Gedenktafel zur Erinnerung an zwei Wupperhochwasser

Man muss sich schon her­ab­beu­gen, um die Schrift gut lesen zu kön­nen.

Die klei­ne Serie zu Denk­mä­lern und Erin­ne­rungs­zei­chen, über die kaum Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen, geht heu­te wei­ter mit einer ganz zen­tral lie­gen­den Gedenk­ta­fel, die aller­dings vie­len noch nicht auf­ge­fal­len sein dürf­te. Die klei­ne unschein­ba­re Tafel am Von der Heydt-Muse­um, an der Ecke Wall/Turmhof, erin­nert ganz schlicht an zwei gro­ße Hoch­was­ser im Wup­per­tal und mar­kiert den Stand des Was­sers an die­ser Ecke des alten Elber­fel­der Rat­hau­ses.
Die obe­re Mar­kie­rung zeigt den Was­ser­stand am 24. Novem­ber 1890, die dar­un­ter­lie­gen­de den Stand am 28. März 1845.

Seit wann die­se Tafel dort ihren Platz hat — offen­sicht­lich nach 1890 — ist unbe­kannt. In einem Arti­kel, der am 14. Febru­ar 1953 erschien, berich­te­te der Gene­ral-Anzei­ger über das Hoch­was­ser von 1890, in des­sen Fol­ge die Wup­per kana­li­siert wur­de, und erklärt, dass man die Was­ser­stän­de heu­te noch an den Hoch­was­ser­mar­ken am alten Elber­fel­der Rat­haus erken­nen könne.Damit dürf­te die obi­ge Tafel gemeint sein.

 

Die Sitzende

Anfang des Jah­res 1957 wur­de die Schwimm­oper auf dem Johan­nis­berg als neu­es Stadt­bad errich­tet. Im sel­ben Jahr über­leg­te man sich, dem neu­en Bau eine Plas­tik hin­zu­zu­fü­gen und ließ sich von nam­haf­ten Künst­lern Ent­wür­fe vor­le­gen. Zur Ver­wirk­li­chung stan­den 50.000 — 55.000 DM zur Ver­fü­gung und schließ­lich ent­schied man sich für die Plas­tik “Die Sit­zen­de” von Hen­ry Moo­re. Die gefor­dert Sum­me von 78.000 DM konn­te dadurch gesenkt wer­den, dass Moo­re zwei wei­te­re Kopi­en anfer­ti­gen und ver­kau­fen durf­te, aller­dings nicht nach Deutsch­land. So senk­te sich der Preis auf 50.000 DM. Die bei “Sus­se Fon­deu­er” in Paris gegos­se­ne Figur kam dann am 11. Okot­ber 1958 anläss­lich der Wie­der­eröff­nung der ehe­ma­li­gen Ruh­mes­hal­le als Bar­mer Haus der Kunst (heu­te Haus der Jugend) zum ers­ten Mal nach Wup­per­tal, da über die Her­stel­lung des fünf­stu­fi­gen Podes­tes an der Süd­sei­te der Schwimm­oper noch Unklar­heit bestand. Im Som­mer 1959 ver­lie­hen die dama­li­gen Besit­zer der Skulp­tur, die Wup­per­ta­ler Stadt­wer­ke, “die Sit­zen­de” an die Docu­men­ta 2 in Kas­sel. Am 20. Novem­ber kehr­te sie ins Tal zurück und wur­de am 24. Novem­ber 1959 offi­zi­ell der Öffent­lich­keit über­ge­ben. Die Reak­tio­nen waren aus­ge­spro­chen nega­tiv, in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezem­ber wur­de die Plas­tik sogar geteert und gefe­dert. In einem zurück­ge­las­se­nen Brief bedau­er­ten die Täter, dass man aus der Skulp­tur nicht 100 Brat­pfan­nen gemacht hät­te.


Die Sit­zen­de vor dem Schau­spiel­haus, vor 1974. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.8.10

Ende des Jah­res 1963 schenk­ten die Stadt­wer­ke die Plas­tik mit dem offi­zi­el­len Titel “Gro­ße Sit­zen­de Gewand­fi­gur” (Dra­ped sea­ted woman) dem Kunst- und Muse­ums­ver­ein unter der Maß­ga­be, einen neu­en Stand­ort zu fin­den. 1966 fand sie dar­auf­hin ihren Platz vor dem neu­eröff­ne­ten Schau­spiel­haus.1
Im März 1998 wur­de die Plas­tik in einer Retro­spek­ti­ve Moo­res im Kunst­his­to­ri­schen Muse­um in Wien aus­ge­stellt und vor­her restau­riert. Bereits bei ihrer Abrei­se wur­de der Stand­ort vor dem her­un­ter­ge­kom­me­nen Schau­spiel­haus in Fra­ge gestellt.2 Schon im August statt wie geplant im Sep­tem­ber kehr­te Die Sit­zen­de nach Wup­per­tal zurück und fand nun ihren Platz im Foy­er des Von der Heydt-Muse­um.3 Im Früh­jahr 2010 kehr­te sie dann zur Schwimm­oper zurück, aller­dings wur­de sie nun, um sie vor sau­rem Regen und Van­da­lis­mus zu schüt­zen, im neu­ge­stal­te­ten Ein­gangs­be­reich auf­ge­stellt.4


Die Sit­zen­de im Ein­gangs­be­reich der Schwimm­oper.

