Das Hindenburg-Denkmal (Langemarck-Denkmal)(Hindenburg-Brunnen) in Barmen

Ver­mut­lich eine der Wer­be­post­kar­ten, mit deren Kauf man den Bau des Denk­mals unter­stüt­zen konn­te. Gelau­fen am 22.12.1915, auf der Rück­sei­te ist ver­merkt: “Aus­stel­lung für Kriegs­wohl­fahrts­pfle­ge im Fel­de und in der Hei­mat — Bar­men, im Dezem­ber 1915”. (Bild ergänzt am 28.12.2013.)

Im Juli des Jah­res 1917 wur­de am Ende der heu­ti­gen Stre­se­mann­stra­ße das Hin­den­burg-Denk­mal fer­tig gestellt und ohne Zere­mo­nie der Öffent­lich­keit über­ge­ben. An die­sem Stand­ort an der ehe­ma­li­gen Bahn­hof­stra­ße stand bis 1913 der alter Bar­mer Bahn­hof, des­sen Nach­fol­ge­bau von 1914 bis 1916 weni­ger Meter wei­ter west­lich erbaut wur­de und dort bis heu­te zu fin­den ist. 1915 such­te man für die Stra­ße einen wür­di­gen Abschluss zur Eisen­bahn­stre­cke und ent­schied sich für den Bau eines Denk­mals für den dama­li­gen Gene­ral­feld­mar­schall Paul von Hin­den­burg, der als Ber­fehls­ha­ber der 8.Armee in der Schlacht bei Allen­stein (spä­ter Schlacht von Tan­nen­berg genannt) Ende August 1914 den rus­si­schen Ein­marsch in Ost­preu­ßen vor­erst zurück schlug. Die Schlacht von Tan­nen­berg wur­de im Lau­fe des Ers­ten Welt­kriegs mythisch über­höht und mas­siv zu Pro­pa­gan­da­zwe­cken genutzt. Dies geschah auch mit der Schlacht bei den Masu­ri­schen Seen im Sep­tem­ber und der Win­ter­schlacht bei den Masu­ri­schen Seen,in denen die Bedro­hung Ost­preu­ßens durch die rus­si­schen Armee zer­schla­gen wer­den konn­te. Hin­den­burg wur­de im Novem­ber zum Gene­ral­feld­mar­schall und Ober­be­fehls­ha­ber Ost ernannt und von der Pro­pa­gan­da als Kriegs­held gefei­ert. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass man in Bar­men dem “Volks­hel­den” Hin­den­burg ein Denk­mal set­zen woll­te, wie es auch 1915 bereits auf der Elber­fel­der Königs­hö­he und am Laza­rett des Vater­län­di­schen Frau­en­ver­eins auf der Hardt gesche­hen war.


Eine ers­te Pla­nung des Denk­mals, ver­mut­lich aus der Bar­mer Zei­tung, vom 29.September 1915. Links und rechts, unter den anti­ken Hel­men soll­ten die Ehren­schil­de ange­bracht wer­den, dazwi­schen Wap­pen­schil­der der gro­ßen Schlach­ten Hin­den­burgs. Die Mau­er soll 3,20 Meter hoch sein, die Säu­le 10 Meter. Dar­auf soll­te ein Held einen Bären nie­der­rin­gen. Akte C II 42, Stadt­ar­chiv Wup­per­tal.

Mit dem Bau des Denk­mals eng ver­bun­den war die Nage­lung der Ehren­schil­de, die spä­ter am Denk­mal befes­tigt wer­den soll­ten. Aller­dings ist unklar, ob dies wirk­lich geschah. Ruth Mey­er-Kahr­weg ver­mu­tet, dass sie zum Schutz vor der Wit­te­rung in der Ruh­mes­hal­le unter­ge­bracht wur­den und dort 1943 ver­nich­tet wur­den.


Der “Hin­den­burg Brun­nen”, so lau­tet der Titel die­ser Post­kar­te aus dem Jahr 1918. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal.

