Jürgen-Kuczynski-Gedenktafel


Die Gedenk­ta­fel ist lei­der unglück­lich ange­bracht, sodass den Text nur gro­ße Men­schen lesen kön­nen.

Im Novem­ber 2017 wur­de in der Jae­ger­stra­ße im Zoo-Vier­tel eine Gedenk­ta­fel für Prof. Dr. Jür­gen Kuc­zyn­ski ein­ge­weiht, der im Haus Nr. 17 am 17. Sep­tem­ber 1904 gebo­ren wur­de. Er wur­de geehrt als Uni­ver­sal­ge­lehr­ter der deut­schen Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten und Wider­stands­kämp­fer gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Sei­ne Ehrung hat­te Ober­bür­ger­meis­ter Mucke vor­ge­schla­gen. Zur Ein­wei­hung reis­ten auch sein Kuc­zynskis Sohn und ande­re Ver­wand­te an. Der Vater Kuz­cynskis war in Wup­per­tal als Direk­tor des sta­tis­ti­schen Amtes der Stadt Elber­feld tätig, 1906 ver­zog die Fami­lie nach Schö­ne­feld. Die Gäs­te der Ein­wei­hung wur­de anschlie­ßend im His­to­ri­schen Zen­trum begrüßt.1
Die Inschrift lau­tet:


Prof. Dr. Kuc­zyn­ski
In die­sem Haus leb­te von 1904 bis 1906 der Begrün­der der moder­nen Bevöl­ke­rungs­sta­tis­tik, Robert Rene Kuc­zyn­ski, mit sei­ner Ehe­frau Ber­tha. Er war seit Febru­ar 1904 Direk­tor des Sta­tis­ti­schen Amtes der damals noch selbst­stän­di­gen Stadt Elber­feld.
Sein Sohn, Jür­gen Kuc­zyn­ski, wur­de in die­sem Haus am 17. Sep­tem­ber 1904 gebo­ren.
Als letz­ter Uni­ver­sal­ge­lehr­ter der deut­schen Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten erlang­te der Mar­xist deutsch-jüdi­scher Her­kunft, der „hoff­nungs­lo­se Opti­mist und lini­en­treue Dis­si­dent“, natio­na­le und inter­na­tio­na­le Bedeu­tung.
Unver­ges­sen bleibt sein Wider­stands­kampf gegen die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Dik­ta­tur.“


Kuc­zyn­ski war nach sei­nem Stu­di­um der Phi­lo­so­phie, Sta­tis­tik und Polit­öko­no­mie seit 1930 Mit­glied der KPD. 1936 ging er auf­grund natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­fol­gung ins Exil nach Eng­land und wur­de als Sta­tis­ti­ker vom ame­ri­ka­ni­schen Geheim­dienst Office of Stra­te­gic Ser­vices rekru­tiert. Im Dienst der Ame­ri­ka­ner kehr­te er auch nach dem Zwei­ten Welt­krieg nach Deutsch­land zurück und ver­haf­te­te per­sön­lich den Chef der I.G. Far­ben. Anschlie­ßend wech­sel­te er in die sowje­ti­sche Zone und lei­te­te an der Ber­li­ner Uni­ver­si­tät das Insti­tut für Wirt­schafts­ge­schich­te. Nach sei­ner Eme­ri­tie­rung wur­de er als Kri­ti­ker der Ver­hält­nis­se in der DDR bekannt und pfleg­te gleich­zei­tig eine per­sön­lich Bezie­hung zu Erich Hon­ne­cker. Er ver­starb am 6. August 1997 in Ber­lin.2


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Martin-Gauger-Gedenktafel

Die Gedenk­ta­fel am Land­ge­richt.

Im Sep­tem­ber 2017 wur­de unmit­tel­bar neben der Schwe­be­bahn-Hal­te­stel­le Land­ge­richt an der Brü­cke über die Wup­per eine Gedenk­ta­fel für den Juris­ten und Pazi­fis­ten Mar­tin Gau­ger ein­ge­weiht und gleich­zei­tig die Brü­cke zur Gerichts­in­sel nach ihm benannt. Unter den 50 Anwe­sen­den waren Bezirks­bür­ger­meis­ter Jür­gen Viteni­us, Sieg­fried Miel­ke, Vize­prä­si­dent des Land­ge­richts und  zwei Nich­ten Gau­gers. Initi­iert wur­de die Gedenk­ta­fel vom “Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung”.

