glie­der, deren Zahl aber ab 1923 wie­der schrumpf­te und 1933 nur noch 40 Mit­glie­der zähl­te.
Her­mann Stein­acker besaß eine Schnei­der­stu­be in der Para­de­stra­ße und war eine bedeu­ten­de Figur der FAUD im Wup­per­tal und Men­tor der anar­chis­ti­schen Kin­der- und Jugend­grup­pen. Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 die Macht in Deutsch­land über­nom­men hat­ten, orga­ni­sier­te er den anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Wider­stand in Wup­per­tal. Im Okto­ber 1934 wur­de er von der Gesta­po ver­haf­tet und zu einem Jahr und neun Mona­ten Haft ver­ur­teilt, die er in der JVA Lüttring­hau­sen ver­brach­te. Nach sei­ner Ent­las­sung sam­mel­te er Gel­der zur Unter­stüt­zung der Volks­front­re­gie­rung im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg. Im Febru­ar 1937, acht Mona­te nach sei­ner Ent­las­sung, flog das Netz­werk der Anar­cho-Syn­di­ka­lis­ten im Rhein­land auf und Stein­acker wur­de erneut ver­haf­tet. Im Janu­ar 1938 wur­de er mit 88 wei­te­ren Ange­klag­ten vor dem Ham­mer Ober­lan­des­ge­richt ver­ur­teilt und erhielt eine der Höchst­stra­fen, 10 Jah­re  Haft, die er zum Groß­teil im Zucht­haus in Müns­ter ver­brach­te. Fol­ter und Haft schwäch­ten ihn, sodass er von Mit­häft­lin­gen von sei­ner Zel­le in den Arbeits­saal getra­gen wer­den muss­te. Eines Tages schlief er wäh­rend der Arbeit dort ein und wur­de wegen Arbeits­un­fä­hig­keit im Janu­ar 1944 in das KZ Maut­hau­sen depor­tiert. Als Arbeits­un­fä­hi­ger wur­de er als unwer­tes Leben in der Welt­an­schau­ung der Natio­nal­so­zia­lis­ten ange­se­hen und am 14. April 1944 mit­tels einer Sprit­ze mit Kup­fer­vi­tri­ol ermor­det. Die Gesta­po über­gab sei­ner Toch­ter anschlie­ßend sei­ne blut­ver­schmier­te Bril­le. 2


Die Gedenk­ta­fel ähnelt jener für Otto Böh­ne.

Die Gedenk­ta­fel erklärt unter einem nicht näher bezeich­ne­ten Foto:

Her­mann Stein­acker (20.11.1878 — 14.04.1944)

Über­zeug­ter Geg­ner des 1. Welt­krie­ges,
zen­tra­le Figur der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Bewe­ge­ung in
der Wei­ma­rer Repu­blik, Wider­stands­kämp­fer gegen die NS-Dik­ta­tur.

Stein­acker wur­de 1944 durch die Nazis im
Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen ermor­det.

Hier an die­ser Stel­le stand das Haus in dem er leb­te.

Nichts und Nie­mand ist ver­ges­sen!”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Otto-Böhne-Gedenktafel

Am 25. Febru­ar 2014 jähr­te sich zum 80. Mal der Todes­tag Otto Böh­nes, das Anti­fa-Café Wup­per­tal nahm dies zum Anlass an den Wup­per­ta­ler Stadt­ver­ord­ne­ten zu erin­nern.1 Mög­li­cher­wei­se in die­sem Zusam­men­hang brach­te man am Otto-Böh­ne-Platz in der Nord­stadt eine Gedenk­ta­fel an, am 20. März 2014 sprach man bereits von einer kürz­lich ange­brach­ten Gedenk­ta­fel.2


Die Gedenk­ta­fel.

Die Gedenk­ta­fel aus ein­fa­chem Kunst­stoff zeigt eine Foto­gra­fie Otto Böh­nes. Die Inschrift lau­tet:

Otto Böh­ne (4.1.1898 — 25.2.1934)
Wider­stands­kämp­fer und Kom­mu­nist

Otto Böh­ne starb im Kran­ken­haus in Papen­burg an den Fol­gen
grau­en­haf­ter Miss­hand­lun­gen, die ihm im KZ Kem­na und im
KZ Bör­ger­moor zuge­fügt wur­den.