Die dazu­ge­hö­ri­ge Pla­ket­te.

Vom 9. April bis zum 9. Okto­ber 2016 ist die Sit­zen­de Teil der Hen­ry-Moo­re-Aus­stel­lung im Skulp­tu­ren­park Wald­frie­den.5


Posi­ti­on des Kunst­werks auf der Kar­te


Die Elberfelder Löwen

1831–33 schuf der Bild­hau­er Wil­helm Joseph Imhoff nach einem Modell von Chris­ti­an Dani­el Rauch zwei schrei­ten­de, bron­ze­ne Löwen für die Frei­trep­pe des neu­en Elber­fel­der Rat­hau­ses, des heu­ti­gen von-der-Heydt-Muse­ums. Inzwi­schen haben dort Skulp­tu­ren von Tony Craig ihren Platz gefun­den. Gegos­sen wur­den sie in der Gute­hoff­nungs­hüt­te in Ober­hau­sen. Durch ein instal­lier­tes Gas­rohr konn­ten sie zum fest­li­chen Ereig­nis Feu­er spei­en.


Die Löwen sind auf die­ser Foto­gra­fie am Ein­gang des Alten Elber­fel­der Rat­hau­ses zu erah­nen. Samm­lung  Unte­re Denk­mal­be­hör­de. (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Eine Anek­do­te erzählt, dass der Bild­hau­er, als er die Löwen nach Elber­feld brach­te, plötz­lich 800 statt den ver­ein­bar­ten 440 Talern ver­lang­te, wor­auf der Ober­bür­ger­meis­ter Brü­ning die Annah­me ver­wei­ger­te. Der Bild­hau­er stell­te die Löwen drauf­hin in einer Bret­ter­bu­de an der Schloß­blei­che aus und warb für eine Kunst­aus­stel­lung. Ein­tritts­preis: 5  Sil­ber­gro­schen, Kin­der die Hälf­te. Angeb­lich konn­te der Bild­hau­er so doch sei­nen Preis erzie­len und über­gab die Löwen an die Stadt Elber­feld.


Brül­len­der Löwe

1877 beschloß die Stadt­ver­ord­ne­ten-Ver­samm­lung die Löwen dort zu ent­fer­nen, da sie den Ver­kehr zu sehr stör­ten. Sie wur­den für zehn Jah­re in einem Lager­haus am Neu­en­teich unter­ge­stellt und 1887 am Ein­gang der neu­en Bade­an­stalt am Brau­sen­werth (Döp­pers­berg) wie­der auf­ge­stellt. Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den die Löwen beschä­digt und beim Abtrans­port zum neu­en Stand­ort am Zoo­lo­gi­schen Gar­ten wur­de einer dann voll­stän­dig zer­stört.1

Der  über­le­ben­de Löwe fand dann bei der Fir­ma Blum­hardt (durch den Ein­satz von Inha­ber Gün­ter Muth­mann2) ein neu­es zu Hau­se3, blieb aber im Besitz der Stadt.4 Genera­tio­nen von Lehr­lin­gen küm­mer­ten sich bei Blum­hardt um den Löwen. Eine der ers­ten Maß­nah­men war die “Trans­plan­ta­ti­on” des Schwan­zes des zer­stör­ten Löwen, da der Über­le­ben­de sei­nen ein­ge­büßt hat­te.5


Der über­le­ben­de Löwe auf dem Gelän­de der Fir­ma Blum­hardt in Voh­win­kel. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de (Hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

1965 erhielt der Bild­hau­er Joa­chim Wolf-Mül­ler von der Stadt Wup­per­tal den Auf­trag vom geret­te­ten Löwen und den Über­res­ten des ande­ren Abdrü­cke zu neh­men und die Löwen wie­der­auf­er­ste­hen zu las­sen. Man ent­schied sich die Löwen vor der Bun­des­bahn­di­rek­ti­on auf­zu­stel­len. Mit dem  Guss der neu­en Löwen bei August Bischof in Düs­sel­dorf kos­te­ten die neu­en Löwen 38.000 DM, zusätz­lich muss­ten noch 16.000 DM für die Auf­stel­lung bezahlt wer­den. Am 8. Juni 1967 wur­den die Löwen auf­ge­stellt.


