Martin-Gauger-Gedenktafel

Die Gedenk­ta­fel am Land­ge­richt.

Im Sep­tem­ber 2017 wur­de unmit­tel­bar neben der Schwe­be­bahn-Hal­te­stel­le Land­ge­richt an der Brü­cke über die Wup­per eine Gedenk­ta­fel für den Juris­ten und Pazi­fis­ten Mar­tin Gau­ger ein­ge­weiht und gleich­zei­tig die Brü­cke zur Gerichts­in­sel nach ihm benannt. Unter den 50 Anwe­sen­den waren Bezirks­bür­ger­meis­ter Jür­gen Viteni­us, Sieg­fried Miel­ke, Vize­prä­si­dent des Land­ge­richts und  zwei Nich­ten Gau­gers. Initi­iert wur­de die Gedenk­ta­fel vom “Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung”.

Mar­tin Gau­ger ver­wei­ger­te in sei­nem Dienst bei der Staats­an­walt­schaft in Wup­per­tal 1934 den Treue­eid auf Dik­ta­tor Adolf Hit­ler, nach­dem sein Vater, der Pfar­rer Joseph Gau­ger, ver­haf­tet wor­den war. Gau­ger wur­de aus dem Staats­dienst ent­las­sen und sei­ne Dis­ser­ta­ti­on 1936 beschlag­nahmt. Gau­ger war einer der weni­gen Juris­ten, die Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus leis­te­ten. 1939 ver­wei­ger­te er den Wehr­dienst trotz der für die­sen Fall vor­ge­se­he­nen Todes­stra­fe. Der dro­hen­den Ent­haup­tung ver­such­te er durch Sui­zid zu ent­ge­hen, was aber nicht gelang. Ein Flucht­ver­such nach Eng­land schei­ter­te im Mai 1940 in den Nie­der­lan­den, wo er ver­wun­det und ver­haf­tet wur­de. Im Juni 1941 wur­de er ins KZ Buchen­wald gebracht und am 14. Juli 1941 in der Tötungs­an­stalt Pir­na-Son­nen­stein ermor­det.1


Die Gedenk­ta­fel.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Familie-Paßquali-Gedenktafel

Im April 2017 wur­de am Zaun der Chris­ti­an-Mor­gen­stern-Schu­le in Unt­er­bar­men eine Gedenk­ta­fel für die Sin­ti-Fami­lie Paß­qua­li ein­ge­weiht. Die 10köpfige Schau­stel­ler-Fami­lie wur­de von den Natio­nal­so­zia­lis­ten 1940 in einem Haus an der Ober­ber­gi­schen Stra­ße zwangs­an­ge­sie­delt. Im Febru­ar 1940 und im März 1943 wur­den Fami­li­en­mit­glie­der in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen und Ausch­witz depor­tiert und bis auf weni­ge Aus­nah­men, ermor­det. Das Wohn­haus wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört. Nur vier Fami­li­en­mit­glie­der, die am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges von der Roten Armee und der US-ame­ri­ka­ni­schen Armee aus den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern befreit wur­den, über­leb­ten den Geno­zid.


Die Gedenk­ta­fel zeigt Fotos der Ver­folg­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus und erklärt aus­führ­lich Leben und Ver­fol­gung der Fami­lie.

Der Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung und die 12. Klas­se der Mor­gen­stern-Schu­le haben die Geschich­te, Leben und Ver­fol­gung der Fami­lie recher­chiert und die Gedenk­ta­fel gestif­tet. Zur Ein­wei­hung der Tafel mit einer Gedenk­fei­er in der alten Turn­hal­le kam auch Adria­no Paß­qua­li1, des­sen Vater das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger über­leb­te, sich aber nie davon erhol­te. 220.000 bis 500.000 Sin­ti und Roma wur­den durch die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ver­fol­gung ermor­det.2

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen fin­den sich auf: http://www.gedenkbuch-wuppertal.de/de/sinti-und-roma-wuppertal


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Zwangsarbeiter-Durchgangslagers “Am Giebel”

Die Gedenk­ta­fel, im Hin­ter­grund sieht man eine North Ame­ri­can T-6. Es han­delt sich um ein ame­ri­ka­ni­sches Trai­nings­flug­zeug, das sowohl von den Bri­ten als auch von des US Air Force wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs zur Aus­bil­dung ver­wen­det wur­de. 1957 bil­de­te auch die Bun­des­luft­waf­fe ihre Pilo­ten auf dem Modell aus. Die­ses tat dort aber kei­nen Dienst und trug erst ab 1972 die Ken­nung D-FABY.