Böh­ne wohn­te in der Wir­ker­stras­se 37 auf dem Elber­fel­der Ölberg.
Er war Nach­wuchs­lei­ter und Stadt­ver­ord­ne­ter der KPD.

Nichts und Nie­mand ist ver­ges­sen!”


Der am 4. Dezem­ber 1897 gebo­re­ne Otto Böh­ne kam aus Elber­feld und hat­te fünf Geschwis­ter. Er erlern­te den Beruf des Schlos­sers und kämpf­te im Ers­ten Welt­krieg. Anschlie­ßend arbei­te­te er bei Quan­te und schloss sich der KPD an, wo er es zum Orga­ni­sa­ti­ons­se­kre­tär brach­te. Noch im März 1933 wur­de er zum Stadt­ver­ord­ne­ten gewählt. Nach­dem er bereits im April 1933 von den Natio­nal­so­zia­lis­ten in Schutz­haft genom­men wor­den war, wur­de er im Juli 1933 in sei­ner Woh­nung in der Wir­ker­stra­ße 37 ver­haf­tet, vor den Augen sei­ner 13jährigen Toch­ter miss­han­delt und in das KZ Kem­na gebracht. Als Kom­mu­nist wur­de er in der Kem­na grau­sam gefol­tert und schwer miss­han­delt. Mit letz­ten Kräf­ten über­stand er nach der Auf­lö­sung des KZs Kem­na den Trans­port ins KZ Bör­ger­moor. Am 25. Febru­ar 1934 erlag er im Kran­ken­haus von Papen­burg sei­nen Ver­let­zun­gen. Er wur­de in sei­ner Woh­nung zwei Tage auf­ge­bahrt und anschlie­ßend auf dem Rons­dor­fer Kom­mu­nal­fried­hof bestat­tet. 3


Der Otto-Böh­ne-Platz wur­de am 21. Juni 1988 nach dem Wider­stands­kämp­fer benannt. (Wolf­gang Stock, Wup­per­ta­ler Stra­ßen­na­men, Essen 2002, S. 293.)

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


 

Otto-Michel-Gedenktafel

Das Geburts­haus des Theo­lo­gen Otto Michel.

Anfang Juli 2004 über­ga­ben Mit­glie­der des Wup­per­ta­ler Denk­mal­pfle­ge­aus­schus­ses eine Gedenk­ta­fel, die an den Theo­lo­gen Otto Michel erin­nert, an des­sen Toch­ter. Die­se wohnt in zwar in Osna­brück, besitzt aber das Geburts­haus ihres Vaters in der Wie­sen­stra­ße, Haus­num­mer 64. Der Sohn des Kauf­manns Ernst Michel und sei­ner Frau Hed­wig wur­de in Elber­feld am 28. August 1903 gebo­ren. 1922 begann er dann ein Theo­lo­gie-Stu­di­um in Tübin­gen. Sei­ne Pro­mo­ti­on ver­fass­te er in Hal­le, wo er auch nach sei­ner Habi­li­ta­ti­on 1929 als Pri­vat­do­zent an der Uni­ver­si­tät lehr­te. Er war Mit­glied der Beken­nen­de Kir­che, die sich — ver­geb­lich — gegen den Ein­fluss der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deut­schen Chris­ten auf die Evan­ge­li­sche Kir­che wehr­te. Im Mai 1946 wur­de er als ordent­li­cher Pro­fes­sor nach Tübin­gen beru­fen und wur­de dort 1957 Direk­tor des Insti­tu­tum Judai­cum, für des­sen Grün­dung er lan­ge gewor­ben hat­te. Es wid­me­te sich der Erfor­schung des Juden­tums und der För­de­rung des christ­lich-jüdi­schen Dia­logs. Er starb am 28. Dezem­ber 1993 in Tübin­gen.


