Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterkinder

Die Gedenkstätte am Ende des Friedhofs.

Am 6. Oktober 2017 wurde auf dem evangelischen Friedhof in Wichlinghausen an der Friedhofstraße ein Mahnmal für die verstorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen eingeweiht. Es besteht aus 26 Stelen mit den Namen von Kindern.


Die Gedenkstätte besteht aus Stelen, Namen und einer Gedenktafel.

Wie überall in Deutschland wurden auch in Wuppertal in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter zum Teil furchtbaren Lebensbedingungen ausgebeutet. Mutterschutz wurde vor allem für die Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa nicht gewährt. In Wichlinghausen wurden auf dem Friedhof 26 Säuglinge und Kleinkinder bestattet und ihr Schicksal nun in Erinnerung gerufen.


Zwei Opfer haben nicht mal einen Namen. Sie starben am Tag des Einmarsches des Amerikaner in Wuppertal.

Der Verein “Spurensuche NS Geschichte in Wuppertal e.V.” hat es sich zur Aufgabe gemacht, an diese Menschen zu erinnern und Kontakte zu den noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern herzustellen. So war zur Einweihung des Mahnmals durch Oberbürgermeister Mucke auch Lujsja Shatylo eingeladen, deren Bruder mit 14 Monaten an den menschenunwürdigen Lebensbedingungen verstorben war. Durch einen verspäteten Flug verpasste sie die Einweihung, die durch Musik und Reden, sowie dem Verlesenen der Namen der verstorbenen Kinder begleitet wurde. Außerdem wurde im Oktober eine Ausstellung in der Unibibliothek gezeigt. 1
Der entscheidende Hinweis auf die Gräber, die später vom Evangelischen Friedhofsverband lokalisiert wurden, stammte von Cesare Borgia, der 2013 durch Wolfgang Stocks Werk über “Wuppertaler Gräber: Historischer Spaziergang über alle Wuppertaler Friedhöfe” darauf aufmerksam wurde. Darin wird die Bestattung von Kindern von Zwangsarbeiterinnen, die bei Metallwarenfabrik Kolb GmbH in der Rathenaustr. ausgebeutet wurden, beschrieben.2


Die Gedenktafel.

Die Gedenktafel erklärt:

“Hier ruhen 27 Kinder ausländischer, überwiegend sowjetischer Zwangsarbeiterinnen. Diese Kinder wurden zwischen 1944 und 1945 hier beerdigt.
Auch Wuppertaler Firmen beschäftigten während des Zweiten Weltkriegs ausländische Arbeitskräfte, zu einem großen Teil zwangsweise deportiert. Sie wurden in Lagern nahe den Unternehmen interniert. So arbeiteten z. B. im November 1944 bei der Firma Kolb & Co. in der Rathenaustrraße / W.-Wichlinghausen 272 Zwangs- und Fremdarbeiter, davon 196 Frauen. Von den in Wuppertal geborenen Zwangsarbeiterkindern starben etwa 175, viele davon in einer Säuglingsbaracke in der Germanenstr. Informationen über deren Schicksale sind kaum dokumentiert, sicher ist aber: Den Müttern wurde nach der Entbindung nur eine kurze Erholungszeit zugestanden. Eine natürliche oder ausreichende Ernährung der Säugling war nicht möglich oder wurde ihnen verwehrt. Dazu kamen mangelnde Hygiene, schlechte Unterbringung und generelle Vernachlässigung. Eine extrem hohe Zahl starb schon im Säuglings oder Kleinkindalter. Als Todesursache wurde oftmals Ernährungsstörung, Darmerkrankungen oder Lungenkrankheiten genannt.
Im Lager oblag die Kinderbetreuung der deutschen Martha L. aus Barmen: ihre Gehilfinnen waren die Russin Klawa und Lida. Überliefert ist der erschütternde Bericht der ukrainischen Mutter Tatjana Bilyk (geb. Titowa), die 2004 während eines Besuchs in Wuppertal die Gleichgültigkeit der Betreuerinnen gegenüber den Kindern beschreibt. Sie schildert die menschenverachtenden Umstände, unter denen ihr 14 Monate alter Sohn Viktor durch Verwahrlosung sterben musste, ohne dass sie ihm helfen konnte.”