Am 17. April 2015 jähr­te sich das Kriegs­en­de in Wup­per­tal, der unblu­ti­ge Ein­marsch der ame­ri­ka­ni­schen Armee, zum 70. Mal. In zahl­rei­chen Akti­vi­tä­ten wur­de dar­an erin­nert, unter ande­rem mit der Ein­wei­hung einer Erin­ne­rungs­ta­fel im Indus­trie­ge­biet Möbeck, wo im Zwei­ten Welt­krieg ein Durch­gangs­la­ger für Zwangs­ar­bei­ter und Zwangs­ar­bei­te­rin­nen exis­tiert hat­te. 1 Der Ver­ein zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gung hat­te zur Ein­wei­hung unter ande­rem ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­ter aus dem nie­der­län­di­schen Roer­mond ein­ge­la­den.2


Zusätz­lich zur Gedenk­ta­fel ist noch die­se Skulp­tur ange­bracht.

Wie gegen­wär­tig bei zahl­rei­chen Gedenk­ta­feln üblich, ist der Text­an­teil sehr hoch und ver­sucht anstatt zu erin­nern zu erklä­ren, da die Zeit­ge­nos­sen fast alle nicht mehr leben und man der Ver­klä­rung ent­ge­gen­tre­ten will. Neben dem eigent­li­chen Text zeigt die Gedenk­ta­fel noch einen Lage­plan, eine Zeich­nung einer Bara­cke des Lagers und Namen der hier gestor­be­nen Zwangs­ar­bei­ter.


Die Gedenk­ta­fel.

Laut Tafel war das Lager vor sei­ner Nut­zung als Durch­gangs­la­ger ein städ­ti­sches Obdach­lo­sen­asyl für etwa 230 Per­so­nen und wur­de in der Wirt­schafts­kri­se ein­ge­rich­tet. 1940 wur­de es als Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger genutzt und mit 1200 sowje­ti­schen und fran­zö­si­schen Sol­da­ten belegt. Anfang 1942 wur­de es dann zu einem von 50 Durch­gangs­la­gern im Reich, in dem zunächst rus­si­sche Zwangs­ar­bei­ter unter­ge­bracht wur­den. Über 125.000 Men­schen wur­den von hier zur Zwangs­ar­beit ver­teilt, die Bedin­gun­gen waren kata­stro­phal und men­schen­ver­ach­tend. 135 Men­schen und cir­ca 40 Kin­der star­ben an die­sem Ort. Die Zwangs­ar­bei­ter wur­den auch zur Ent­trüm­me­rung von bom­bar­dier­ten Stadt­tei­len ein­ge­setzt, hat­ten aber kein Anrecht auf Schutz in den Bun­kern, was zur einem star­ken Anstieg der Todes­ra­te ab 1942 führ­te.


In der Bro­schü­re “Ver­ges­se­ne Orte. Eine Tras­sen­tour auf den Spu­ren der NS-Zeit in Wup­per­tal”, fin­den sich eini­ge Zeit­zeu­gen­be­rich­te. Der Aus­schnitt von Evge­ni­ja Iva­nov­na M. sei hier zitiert:

Das Lager war drei­rei­hig mit Sta­chel­draht umzäunt, durch den Strom floss, da stan­den Poli­zis­ten, die uns stän­dig schlu­gen, aber unter uns Ost­ar­bei­tern waren Muti­ge, die aus dem Lager flo­hen. Aber sie wur­den alle gefan­gen und in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gesteckt. Wir haben nichts mehr von ihnen gehört und sie bis heu­te nicht wie­der­ge­se­hen. Als wir im Lager Gie­bel waren, arbei­te­ten wir bei der Trüm­mer­räu­mung in Wup­per­tal, Elber­feld, Voh­win­kel, Rem­scheid, Bar­men, Ober­bar­men usw. Nach Bom­bar­die­run­gen räum­ten wir Rui­nen, repa­rier­ten Stra­ßen und Stra­ßen­bah­nen. Wäh­rend der Bom­bar­die­run­gen wur­den wir nicht in den Bun­ker gelas­sen, die Bewoh­ner selbst schlu­gen uns, trie­ben uns hin­aus und brüll­ten uns an ‚Jude‘.“3


