Gedenksteine zur Erinnerung an die Errichtung der Anlagen des Elberfelder Verschönerungsvereins

In den 1880er Jah­ren leg­te der Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein, der 1870 gegrün­det wor­den war, im Elber­fel­der Stadt­ge­biet vier gro­ße Parks an. Auf dem Nüt­zen­berg, dem Fried­richs­berg, der Frie­dens­hö­he und dem Mir­ker Hain. In den Jah­ren der Fer­tig­stel­lung wur­den dort Gedenk­stei­ne gesetzt.


“Anla­ge Nüt­zen­berg ange­legt 1874 Ver­schö­ne­rungs­ver­ein”

“Anla­ge Fried­richs­berg ange­legt 1878 Ver­schö­ne­rungs­ver­ein”

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Frie­dens­hö­he ange­legt 1878 Ver­schö­ne­rungs­ver­ein” Foto­gra­fie des Gedenk­steins am Freu­den­berg in den Anla­gen der Frie­dens­hö­he. Zustand um 1956. Unte­re Denk­mal­be­hör­de, Akte Denk­mä­ler A-H, ent­nom­men aus: RMK, S. 53.


Ob die­ser Gedenk­stein noch exis­tiert, ist unge­wiss. Ich habe ihn bis­her nicht gefun­den. Mey­er-Kahr­weg beschreibt den Stand­ort als “am Ran­de eines klei­nes Plat­zes in der Böschung”.

Der fol­gen­de Absatz wur­de am 12.August 2012 über­ar­bei­tet:

Auch im Mir­ker Hain, wo die Arbei­ten 1879 statt­fan­den, exis­tiert ein sol­cher Gedenk­stein. Eben­so wie auf allen drei noch vor­han­de­nen Gedenk­stei­nen fehlt hier die metal­le­ne Ver­zie­rung, wie sie beim Bild des Gedenk­steins der Frie­dens­hö­he zu sehen ist.


“Mir­ker Hain ange­legt 1879 Ver­schö­ne­rungs­ver­ein” ild ergänzt am 12.August 2012. Der Stein ist heu­te in eine klei­ne Mau­er am süd­li­chen Spiel­platz inte­griert.

Die streitenden Knaben

Der ange­se­he­ne Kauf­mann und ehe­ma­li­ge Elber­fel­der Bür­ger Juli­us Seyd schenk­te dem Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein im Jahr 1879 eine Figu­ren­grup­pe des Bild­hau­ers Gus­tav Eber­lein. Die aus Zink­guß gefer­tig­ten “strei­ten­den Kna­ben” soll­ten im alten Stein­bruch auf der Hardt als Spring­brun­nen die­nen. Im Werks­ver­zeich­nis Eber­leins taucht die Figu­ren­grup­pe unter dem Titel “Kna­ben, um eine Gans strei­tend” auf und wird auf das Jahr 1873 datiert. Damals war Eber­lein auf­grund finan­zi­el­ler Sor­gen gezwun­gen von sei­nen Arbei­ten meh­re­re Kopi­en zu ver­kau­fen.1


Die strei­ten­den Kna­ben, laut dem Bei­blatt “um 1880”. Es ist aber unklar, ob damit das Jahr der Foto­gra­fie gemeint ist, oder das Datum der Auf­stel­lung der Figu­ren. Zu sehen sind die bei­den Kna­ben auf einem Fels­stein, der wie­der­um in einem klei­nen was­ser­ge­füll­ten Becken steht. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/9

Die­se Post­kar­te wur­de 1918 abge­stem­pelt. Es ist aber unklar, wel­ches Bild älter ist. Auch hier ste­hen die Kna­ben um die Gans strei­tend auf einem Fel­sen. Das Was­ser­be­cken ist von Fels­ge­stein gesäumt. Auf der lin­ken Sei­te der Foto­gra­fie ist im Hin­ter­grund das Wil­berg-Denk­mal zu sehen. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/80

Wie an den Bil­der ersicht­lich, wur­de die Anla­ge min­des­tens ein­mal umge­stal­tet, mög­li­cher­wei­se wur­de auch der Stand­ort gewech­selt. Der Brun­nen ist heu­te nicht mehr vor­han­den.