Position des Denkmals auf der Karte


Gedenkstein für Johan Bastiaan Benner

Den Gedenkstein ziert ein Rosenstrauch, wie alle Gräber des Friedhofs.

Am 25. September 2015 weihte die niederländisch-reformierte Gemeinde auf ihrem malerischen Friedhof am Katernberg einen Gedenkstein für den niederländischen Zwangsarbeiter Johan Bastiaan Benner, genannt Bas, ein. Er wurde 1907 in Rotterdam geboren, machte eine Schreiner-Lehre, heiratete 1935 seine Frau Fien und bekam mit ihr 1942 ein langersehntes Kind namens Hans. Am 10. und 11. November 1944, in den letztem Kriegsmonaten, zwangen die Deutschen in Rotterdam 50.000 Männer zur Arbeit nach Deutschland. Mehrere niederländische Zwangsarbeiter fanden Hilfe und auch Unterschlupf im Haus von Pastor Bückmann, der der niederländisch-reformierten Gemeinde in dieser Zeit vorstand. Bas Benner hatte schon in den Niederlanden mit einer Lungenkrankheit zu kämpfen und verlor den Kampf unter den Bedingungen der Zwangsarbeit am 22. Februar 1945. Am 1. März 1945 wurde er auf dem Friedhof an der Katernberger Straße beigesetzt. Vermutlich 1955 wurden seine Gebeine auf den Ehrenfriedhof für die niederländischen Kriegsopfer in Düsseldorf-Oberbilk überführt.


Nachdem eine Enkelin Bas Benners die Spuren ihres Großvaters suchte, wurde der Kontakt zur Gemeinde in Wuppertal wieder hergestellt. Die niederländisch-reformierte Gemeinde erklärt zu dem Gedenkstein:

“Wir möchten der Erinnerung an das Leben und Leiden von Bas Benner mit dem Gedenkstein eine bleibende Gestalt geben. Seine Verschleppung und das daraus entstandene Elend stehen stellvertretend für das Leid von 20.000 bis 25.000 Zwangsarbeitern, die in den Kriegsjahren in Wuppertal versklavt und ausgebeutet wurden. Mindestens 1.107 von ihnen starben dabei. Mit dem Gedenkstein erinnern wir an das Leid, das vermeintlich minderwertigen Menschen angetan wurde. Und gleichzeitig erinnern wir an die kleinen, unscheinbaren Taten des Mitleids und der Güte.”1


Eine ausführlichere Beschreibung von Bas Benners Leben und der Geschichte des Gedenksteins findet sich in einem Infoblatt der Gemeinde.

Der Gedenkstein

Die Inschrift lautet:

Im Gedenken an
Johan Bastian BennerIm 2.Weltkrieg als einer von
vielen tausenden Zwangsarbeitern
nach Wuppertal verschleppt
geb. 14. Sept. 1907 in Rotterdam, NL
gest 22.Febr.1945 in Elberfeld
hier am 1. März 1945 beerdigt”Kommt, wir wollen
wieder zum herrn!
Denn er hat uns zerrissen,
er wird uns auch heilen.”
hosea 6,1″

Position des Denkmals auf der Karte


Gedenktafel zur Erinnerung an die Erschießung von Zwangsarbeitern im Burgholz

Die Gedenktafel mit sehr einfachem Schild am ehemaligen Schießstand im Burgholz

Am 9. Mai 2004 wurde vom Verein Spurensuche NS-Geschichte in Wuppertal e.V. tief im Burgholz am ehemaligen Schießstand der Wuppertaler Polizei eine kleine Gedenktafel enthüllt, die daran erinnern soll, dass dort im Frühjahr 1945 30 osteuropäische Zwangsarbeiter von der Wuppertaler Polizei und Gestapo ermordet wurden. Mit unter den Tätern war der Vater von Lieselotte Bhatia, die sich als “Täterkind” für das Gedenken im Verein Spurensuche einsetzt. Die kleine Gedenkfeier am Ort, der heute auch noch mit Blumen geschmückt ist und wo ein ewiges Licht brennt, wurde komplettiert durch eine Ansprache von Michael Okroy von der Begegnungsstätte Alte Synagoge.1


Die Inschrift.