Aus­schnitt des Lager­plans.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Yzchok-und-Rita-Gerszt-Gedenktafel

In der Woche vom 19.–25. Juni 2008 war auf Ein­la­dung des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gung im Wup­per­tal e.V. Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man, die Toch­ter der Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fer  gegen das NS-Regime, Yzchok und Rita Gerszt, zu Gast in Wup­per­tal.1 Der Kon­takt zu ihr war über den His­to­ri­ker Ste­phan Stra­cke zustan­de gekom­men, der wäh­rend sei­ner For­schun­gen2 zu den Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts-pro­zes­sen auf das Schick­sal des kom­mu­nis­ti­schen und jüdi­schen Ehe­paars gesto­ßen war und zufäl­lig im Inter­net die Adres­se der Toch­ter gefun­den hat­te.3 Im fer­nen Ore­gon in den USA war man natür­lich über­rascht und zunächst auch skep­tisch, wie denn das Land der Täter heu­te mit ihnen umge­hen wür­de. Zusam­men mit ihrer Toch­ter und ihrem Schwie­ger­sohn wag­te Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man die Rück­kehr in ihre Geburts­stadt, in der ihren Eltern so viel Unrecht wider­fah­ren war. Wäh­rend ihrer Zeit in Wup­per­tal nahm Ste­pha­nie Dou­glas-Fur­man an der Gedenk­fei­er am Mahn­mal des KZ Kem­na teil und besuch­te auch ihr altes Wohn­haus in der Rei­ter­stra­ße Nr.3.4 In die­sem Rah­men wur­de im Juni 2008 eine Gedenk­ta­fel für ihre Eltern gegen­über des Hau­ses ange­bracht.


Die Gedenk­ta­fel für Yzchok und Rita Gerszt. Foto­gra­fiert am 5. Febru­ar 2012.

Die Gedenk­ta­fel zeigt unter der Über­schrift:

 “In Erin­ne­rung an die
Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fe­rIn­nen
Yzchok und Rita Gerszt.

eine Foto­gra­fie des Ehe­paars und erklärt: “[Lin­ke Spal­te]

Die Fami­lie leb­te mit ihrer Toch­ter Ste­pha­nie bis 1936 in der Rei­ter­stra­ße 3.
Yzchok und Rita Gerszt waren im jüdi­schen Arbei­ter-Kul­tur­ver­ein und in der KPD orga­ni­siert und betei­lig­ten sich am Wider­stands­kampf gegen die Natio­nal­so­zia­lis­ten.
Yzchok Gerszt wur­de am 30.Juni 1936 ver­haf­tet und in den “Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­sen” zu 4 Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt. Nach der Haft im Zucht­haus
Sieg­burg wur­de er nach Aus­schwitz depor­tiert. Dort wur­de er auf dem Todes­marsch am 13.Januar 1943 ermor­det.
Rita Gerszt floh mit ihrer 5 jäh­ri­gen Toch­ter nach Bel­gi­en, wur­de dort aber von der Gesta­po ver­haf­tet. Das 5 jäh­ri­ge Kind Ste­pha­nie Gerszt konn­te recht­zei­tig weg­lau­fen und über­leb­te das drit­te Reich ver­steckt in Wai­sen­häu­sern in Bel­gi­en. Rita Gerszt wur­de u.a. im KZ Ravens­brück inhaf­tiert und am 29.Mai 1942 in der Ver­ga­sungs­an­stalt Bern­burg ver­gast.”