Sowohl die Ehren­schil­der als auch die Figu­ren des Denk­mals schuf der in Elber­feld gebo­re­ne und in Ber­lin arbei­ten­de Bild­hau­er Paul Wyn­and. Im Mai 1916 began­nen die Arbei­ten am Hin­den­burg-Denk­mal und im Juli 1917 waren sie abge­schlos­sen. Die Kos­ten betru­gen 17.990 Mark. Das Denk­mal besteht aus einer Säu­le, die von einem ste­hen­den, ver­gol­de­ten Her­ku­les gekrönt war, der sich auf sein Schwert stütz­te. Zu sei­nen Füßen saß ein Adler. Dahin­ter befin­det sich eine hohe Sand­stein­wand, die links und rechts als Abschluss zwei “männ­li­che Kraft­ge­stal­ten” zeigt, wie die Pres­se damals fest­stell­te. Sie zei­gen links die zum Kampf berei­te und rechts die im Kampf ste­hen­de Jugend. Dazwi­schen ström­te aus zwei Löwen­kopfen Was­ser, sodass man auch von einem Hin­den­burg-Brun­nen sprach. An die­ser Rück­wand soll­ten auch die Ehren­schil­de ange­bracht wer­den. Die Inschrift an der Rück­wand, die vom Bar­mer Schrift­stel­ler Will Ves­per ver­fasst wor­den war, der auch die Inschrift am Krie­ger­denk­mal auf dem Bar­mer Ehren­fried­hof geschaf­fen hat­te, lau­te­te:

Erbaut im Jahr, da der Welt­krieg war, errich­tet zum Zei­chen, dass wir kei­ner / Not wei­chen. Dem Man­ne geweiht, der Füh­rer im Streit. Wo Hin­den­burg stand / war eine Mau­er ums Land. Die Ihr hier nun steht und vor­über geht, gedenkt / dar­an, was Man­nes­mut kann, was ein Schwert in deut­schen Hän­den wert!


Das rech­te Reli­ef der “Kraft­ge­stal­ten” heu­te.

Das lin­ke Reli­ef heu­te.

Die Bahn­hofs­stra­ße wur­de in den 1920er in Fritz-Ebert-Stra­ße und 1933 in Lan­ge­marck­stra­ße umbe­nannt. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg bestimm­ten die Anwei­sung Nr.30 des Alli­ier­ten Kon­troll­rats die Ent­na­zi­fi­zie­rung und Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung aller deut­schen Denk­mä­ler. Der Instand­set­zungs­aus­schuss der Stadt Wup­per­tal beschloss dar­auf­hin am 22.April 1947 die Ent­fer­nung der Inschrift und der Her­ku­les-Figur. Von einer Besei­ti­gung des Obe­lis­ken sah man ab.


Aus die­sem Löwen­mund floss einst das Was­ser des Brun­nens.

Im Lau­fe der Zeit ver­blass­te die Erin­ne­rung an die Stif­tung des Denk­mals für den Gene­ral­feld­mar­schall und spä­te­re Reichs­prä­si­den­ten und der Stand­ort an der Lan­ge­marck­stra­ße ließ das Denk­mal zum Lan­ge­marck­denk­mal wer­den. Bei Lan­ge­marck, so der Mythos, hat­ten jun­ge deut­sche Sol­da­ten am 10. Novem­ber 1914 unter Sin­gen des Deutsch­land­lie­des die ers­te Linie des Geg­ners über­rannt und 2.000 fran­zö­si­sche Sol­da­ten gefan­gen genom­men und sechs Maschi­nen­ge­weh­re erobert. Der Mythos basiert auf einer Falsch­mel­dung der Obers­te Hee­res­lei­tung. In Wahr­heit waren frisch aus­ge­ho­be­ne und unge­nü­gend aus­ge­bil­de­te deut­sche Regi­men­ter aus Frei­wil­li­gen und Reser­vis­ten von erschöpf­ten Fran­zo­sen zurück­ge­schla­gen wor­den, hat­ten kei­ne bedeu­ten­den Gelän­de­ge­win­ne erzielt und 2.000 Mann ver­lo­ren.


Die Spit­ze des Obe­lis­ken.

Die fal­sche Erin­ne­rung an das Denk­mal als Lan­ge­marck-Denk­mal wur­de 1976 im Ein­ver­ständ­nis mit dem Gar­ten- und Forst­amt durch den Stein­metz Man­fred Stöl­zel in den Sockel des Obe­lis­ken gemei­ßelt. Seit­dem steht dort zu lesen:

“Lan­ge­marck
1914“1
Die heu­ti­ge Inschrift aus dem Jahr 1976.

Heu­te ist das Denk­mal am Ende der Stre­se­mann­stra­ße von par­ken­den Autos und Recy­cling-Con­tai­nern umge­ben und ver­wil­dert. Der Zustand ist schlecht und es wirkt wie ein Fremd­kör­per in einer ver­kom­me­nen Umge­bung.