Als 2002 in Wup­per­tal die neue Syn­ago­ge ein­ge­weiht wur­de, erin­ner­te sei­ne Toch­ter, Ange­la Müllen­bach-Michel an den in Wup­per­tal ver­ges­se­nen Sohn der Stadt, der sich schon sehr früh nach dem Zwei­ten Welt­krieg für einen Dia­log mit  dem Juden­tum ein­ge­setzt hat­te. Unter­stützt wur­de sie dabei von Klaus Haa­ker, Pro­fes­sor an der Kirch­li­chen Hoch­schu­le in Wup­per­tal.1


Die Gedenk­ta­fel

Die Inschrift erklärt:

“Wie­sen­tr. 64
Das Haus Wie­sen­stra­ße 64 wur­de zwi­schen 1890 und 1895 in
Mas­siv­bau­wei­se erbaut.
Das Gebäu­de ist ein anschau­li­ches Bei­spiel für die
Archi­tek­tur­auf­fas­sung der Grün­der­zeit.
Hier wur­de am 28.8.1903 der ev. Theo­lo­ge und Grün­der des
Insti­tu­tum Judai­cum Tpbin­gen Prof. Otto Michel gebo­ren.
Dar­über hin­aus ist der Denk­mal­wert des Gebäu­des im
Zusam­men­hang mit der weit­ge­hend erhal­te­nen Bebau­ung
die­ses Stra­ßen­zu­ges inner­halb der Elber­fel­der Nord­stadt zu
sehen.
Das Objekt wur­de aus städt­bau­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen und
stadt­his­to­ri­schen Grün­den am 11. Novem­ber 1994 in Gän­ze
unter Denk­mal­schutz gestellt.”

Kugelpyramide

Die Kugel­py­ra­mi­de von Rein­hold Baron in Ober­bar­men.

1989 wur­de das ehe­ma­li­ge “Lud­wigs­plätz­chen” in der Elber­fel­der Nord­stadt nach Plä­nen der Archi­tek­ten­grup­pe “Baron & Part­ner” und mit Mit­teln der Stadt­er­neue­rung des Lan­des NRW umge­stal­tet und in “Hele­ne-Weber-Platz” umbe­nannt. Im Zen­trum stand bei der Ein­wei­hung am 8. Dezem­ber 1989 die von Rein­hold Baron ent­wor­fe­ne Kugel­py­ra­mi­de aus brau­nen Beton­ku­geln mit einem Durch­mes­ser von 35cm. Zwar waren die Beton­ku­geln mit Eisen­stan­gen ver­bun­den, das ver­hin­der­te jedoch nicht, dass die Skulp­tur mehr­fach zer­stört und schließ­lich ein­ge­la­gert wur­de.1 Im Juli 1997 wur­de sie vor der Alten Fär­be­rei in Ober­bar­men auf­ge­stellt und befin­det sich dort noch heu­te.2

Yzchok-und-Rita-Gerszt-Gedenktafel

In der Woche vom 19.–25. Juni 2008 war auf Ein­la­dung des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gung im Wup­per­tal e.V. Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man, die Toch­ter der Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fer  gegen das NS-Regime, Yzchok und Rita Gerszt, zu Gast in Wup­per­tal.1 Der Kon­takt zu ihr war über den His­to­ri­ker Ste­phan Stra­cke zustan­de gekom­men, der wäh­rend sei­ner For­schun­gen2 zu den Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts-pro­zes­sen auf das Schick­sal des kom­mu­nis­ti­schen und jüdi­schen Ehe­paars gesto­ßen war und zufäl­lig im Inter­net die Adres­se der Toch­ter gefun­den hat­te.3 Im fer­nen Ore­gon in den USA war man natür­lich über­rascht und zunächst auch skep­tisch, wie denn das Land der Täter heu­te mit ihnen umge­hen wür­de. Zusam­men mit ihrer Toch­ter und ihrem Schwie­ger­sohn wag­te Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man die Rück­kehr in ihre Geburts­stadt, in der ihren Eltern so viel Unrecht wider­fah­ren war. Wäh­rend ihrer Zeit in Wup­per­tal nahm Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man an der Gedenk­fei­er am Mahn­mal des KZ Kem­na teil und besuch­te auch ihr altes Wohn­haus in der Rei­ter­stra­ße Nr.3.4 In die­sem Rah­men wur­de im Juni 2008 eine Gedenk­ta­fel für ihre Eltern gegen­über des Hau­ses ange­bracht.


