Jürgen-Kuczynski-Gedenktafel


Die Gedenktafel ist leider unglücklich angebracht, sodass den Text nur große Menschen lesen können.

Im November 2017 wurde in der Jaegerstraße im Zoo-Viertel eine Gedenktafel für Prof. Dr. Jürgen Kuczynski eingeweiht, der im Haus Nr. 17 am 17. September 1904 geboren wurde. Er wurde geehrt als Universalgelehrter der deutschen Gesellschaftswissenschaften und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Seine Ehrung hatte Oberbürgermeister Mucke vorgeschlagen. Zur Einweihung reisten auch sein Kuczynskis Sohn und andere Verwandte an. Der Vater Kuzcynskis war in Wuppertal als Direktor des statistischen Amtes der Stadt Elberfeld tätig, 1906 verzog die Familie nach Schönefeld. Die Gäste der Einweihung wurde anschließend im Historischen Zentrum begrüßt.1
Die Inschrift lautet:


„Prof. Dr. Kuczynski
In diesem Haus lebte von 1904 bis 1906 der Begründer der modernen Bevölkerungsstatistik, Robert Rene Kuczynski, mit seiner Ehefrau Bertha. Er war seit Februar 1904 Direktor des Statistischen Amtes der damals noch selbstständigen Stadt Elberfeld.
Sein Sohn, Jürgen Kuczynski, wurde in diesem Haus am 17. September 1904 geboren.
Als letzter Universalgelehrter der deutschen Gesellschaftswissenschaften erlangte der Marxist deutsch-jüdischer Herkunft, der „hoffnungslose Optimist und linientreue Dissident“, nationale und internationale Bedeutung.
Unvergessen bleibt sein Widerstandskampf gegen die nationalsozialistische Diktatur.“


Kuczynski war nach seinem Studium der Philosophie, Statistik und Politökonomie seit 1930 Mitglied der KPD. 1936 ging er aufgrund nationalsozialistischer Verfolgung ins Exil nach England und wurde als Statistiker vom amerikanischen Geheimdienst Office of Strategic Services rekrutiert. Im Dienst der Amerikaner kehrte er auch nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurück und verhaftete persönlich den Chef der I.G. Farben. Anschließend wechselte er in die sowjetische Zone und leitete an der Berliner Universität das Institut für Wirtschaftsgeschichte. Nach seiner Emeritierung wurde er als Kritiker der Verhältnisse in der DDR bekannt und pflegte gleichzeitig eine persönlich Beziehung zu Erich Honnecker. Er verstarb am 6. August 1997 in Berlin.2


Position des Denkmals auf der Karte


Martin-Gauger-Gedenktafel

Die Gedenktafel am Landgericht.

Im September 2017 wurde unmittelbar neben der Schwebebahn-Haltestelle Landgericht an der Brücke über die Wupper eine Gedenktafel für den Juristen und Pazifisten Martin Gauger eingeweiht und gleichzeitig die Brücke zur Gerichtsinsel nach ihm benannt. Unter den 50 Anwesenden waren Bezirksbürgermeister Jürgen Vitenius, Siegfried Mielke, Vizepräsident des Landgerichts und  zwei Nichten Gaugers. Initiiert wurde die Gedenktafel vom “Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung”.

Martin Gauger verweigerte in seinem Dienst bei der Staatsanwaltschaft in Wuppertal 1934 den Treueeid auf Diktator Adolf Hitler, nachdem sein Vater, der Pfarrer Joseph Gauger, verhaftet worden war. Gauger wurde aus dem Staatsdienst entlassen und seine Dissertation 1936 beschlagnahmt. Gauger war einer der wenigen Juristen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten. 1939 verweigerte er den Wehrdienst trotz der für diesen Fall vorgesehenen Todesstrafe. Der drohenden Enthauptung versuchte er durch Suizid zu entgehen, was aber nicht gelang. Ein Fluchtversuch nach England scheiterte im Mai 1940 in den Niederlanden, wo er verwundet und verhaftet wurde. Im Juni 1941 wurde er ins KZ Buchenwald gebracht und am 14. Juli 1941 in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet.1


Die Gedenktafel.

Position des Denkmals auf der Karte


Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterkinder

Die Gedenkstätte am Ende des Friedhofs.

Am 6. Oktober 2017 wurde auf dem evangelischen Friedhof in Wichlinghausen an der Friedhofstraße ein Mahnmal für die verstorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen eingeweiht. Es besteht aus 26 Stelen mit den Namen von Kindern.