Erste Gedenktafel zur Erinnerung an die Reformierte Amtsschule

Am 22.August 1879 fei­er­te die Refor­mier­te Bar­mer Amts­schu­le ihr 300jähriges Bestehen mit einer gro­ßen Fei­er, bei der auch eine Gedenk­ta­fel am Schul­ge­bäu­de in der Con­cordien­st­ra­ße Nr. 7 ange­bracht wur­de. Die Fei­er­lich­kei­ten began­nen mit einer Anspra­che von Pas­tor Bol­huis, dann folg­te ein Über­blick über die Geschich­te der Schu­le von Haupt­leh­rer Geld­erblom. Stadt­schul­in­spek­tor Wind­rath über­brach­te anschlie­ßend die Grü­ße der Stadt Bar­men und ent­hüll­te die Tafel:
Abbil­dung der ver­lo­re­nen gegan­ge­nen ers­ten Gedenk­ta­fel zur Erin­ne­rung an die Refor­mier­te Amts­schu­le, ent­nom­men aus: Fest­schrift zum 350jährigen Jubi­lä­um des Bar­mer Gym­na­si­ums, her­aus­ge­ge­ben von Ober­stu­di­en­rat Prof. Boh­le, Bar­men 1929, S.33.

Auf wei­ßem Mar­mor stand mit gol­de­ner Schrift die Inschrift:

Anno 1579
am letz­ten Augus­tus
wur­de die Amts­schu­le von den
Bewoh­nern Bar­mens
als ers­te Schu­le des Ortes
gegrün­det.
Nach 300jährigem segens­rei­chem Bestehen errich­te­ten
die Nach­kom­men am Tage der Jubel­fei­er
die­se Gedenk­ta­fel.”


Die ers­te Schu­le Bar­mens wur­de gegrün­det, als die Bar­mer Blei­che­rei­en zu eini­gem Wohl­stand gekom­men waren und die Bür­ger es als nach­tei­lig emp­fan­den, ihre Kin­der nach Elber­feld auf die Schu­le zu schi­cken. Sie sand­ten eine Bitt­schrift an ihre “Amts- und Pfand­frau”, die Grä­fin Franz von Wal­deck, und baten um die Erlaub­nis zur Errich­tung einer eige­nen Schu­le. Die Grä­fin sah die Mög­lich­keit bereits den Kin­dern den refor­mier­ten Glau­ben näher zu brin­gen und schenk­te der Schu­le die benö­tig­ten Län­de­rei­en, die zwi­schen dem Dör­ner Hof im Wes­ten und der Gemar­ker Stra­ße im Osten lagen und im Nor­den vom Müh­len­gra­ben und im Süden von der Wup­per begrenzt wur­den. Auf die­sem “Schul­kämp­chen” konn­te sich der Leh­rer eine Kuh hal­ten.
Das Schul­ge­bäu­de wur­de zwi­schen dem Werth und der Zwing­li­stra­ße in der Nähe des Alten Markts errich­tet. Es bil­de­te mit sei­nem Türm­chen, der Glo­cke und der Uhr als ers­tes öffent­li­ches Gebäu­de Bar­mens den Mit­tel­punkt der fol­gen­den Bebau­ung. Neben kirch­li­chem und schu­li­schem Unter­richt fan­den hier auch Gerichts­ver­hand­lun­gen statt. 1625 (im 30jährigen Krieg) wur­de das Gebäu­de von Räu­ber­ban­den aus den Wäl­dern im Nor­den in Brand gesteckt und zer­stört. Der Unter­richt muss­te nun in ver­schie­de­nen, ange­mie­te­ten Räu­men statt­fin­den. Erst 1661 konn­te für die Schu­le wie­der ein eige­nes Gebäu­de in der Suchard­stra­ße ange­mie­tet wer­den, das 1781 durch einen Neu­bau ersetzt wur­de. 1823 ent­stand dann das neue, statt­li­che Schul­ge­bäu­de an der Con­cordien­st­ra­ße, an dem die­se Tafel 1879 befes­tigt wur­de.