Mar­tin Gau­ger ver­wei­ger­te in sei­nem Dienst bei der Staats­an­walt­schaft in Wup­per­tal 1934 den Treue­eid auf Dik­ta­tor Adolf Hit­ler, nach­dem sein Vater, der Pfar­rer Joseph Gau­ger, ver­haf­tet wor­den war. Gau­ger wur­de aus dem Staats­dienst ent­las­sen und sei­ne Dis­ser­ta­ti­on 1936 beschlag­nahmt. Gau­ger war einer der weni­gen Juris­ten, die Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus leis­te­ten. 1939 ver­wei­ger­te er den Wehr­dienst trotz der für die­sen Fall vor­ge­se­he­nen Todes­stra­fe. Der dro­hen­den Ent­haup­tung ver­such­te er durch Sui­zid zu ent­ge­hen, was aber nicht gelang. Ein Flucht­ver­such nach Eng­land schei­ter­te im Mai 1940 in den Nie­der­lan­den, wo er ver­wun­det und ver­haf­tet wur­de. Im Juni 1941 wur­de er ins KZ Buchen­wald gebracht und am 14. Juli 1941 in der Tötungs­an­stalt Pir­na-Son­nen­stein ermor­det.1


Die Gedenk­ta­fel.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterkinder

Die Gedenk­stät­te am Ende des Fried­hofs.

Am 6. Okto­ber 2017 wur­de auf dem evan­ge­li­schen Fried­hof in Wich­ling­hau­sen an der Fried­hof­stra­ße ein Mahn­mal für die ver­stor­be­nen Kin­der von Zwangs­ar­bei­te­rin­nen ein­ge­weiht. Es besteht aus 26 Ste­len mit den Namen von Kin­dern.


Die Gedenk­stät­te besteht aus Ste­len, Namen und einer Gedenk­ta­fel.

Wie über­all in Deutsch­land wur­den auch in Wup­per­tal in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­ter unter zum Teil furcht­ba­ren Lebens­be­din­gun­gen aus­ge­beu­tet. Mut­ter­schutz wur­de vor allem für die Zwangs­ar­bei­te­rin­nen aus Ost­eu­ro­pa nicht gewährt. In Wich­ling­hau­sen wur­den auf dem Fried­hof 26 Säug­lin­ge und Klein­kin­der bestat­tet und ihr Schick­sal nun in Erin­ne­rung geru­fen.


Zwei Opfer haben nicht mal einen Namen. Sie star­ben am Tag des Ein­mar­sches des Ame­ri­ka­ner in Wup­per­tal.

Der Ver­ein “Spu­ren­su­che NS Geschich­te in Wup­per­tal e.V.” hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, an die­se Men­schen zu erin­nern und Kon­tak­te zu den noch leben­den ehe­ma­li­gen Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern her­zu­stel­len. So war zur Ein­wei­hung des Mahn­mals durch Ober­bür­ger­meis­ter Mucke auch Lujs­ja Shaty­lo ein­ge­la­den, deren Bru­der mit 14 Mona­ten an den men­schen­un­wür­di­gen Lebens­be­din­gun­gen ver­stor­ben war. Durch einen ver­spä­te­ten Flug ver­pass­te sie die Ein­wei­hung, die durch Musik und Reden, sowie dem Ver­le­se­nen der Namen der ver­stor­be­nen Kin­der beglei­tet wur­de. Außer­dem wur­de im Okto­ber eine Aus­stel­lung in der Uni­bi­blio­thek gezeigt. 1
Der ent­schei­den­de Hin­weis auf die Grä­ber, die spä­ter vom Evan­ge­li­schen Fried­hofs­ver­band loka­li­siert wur­den, stamm­te von Cesa­re Bor­gia, der 2013 durch Wolf­gang Stocks Werk über “Wup­per­ta­ler Grä­ber: His­to­ri­scher Spa­zier­gang über alle Wup­per­ta­ler Fried­hö­fe” dar­auf auf­merk­sam wur­de. Dar­in wird die Bestat­tung von Kin­dern von Zwangs­ar­bei­te­rin­nen, die bei Metall­wa­ren­fa­brik Kolb GmbH in der Rathen­aus­tr. aus­ge­beu­tet wur­den, beschrie­ben.2


Die Gedenk­ta­fel.