Die Gedenkstätte besteht aus Stelen, Namen und einer Gedenktafel.

Wie überall in Deutschland wurden auch in Wuppertal in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter zum Teil furchtbaren Lebensbedingungen ausgebeutet. Mutterschutz wurde vor allem für die Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa nicht gewährt. In Wichlinghausen wurden auf dem Friedhof 26 Säuglinge und Kleinkinder bestattet und ihr Schicksal nun in Erinnerung gerufen.


Zwei Opfer haben nicht mal einen Namen. Sie starben am Tag des Einmarsches des Amerikaner in Wuppertal.

Der Verein “Spurensuche NS Geschichte in Wuppertal e.V.” hat es sich zur Aufgabe gemacht, an diese Menschen zu erinnern und Kontakte zu den noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern herzustellen. So war zur Einweihung des Mahnmals durch Oberbürgermeister Mucke auch Lujsja Shatylo eingeladen, deren Bruder mit 14 Monaten an den menschenunwürdigen Lebensbedingungen verstorben war. Durch einen verspäteten Flug verpasste sie die Einweihung, die durch Musik und Reden, sowie dem Verlesenen der Namen der verstorbenen Kinder begleitet wurde. Außerdem wurde im Oktober eine Ausstellung in der Unibibliothek gezeigt. 1
Der entscheidende Hinweis auf die Gräber, die später vom Evangelischen Friedhofsverband lokalisiert wurden, stammte von Cesare Borgia, der 2013 durch Wolfgang Stocks Werk über “Wuppertaler Gräber: Historischer Spaziergang über alle Wuppertaler Friedhöfe” darauf aufmerksam wurde. Darin wird die Bestattung von Kindern von Zwangsarbeiterinnen, die bei Metallwarenfabrik Kolb GmbH in der Rathenaustr. ausgebeutet wurden, beschrieben.2


Die Gedenktafel.

Die Gedenktafel erklärt:

“Hier ruhen 27 Kinder ausländischer, überwiegend sowjetischer Zwangsarbeiterinnen. Diese Kinder wurden zwischen 1944 und 1945 hier beerdigt.
Auch Wuppertaler Firmen beschäftigten während des Zweiten Weltkriegs ausländische Arbeitskräfte, zu einem großen Teil zwangsweise deportiert. Sie wurden in Lagern nahe den Unternehmen interniert. So arbeiteten z. B. im November 1944 bei der Firma Kolb & Co. in der Rathenaustrraße / W.-Wichlinghausen 272 Zwangs- und Fremdarbeiter, davon 196 Frauen. Von den in Wuppertal geborenen Zwangsarbeiterkindern starben etwa 175, viele davon in einer Säuglingsbaracke in der Germanenstr. Informationen über deren Schicksale sind kaum dokumentiert, sicher ist aber: Den Müttern wurde nach der Entbindung nur eine kurze Erholungszeit zugestanden. Eine natürliche oder ausreichende Ernährung der Säugling war nicht möglich oder wurde ihnen verwehrt. Dazu kamen mangelnde Hygiene, schlechte Unterbringung und generelle Vernachlässigung. Eine extrem hohe Zahl starb schon im Säuglings oder Kleinkindalter. Als Todesursache wurde oftmals Ernährungsstörung, Darmerkrankungen oder Lungenkrankheiten genannt.
Im Lager oblag die Kinderbetreuung der deutschen Martha L. aus Barmen: ihre Gehilfinnen waren die Russin Klawa und Lida. Überliefert ist der erschütternde Bericht der ukrainischen Mutter Tatjana Bilyk (geb. Titowa), die 2004 während eines Besuchs in Wuppertal die Gleichgültigkeit der Betreuerinnen gegenüber den Kindern beschreibt. Sie schildert die menschenverachtenden Umstände, unter denen ihr 14 Monate alter Sohn Viktor durch Verwahrlosung sterben musste, ohne dass sie ihm helfen konnte.”