Eine aus­führ­li­che­re Bio­gra­phie fin­det sich im offe­nen Bür­ger­an­trag des Ver­eins zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung zur Umbe­nen­nung der Trep­pe an der Rei­ter­stra­ße (s.u.):


Dem­nach kam der am 16.Oktober 1901 in Polen gebo­re­ne Yzchok Gerzst 1920 nach Deutsch­land. Er arbei­te­te als Schnei­der und Rei­sen­der (Ver­tre­ter) für eine Her­ren­schnei­de­rei und mach­te sich spä­ter mit einer Lohn­schnei­de­rei selbst­stän­dig. 1924 trat er in die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei ein und enga­gier­te sich im Vor­stand des jüdi­schen Arbei­ter-Kul­tur-Ver­eins, der sei­nen Sitz an der Klotz­bahn hat­te. Ab 1931 arbei­te­te er unter ande­rem mit den Wup­per­ta­ler Wider­stands­kämp­fern Ewald Fun­ke,
Jukiel Gil­berg, Karl Ibach und Fried­rich Sen­ger im AM-Appa­rat (Abtei­lung Mili­tär­po­li­tik) der KPD.5 Der AM-Appa­rat war die nach­rich­ten­dienst­li­che Orga­ni­sa­ti­on der KPD, die von den Ver­haf­tungs­wel­len nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten kaum betrof­fen war und im Unter­grund wei­ter gegen das NS-Regime kämpf­te. 6 Zu den Auf­ga­ben Gerszts gehör­te es zum Bei­spiel Kon­tak­te zu anti­na­zis­ti­schen Poli­zei­be­am­ten auf­zu­neh­men. Ab 1933 orga­ni­sier­te das Ehe­paar Geld­samm­lun­gen bei jüdi­schen Sym­pa­thi­san­ten zur Finan­zie­rung der AM und Tref­fen des ille­ga­len Appa­rats. Am 30.Juni 1936 wur­de er bei der drit­ten Ver­haf­tungs­wel­le im Rah­men der Gewerk­schafts­pro­zes­se ver­haf­tet7 (zu den Pro­zes­sen sie­he auch den Ein­trag zum Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die Wup­per­ta­ler Gewerk­schafts­pro­zes­se). Der gesam­te AM-Appa­rat wur­de von der Gesta­po zer­schla­gen.8 Aus­sa­gen von ande­ren Häft­lin­gen belas­te­ten Gerszt und er wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm zu 4 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt, die er zunächst in Her­ford und Sieg­burg ver­brach­te.


Rita Gerszt blieb mit der vier Mona­te alten Toch­ter Ste­pha­nie zurück und muss­te allein die um sich grei­fen­de Demü­ti­gung, Aus­gren­zung und Ter­ro­ri­sie­rung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung ertra­gen. Am 30.Juni 1939 erhielt sie einen Aus­wei­sungs­be­scheid. Die Bit­te, ihren Mann vor­zei­tig zu ent­las­sen, um mit ihm und dem Kind in die USA aus­wan­dern zu kön­nen, wo Ver­wand­te für ihn gebürgt hat­ten, um ein Ein­rei­se­vi­sum zu erhal­ten, wur­de abge­schla­gen. 1939 wur­de Rita vier Wochen inhaf­tiert und floh nach der Frei­las­sung nach Bel­gi­en, wo ihre Schwes­ter, Hele­ne Man­del­baum, mit ihrem Mann und den Kin­dern in Brüs­sel wohn­te. Nach­dem die Deut­schen auch Bel­gi­en besetzt hat­ten, orga­ni­sier­te Rita für sich und ihr Kind ein siche­res Ver­steck, doch bei der Ver­ab­schie­dung von Freun­den wur­de sie von der Gesta­po ver­haf­tet. Ste­pha­nie konn­te im Durch­ein­an­der flie­hen und fand nach lan­gem Umher­ir­ren die Woh­nung ihrer Tan­te wie­der. Die­se brach­te sie mit­hil­fe des “Comi­te de defen­se des juifs” unter fal­schem Namen in einem Wai­sen­haus in Forest unter. Rita Gerszt wur­de nach Düs­sel­dorf gebracht und dort wegen angeb­li­cher Devi­sen­ver­ge­hen zu vier Mona­ten Haft ver­ur­teilt und saß vom 7. Juni 1940 bis zum 9. Okto­ber 1940 im Gefäng­nis. Anschlie­ßend kam sie an das KZ Ravens­brück, wo sie laut dem Gedenk­buch für die Opfer von Ravens­brück unter dem Namen Rita Gero­zt am 29.Mai 1942 in der T4 Anstalt  Bern­burg wäh­rend der “Akti­on 14f13” ermor­det wur­de. Die amt­li­chen Anga­ben geben als Todes­da­tum den 30.Juni 1942 an. Nach dem Ende sei­ner Gefäng­nis­stra­fe wur­de Yzchok Gerszt in “Schutz­haft” genom­men und nach Ausch­witz depor­tiert. Dort durch­litt er ein Mar­ty­ri­um und wur­de auf einem Todes­marsch kurz vor der Befrei­ung durch die Rote Armee am 13.Januar 1945, so die Ster­be­ur­kun­de, ermor­det.