Die Gedenk­ta­fel erklärt:

Hier ruhen 27 Kin­der aus­län­di­scher, über­wie­gend sowje­ti­scher Zwangs­ar­bei­te­rin­nen. Die­se Kin­der wur­den zwi­schen 1944 und 1945 hier beer­digt.
Auch Wup­per­ta­ler Fir­men beschäf­tig­ten wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs aus­län­di­sche Arbeits­kräf­te, zu einem gro­ßen Teil zwangs­wei­se depor­tiert. Sie wur­den in Lagern nahe den Unter­neh­men inter­niert. So arbei­te­ten z. B. im Novem­ber 1944 bei der Fir­ma Kolb & Co. in der Rathen­aus­trra­ße / W.-Wichlinghausen 272 Zwangs- und Fremd­ar­bei­ter, davon 196 Frau­en. Von den in Wup­per­tal gebo­re­nen Zwangs­ar­bei­ter­kin­dern star­ben etwa 175, vie­le davon in einer Säug­lings­ba­ra­cke in der Ger­ma­nen­str. Infor­ma­tio­nen über deren Schick­sa­le sind kaum doku­men­tiert, sicher ist aber: Den Müt­tern wur­de nach der Ent­bin­dung nur eine kur­ze Erho­lungs­zeit zuge­stan­den. Eine natür­li­che oder aus­rei­chen­de Ernäh­rung der Säug­ling war nicht mög­lich oder wur­de ihnen ver­wehrt. Dazu kamen man­geln­de Hygie­ne, schlech­te Unter­brin­gung und gene­rel­le Ver­nach­läs­si­gung. Eine extrem hohe Zahl starb schon im Säug­lings oder Klein­kind­al­ter. Als Todes­ur­sa­che wur­de oft­mals Ernäh­rungs­stö­rung, Darm­er­kran­kun­gen oder Lun­gen­krank­hei­ten genannt.
Im Lager oblag die Kin­der­be­treu­ung der deut­schen Mar­tha L. aus Bar­men: ihre Gehil­fin­nen waren die Rus­sin Kla­wa und Lida. Über­lie­fert ist der erschüt­tern­de Bericht der ukrai­ni­schen Mut­ter Tat­ja­na Bilyk (geb. Tito­wa), die 2004 wäh­rend eines Besuchs in Wup­per­tal die Gleich­gül­tig­keit der Betreue­rin­nen gegen­über den Kin­dern beschreibt. Sie schil­dert die men­schen­ver­ach­ten­den Umstän­de, unter denen ihr 14 Mona­te alter Sohn Vik­tor durch Ver­wahr­lo­sung ster­ben muss­te, ohne dass sie ihm hel­fen konn­te.”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Familie-Paßquali-Gedenktafel

Im April 2017 wur­de am Zaun der Chris­ti­an-Mor­gen­stern-Schu­le in Unt­er­bar­men eine Gedenk­ta­fel für die Sin­ti-Fami­lie Paß­qua­li ein­ge­weiht. Die 10köpfige Schau­stel­ler-Fami­lie wur­de von den Natio­nal­so­zia­lis­ten 1940 in einem Haus an der Ober­ber­gi­schen Stra­ße zwangs­an­ge­sie­delt. Im Febru­ar 1940 und im März 1943 wur­den Fami­li­en­mit­glie­der in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen und Ausch­witz depor­tiert und bis auf weni­ge Aus­nah­men, ermor­det. Das Wohn­haus wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört. Nur vier Fami­li­en­mit­glie­der, die am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges von der Roten Armee und der US-ame­ri­ka­ni­schen Armee aus den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern befreit wur­den, über­leb­ten den Geno­zid.


Die Gedenk­ta­fel zeigt Fotos der Ver­folg­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus und erklärt aus­führ­lich Leben und Ver­fol­gung der Fami­lie.