Position des Denkmals auf der Karte


Familie-Paßquali-Gedenktafel

Im April 2017 wurde am Zaun der Christian-Morgenstern-Schule in Unterbarmen eine Gedenktafel für die Sinti-Familie Paßquali eingeweiht. Die 10köpfige Schausteller-Familie wurde von den Nationalsozialisten 1940 in einem Haus an der Oberbergischen Straße zwangsangesiedelt. Im Februar 1940 und im März 1943 wurden Familienmitglieder in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Auschwitz deportiert und bis auf wenige Ausnahmen, ermordet. Das Wohnhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nur vier Familienmitglieder, die am Ende des Zweiten Weltkrieges von der Roten Armee und der US-amerikanischen Armee aus den Konzentrationslagern befreit wurden, überlebten den Genozid.


Die Gedenktafel zeigt Fotos der Verfolgten des Nationalsozialismus und erklärt ausführlich Leben und Verfolgung der Familie.

Der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung und die 12. Klasse der Morgenstern-Schule haben die Geschichte, Leben und Verfolgung der Familie recherchiert und die Gedenktafel gestiftet. Zur Einweihung der Tafel mit einer Gedenkfeier in der alten Turnhalle kam auch Adriano Paßquali1, dessen Vater das Konzentrationslager überlebte, sich aber nie davon erholte. 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma wurden durch die nationalsozialistische Verfolgung ermordet.2

Ausführliche Informationen finden sich auf: http://www.gedenkbuch-wuppertal.de/de/sinti-und-roma-wuppertal


Position des Denkmals auf der Karte


Gedenkstein für Johan Bastiaan Benner

Den Gedenkstein ziert ein Rosenstrauch, wie alle Gräber des Friedhofs.

Am 25. September 2015 weihte die niederländisch-reformierte Gemeinde auf ihrem malerischen Friedhof am Katernberg einen Gedenkstein für den niederländischen Zwangsarbeiter Johan Bastiaan Benner, genannt Bas, ein. Er wurde 1907 in Rotterdam geboren, machte eine Schreiner-Lehre, heiratete 1935 seine Frau Fien und bekam mit ihr 1942 ein langersehntes Kind namens Hans. Am 10. und 11. November 1944, in den letztem Kriegsmonaten, zwangen die Deutschen in Rotterdam 50.000 Männer zur Arbeit nach Deutschland. Mehrere niederländische Zwangsarbeiter fanden Hilfe und auch Unterschlupf im Haus von Pastor Bückmann, der der niederländisch-reformierten Gemeinde in dieser Zeit vorstand. Bas Benner hatte schon in den Niederlanden mit einer Lungenkrankheit zu kämpfen und verlor den Kampf unter den Bedingungen der Zwangsarbeit am 22. Februar 1945. Am 1. März 1945 wurde er auf dem Friedhof an der Katernberger Straße beigesetzt. Vermutlich 1955 wurden seine Gebeine auf den Ehrenfriedhof für die niederländischen Kriegsopfer in Düsseldorf-Oberbilk überführt.


Nachdem eine Enkelin Bas Benners die Spuren ihres Großvaters suchte, wurde der Kontakt zur Gemeinde in Wuppertal wieder hergestellt. Die niederländisch-reformierte Gemeinde erklärt zu dem Gedenkstein:

“Wir möchten der Erinnerung an das Leben und Leiden von Bas Benner mit dem Gedenkstein eine bleibende Gestalt geben. Seine Verschleppung und das daraus entstandene Elend stehen stellvertretend für das Leid von 20.000 bis 25.000 Zwangsarbeitern, die in den Kriegsjahren in Wuppertal versklavt und ausgebeutet wurden. Mindestens 1.107 von ihnen starben dabei. Mit dem Gedenkstein erinnern wir an das Leid, das vermeintlich minderwertigen Menschen angetan wurde. Und gleichzeitig erinnern wir an die kleinen, unscheinbaren Taten des Mitleids und der Güte.”1


Eine ausführlichere Beschreibung von Bas Benners Leben und der Geschichte des Gedenksteins findet sich in einem Infoblatt der Gemeinde.

Der Gedenkstein

Die Inschrift lautet:

Im Gedenken an
Johan Bastian BennerIm 2.Weltkrieg als einer von
vielen tausenden Zwangsarbeitern
nach Wuppertal verschleppt
geb. 14. Sept. 1907 in Rotterdam, NL
gest 22.Febr.1945 in Elberfeld
hier am 1. März 1945 beerdigt”Kommt, wir wollen
wieder zum herrn!
Denn er hat uns zerrissen,
er wird uns auch heilen.”
hosea 6,1″

Position des Denkmals auf der Karte


Gedenktafel für Dr. Alfred Heimann

Nur noch Textfragmente sind vom Schild zu lesen, in der Spiegelung noch weniger.