Das Denk­mal in sei­ner Umge­bung

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Kriegerdenkmal auf dem Ehrenfriedhof Barmen

Unda­tier­te, nicht gelau­fe­ne Post­kar­te, die die Auf­bah­rung von vier Gefal­le­nen in der Ruh­mes­hal­le und zwei Bil­der vom Ehren­fried­hof zeigt. An den vier Sär­gen leh­nen je zwei Krän­ze, im Hin­ter­grund sind jun­ge Bäu­me zu sehen. Vier Kan­de­la­ber ste­hen hin­ter den Sär­gen. Die Sta­tu­en der Kai­ser Fried­rich III., Wil­helm I. und Wil­helm II. (v.l.n.r) bli­cken auf die Sze­ne­rie. Links des Bil­des ist das Eiser­ne Kreuz am Band zu sehen, indem die Kro­ne, ein “W” und die Zahl 1914 (von oben nach unten) zu erken­nen sind. An der rech­ten Sei­te, ver­bun­den über die “Gir­lan­de” ist das Bar­mer Wap­pen zu sehen. Die bei­den unte­ren Bil­der zei­gen den geschmück­ten Ehren­fried­hof im Jahr 1914 mit eben­falls vier Grä­bern.

Der Ehren­fried­hof Bar­men wur­de bereits 1914 ange­legt und im sel­ben Jahr wur­den schon die ers­ten Gefal­le­ne bestat­tet. Der Fried­hof war der ers­te im Regie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf und wur­de ande­ren Städ­ten zur Nach­ah­mung emp­foh­len. Er liegt in den Bar­mer Anla­gen an der Löns­stra­ße, das Grund­stück war ein Geschenk der Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ei­nes. Wie die obi­ge Post­kar­te zeigt, wur­den die ers­ten Opfer des Krie­ges noch in der
Ruh­mes­hal­le auf­ge­bahrt. Ob man spä­ter wei­ter­hin die Gefal­le­nen, der ver­mut­lich in Bar­mer Laza­ret­ten ihren Ver­let­zun­gen erla­gen, vor der Sta­tue des Kriegs­her­ren päsen­tier­te und ehr­te, ist unklar, kann aber bezwei­felt wer­den.


Das Krie­ger­denk­mal auf eine unda­tier­ten Post­kar­te. Die Inschrift war noch deut­lich klei­ner als heu­te. (Bild ergänzt am 28.12.2013)

Der Ehren­fried­hof auf einer Fotof­gra­fie unbe­kann­ten Datums, am 14.2.1930 als Post­kar­te gelau­fen. Es zeigt den Ein­gang zum Ehren­fried­hof, auf dem Pos­ta­ment fehlt der Löwe, die Inschrift ist aber zu erken­nen. Mög­li­cher­wei­se stammt das Bild aus der Zeit der Her­rich­tung des “rich­ti­gen” Löwens im Jahr 1922.

Der Blick vom unte­ren Ein­gang des Ehren­fried­hofs auf den unte­ren Teil und das Krie­ger­denk­mal.

Der Ehren­fried­hof ist in drei Tei­le geteilt: Im unte­ren Teil sind die Grä­ber in Reih’ und Glied und dort steht das Krie­ger­denk­mal. Dar­an schließt sich im rech­ten Win­kel ein ter­ras­sen­ar­ti­ger Teil an, wo die Grä­ber eben­falls in Rei­hen vor den Mau­ern lie­gen. Im obe­ren Teil sind die Grä­ber in Krei­sen und sehr weit­läu­fig ange­ord­net, wäh­rend die spä­te­ren Grab­stel­len der Gefal­le­nen des Zwei­ten Welt­kriegs wie­der eng in Rei­hen gesetzt wur­den.

Das fol­gen­de Bild zeigt das Krie­ger­denk­mal genau­er. Die nie­der­ge­leg­ten Krän­ze stam­men vom Volks­trau­er­tag im Novem­ber. Auf dem Sockel thront ein Bar­mer Löwe, dar­un­ter ist eine uns heu­te bizarr vor­kom­men­de Inschrift ange­bracht.


Das Fun­da­ment des Löwen wur­de auf einem Last­wa­gen­mit 10 vor­ge­spann­ten Pfer­den zum Ehren­fried­hof geschafft. Umd as Krie­ger­denk­mal her­um ste­hen 10 Säu­len, die noch vor eini­gen Jah­ren ein offe­nes Dach, einem Wan­del­gang ähn­lich, tru­gen.

Der Löwe und die Inschrift.