Die Inschrift lautet:

“Zur Erinnerung an die hier ermordeten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter/ Hier befand sich der Schießstand der Wuppertaler Polizei/ Im Februar 1945 wurden an diesem Ort  6 Frauen und 24 Männer aus der Sowjetunion/ die zur Zwangsarbeit nach Wuppertal verschleppt wurden/ unter Beihilfe der Wuppertaler Polizei/
von der Gestapo ermordet / Von den Opfern des Massakers ist nur der Name von Helena Matrosowa überliefert.”


Der letzte Weg der Zwangsarbeiter führt vom Küllenhahn diese Straße entlang.

In seiner Ansprache beschrieb Michael Okroy die Vorgänge, die zur Ermordung der 24 Männer und sechs Frauen aus der Sowjetunion im Burgholz führten. Je nach Quellen wird als Tatzeitpunkt der Monatswechsel Ende Februar/Anfang März 1945 oder der 21. März 1945 genannt, die Tat gehört damit zu den sogenannten Kriegsendphaseverbrechen. Im Januar 1945 waren über 80 Zwangsarbeiter von der Wuppertaler Polizei festgenommen worden, da im zunehmend destabilisierten Dritten Reich mit dem Nähern der Front aus Westen Zwangsarbeiter flohen oder freigelassen wurden und diese sich durch Überfälle und Plünderungen Nahrungsmittel beschaffen mussten. 32 Männer und sechs Frauen wurden schließlich als Hauptverantwortliche der Gestapo Außenstelle Wuppertal übergeben und im Polizeipräsidium gefoltert und misshandelt. Helena Matrosowa wurde zum Beispiel Papier zwischen ihre Zehen gesteckt und angezündet. Hier wurde schließlich für die 30 Opfer auch das Todesurteil – ohne Gerichtsverfahren – verhängt. Nachdem aus dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin die formelle Bestätigung des Todesurteils eingetroffen war, wurden die Vorbereitungen der Tat getroffen und diese in der Abgeschiedenheit des Burgholz ausgeführt und die Leichen vor Ort vergraben.

Am 14. April 1945, knapp vier Wochen nach der Ermordung der 30 Zwangsarbeiter, wurde Wuppertal durch amerikanische Truppen befreit. Die noch im Präsidium anwesenden Polizisten wurden dann mit LKWs zu einem Gefangenenlager an den Rheinwiesen gebracht. Ende August 1945 führten Ermittlungen zur Festnahme der beteiligten Polizisten und zu Hinweisen auf den Tatort. Einige inhaftierte Tatbeteiligte mussten auf Anordnung der nun britischen Militärregierung die Leichen exhumieren und sämtliche Angehörigen der Wuppertaler Polizeidienstelle hatten an den außerhalb des Massengrabes aufgebahrten Ermordeten vorbeizugehen. Oberbürgermeister Thomas, sein Stellvertreter, führende Vertreter der deutschen Polizei und ein Abgesandter des sowjetischen Marschalls Schukow waren ebenfalls vor Ort. Vierzehn Täter wurden 1947 in Hamburg im sogenannten Burgholz-Case verurteilt, sechs zum Tode. Die Strafen wurden allerdings nicht in der ausgesprochenen Härte vollstreckt, die letzten Täter wurden bereits 1953 aus der Haft entlassen. Der Hauptverantwortliche, der Leiter der Gestapoleitstelle Düsseldorf Henschke, wurde 1948 zu einer 12jährigen Haft verurteilt, aber schon 1955 vorzeitig auf freien Fuß gesetzt. Die ermordeten Männer und Frauen wurden im August 1945 auf Anordnung der britischen Militärregierung auf dem evangelischen Friedhof an der Schorfer Straße in Cronenberg beerdigt und im Oktober wurde das Mahnmal dort als eines der ersten in Wuppertal, das an die Untaten der Nationalsozialisten erinnert, errichtet.2
Im Herbst 2014 ist der Verein Spurensuche NS-Geschichte in Wuppertal e.V.  seinem Ziel, eine Straße im Burgholz nach der ukrainischen Lehrerin  Helena Matrosova zu benennen, einen kleinen Schritt weitergekommen, die Bezirksvertretung Cronenberg stimmte dem Vorhaben zu. Allerdings ist diese nicht final zuständig, sondern der Landesbetrieb Wald und Holz, da der Weg zum Schießstand im Staatsforst liegt.3