Die Gedenk­ta­fel für Yzchok und Rita Gerszt. Foto­gra­fiert am 5. Febru­ar 2012.

Die Gedenk­ta­fel zeigt unter der Über­schrift:

 “In Erin­ne­rung an die
Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fe­rIn­nen
Yzchok und Rita Gerszt.

eine Foto­gra­fie des Ehe­paars und erklärt: “[Lin­ke Spal­te]

Die Fami­lie leb­te mit ihrer Toch­ter Ste­pha­nie bis 1936 in der Rei­ter­stra­ße 3.
Yzchok und Rita Gerszt waren im jüdi­schen Arbei­ter-Kul­tur­ver­ein und in der KPD orga­ni­siert und betei­lig­ten sich am Wider­stands­kampf gegen die Natio­nal­so­zia­lis­ten.
Yzchok Gerszt wur­de am 30.Juni 1936 ver­haf­tet und in den “Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­sen” zu 4 Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt. Nach der Haft im Zucht­haus
Sieg­burg wur­de er nach Aus­schwitz depor­tiert. Dort wur­de er auf dem Todes­marsch am 13.Januar 1943 ermor­det.
Rita Gerszt floh mit ihrer 5 jäh­ri­gen Toch­ter nach Bel­gi­en, wur­de dort aber von der Gesta­po ver­haf­tet. Das 5 jäh­ri­ge Kind Ste­pha­nie Gerszt konn­te recht­zei­tig weg­lau­fen und über­leb­te das drit­te Reich ver­steckt in Wai­sen­häu­sern in Bel­gi­en. Rita Gerszt wur­de u.a. im KZ Ravens­brück inhaf­tiert und am 29.Mai 1942 in der Ver­ga­sungs­an­stalt Bern­burg ver­gast.”


Eine aus­führ­li­che­re Bio­gra­phie fin­det sich im offe­nen Bür­ger­an­trag des Ver­eins zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung zur Umbe­nen­nung der Trep­pe an der Rei­ter­stra­ße (s.u.):


Dem­nach kam der am 16.Oktober 1901 in Polen gebo­re­ne Yzchok Gerzst 1920 nach Deutsch­land. Er arbei­te­te als Schnei­der und Rei­sen­der (Ver­tre­ter) für eine Her­ren­schnei­de­rei und mach­te sich spä­ter mit einer Lohn­schnei­de­rei selbst­stän­dig. 1924 trat er in die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei ein und enga­gier­te sich im Vor­stand des jüdi­schen Arbei­ter-Kul­tur-Ver­eins, der sei­nen Sitz an der Klotz­bahn hat­te. Ab 1931 arbei­te­te er unter ande­rem mit den Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fern Ewald Fun­ke,
Jukiel Gil­berg, Karl Ibach und Fried­rich Sen­ger im AM-Appa­rat (Abtei­lung Mili­tär­po­li­tik) der KPD.5 Der AM-Appa­rat war die nach­rich­ten­dienst­li­che Orga­ni­sa­ti­on der KPD, die von den Ver­haf­tungs­wel­len nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten kaum betrof­fen war und im Unter­grund wei­ter gegen das NS-Regime kämpf­te. 6 Zu den Auf­ga­ben Gerszts gehör­te es zum Bei­spiel Kon­tak­te zu anti­na­zis­ti­schen Poli­zei­be­am­ten auf­zu­neh­men. Ab 1933 orga­ni­sier­te das Ehe­paar Geld­samm­lun­gen bei jüdi­schen Sym­pa­thi­san­ten zur Finan­zie­rung der AM und Tref­fen des ille­ga­len Appa­rats. Am 30.Juni 1936 wur­de er bei der drit­ten Ver­haf­tungs­wel­le im Rah­men der Gewerk­schafts­pro­zes­se ver­haf­tet7 (zu den Pro­zes­sen sie­he auch den Ein­trag zum Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­se). Der gesam­te AM-Appa­rat wur­de von der Gesta­po zer­schla­gen.8 Aus­sa­gen von ande­ren Häft­lin­gen belas­te­ten Gerszt und er wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm zu 4 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt, die er zunächst in Her­ford und Sieg­burg ver­brach­te.