Der Ver­ein zur Erfor­schung der sozia­len Bewe­gung und die 12. Klas­se der Mor­gen­stern-Schu­le haben die Geschich­te, Leben und Ver­fol­gung der Fami­lie recher­chiert und die Gedenk­ta­fel gestif­tet. Zur Ein­wei­hung der Tafel mit einer Gedenk­fei­er in der alten Turn­hal­le kam auch Adria­no Paß­qua­li1, des­sen Vater das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger über­leb­te, sich aber nie davon erhol­te. 220.000 bis 500.000 Sin­ti und Roma wur­den durch die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ver­fol­gung ermor­det.2

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen fin­den sich auf: http://www.gedenkbuch-wuppertal.de/de/sinti-und-roma-wuppertal


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenkstein für Johan Bastiaan Benner

Den Gedenk­stein ziert ein Rosen­strauch, wie alle Grä­ber des Fried­hofs.

Am 25. Sep­tem­ber 2015 weih­te die nie­der­län­disch-refor­mier­te Gemein­de auf ihrem male­ri­schen Fried­hof am Katern­berg einen Gedenk­stein für den nie­der­län­di­schen Zwangs­ar­bei­ter Johan Bas­tia­an Ben­ner, genannt Bas, ein. Er wur­de 1907 in Rot­ter­dam gebo­ren, mach­te eine Schrei­ner-Leh­re, hei­ra­te­te 1935 sei­ne Frau Fien und bekam mit ihr 1942 ein lang­ersehn­tes Kind namens Hans. Am 10. und 11. Novem­ber 1944, in den letz­tem Kriegs­mo­na­ten, zwan­gen die Deut­schen in Rot­ter­dam 50.000 Män­ner zur Arbeit nach Deutsch­land. Meh­re­re nie­der­län­di­sche Zwangs­ar­bei­ter fan­den Hil­fe und auch Unter­schlupf im Haus von Pas­tor Bück­mann, der der nie­der­län­disch-refor­mier­ten Gemein­de in die­ser Zeit vor­stand. Bas Ben­ner hat­te schon in den Nie­der­lan­den mit einer Lun­gen­krank­heit zu kämp­fen und ver­lor den Kampf unter den Bedin­gun­gen der Zwangs­ar­beit am 22. Febru­ar 1945. Am 1. März 1945 wur­de er auf dem Fried­hof an der Katern­ber­ger Stra­ße bei­ge­setzt. Ver­mut­lich 1955 wur­den sei­ne Gebei­ne auf den Ehren­fried­hof für die nie­der­län­di­schen Kriegs­op­fer in Düs­sel­dorf-Ober­bilk über­führt.


Nach­dem eine Enke­lin Bas Ben­ners die Spu­ren ihres Groß­va­ters such­te, wur­de der Kon­takt zur Gemein­de in Wup­per­tal wie­der her­ge­stellt. Die nie­der­län­disch-refor­mier­te Gemein­de erklärt zu dem Gedenk­stein:

Wir möch­ten der Erin­ne­rung an das Leben und Lei­den von Bas Ben­ner mit dem Gedenk­stein eine blei­ben­de Gestalt geben. Sei­ne Ver­schlep­pung und das dar­aus ent­stan­de­ne Elend ste­hen stell­ver­tre­tend für das Leid von 20.000 bis 25.000 Zwangs­ar­bei­tern, die in den Kriegs­jah­ren in Wup­per­tal ver­sklavt und aus­ge­beu­tet wur­den. Min­des­tens 1.107 von ihnen star­ben dabei. Mit dem Gedenk­stein erin­nern wir an das Leid, das ver­meint­lich min­der­wer­ti­gen Men­schen ange­tan wur­de. Und gleich­zei­tig erin­nern wir an die klei­nen, unschein­ba­ren Taten des Mit­leids und der Güte.“1


Eine aus­führ­li­che­re Beschrei­bung von Bas Ben­ners Leben und der Geschich­te des Gedenk­steins fin­det sich in einem Info­blatt der Gemein­de.

Der Gedenk­stein

Die Inschrift lau­tet:

Im Geden­ken an
Johan Bas­ti­an Ben­ne­rIm 2.Weltkrieg als einer von
vie­len tau­sen­den Zwangs­ar­bei­tern
nach Wup­per­tal ver­schleppt
geb. 14. Sept. 1907 in Rot­ter­dam, NL
gest 22.Febr.1945 in Elber­feld
hier am 1. März 1945 beerdigt“Kommt, wir wol­len
wie­der zum herrn!
Denn er hat uns zer­ris­sen,
er wird uns auch hei­len.”
hosea 6,1″

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Gedenktafel für Dr. Alfred Heimann

Nur noch Text­frag­men­te sind vom Schild zu lesen, in der Spie­ge­lung noch weni­ger.