Gedenkstein und Gedenkbaum für die in der Landesfrauenklink gestorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen

Im Jahr 2000 gründeten die Bundesrepublik und die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und statteten sie mit je 10 Milliarden DM aus, um ehemalige Zwangsarbeiter, die im Zweiten Weltkrieg von Deutschland ausgebeutet wurden, zu entschädigen. Im Rahmen dieser Maßnahme bekam das Archiv des Landschaftsverbands Rheinland, als rechtlicher Nachfolger der Provinzialverwaltung der preußischen Rheinprovinz den Auftrag entsprechende Dokumente zu sichten und die Namen der Zwangsarbeiter an die Nationalen Stiftungen, die die Verteilung der Gelder übernahmen, zu übersenden. Ca. 400 Namen wurden in den Dokumenten gefunden und weitergeleitet. Es stellte sich heraus, dass von ihnen noch 20 Personen in der Ukraine,  Weissrussland und Russland lebten. Lediglich aus der Ukraine erhielt der LVR eine Rückmeldung, von Frauen, deren Namen in den Geburts- und Operationsbüchern der damaligen Landesfrauenklinik Wuppertal verzeichnet waren. Heute gehört die Klinik zur “Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria” und trägt seit 2012 den Namen St.-Anna-Klinik, nachdem sie von 1985 – 2011 Klinik Vogelsangstraße hieß. 1


2005 wurde Dr. Bettina Bouresh, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Archivs, die sich bereits um die Recherche der Zwangsarbeiter gekümmert hatte, damit beauftragt, ein Besuchsprogramm für das Jahr 2006 vorzubereiten. Eine der Frauen, die Wuppertal besuchen wollten, bat darum das Grab ihres Sohnes sehen zu können, der als Säugling in Wuppertal verstarb. Das Grab konnte nicht gefunden werden und so machten sich der LVR, die Akademie für Gesundheitsberufe (AFG) als Nachfolgerin der Hebammenschule und die Klinik St. Anna Gedanken, wie man dem Wunsch des Gedenkens Rechnung tragen könnte. 2


Gedenkstein und Gedenkbaum vor der ehemaligen Landesfrauenklinik.

Am 20. März 2006 war es schließlich soweit: zwei ehemalige Zwangsarbeiterinnen (Lidiya Chygyra und Alina Morus3) und eine Tochter einer Zwangsarbeiterin, die in Wuppertal geboren wurde, (Ljuba Shewakino-Semenov Nikolaiewna4) kamen in Köln an und wurden vom LVR dort empfangen. Sie wurden von je einem Verwandten und die Gruppe wiederum von einem Mitarbeiter der Ukrainischen National Stiftung begleitet. Im Rahmen des 7-tägigen Besuchsprogramms besuchten sie am 22. und 23. März Wuppertal. Am ersten Tag wurden die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen von Oberbürgermeister Peter Jung im Rathaus begrüßt, der betonte, dass man Schuld und Verantwortung für das, was den Frauen geschehen war, empfinde. Er bat um Versöhnung der beiden Länder. Anschließend trugen sich die Frauen ins Goldenen Buch der Stadt ein. Da die Gedenkstunde, und die Erwartung des Kommenden die Damen mitnahm, wurde kurzer Hand eine Untersuchung in der Klinik St. Antonius angeordnet, die ja ebenfalls zum Klinikverbund der “Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria” gehört. Man empfahl angesichts hohen Blutdrucks eine Entspannungspause und nutzte diese zu einer Schwebebahnfahrt. Anschließend wurde es wieder ernst. Man besuchte das Gelände des ehemaligen Barackenlagers “In der Fleute”, wo heute eine Kleingartensiedlung zu finden ist. Eine der Zwangsarbeiterinnen, Lidiya Chygyra, hatte hier als 20jährige gelebt und für die Flugzeugfabrik Espenlaub in einem Tunnel Flugzeugteile gereinigt.  In der Nähe der Bahn-Unterführung Clausewitzstraße, in die junge Frau bei Bombenalarm Schutz suchte, war sie mit ihrem Sohn Viktor in einer Mutter-Kind-Baracke untergebracht, bis dieser vor ihren Augen starb und wie anderen verstorbene Säuglingen dort verscharrt wurde. Als 84jährige kehrte sie nun an den Ort zurück. In dieser Mutter-Kind-Baracke lebte auch auch Ljuba Shewakino-Semenov Nikolaiewna mit ihrer Mutter.
Danach besuchte man das Gelände an der Ronsdorfer Straße, wo Alina Morus nach der Geburt ihres Kindes als 15jähriges Mädchen gelebt hatte. Zuvor hatte sie in einer Seifensiederei in Düsseldorf arbeiten müssen.5Sie war bei ihrer Rückkehr nach Wuppertal gerade 79 Jahre alt geworden.6