Rita Gerszt blieb mit der vier Mona­te alten Toch­ter Ste­pha­nie zurück und muss­te allein die um sich grei­fen­de Demü­ti­gung, Aus­gren­zung und Ter­ro­ri­sie­rung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung ertra­gen. Am 30.Juni 1939 erhielt sie einen Aus­wei­sungs­be­scheid. Die Bit­te, ihren Mann vor­zei­tig zu ent­las­sen, um mit ihm und dem Kind in die USA aus­wan­dern zu kön­nen, wo Ver­wand­te für ihn gebürgt hat­ten, um ein Ein­rei­se­vi­sum zu erhal­ten, wur­de abge­schla­gen. 1939 wur­de Rita vier Wochen inhaf­tiert und floh nach der Frei­las­sung nach Bel­gi­en, wo ihre Schwes­ter, Hele­ne Man­del­baum, mit ihrem Mann und den Kin­dern in Brüs­sel wohn­te. Nach­dem die Deut­schen auch Bel­gi­en besetzt hat­ten, orga­ni­sier­te Rita für sich und ihr Kind ein siche­res Ver­steck, doch bei der Ver­ab­schie­dung von Freun­den wur­de sie von der Gesta­po ver­haf­tet. Ste­pha­nie konn­te im Durch­ein­an­der flie­hen und fand nach lan­gem Umher­ir­ren die Woh­nung ihrer Tan­te wie­der. Die­se brach­te sie mit­hil­fe des “Comi­te de defen­se des juifs” unter fal­schem Namen in einem Wai­sen­haus in Forest unter. Rita Gerszt wur­de nach Düs­sel­dorf gebracht und dort wegen angeb­li­cher Devi­sen­ver­ge­hen zu vier Mona­ten Haft ver­ur­teilt und saß vom 7. Juni 1940 bis zum 9. Okto­ber 1940 im Gefäng­nis. Anschlie­ßend kam sie an das KZ Ravens­brück, wo sie laut dem Gedenk­buch für die Opfer von Ravens­brück unter dem Namen Rita Ger­ozt am 29.Mai 1942 in der T4 Anstalt  Bern­burg wäh­rend der “Akti­on 14f13” ermor­det wur­de. Die amt­li­chen Anga­ben geben als Todes­da­tum den 30.Juni 1942 an. Nach dem Ende sei­ner Gefäng­nis­stra­fe wur­de Yzchok Gerszt in “Schutz­haft” genom­men und nach Ausch­witz depor­tiert. Dort durch­litt er ein Mar­ty­ri­um und wur­de auf einem Todes­marsch kurz vor der Befrei­ung durch die Rote Armee am 13.Januar 1945, so die Ster­be­ur­kun­de, ermor­det.


Die Toch­ter des Ehe­paars über­leb­te den Zwei­ten Welt­krieg, wur­de 1944 von Alli­ier­ten Trup­pen befreit und kam in ein Wai­sen­haus einer jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on, die die Wai­sen­kin­der auf die Ein­wan­de­rung nach Isra­el vor­be­rei­te­te. Kurz vor der Abrei­se nach Paläs­ti­na mel­de­te sich Geor­ge Gerszt, ein Onkel aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, und sorg­te dafür, dass sie im Juni 1948 in die USA ein­rei­sen konn­te.9


Im Rah­men des Besuchs von Ste­pha­nie Gersz in Wup­per­tal im Juni 2008 bean­trag­ten die Grü­nen mit Unter­stüt­zung des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gun­gen im Wup­per­tal e.V die Benen­nung der an das Haus Rei­ter­stra­ße 3 gren­zen­den Trep­pe zur Pla­te­ni­us­stra­ße in “Gerszt-Trep­pe”.10Der Antrag wur­de ein­stim­mig, also auch von den Grü­nen, abge­lehnt. Aus dem Pro­to­koll:


Der Bezirks­bür­ger­meis­ter teilt mit, dass nach Rück­spra­che mit dem zustän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter drin­gend davon abge­ra­ten wer­de, die­se Benen­nung zu beschlie­ßen. So sei die­se Fami­lie nur eine von ca. 1200 ermor­de­ten Fami­li­en in Wup­per­tal. Sich hier­von eine her­aus zu suchen, sei nicht rat­sam.” 11