Im Som­mer 2010 führ­te Till Söling die Enkel­töch­ter des frü­he­ren Wup­per­ta­ler Kin­der­arz­tes Dr. Alfred Hei­mann durch die alte Hei­mat­stadt ihres Groß­va­ters. Die Rou­te führ­te zur neu­en Syn­ago­ge, der Begeg­nungs­stät­te Alte Syango­ge, zu einem jüdi­schen Fried­hof und zum Haus, in dem Dr. Hei­mann sei­ne Pra­xis hat­te. Zur Über­ra­schung aller, waren dort auf dem Stein die Über­res­te des alten Pra­xis­schil­des zu sehen. Till Söling, der selbst Pati­ent hier gewe­sen war und das Haus kennt, erklär­te sich die plötz­li­che Ent­de­ckung mit dem Aus­zug eines Haus­be­woh­ners und der damit ein­her­ge­hen­den Demon­ta­ge eines Schil­des, das den Über­rest des alten ver­deckt hat­te.1

Dr. Hei­mann und sei­ne Fami­lie konn­ten vor der Ver­fol­gung durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten zunächst 1938 nach Hol­land und 1940 in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten flie­hen.

Im Anschluss an die­se Ent­de­ckung bemüh­te sich Till Söling um den Schutz des Schil­des mit einer Glas­plat­te und einer klei­nen metal­le­nen Gedenk­ta­fel.


Die Gedenk­ta­fel

Die Inschrift lau­tet:

“Zur Erin­ne­rung an den
bekann­ten und belieb­ten Kin­der­arzt
Dr. Alfred Hei­mann,
der in die­sem Hau­se leb­te und prak­ti­zier­te
bis zu sei­ner Ver­trei­bung im Jah­re 1938.

Gestif­tet von sei­nen Kin­dern und Enkeln”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Leonhard-Tietz-Gedenktafel

Am 17. Sep­tem­ber 2015 weih­ten die GALERIA Kauf­hof (Eigen­schreib­wei­se) und die Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge an der Nord­fas­sa­de des 1912 errich­te­ten Kauf­hau­ses eine glä­ser­ne Gedenk­ta­fel ein, die an Leon­hard Tietz erin­nert. Leon­hard Tietz wur­de 1849 in Birn­baum (heu­te Międ­zy­chód in Polen, damals Preu­ßen) gebo­ren und mach­te sich 1879 in Stral­sund mit einem Tex­til­ge­schäft selbst­stän­dig. 1889 eröff­ne­te er sein ers­tes Geschäft in West­deutsch­land, in der Her­zogstra­ße in Elber­feld. Rasch ver­grö­ßer­te er sein Geschäft, expan­dier­te in ande­re rhei­ni­sche Städ­te und errich­te­te, wie in Elber­feld 1912, die ers­ten Kauf­häu­ser moder­nen Typs. Er starb  im Novem­ber 1914 und hin­ter­ließ ein Unter­neh­men mit 5000 Ange­stell­ten und 25 Nie­der­las­sun­gen.

Die Gedenk­ta­fel erin­nert aber nicht nur an den Kauf­hau­spio­nier Tietz, son­dern auch an die Aus­gren­zung des jüdi­schen Unter­neh­mens Tietz aus der deut­schen Wirt­schaft im Natio­nal­so­zia­lis­mus, aus dem die West­deut­sche Kauf­hof AG und schließ­lich die GALERIA Kauf­hof her­vor ging. Mit der 1912 erfolg­ten Aus­stel­lung und der nun ange­brach­ten Gedenk­ta­fel über­nimmt das Unter­neh­men offi­zi­ell und öffent­lich Ver­ant­wor­tung für die Berau­bung von Juden im Natio­nal­so­zia­lis­mus.1


Die Gedenk­ta­fel (links) und ihre Kopie im Schau­fens­ter.

Wie in jüngs­ter Zeit üblich, ver­bin­det die Gedenk­ta­fel die Aspek­te Erin­ne­rung und Ler­nen durch einen aus­führ­li­chen Text und ein Bild vom Innen­le­ben des Waren­hau­ses. Beglei­tet wird die Ein­wei­hung durch eine Schau­fens­ter­aus­stel­lung.