Im Sommer 2010 führte Till Söling die Enkeltöchter des früheren Wuppertaler Kinderarztes Dr. Alfred Heimann durch die alte Heimatstadt ihres Großvaters. Die Route führte zur neuen Synagoge, der Begegnungsstätte Alte Syangoge, zu einem jüdischen Friedhof und zum Haus, in dem Dr. Heimann seine Praxis hatte. Zur Überraschung aller, waren dort auf dem Stein die Überreste des alten Praxisschildes zu sehen. Till Söling, der selbst Patient hier gewesen war und das Haus kennt, erklärte sich die plötzliche Entdeckung mit dem Auszug eines Hausbewohners und der damit einhergehenden Demontage eines Schildes, das den Überrest des alten verdeckt hatte.1

Dr. Heimann und seine Familie konnten vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zunächst 1938 nach Holland und 1940 in die Vereinigten Staaten fliehen.

Im Anschluss an diese Entdeckung bemühte sich Till Söling um den Schutz des Schildes mit einer Glasplatte und einer kleinen metallenen Gedenktafel.


Die Gedenktafel

Die Inschrift lautet:

“Zur Erinnerung an den
bekannten und beliebten Kinderarzt
Dr. Alfred Heimann,
der in diesem Hause lebte und praktizierte
bis zu seiner Vertreibung im Jahre 1938.

Gestiftet von seinen Kindern und Enkeln”


Position des Denkmals auf der Karte


Leonhard-Tietz-Gedenktafel

Am 17. September 2015 weihten die GALERIA Kaufhof (Eigenschreibweise) und die Begegnungsstätte Alte Synagoge an der Nordfassade des 1912 errichteten Kaufhauses eine gläserne Gedenktafel ein, die an Leonhard Tietz erinnert. Leonhard Tietz wurde 1849 in Birnbaum (heute Międzychód in Polen, damals Preußen) geboren und machte sich 1879 in Stralsund mit einem Textilgeschäft selbstständig. 1889 eröffnete er sein erstes Geschäft in Westdeutschland, in der Herzogstraße in Elberfeld. Rasch vergrößerte er sein Geschäft, expandierte in andere rheinische Städte und errichtete, wie in Elberfeld 1912, die ersten Kaufhäuser modernen Typs. Er starb  im November 1914 und hinterließ ein Unternehmen mit 5000 Angestellten und 25 Niederlassungen.

Die Gedenktafel erinnert aber nicht nur an den Kaufhauspionier Tietz, sondern auch an die Ausgrenzung des jüdischen Unternehmens Tietz aus der deutschen Wirtschaft im Nationalsozialismus, aus dem die Westdeutsche Kaufhof AG und schließlich die GALERIA Kaufhof hervor ging. Mit der 1912 erfolgten Ausstellung und der nun angebrachten Gedenktafel übernimmt das Unternehmen offiziell und öffentlich Verantwortung für die Beraubung von Juden im Nationalsozialismus.1


Die Gedenktafel (links) und ihre Kopie im Schaufenster.

Wie in jüngster Zeit üblich, verbindet die Gedenktafel die Aspekte Erinnerung und Lernen durch einen ausführlichen Text und ein Bild vom Innenleben des Warenhauses. Begleitet wird die Einweihung durch eine Schaufensterausstellung.


Die Schaufensterausstellung.

Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer des Zwangsarbeiter-Durchgangslagers “Am Giebel”

Die Gedenktafel, im Hintergrund sieht man eine North American T-6. Es handelt sich um ein amerikanisches Trainingsflugzeug, das sowohl von den Briten als auch von des US Air Force während des Zweiten Weltkriegs zur Ausbildung verwendet wurde. 1957 bildete auch die Bundesluftwaffe ihre Piloten auf dem Modell aus. Dieses tat dort aber keinen Dienst und trug erst ab 1972 die Kennung D-FABY.

Am 17. April 2015 jährte sich das Kriegsende in Wuppertal, der unblutige Einmarsch der amerikanischen Armee, zum 70. Mal. In zahlreichen Aktivitäten wurde daran erinnert, unter anderem mit der Einweihung einer Erinnerungstafel im Industriegebiet Möbeck, wo im Zweiten Weltkrieg ein Durchgangslager für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen existiert hatte. 1 Der Verein zur Erforschung der Sozialen Bewegung hatte zur Einweihung unter anderem ehemalige Zwangsarbeiter aus dem niederländischen Roermond eingeladen.2


Zusätzlich zur Gedenktafel ist noch diese Skulptur angebracht.