Am 1.April 1921 wur­de die Refor­mier­te Bar­mer Amts­schu­le wegen zu gerin­ger Schü­ler­zah­len geschlos­sen, Schul­ge­bäu­de und Gedenk­ta­fel exis­tie­ren nicht mehr.Im Sep­tem­ber 1979 wur­de eine zwei­te Gedenk­ta­fel für die Refor­mier­te Bar­mer Amts­schu­le an der Gemar­ker Kir­che ange­bracht.1

Standbild der Diana auf der Friedenshöhe

Im April 1879 wur­de auf dem Dia­na­platz auf der Frie­dens­hö­he im Wald am Freu­den­berg  auf einem 2,25 Meter hohen Pos­ta­ment ein Stand­bild der römi­schen Göt­tin Dia­na auf­ge­stellt. Die­ser Platz ist heu­te kaum noch erkenn­bar, aber auf alten Kar­ten ver­zeich­net. Er liegt ober­halb der Kron­prin­zen­al­lee (sie­he Kar­te am Ende des Ein­trags). Die eben­falls 2,25 Meter hohe Sta­tue war dem Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein von August Frei­herr von der Heydt geschenkt wor­den. Her­ge­stellt wur­de sie im Ate­lier A.Castner und Komp. in Ber­lin als Zink­guß, der anschlie­ßend einen mar­mor­ar­ti­gen Anstrich erhielt. Als Vor­bild dien­te die Dia­na von Ver­sailles. Das Pos­ta­ment hat­te Bau­rat Kay­ser ent­wor­fen.1


Das Stand­bild der Dia­na auf der Frie­dens­hö­he, eine Kopie der Dia­na von Ver­sailles. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.

Dia­na von Ver­sailles im Lou­vre, Wiki­pe­dia. foto­gra­fiert von Marie-Lan Ngu­y­en (Janu­ar 2005)

Die Dia­na von Ver­sailles ist eine römi­sche Mar­mor­sta­tue, die im 1. oder 2.Jahrhundert n.Chr. ihrer­seits als Kopie einer grie­chi­schen Bron­ze­sta­tue ent­stand. Das Ori­gi­nal wur­de um 325 v.Chr. vom grie­chi­schen Bild­hau­er Leo­cha­res geschaf­fen und war dem­nach der grie­chi­schen Göt­tin Arte­mis gewid­met, dem Pen­dant zur römi­schen Dia­na. Nach­dem die Sta­tue in Ita­li­en ent­deckt wur­de, schenk­te sie Papst Paul IV. 1556 dem fran­zö­si­schen König Hen­ry II., heu­te fin­det sich die Sta­tue unter dem Tiel “Arte­mis Chas­seres­se” (Die jagen­de Arte­mis) im Pari­ser Lou­vre.2


Die leicht über­le­bens­gro­ße Diana/Artemis trägt eine Tuni­ka und ist als Schüt­ze­rin des Wil­des und nicht als Jagd­göt­tin fest­ge­hal­ten. Sie stellt sich vor einen unter­le­bens­gro­ßen Hirsch, des­sen Geweih sie mit der lin­ken Hand hält, wäh­rend sie mit der rech­ten nach den Pfei­len in ihrem Köcher greift. Einen Bogen hat sie nicht. 1937 wird sie als noch vor­han­den in einer Lis­te der Ber­gisch-Mär­ki­schen Zei­tung (vom 05.03.1937) auf­ge­führt. Bei einer Bestands­auf­nah­me 1956 war nur noch das Pos­ta­ment vor­han­den, wel­ches 1959 ent­fernt wur­de.3


Ergän­zung vom 14.März 2012:
Kar­ten­aus­schnitt der Anla­gen an der Frie­dens­hö­he. Im Zen­trum die­ses Aus­schnitts ist der Dia­na-Platz zu sehen. Die Stra­ße im Osten ist die Rons­dor­fer Stra­ße, davon abzwei­gend die heu­ti­ge Kron­prin­zen­str. Anla­gen Frie­dens­hö­he, Städ­ti­sche Park­ver­wal­tung Elber­feld 1913. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, Kar­ten­si­gna­tur 30/73.