Fotografie: Nicole Schäfer LVR-ZMB.

Am 23. März stand ein Besuch in der ehemaligen Landesfrauenklinik an, wo die Geschäftsführer Herr Kaufmann und Herr Breuckmann, sowie der Chefarzt Dr. Falbrede die Gäste begrüßten. Darauf folgte ein Rundgang durch die Geburtsstation, bevor man vor dem Gebäude an der Wiese zur Vogelsangstraße zur Einweihung des Gedenksteins schritt. Der Gedenkstein soll an alle in Wuppertal verstorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen erinnern und natürlich auch an das verstorbene Kind von Lidiya Chygyra. In einer kleinen Zeremonie wurde der Gedenkstein enthüllt und der Baum gepflanzt, zu dessen Wurzeln die ehemalige Zwangsarbeiterin ein wenig ukrainischer Erde hinzufügte und deutsche Erde mit in ihre Heimat nahm.7


Fotografie: Nicole Schäfer LVR-ZMB.

Der Gedenkstein wurde von der damaligen Assistentin der Geschäftsleitung, Imbritt Neumann, mit einem abgewandelten chinesischen Sprichwort versehen:

“Denkst Du an ein Jahr,
dann säe ein Korn.
Denkst Du an ein Jahrzehnt,
dann pflanze einen Baum.
Denkst Du an ein Jahrhundert,
dann sorge für eine Zukunft
der Kinder.

Wuppertal, 23.März 2006”8


Die Inschrift

Die Kosten für den Gedenkstein und den Gedenkbaum (ein Cartaegus laevigata – Echter Rotdorn9) übernahm die Klinik St. Anna. 10

Nach dem Mittagessen folgte ein Gespräch zwischen den Zeitzeugen und Schülerinnen der Hebammenschule. Den Abschluss des Tages und des Besuches in Wuppertal bildeten ein Besuch in der Orthodoxen Kapelle der Klinik und anschließend ließ man blaue Luftballons mit Zukunftswünschen in den Himmel steigen.11
Im Anschluss an den Besuch der Zwangsarbeiter entstanden eine Ausstellung (“Riss durchs Leben”), die seit dem 4.Dezember 2012 eine dauerhafte Heimat im Ganztagsgymnasium Johannes Rau gefunden hat, eine DVD und ein Buch über die Besuche des LVR in der Ukraine. Eine Internetseite über die Ausstellung “Riss durchs Leben” ist Anfang Dezember 2012 online gegangen.
Zwei weitere Besuchsgruppen aus der Ukraine kamen im Juni 2009 und September 2010 nach Wuppertal und zur Klinik. In der Folge entstand zwischen dem Ganztagsgymnasium Johannes Rau und der Schule Nr. 10 in Chmelnyzkyj eine Partnerschaft zur Erforschung der Zwangsarbeit im Rahmen des Jugendforschungsprojektes “Gestern ist heute nicht vorbei. Morgen vielleicht.

Mahnmal für Zwangsarbeiter der Reichsbahn in Langerfeld

Mahnmal für die Zwangsarbeiter der Reichsbahn in Langerfeld.