Die­se Begrün­dung ist unver­ständ­lich, da die Bezirks­ver­tre­tung in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ein­stim­mig beschlos­sen hat­te, eine Trep­pe am Osters­baum nach dem Elber­fel­der Rab­bi­ner Dr.Joseph Nor­den zu benen­nen — auch “nur” einer von vie­len Ermor­de­ten aus Wup­per­tal.12 Dem­entspre­chend wand­te sich der Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung in einem offe­nen Bür­ger­an­trag gegen die­se Ent­schei­dung und for­der­te mit zahl­rei­chen Unter­zeich­nern eine “Rita und Yzchok Gerszt-Trep­pe”.13
Am 25.Oktober 2008 wur­den vor dem Haus Reiterstr.3 zwei Stol­per­stei­ne für das Ehe­paar Gerszt ver­legt.14

Ergän­zung vom 17.Juni 2012: 
Eigent­lich hät­te man das vor der Ver­öf­fent­li­chung noch mal machen kön­nen, aber dar­an habe ich nicht gedacht. Die Gedenk­ta­fel, die ich am 5.Februar 2012 foto­gra­fiert habe, ist heu­te nicht mehr an Ort und Stel­le. (17. Juni 2012)

Sie­he auch die Ein­trä­ge zu Rita und Yzchok Gerszt im Gedenk­buch Wup­per­tal:

Rita GersztYzchok Gerszt

Friedrich-Roeber-Denkmal

Am 19.Juni 1819 wur­de in Elber­feld Fried­rich Roeber gebo­ren. Er wird als viel­sei­tig begab­ter Mensch beschrie­ben und been­de­te bereits mit 14 Jah­ren mit dem Abitur die Real­schu­le in Elber­feld. Auf­grund man­geln­der finan­zi­el­ler Mit­tel konn­te er kei­ne wis­sen­schaft­li­che Lauf­bahn ein­schla­gen und begann eine kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung. Spä­ter wur­de er Teil­ha­ber des Bank­hau­ses von der Heydt, Kers­ten & Söh­ne. Neben sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit gab es für ihn aber eine ande­re Beru­fung: Lyrik und Dra­ma­tik. Er grün­de­te das “Roeber­sche Sonn­tags­kränz­chen” und ver­fass­te Thea­ter­stü­cke und Gedich­te. Sei­nen Ruhe­stand ver­brach­te er in Düs­sel­dorf, wo sei­ne Söh­ne Fritz und Ernst an der Kunst­aka­de­mie lehr­ten. Am 12.Oktober 1901 starb Fried­rich Roeber dort im Alter von 82 Jah­ren.
Das Fried­rich-Roeber-Denk­mal auf dem Car­naps­platz in Elber­feld. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de.

Fünf Jah­re nach dem Tod des Schrift­stel­lers setz­te ihm der Elber­fel­der Muse­ums­ver­ein am 23.September 1906 ein Denk­mal auf dem Car­naps­platz in der Elber­fel­der Nord­stadt. Eine aus schwe­di­schem Gra­nit geschaf­fe­ne Säu­le trug eine über­le­bens­gro­ße Bron­ze­büs­te des Dich­ters. Das Säu­len­ka­pi­tell war im Lou­is-sei­ze-Stil gehal­ten, in deren Zen­trum die schlich­te Wid­mung “Fried­rich Roeber” zu fin­den war. Am Fuß der Säu­le umschloß die­se ein Kranz­ge­win­de. Urhe­ber die­ses Denk­mals war der Düs­sel­dor­fer Bild­hau­er Karl Jans­sen, der auch das sehr ähn­li­che (und im Fall der Bron­ze­büs­te nahe­zu iden­ti­sche) Grab­denk­mal Roebers auf dem Düs­sel­dor­fer Nord­fried­hof schuf.1

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Denk­mal zer­stört.

Gedenktafel für Maria Husemann

Am 22.Juni 1993 wur­de über einer Tür zu einem Klas­sen­raum im Alt­bau des Erz­bi­schöf­li­chen Gym­na­si­ums St.Anna eine Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an Maria Huse­mann vom Köl­ner Dom­ka­pi­tu­lar Prof.Dr. Nor­bert Trip­pen ein­ge­weiht. Es sei beson­ders erfreu­lich, beton­te Trip­pen, dass die­se Gedenk­ta­fel an einer Schu­le jun­gen Men­schen ein Bei­spiel für Unrechts­be­wusst­sein gebe.1


Die Gedenk­ta­fel für Maria Huse­mann.