Die Toch­ter des Ehe­paars über­leb­te den Zwei­ten Welt­krieg, wur­de 1944 von Alli­ier­ten Trup­pen befreit und kam in ein Wai­sen­haus einer jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on, die die Wai­sen­kin­der auf die Ein­wan­de­rung nach Isra­el vor­be­rei­te­te. Kurz vor der Abrei­se nach Paläs­ti­na mel­de­te sich Geor­ge Gerszt, ein Onkel aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, und sorg­te dafür, dass sie im Juni 1948 in die USA ein­rei­sen konn­te.9


Im Rah­men des Besuchs von Ste­pha­nie Gersz in Wup­per­tal im Juni 2008 bean­trag­ten die Grü­nen mit Unter­stüt­zung des Ver­eins zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gun­gen im Wup­per­tal e.V die Benen­nung der an das Haus Rei­ter­stra­ße 3 gren­zen­den Trep­pe zur Pla­teni­us­stra­ße in “Gerszt-Trep­pe”.10Der Antrag wur­de ein­stim­mig, also auch von den Grü­nen, abge­lehnt. Aus dem Pro­to­koll:


Der Bezirks­bür­ger­meis­ter teilt mit, dass nach Rück­spra­che mit dem zustän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter drin­gend davon abge­ra­ten wer­de, die­se Benen­nung zu beschlie­ßen. So sei die­se Fami­lie nur eine von ca. 1200 ermor­de­ten Fami­li­en in Wup­per­tal. Sich hier­von eine her­aus zu suchen, sei nicht rat­sam.” 11


Die­se Begrün­dung ist unver­ständ­lich, da die Bezirks­ver­tre­tung in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ein­stim­mig beschlos­sen hat­te, eine Trep­pe am Osters­baum nach dem Elber­fel­der Rab­bi­ner Dr.Joseph Nor­den zu benen­nen — auch “nur” einer von vie­len Ermor­de­ten aus Wup­per­tal.12 Dem­entspre­chend wand­te sich der Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung in einem offe­nen Bür­ger­an­trag gegen die­se Ent­schei­dung und for­der­te mit zahl­rei­chen Unter­zeich­nern eine “Rita und Yzchok Gerszt-Trep­pe”.13
Am 25.Oktober 2008 wur­den vor dem Haus Reiterstr.3 zwei Stol­per­stei­ne für das Ehe­paar Gerszt ver­legt.14

Ergän­zung vom 17.Juni 2012: 
Eigent­lich hät­te man das vor der Ver­öf­fent­li­chung noch mal machen kön­nen, aber dar­an habe ich nicht gedacht. Die Gedenk­ta­fel, die ich am 5.Februar 2012 foto­gra­fiert habe, ist heu­te nicht mehr an Ort und Stel­le. (17. Juni 2012)

Sie­he auch die Ein­trä­ge zu Rita und Yzchok Gerszt im Gedenk­buch Wup­per­tal:

Rita GersztYzchok Gerszt

Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

Das Mahn­mal für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus im Deweerth­schen Gar­ten.

Am 15.November 1958 wur­de im Deewerth­schen Gar­ten das Mahn­mal für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Wup­per­tal ein­ge­weiht. Es war der Abend vor dem Volks­trau­er­tag. Bereits seit 1949 plan­te man an der Stel­le des Denk­mals eine Erin­ne­rungs­stät­te “für die Opfer des Nazi-Regimes”. Das Mahn­mal am west­li­chen Ende des Lui­sen­vier­tels besteht aus einer Skulp­tur des Bie­le­fel­der Bild­hau­ers Her­bert Vol­wah­sen und dem ehe­ma­li­gen Denk­mal­so­ckel des Kai­ser-Wil­helm-Denk­mals. Die Skulp­tur von vier Metern Höhe besteht aus Würz­bur­ger Muschel­kalk und stell­te eine lei­den­de, gebeug­te Per­son dar.