Im Jahr 1999 initiierte Pfarrer Uwe Leicht von der evangelischen Gemeinde Langerfeld zusammen mit der katholischen Gemeinde St. Raphael / St. Paul eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Geschichte der Zwangsarbeiter in Langerfeld beschäftigte. Ausgangspunkt waren die Ehrengräber auf dem katholischen Friedhof Zu den Dolinen. Die Arbeitsgruppe wertete die Gefallenen-Liste des Friedhofs aus dem katholischen Friedhofsamt aus, befragte Zeitzeugen, recherchierte im Stadtarchiv und im Archiv des Bürgervereins Langerfeld und sichtete die zur Verfügung stehende Literatur. Bereits im folgenden Jahr fand eine erste ökumenische Gedenkfeier, als “Sühnetag” bezeichnet, auf dem Friedhof statt.1
Als am 6. Mai 20012 mehrere ehemalige Zwangsarbeiter, die im Zweiten Weltkrieg in Langerfeld “beschäftigt” waren, den östlichsten Wuppertaler Stadtteil besuchten, gedachten auch sie den verstorbenen Zwangsarbeitern auf dem Friedhof. Außerdem besuchten sie das Gelände der Firma Meinhardt-Reisen, auf deren Firmenstandort unweit des Friedhofs während des Zweiten Weltkriegs ein Barackenlager für Zwangsarbeiter der Reichsbahn angelegt worden war. 102 Frauen und vier Männer waren hier untergebracht.3


Das Mahnmal am ehemaligen Eingang des Lagers im Januar 2012.

Der Firmenhaber, Harro Meinhardt, hatte bereits bei dem Bezug des Geländes 1960 durch seine Eltern von Nachbarn mehr über die Hintergründe des Geländes und die Schicksale einzelner Personen erfahren.4 Am 3. November 2002 fand eine ökumenischer Gedenkfeier in der Wagenhalle statt. Anschließend wurde am ehemaligen Eingang des Lagers ein Mahnmal eingeweiht, dass der Firmengründer selbst angelegt hatte. Danach zog man mit einer Lichterprozession zur Ehrengrabanlage auf dem Friedhof Zu den Dolinen.5


Die Gedenktafel

Das einfache Mahnmal besteht aus einigen Steinen und zwei in den Boden gerammten Schienenstücken. Darüber gibt eine am Zaun angebracht DIN-A4 große Gedenktafel, die von Pfarrer Leicht erstellt wurde, Auskunft:


“An dieser Stelle befand sich von 1941-1945
ein Barackenlager für Zwangsarbeiter.
Die 102 Frauen, 3 Männer aus Osteuropa und ein
Franzose wurden bei der Reichsbahn eingesetzt.

“Einen Fremden sollst du nicht
Ausnutzen oder ausbeuten, denn ihr selbst
seid in Ägypten Fremde gewesen.”
2.Mose 22,20

Ev. Kirchengemeinde Langerfeld
Kath. Kirchengemeinde St.Raphael / St.Paul.”


Darunter sind zwei Fotografien zu finden, von denen eine ehemalige Zwangsarbeiter “Auf Spurensuche” im Mai 2001 im “Dicken Hain” zeigt und die andere eine Baracke in der Fleute, die den Baracken zu den Dolinen ähnlich war.

Gedenksteine für Zwangsarbeiter und russische Kinder an der Ehrengrabanlage auf dem Friedhof Krummacher Straße

Einer der beiden Findlinge mit einer Bronzetafel an der Treppe zur Ehrengrabanlage.

Auf Anregung einer Privatperson brachte die Stadt Wuppertal im März oder April 2001 an der Ehrengrabanlage für russische, holländische und französische Zwangsarbeiter und russische Kinder auf dem evangelischen Friedhof Krummacher Straße weiße Aluminium-Schilder mit schwarzer Schrift an.


Eines der beiden Aluminium-Schilder, die von 2001 bis 2011 an der Ehrengrabanlage standen. Das Foto wurde freundlicherweise von Sandra Schelter zur Verfügung gestellt. Danke.