Die Gedenk­ta­fel ver­zeich­net in gol­de­ner Schrift unter dem Flam­men­kreuz der Cari­tas fol­gen­de Inschrift:

Hier wur­de am 22.Dezember 1943
die Cari­tas­se­kre­tä­rin
MARIA HUSEMANN
1892 — 1975
von der Gesta­po ver­haf­tet.

Als glau­bens­star­ke Katho­li­kin hat­te sie
vie­len Opfern der natio­nal-sozia­lis­ti­schen
Dik­ta­tur gehol­fen.
Ihr Lei­dens­weg führ­te durch das Gesta­po-
Gefäng­nis Wup­per­tal
sowie durch die KZ Ravens­brück und Gras­litz”


Die 1892 gebo­re­ne Maria Huse­mann kam 1926 zur ört­li­chen Geschäfts­stel­le der Cari­tas und arbei­te­te dort als Sekre­tä­rin. Nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten behielt sie zusam­men mit dem Geschäfts­füh­rer Hans Carls (1886–1952) ihr christ­li­ches Welt­bild bei. So sorg­ten sie dafür, dass aus­rei­se­wil­li­ge jüdi­sche und “halb­jü­di­sche” Bür­ger  Aus­rei­se­pa­pie­re und ande­re Hilfs­an­ge­bo­te der Aus­wan­de­rerfür­sor­ge erhiel­ten.2 Im Büro der Cari­tas an der König­stra­ße 27 (heu­te Fried­rich-Ebert-Str.) wur­de außer­dem “alles an Schrift­tum gegen das Nazi­re­gime ver­viel­fäl­tigt und wei­ter­ge­ge­ben. Wenn es auch nicht im Auf­trag von ihm [Hans Carls] geschah, so doch mit sei­nem Ein­ver­ständ­nis,” erklär­te Maria Huse­mann 1964 in ihrem Bericht: “Mein Wider­stands­kampf gegen die Ver­bre­chen der Hit­ler-Dik­ta­tur” (her­aus­ge­ge­ben vom Wup­per­ta­ler Stadt­de­chant und Katho­li­ken­rat 1983)3 Unter ande­rem wur­den hier die Pre­dig­ten des Müns­te­ra­ner Bischofs Cle­mens von Galen gegen die Eutha­na­sie ver­viel­fäl­tigt und ver­teilt.4

Im März 1940 ver­lie­ßen die letz­ten Schü­ler am Ende des Schul­jah­res das Gym­na­si­um, das nach mehr­fa­chem Abbau von Klas­sen auf poli­ti­schen Druck geschlos­sen wur­de. In den Räu­men fand das Büro der Cari­tas eine neue Hei­mat, nach­dem am Ende der 30er Jah­re das bis­he­ri­ge Büro ver­kauft wor­den war, um es dem Zugriff der Natio­nal­so­zia­lis­ten zu ent­zie­hen. 5


Am 16. Sep­tem­ber 1941 wur­de das Büro wegen der Ver­brei­tung der ver­bo­te­nen Schrif­ten zum ers­ten Mal denun­ziert. Ein Besu­cher hat­te sich dort kri­tisch über die Natio­nal­so­zia­lis­ten geäu­ßert und um Abschrif­ten der Pre­dig­ten von Galens gebe­ten. Die Frau eines Oberst­leut­nant wur­de Zeu­ge und ihr Mann zeig­te den Besu­cher gegen­über der Kom­man­dan­tur Wup­per­tal an. Für den Besu­cher und Vater von vier Kin­dern  folg­ten 18 Mona­te Lager­auf­ent­halt, im Büro der Cari­tas wur­den ledig­lich die Pre­dig­ten und die Schreib­ma­schi­ne beschlag­nahmt. Maria Huse­mann wur­de nach anfäng­li­cher Ver­haf­tung auf frei­en Fuß gesetzt.6
Am 7. Novem­ber wur­de dafür Hans Carls ver­haf­tet und Maria Huse­mann küm­mer­te sich trotz der Gefah­ren für ihre eige­ne Per­so­nen dar­um, den schwer­kran­ken Mann, der im März 1942 ins KZ Dach­au kam, mit Lebens­mit­teln, Medi­ka­men­ten und Kon­tak­ten zur Außen­welt zu ver­sor­gen. Spä­ter wei­te­te sie ihre Unter­stüt­zung auf wei­te­re Inhaf­tier­te aus und knüpf­te deutsch­land­weit Kon­tak­te. Außer­dem fuhr sie ein­mal im Monat nach Mün­chen, um die aus dem KZ her­aus­ge­schmug­gel­ten Berich­te Hans Carls in Emp­fang zu neh­men, zu ver­wah­ren und auch an höchs­te kirch­li­che und welt­li­che Krei­se wei­ter­zu­lei­ten.7