Wie gegenwärtig bei zahlreichen Gedenktafeln üblich, ist der Textanteil sehr hoch und versucht anstatt zu erinnern zu erklären, da die Zeitgenossen fast alle nicht mehr leben und man der Verklärung entgegentreten will. Neben dem eigentlichen Text zeigt die Gedenktafel noch einen Lageplan, eine Zeichnung einer Baracke des Lagers und Namen der hier gestorbenen Zwangsarbeiter.


Die Gedenktafel.

Laut Tafel war das Lager vor seiner Nutzung als Durchgangslager ein städtisches Obdachlosenasyl für etwa 230 Personen und wurde in der Wirtschaftskrise eingerichtet. 1940 wurde es als Kriegsgefangenenlager genutzt und mit 1200 sowjetischen und französischen Soldaten belegt. Anfang 1942 wurde es dann zu einem von 50 Durchgangslagern im Reich, in dem zunächst russische Zwangsarbeiter untergebracht wurden. Über 125.000 Menschen wurden von hier zur Zwangsarbeit verteilt, die Bedingungen waren katastrophal und menschenverachtend. 135 Menschen und circa 40 Kinder starben an diesem Ort. Die Zwangsarbeiter wurden auch zur Enttrümmerung von bombardierten Stadtteilen eingesetzt, hatten aber kein Anrecht auf Schutz in den Bunkern, was zur einem starken Anstieg der Todesrate ab 1942 führte.


In der Broschüre “Vergessene Orte. Eine Trassentour auf den Spuren der NS-Zeit in Wuppertal“, finden sich einige Zeitzeugenberichte. Der Ausschnitt von Evgenija Ivanovna M. sei hier zitiert:

“Das Lager war dreireihig mit Stacheldraht umzäunt, durch den Strom floss, da standen Polizisten, die uns ständig schlugen, aber unter uns Ostarbeitern waren Mutige, die aus dem Lager flohen. Aber sie wurden alle gefangen und in ein Konzentrationslager gesteckt. Wir haben nichts mehr von ihnen gehört und sie bis heute nicht wiedergesehen. Als wir im Lager Giebel waren, arbeiteten wir bei der Trümmerräumung in Wuppertal, Elberfeld, Vohwinkel, Remscheid, Barmen, Oberbarmen usw. Nach Bombardierungen räumten wir Ruinen, reparierten Straßen und Straßenbahnen. Während der Bombardierungen wurden wir nicht in den Bunker gelassen, die Bewohner selbst schlugen uns, trieben uns hinaus und brüllten uns an ‚Jude‘.”3


Ausschnitt des Lagerplans.

Position des Denkmals auf der Karte


Hermann-Steinacker-Gedenktafel

Unten links befindet sich die Gedenktafel.

Vor dem 20. März 20141 wurde an der Wülfrather Straße an der Stützmauer zum Schulhof der Förderschule Hufschmiedstraße eine Gedenktafel angebracht, die an Hermann Steinacker erinnert. Der Anarchist wurde am 20. November 1870 in Oldenheim bei Karlsruhe geboren, machte eine Ausbildung zum Schneider und schloss sich der SPD an. 1910 führte ihn die politische Polizei in Berlin im Anarchisten-Verzeichnis auf, er hatte sich also von der SPD getrennt. Anarchisten wurden im Kaiserreich sowohl von der Polizei überwacht und bekämpft, von der SPD und Gewerkschaften als Feinde behandelt. Die radikalen Elberfelder Pazifisten wurden mit Beginn des Ersten Weltkriegs inhaftiert, Steinacker kam erst im März 1916 frei – und wurde prompt zum Militärdienst eingezogen. In den Dynamiken des Kriegsendes und der Revolution wuchs die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) 1200 Mitglieder, deren Zahl aber ab 1923 wieder schrumpfte und 1933 nur noch 40 Mitglieder zählte.
Hermann Steinacker besaß eine Schneiderstube in der Paradestraße und war eine bedeutende Figur der FAUD im Wuppertal und Mentor der anarchistischen Kinder- und Jugendgruppen. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatten, organisierte er den anarchosyndikalistischen Widerstand in Wuppertal. Im Oktober 1934 wurde er von der Gestapo verhaftet und zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt, die er in der JVA Lüttringhausen verbrachte. Nach seiner Entlassung sammelte er Gelder zur Unterstützung der Volksfrontregierung im Spanischen Bürgerkrieg. Im Februar 1937, acht Monate nach seiner Entlassung, flog das Netzwerk der Anarcho-Syndikalisten im Rheinland auf und Steinacker wurde erneut verhaftet. Im Januar 1938 wurde er mit 88 weiteren Angeklagten vor dem Hammer Oberlandesgericht verurteilt und erhielt eine der Höchststrafen, 10 Jahre  Haft, die er zum Großteil im Zuchthaus in Münster verbrachte. Folter und Haft schwächten ihn, sodass er von Mithäftlingen von seiner Zelle in den Arbeitssaal getragen werden musste. Eines Tages schlief er während der Arbeit dort ein und wurde wegen Arbeitsunfähigkeit im Januar 1944 in das KZ Mauthausen deportiert. Als Arbeitsunfähiger wurde er als unwertes Leben in der Weltanschauung der Nationalsozialisten angesehen und am 14. April 1944 mittels einer Spritze mit Kupfervitriol ermordet. Die Gestapo übergab seiner Tochter anschließend seine blutverschmierte Brille. 2