Im Zuge der Sanierung der Anlage vom November 2010 bis Februar 2011 wurden diese durch zwei Bronzetafeln auf Findlingen ersetzt.1 Außerdem wurden Wege- und Platzflächen neu gestaltet und wiederhergestellt, sowie die Bepflanzung erneuert und ergänzt. Die Mittel dazu in Höhe von rund 33.000 Euro stammten aus Landesmitteln. 127 Zwangsarbeiter sind auf der Ehrengrabanlage bestattet.2


Eine der Bronzetafeln

Die Inschrift der Bronzetafeln, die mit der der Aluminium-Schilder identisch ist, lautet:

“Gräberanlage
zur Erinnerung
an russische, holländische und französische
Zwangsarbeiter sowie russische Kinder,
die während des Zweiten Weltkriegs
in Wuppertal gestorben sind.”


Ansicht der Anlage

Die Grabstellen

Ein Grabstein

Ein Mehrpersonengrab

Position des Denkmals auf der Karte


Gedenkstein für in Langerfeld verstorbene Zwangsarbeiter

Das Ehrengräberfeld für in Langerfeld verstorbene Zwangsarbeiter.

Als sich im Jahr 2000 herausstellte, dass das Vorhaben der Bezirksvertretung Langerfeld-Beyenburg, die Schrift des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem evangelischen Friedhof Kohlenstraße mit Hilfe von Farbe wieder aufzuwerten nicht wie geplant durchgeführt werden konnte, entschied man sich, eine Bronzetafel mit dem Hinweis auf den Zweck des Denkmals dort anzubringen. Dadurch waren von den bereitgestellten 5.000 DM noch Mittel übrig. In der Sitzung vom 16.Mai 2000 wurde vorgeschlagen, eine weitere Gedenktafel am Ehrenfriedhof für im Zweiten Weltkrieg gestorbene Zwangsarbeiter auf dem katholischen Friedhof Zu den Dolinen anzubringen. Am 19.September 2000 wurde dies dann beschlossen. Im April oder Mai 2001 wurde die Gedenktafel auf einem Findling am Ehrengräberfeld angebracht.1


Ergänzung vom 19. August 2012:
Bereits 1999 hatte sich eine Arbeitsgruppe der evangelischen Gemeinde Langerfeld und der katholischen Gemeinde St. Raphael/ St. Paul auf Anregung des ev. Pfarrers Uwe Leicht mit der Thematik der Zwangsarbeiter in Langerfeld beschäftigt. Ausgangspunkt war der Ehrenfriedhof. Die Arbeitsgruppe wertete die Gefallenen-Liste des Friedhofs aus dem katholischen Friedhofsamt aus, befragte Zeitzeugen, recherchierte im Stadtarchiv und im Archiv des Bürgervereins Langerfeld und sichtete die zur Verfügung stehende Literatur. Im Jahr 2000 fand eine erste ökumenische Gedenkfeier, als “Sühnetag” bezeichnet, auf dem Friedhof statt. Die Gedenkfeier wurde in den folgenden Jahren wiederholt und auch nach einem Stellenwechsel von Pfarrer Leicht im Jahr 2004 noch einige Jahre fortgeführt.2


Der Gedenkstein

Die Inschrift der schlichten Bronzetafel lautet:

“Zum Gedenken
an die im 2.Weltkrieg
1939-1945
in Langerfeld
zu Tode gekommenen
96 Zwangsarbeiterinnen
und Zwangsarbeiter

Namenslisten im Stadtarchiv”


Grab einer Zwangsarbeiterin.

Ein Pole, ein Belgier und ein Russe, nebeneinander bestattet auf dem Friedhof Zu den Dolinen.

Der Findling mit der Gedenktafel.

Anfang Mai 2001 waren auf Einladung einer Bürgerinitiative und einer Forschungsgruppe einige ehemalige Zwangsarbeiter zu Gast in Langerfeld. Sie besuchten auch die Ehrengrabanlage.3

Im November 2002 wurde unweit des Friedhofs zu den Dolinen am ehemaligen Eingang eines Lagers der Reichsbahn, ein Mahnmal für Zwangsarbeiter der Reichsbahn in Langerfeld eingeweiht.