Nach dem Luft­an­griff auf Elber­feld in der Nacht zum 25.Juni 1943 ver­lor sie ihre Woh­nung und auch die Schu­le wur­de teil­wei­se beschä­digt. Sie über­gab die Schrift­stü­cke an eine Bekann­te, die bald dar­auf das gefähr­li­che Mate­ri­al wie­der zurück­ge­ben woll­te. Mit Hil­fe des Mari­en­heims auf der Hardt wur­de eine Über­ga­be orga­ni­siert. Der Chauf­feur nahm die in einer Zigar­ren­kis­te ver­wahr­ten Doku­men­te in Emp­fang und brach­te sie zur Hardt, wo ein Arbei­ter die Kis­te in Erwar­tung von Rauch­wa­ren aus dem Fahr­zeug stahl. Er warf die für ihn wert­lo­sen Papie­re auf der Hardt weg, Pas­san­ten brach­ten sie zu einem Betrieb an der Straß­bur­ger Stra­ße, wo ein katho­li­scher Arbei­ter sie drei Wochen ver­wahr­te, bevor er sie an den Betriebs­lei­ter wei­ter­gab, der sie dem Kreis­lei­ter über­stell­te. Am 22. Dezem­ber 1943 wur­de Maria Huse­mann von der Gesta­po im Büro in der St.Anna-Schule ver­haf­tet.8


Am 23. August 1944 wur­de sie, nach dem sie im März ver­ur­teilt wor­den war, ins Frau­en­kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ravens­brück gebracht. Im Sep­tem­ber 1944 kam sie in das Arbeits­la­ger Gras­litz des KZs Flos­sen­brück, wo sie Rüs­tungs­pro­duk­te her­stel­len muss­te. Im Früh­jahr 1945 wur­de das Lager geräumt und es begann einer der vie­len grau­sa­men Todes­mär­sche. Auch hier behielt Maria Huse­mann ihre christ­li­che Nächs­ten­lie­be und setz­te sich für zwei erschöpf­te “jüdi­sche Kame­ra­din­nen” ein und wur­de mit ihnen am 30.04.1945 ent­las­sen. Sie brach­te die bei­den erschöpf­ten und kran­ken Frau­en in ein Not­kran­ken­haus und begab sich dann auf den Weg nach Hau­se. Am 5.Juni 1945 kam sie in Wup­per­tal an und wur­de bis zum 2.August wegen völ­li­ger Erschöp­fung behan­delt.9
Sie arbei­te­te bis 1951 wie­der mit Hans Carls im Büro der Cari­tas und erhielt die sil­ber­ne Ehren­na­del der Cari­tas ver­lie­hen. Ab 1950 war sie Vor­sit­zen­de des von ihr mit­ge­grün­de­ten “Bund der Ver­folg­ten des Nazi-Regimes”, 1959 war sie neben Johan­nes Rau Mit­be­grün­de­rin der “Gesell­schaft für christ­lich-jüdi­sche Zusam­men­ar­beit” und spä­ter deren Geschäfts­füh­re­rin. 1970 erhielt sie das Bun­des­ver­dienst­kreuz I.Klasse durch Johan­nes Rau. Am 12.Dezember 1975 ver­starb Maria Huse­mann und wur­de auf dem katho­li­schen Fried­hof Uel­len­dahl bestat­tet.10