Die Gedenktafel ähnelt jener für Otto Böhne.

Die Gedenktafel erklärt unter einem nicht näher bezeichneten Foto:

“Hermann Steinacker (20.11.1878 – 14.04.1944)

Überzeugter Gegner des 1. Weltkrieges,
zentrale Figur der anarchosyndikalistischen Bewegeung in
der Weimarer Republik, Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur.

Steinacker wurde 1944 durch die Nazis im
Konzentrationslager Mauthausen ermordet.

Hier an dieser Stelle stand das Haus in dem er lebte.

Nichts und Niemand ist vergessen!”


Position des Denkmals auf der Karte


Otto-Böhne-Gedenktafel

Am 25. Februar 2014 jährte sich zum 80. Mal der Todestag Otto Böhnes, das Antifa-Café Wuppertal nahm dies zum Anlass an den Wuppertaler Stadtverordneten zu erinnern.1 Möglicherweise in diesem Zusammenhang brachte man am Otto-Böhne-Platz in der Nordstadt eine Gedenktafel an, am 20. März 2014 sprach man bereits von einer kürzlich angebrachten Gedenktafel.2


Die Gedenktafel.

Die Gedenktafel aus einfachem Kunststoff zeigt eine Fotografie Otto Böhnes. Die Inschrift lautet:

“Otto Böhne (4.1.1898 – 25.2.1934)
Widerstandskämpfer und Kommunist

Otto Böhne starb im Krankenhaus in Papenburg an den Folgen
grauenhafter Misshandlungen, die ihm im KZ Kemna und im
KZ Börgermoor zugefügt wurden.

Böhne wohnte in der Wirkerstrasse 37 auf dem Elberfelder Ölberg.
Er war Nachwuchsleiter und Stadtverordneter der KPD.

Nichts und Niemand ist vergessen!”


Der am 4. Dezember 1897 geborene Otto Böhne kam aus Elberfeld und hatte fünf Geschwister. Er erlernte den Beruf des Schlossers und kämpfte im Ersten Weltkrieg. Anschließend arbeitete er bei Quante und schloss sich der KPD an, wo er es zum Organisationssekretär brachte. Noch im März 1933 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. Nachdem er bereits im April 1933 von den Nationalsozialisten in Schutzhaft genommen worden war, wurde er im Juli 1933 in seiner Wohnung in der Wirkerstraße 37 verhaftet, vor den Augen seiner 13jährigen Tochter misshandelt und in das KZ Kemna gebracht. Als Kommunist wurde er in der Kemna grausam gefoltert und schwer misshandelt. Mit letzten Kräften überstand er nach der Auflösung des KZs Kemna den Transport ins KZ Börgermoor. Am 25. Februar 1934 erlag er im Krankenhaus von Papenburg seinen Verletzungen. Er wurde in seiner Wohnung zwei Tage aufgebahrt und anschließend auf dem Ronsdorfer Kommunalfriedhof bestattet. 3


Der Otto-Böhne-Platz wurde am 21. Juni 1988 nach dem Widerstandskämpfer benannt. (Wolfgang Stock, Wuppertaler Straßennamen, Essen 2002, S. 293.)

Position des Denkmals auf der Karte