Skulp­tur von Her­bert Voh­wah­sen. Dahin­ter die Auf­schrift: “Der Mensch sei Mensch.”

Ober­bür­ger­meis­ter Her­mann Her­berts erin­ner­te bei der Ein­wei­hung an die Wup­per­ta­ler Ver­folg­ten, wie dem Sozi­al­de­mo­krat Fritz Sen­ger, Bern­hard Let­ter­haus und auch an die 3000 Mit­glie­der zäh­len­de jüdi­sche Gemein­de. Ihnen allen wur­de der Stein gewid­met, der zugleich mah­nen soll­te, dass Men­schen nicht unge­straft den Miß­brauch der Macht dul­den dürften.Im Mai 1950 wur­de der Sockel bereits mit zwei Inschrif­ten ver­se­hen:



Der
Mensch
sei
Mensch”

Den Opfern des
Natio­nal­so­zia­lis­mus
die
Stadt Wup­per­tal”


1957 wünsch­te die SPD-Frak­ti­on im Rat dann eine Erwei­te­rung des Mahn­mals und der Rat stell­te 12.500 DM zur Ver­fü­gung. Man ent­schied sich für Vol­wah­sens Skulp­tur und der Rat bewil­lig­te die Mehr­kos­ten von 26.000 DM.

Am 5. Juli 1973 beschloss der Rat dem Mahn­mal eine Inschrift zum KZ Kem­na hin­zu­zu­fü­gen. Sie lau­tet:
“K-Z Kem­na
5.Juli 1933-
19.Jan. 1934“1
Gesamt­an­sicht des Mahn­mals vor dem Deweerth’schen Gar­ten. An die­ser Sei­te befin­det sich Inschrift zum KZ Kem­na.

Das Mahn­mal steht am Deweerth’schen Gar­ten in unmit­tel­ba­rer Nähe der Vil­la Fro­wein, in der von 1938 — 1945 der Sitz der Kreis­lei­tung der NSDAP war.


Mahn­mal und Vil­la Fro­wein.

Ergän­zung vom 25.07.2011:
Inzwi­schen wur­de das Denk­mal um eine Gedenk­ta­fel erwei­tert. (Sie­he Ein­trä­ge zur Pla­nung und zur pro­vi­so­ri­schen Ent­hül­lung am 15.April 2011) An der noch frei­en Sei­te zum Deweerth­schen Gar­ten hin wur­de die Tafel mit 3100 Namen der Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus ange­bracht und von Ober­bür­ger­meis­ter Jung am 20. Juli 2011 ein­ge­weiht. In der Fei­er­stun­de erin­ner­te man mit Kranz­nie­der­le­gun­gen an den Wider­stand gegen das Nazi-Regime. Ein­ge­la­den wur­de zu der Gedenk­ver­an­stal­tung von der Stadt Wup­per­tal, der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­de und der Gesell­schaft für Christ­lich-Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit.2Der Rat der Stadt hat­te die Anbrin­gung am 18.07.2011 ein­stim­mig gebil­ligt.3


Das Mahn­mal für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus mit der neu­en Tafel, 25.07.2011.

Die Auf­stel­lung der Tafel wur­de initi­iert vom Ver­ein zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gun­gen im Wup­per­tal e.V. und finan­ziert von Zuwen­dun­gen der Stif­tung Erin­ne­rung, Land­au, der Stif­tung Kalk­wer­ke Oetels­ho­fen, des Bun­des­pro­gram­mes „Viel­falt tut gut“ und der Stadt­spar­kas­se Wup­per­tal. 4 Das Beson­de­re und Ein­zig­ar­ti­ge an der Tafel, die 2,20 Meter in der Höhe und 1,20 Meter in der Brei­te misst,  ist die unein­ge­schränk­te und unsor­tier­te Auf­zäh­lung der Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus, das ein­zi­ge Ord­nungs­kri­te­ri­um war das Alpha­bet.


Jeder Name steht für ein Schick­sal.

Detail­an­sicht

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te