Die Schau­fens­ter­aus­stel­lung.

Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Zwangsarbeiter-Durchgangslagers “Am Giebel”

Die Gedenk­ta­fel, im Hin­ter­grund sieht man eine North Ame­ri­can T-6. Es han­delt sich um ein ame­ri­ka­ni­sches Trai­nings­flug­zeug, das sowohl von den Bri­ten als auch von des US Air Force wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs zur Aus­bil­dung ver­wen­det wur­de. 1957 bil­de­te auch die Bun­des­luft­waf­fe ihre Pilo­ten auf dem Modell aus. Die­ses tat dort aber kei­nen Dienst und trug erst ab 1972 die Ken­nung D-FABY.

Am 17. April 2015 jähr­te sich das Kriegs­en­de in Wup­per­tal, der unblu­ti­ge Ein­marsch der ame­ri­ka­ni­schen Armee, zum 70. Mal. In zahl­rei­chen Akti­vi­tä­ten wur­de dar­an erin­nert, unter ande­rem mit der Ein­wei­hung einer Erin­ne­rungs­ta­fel im Indus­trie­ge­biet Möbeck, wo im Zwei­ten Welt­krieg ein Durch­gangs­la­ger für Zwangs­ar­bei­ter und Zwangs­ar­bei­te­rin­nen exis­tiert hat­te. 1 Der Ver­ein zur Erfor­schung der Sozia­len Bewe­gung hat­te zur Ein­wei­hung unter ande­rem ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­ter aus dem nie­der­län­di­schen Roer­mond ein­ge­la­den.2


Zusätz­lich zur Gedenk­ta­fel ist noch die­se Skulp­tur ange­bracht.

Wie gegen­wär­tig bei zahl­rei­chen Gedenk­ta­feln üblich, ist der Text­an­teil sehr hoch und ver­sucht anstatt zu erin­nern zu erklä­ren, da die Zeit­ge­nos­sen fast alle nicht mehr leben und man der Ver­klä­rung ent­ge­gen­tre­ten will. Neben dem eigent­li­chen Text zeigt die Gedenk­ta­fel noch einen Lage­plan, eine Zeich­nung einer Bara­cke des Lagers und Namen der hier gestor­be­nen Zwangs­ar­bei­ter.


Die Gedenk­ta­fel.

Laut Tafel war das Lager vor sei­ner Nut­zung als Durch­gangs­la­ger ein städ­ti­sches Obdach­lo­sen­asyl für etwa 230 Per­so­nen und wur­de in der Wirt­schafts­kri­se ein­ge­rich­tet. 1940 wur­de es als Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger genutzt und mit 1200 sowje­ti­schen und fran­zö­si­schen Sol­da­ten belegt. Anfang 1942 wur­de es dann zu einem von 50 Durch­gangs­la­gern im Reich, in dem zunächst rus­si­sche Zwangs­ar­bei­ter unter­ge­bracht wur­den. Über 125.000 Men­schen wur­den von hier zur Zwangs­ar­beit ver­teilt, die Bedin­gun­gen waren kata­stro­phal und men­schen­ver­ach­tend. 135 Men­schen und cir­ca 40 Kin­der star­ben an die­sem Ort. Die Zwangs­ar­bei­ter wur­den auch zur Ent­trüm­me­rung von bom­bar­dier­ten Stadt­tei­len ein­ge­setzt, hat­ten aber kein Anrecht auf Schutz in den Bun­kern, was zur einem star­ken Anstieg der Todes­ra­te ab 1942 führ­te.


In der Bro­schü­re “Ver­ges­se­ne Orte. Eine Tras­sen­tour auf den Spu­ren der NS-Zeit in Wup­per­tal”, fin­den sich eini­ge Zeit­zeu­gen­be­rich­te. Der Aus­schnitt von Evge­ni­ja Iva­nov­na M. sei hier zitiert:

Das Lager war drei­rei­hig mit Sta­chel­draht umzäunt, durch den Strom floss, da stan­den Poli­zis­ten, die uns stän­dig schlu­gen, aber unter uns Ost­ar­bei­tern waren Muti­ge, die aus dem Lager flo­hen. Aber sie wur­den alle gefan­gen und in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gesteckt. Wir haben nichts mehr von ihnen gehört und sie bis heu­te nicht wie­der­ge­se­hen. Als wir im Lager Gie­bel waren, arbei­te­ten wir bei der Trüm­mer­räu­mung in Wup­per­tal, Elber­feld, Voh­win­kel, Rem­scheid, Bar­men, Ober­bar­men usw. Nach Bom­bar­die­run­gen räum­ten wir Rui­nen, repa­rier­ten Stra­ßen und Stra­ßen­bah­nen. Wäh­rend der Bom­bar­die­run­gen wur­den wir nicht in den Bun­ker gelas­sen, die Bewoh­ner selbst schlu­gen uns, trie­ben uns hin­aus und brüll­ten uns an ‚Jude‘.“3


Aus­schnitt des Lager­plans.

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Hermann-Steinacker-Gedenktafel

Unten links befin­det sich die Gedenk­ta­fel.

Vor dem 20. März 20141 wur­de an der Wülf­ra­ther Stra­ße an der Stütz­mau­er zum Schul­hof der För­der­schu­le Huf­schmied­stra­ße eine Gedenk­ta­fel ange­bracht, die an Her­mann Stein­acker erin­nert. Der Anar­chist wur­de am 20. Novem­ber 1870 in Olden­heim bei Karls­ru­he gebo­ren, mach­te eine Aus­bil­dung zum Schnei­der und schloss sich der SPD an. 1910 führ­te ihn die poli­ti­sche Poli­zei in Ber­lin im Anar­chis­ten-Ver­zeich­nis auf, er hat­te sich also von der SPD getrennt. Anar­chis­ten wur­den im Kai­ser­reich sowohl von der Poli­zei über­wacht und bekämpft, von der SPD und Gewerk­schaf­ten als Fein­de behan­delt. Die radi­ka­len Elber­fel­der Pazi­fis­ten wur­den mit Beginn des Ers­ten Welt­kriegs inhaf­tiert, Stein­acker kam erst im März 1916 frei — und wur­de prompt zum Mili­tär­dienst ein­ge­zo­gen. In den Dyna­mi­ken des Kriegs­en­des und der Revo­lu­ti­on wuchs die Freie Arbei­ter-Uni­on Deutsch­lands (FAUD) 1200 Mit­glie­der, deren Zahl aber ab 1923 wie­der schrumpf­te und 1933 nur noch 40 Mit­glie­der zähl­te.
Her­mann Stein­acker besaß eine Schnei­der­stu­be in der Para­de­stra­ße und war eine bedeu­ten­de Figur der FAUD im Wup­per­tal und Men­tor der anar­chis­ti­schen Kin­der- und Jugend­grup­pen. Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 die Macht in Deutsch­land über­nom­men hat­ten, orga­ni­sier­te er den anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Wider­stand in Wup­per­tal. Im Okto­ber 1934 wur­de er von der Gesta­po ver­haf­tet und zu einem Jahr und neun Mona­ten Haft ver­ur­teilt, die er in der JVA Lüttring­hau­sen ver­brach­te. Nach sei­ner Ent­las­sung sam­mel­te er Gel­der zur Unter­stüt­zung der Volks­front­re­gie­rung im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg. Im Febru­ar 1937, acht Mona­te nach sei­ner Ent­las­sung, flog das Netz­werk der Anar­cho-Syn­di­ka­lis­ten im Rhein­land auf und Stein­acker wur­de erneut ver­haf­tet. Im Janu­ar 1938 wur­de er mit 88 wei­te­ren Ange­klag­ten vor dem Ham­mer Ober­lan­des­ge­richt ver­ur­teilt und erhielt eine der Höchst­stra­fen, 10 Jah­re  Haft, die er zum Groß­teil im Zucht­haus in Müns­ter ver­brach­te. Fol­ter und Haft schwäch­ten ihn, sodass er von Mit­häft­lin­gen von sei­ner Zel­le in den Arbeits­saal getra­gen wer­den muss­te. Eines Tages schlief er wäh­rend der Arbeit dort ein und wur­de wegen Arbeits­un­fä­hig­keit im Janu­ar 1944 in das KZ Maut­hau­sen depor­tiert. Als Arbeits­un­fä­hi­ger wur­de er als unwer­tes Leben in der Welt­an­schau­ung der Natio­nal­so­zia­lis­ten ange­se­hen und am 14. April 1944 mit­tels einer Sprit­ze mit Kup­fer­vi­tri­ol ermor­det. Die Gesta­po über­gab sei­ner Toch­ter anschlie­ßend sei­ne blut­ver­schmier­te Bril­le. 2


Die Gedenk­ta­fel ähnelt jener für Otto Böh­ne.