Hier schwei­ge ein jeder von sei­nem Leid

und noch so gros­ser Not. Sind wir nicht
alle zum Opfer bereit und zu dem Tod.
Eines steht gross in den Him­mel gebrannt

Alles darf unter­ge­hen
Deutsch­land unser Kin­der und Vater­land,

Deutsch­land muss bestehen”


Am 30.September 1916 wur­de das Denk­mal anläss­lich der ers­ten Erwei­te­rung des Ehren­fried­hofs  vor­ge­stellt, aller­dings war es damals noch nicht fer­tig­ge­stellt. Der Löwe, geschaf­fen vom in Elber­feld gebo­re­nen und in Ber­lin arbei­ten­den Bild­hau­er Paul Wyn­and, stand damals zwar bereits auf dem Sockel, aller­dings war es noch nicht das gewünsch­te Denk­mal, denn dies soll­te in ver­gol­de­ter Bron­ze aus­ge­führt wer­den. Dafür stand das Mate­ri­al durch den Krieg nicht zur Ver­fü­gung. Am 6.Juli 1922 beschloss die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung die Voll­endung des Denk­mals. Am 20.Oktober des Jah­res wur­de das Denk­mal des Löwen “als trut­zi­ges Wahr­zei­chen der Stadt” und “Sym­bol der todes­mu­ti­gen Treue und Tap­fer­keit” der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt und zu Spen­den auf­ge­ru­fen, denn die Kos­ten waren noch nicht gedeckt. Die Inschrift stammt vom Bar­mer Schrift­stel­ler Will Ves­per (1882–1962).


Die­se Post­kar­te unbe­kann­ten Datums zeigt die Dach­kon­struk­ti­on, die von den Säu­len getra­gen wird. Die Kar­te befin­det sich im Besitz des Ver­fas­sers. (Bild ergänzt am 18.September 2012)

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­den unter der Inschrift von Ves­per vier Zei­len aus Bron­ze, geschaf­fen vom Wup­per­ta­ler Bild­hau­er Fritz Ber­nuth, ergänzt:

Den Toten
der Welt­krie­ge
1914–1818
1939–1945”



Die Grab­in­schrif­ten sind im Ver­gleich zu ande­ren Grab­stel­len gefal­le­ner Sol­da­ten recht aus­führ­lich. Der Name ist natür­lich ver­zeich­net, der Rang und die Waf­fen­gat­tung, die Ein­heit, der Geburts­ort und das -datum, der Ort der Ver­wun­dung und der Ort des Todes und das Todes­da­tum. Die Gestal­tung der Bron­ze­ta­feln wur­de den Bar­mer Unter­neh­mern Otto Wirth und Emil Meu­rer 1921 zu einem Stück­preis von 120 RM über­tra­gen.1



Am Krie­ger­denk­mal wen­det man sich dann nach rechts zum Erwei­te­rungs­teil, der durch die Zahl der Gefal­le­nen nötig wur­de. Über meh­re­re Trep­pen — auf den­Ter­ras­sen” lie­gen wei­te­re Gefal­le­ne, geht man auf ein schlich­tes Kreuz zu:



Anschlie­ßend, im drit­ten Teil, geht es in den Wald. Auch hier lie­gen noch Gefal­le­ne, im unte­ren Teil Sol­da­ten des Ers­ten, im obe­ren des Zwei­ten Welt­krie­ges.


 

So sieht es aus, wenn an einem Juni­mor­gen die Son­nen­strah­len sich einen Weg durch den Mor­gen­ne­bel bah­nen. Man sieht gut, dass die Grab­stei­ne hier zwi­schen den Bäu­men und Büschen lie­gen. Der Anblick ist fast schon roman­tisch. Den­noch haben sie auch hier meis­tens eine bestimm­te Anord­nung, näm­lich in Krei­sen:



 

Hier im obe­ren Teil hat man auch das Denk­mal des “Ster­ben­den Krie­gers” auf­ge­stellt. Die Sol­da­ten des Zwei­ten Welt­kriegs lie­gen am obe­ren Rand des Ehren­fried­hofs “in Reih und Glied” in mili­tä­ri­scher Ord­nung. Ihre Grab­stei­ne sind schmuck­los und ver­zeich­nen Rang, Name und die Lebens­jah­re.

Auch die­ses Bild stammt vom Volks­trau­er­tag und an eini­gen Grä­bern wur­den klei­ne Geste­cke hin­ge­legt. Auch bei eini­gen weni­gen Gefal­le­nen des Ers­ten Welt­kriegs fand sich noch ein letz­ter Gruß:



Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te