Die Löwen vor der ehem. Bun­des­bahn­di­rek­ti­on.

Der rech­te Löwe in vol­ler Grö­ße.

Es ist zu hof­fen, dass die­se schö­nen Tie­re mit dem neu­en Döp­pers­berg ein bes­se­res Umfeld bekom­men, vor dem ver­gam­mel­ten Ein­gang zur leer­ste­hen­den Reichs­bahn­di­rek­ti­on und der schlag­loch­über­säh­ten Zufahrt zum Taxi­war­te­platz am Haupt­bahn­hof sieht es aus, als hät­te man ver­ges­sen sie abzu­ho­len.6


1993 erklär­te der Bru­der und Erbe des Ret­ter des Löwen, Wil­helm Muth­mann, dass er den Löwen nicht wei­ter pfle­gen kön­ne und for­der­te die Stadt auf, sich end­lich um ihren Besitz zu küm­mern,7 nach­dem bereits 1990 ein sol­cher Auf­ruf vom Vor­sit­zen­den des Ber­gi­schen Geschichts­ver­eins, Dr. Micha­el Met­schies, unge­hört ver­hallt war.8 Die Stadt reagier­te dies­mal und zeig­te sich einer erneu­ten Auf­stel­lung gegen­über auf­ge­schlos­sen, sah sich aber nicht im Stan­de die Instand­set­zungs­kos­ten von 150.000 DM auf­zu­brin­gen. Aller­dings scheint sich hier ein Feh­ler ein­ge­schi­chen zu haben, da die Restau­rie­rung spä­ter sehr viel weni­ger Kos­ten ver­ur­sach­te.9 Am 13.November 1993 nahm die WZ schließ­lich die Sache in die Hand und rief zur Akti­on “Ret­tet den Löwen auf”. Unter­stützt vom Kul­tur­amt und der Stadt­spar­kas­se konn­ten die Leser “Löwen­an­tei­le” in Höhe von 20 und 50 DM erwer­ben und über den zukünf­ti­gen Stand­ort abstim­men. Zur Debat­te stan­den der Zoo, der von-der-Heydt-Platz, die Stadt­hal­le oder ein ande­rer Ort. Mit­hil­fe der Spen­den soll­te dem Rost der Kampf ange­sagt wer­den, der aus einem Loch im Bauch des Löwen rie­sel­te. Außer­dem war die Struk­tur einer Pran­ke bereits ver­lo­ren und der Kopf not­dürf­tig geflickt.10 Inner­halb weni­ger Wochen gin­gen bis zum 4.Dezember 1993 14.000 Mark in Löwen­an­tei­len ein, dazu noch grö­ße­re direk­te Spen­den auf ein Spen­den­kon­to. Der größ­te Teil der benö­tig­ten Sum­me war damit bereits vor­han­den.11 Sil­ves­ter 1993 konn­te die WZ schließ­lich ver­mel­den: “Ber­gi­scher Löwe geret­tet”. 20.000 DM waren gespen­det wor­den, das meis­te über die “Löwen­an­tei­le”. Der Metall­bild­hau­er Rai­mund Kittl, der zuvor bereits des Denk­mal Wil­helms I. am Deut­schen Eck in Koblenz restau­riert hat­te, wur­de mit der Instand­set­zung beauf­tragt.12 Am 7.Mai 1994 ver­ließ der Löwe Voh­win­kel gen Düs­sel­dorf, um in der Gie­ße­rei Kittl repa­riert zu wer­den.13 Am 22.Oktober 1994 um 11 Uhr wur­de der Löwe schließ­lich wie­der in Wup­per­tal mit einem Fest emp­fan­gen. Sein neu­er Stand­ort: der Wil­ly-Brandt-Platz hin­ter dem Rat­haus.14


Der “über­le­ben­de” Löwe von 1833. Der Rücken trägt die Spu­ren zahl­rei­cher gro­ßer und klei­ner Kin­der, die ihn als Reit­tier benut­zen.

Er soll­te viel­leicht grim­mi­ger gucken…

Inschrift.

Auf dem neu­en Pos­ta­ment wur­de eine klei­ne Pla­ket­te ange­bracht:

Ber­gi­scher Löwe, 1833
Chris­ti­an Dani­el Rauch (1777–1857)
1993/94 restau­riert mit Hil­fe von Spen­den der
Wup­per­ta­ler Bevöl­ke­rung auf­grund einer
Initia­ti­ve der West­deut­schen Zei­tung und der
Stadt­spar­kas­se Wup­per­tal

Okto­ber 1994”


Ergän­zung vom 15.01.2015:
Mit­te Janu­ar 2015 wur­den die Löwen an der ehe­ma­li­gen Bun­des­bahn­di­rek­ti­on im Zuge des Umbaus des Döp­pers­berg ent­fernt und ein­ge­la­gert.15