Die Gedenk­ta­fel erklärt unter einem nicht näher bezeich­ne­ten Foto:

Her­mann Stein­acker (20.11.1878 — 14.04.1944)

Über­zeug­ter Geg­ner des 1. Welt­krie­ges,
zen­tra­le Figur der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Bewe­ge­ung in
der Wei­ma­rer Repu­blik, Wider­stands­kämp­fer gegen die NS-Dik­ta­tur.

Stein­acker wur­de 1944 durch die Nazis im
Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen ermor­det.

Hier an die­ser Stel­le stand das Haus in dem er leb­te.

Nichts und Nie­mand ist ver­ges­sen!”


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Otto-Böhne-Gedenktafel

Am 25. Febru­ar 2014 jähr­te sich zum 80. Mal der Todes­tag Otto Böh­nes, das Anti­fa-Café Wup­per­tal nahm dies zum Anlass an den Wup­per­ta­ler Stadt­ver­ord­ne­ten zu erin­nern.1 Mög­li­cher­wei­se in die­sem Zusam­men­hang brach­te man am Otto-Böh­ne-Platz in der Nord­stadt eine Gedenk­ta­fel an, am 20. März 2014 sprach man bereits von einer kürz­lich ange­brach­ten Gedenk­ta­fel.2


Die Gedenk­ta­fel.

Die Gedenk­ta­fel aus ein­fa­chem Kunst­stoff zeigt eine Foto­gra­fie Otto Böh­nes. Die Inschrift lau­tet:

Otto Böh­ne (4.1.1898 — 25.2.1934)
Wider­stands­kämp­fer und Kom­mu­nist

Otto Böh­ne starb im Kran­ken­haus in Papen­burg an den Fol­gen
grau­en­haf­ter Miss­hand­lun­gen, die ihm im KZ Kem­na und im
KZ Bör­ger­moor zuge­fügt wur­den.

Böh­ne wohn­te in der Wir­ker­stras­se 37 auf dem Elber­fel­der Ölberg.
Er war Nach­wuchs­lei­ter und Stadt­ver­ord­ne­ter der KPD.

Nichts und Nie­mand ist ver­ges­sen!”


Der am 4. Dezem­ber 1897 gebo­re­ne Otto Böh­ne kam aus Elber­feld und hat­te fünf Geschwis­ter. Er erlern­te den Beruf des Schlos­sers und kämpf­te im Ers­ten Welt­krieg. Anschlie­ßend arbei­te­te er bei Quan­te und schloss sich der KPD an, wo er es zum Orga­ni­sa­ti­ons­se­kre­tär brach­te. Noch im März 1933 wur­de er zum Stadt­ver­ord­ne­ten gewählt. Nach­dem er bereits im April 1933 von den Natio­nal­so­zia­lis­ten in Schutz­haft genom­men wor­den war, wur­de er im Juli 1933 in sei­ner Woh­nung in der Wir­ker­stra­ße 37 ver­haf­tet, vor den Augen sei­ner 13jährigen Toch­ter miss­han­delt und in das KZ Kem­na gebracht. Als Kom­mu­nist wur­de er in der Kem­na grau­sam gefol­tert und schwer miss­han­delt. Mit letz­ten Kräf­ten über­stand er nach der Auf­lö­sung des KZs Kem­na den Trans­port ins KZ Bör­ger­moor. Am 25. Febru­ar 1934 erlag er im Kran­ken­haus von Papen­burg sei­nen Ver­let­zun­gen. Er wur­de in sei­ner Woh­nung zwei Tage auf­ge­bahrt und anschlie­ßend auf dem Rons­dor­fer Kom­mu­nal­fried­hof bestat­tet. 3


Der Otto-Böh­ne-Platz wur­de am 21. Juni 1988 nach dem Wider­stands­kämp­fer benannt. (Wolf­gang Stock, Wup­per­ta­ler Stra­ßen­na­men, Essen 2002, S. 293.)

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te