Suidbert-Denkmal

Bereits im Jahr 1817, kurz vor Weih­nach­ten, wur­de der Grund­stein für das ers­te Suid­bert-Denk­mal auf der Hardt gelegt. Der Begrün­der der Anla­gen, Dr.Diemel, dem spä­ter ein eige­nes Denk­mal errich­tet wur­de, hat­te es initi­iert. Im nächs­ten Jahr konn­te das Denk­mal ein­ge­weiht wer­den. Das sehr schlich­te und ein­fa­che Denk­mal bestand aus einem qua­dra­ti­schen Block aus Bruch­stei­nen, auf dem eine “Urne in den schwuls­ti­gen For­men des Roko­ko prank­te. Eine dar­auf ange­brach­te Tafel belehr­te über den Zweck.“1 Die Urne hat­te ursprüng­lich auf dem Tor­pfei­ler eines Hau­ses gestan­den, ins­ge­samt, so Ruth Mey­er-Kahr­weg, hat­te das Denk­mal eine unwür­di­ge Form. Die Trau­er um das Denk­mal, das Mit­te des 19.Jahrhunderts bereits ver­wit­tert und schließ­lich zer­stört war, hielt sich ver­mut­lich in Gren­zen.2
Eine Abbil­dung des ers­ten Suid­bert-Denk­mals exis­tiert in RMK, S.23. Als Quel­le dafür gibt Ruth Mey­er-Kahr­weg die Samm­lung des His­to­ri­schen Zen­trums an. Die Abbil­dung habe ich nicht fin­den kön­nen.

Suid­bert (auch Suid­bert, Swit­bert oder Swid­bert genannt, der Name bedeu­tet: der star­ke Glän­zen­de) war ein angel­säch­si­scher Mis­sio­nar, der 690 mit dem Mis­sio­nar Wil­li­brord von Eng­land zum Kon­ti­nent über­setz­te. Prä­zi­se und glaub­wür­di­ge Infor­ma­tio­nen über den um 637 gebo­re­nen Kir­chen­mann fin­den sich vor allem in der His­to­ria eccle­si­asti­ca gen­tis Anglo­rum (Kir­chen­ge­schich­te des eng­li­schen Vol­kes) des angel­säch­si­schen Theo­lo­gen Beda Venera­bi­lis. 693 wur­de er in Eng­land zum Mis­si­ons­be­schof geweiht. Suid­bert wid­me­te sich zunächt der Mis­sio­nie­rung der frän­ki­schen Bruk­te­rer, die zwi­schen Ruhr und Lip­pe wohn­ten. Um 695 wur­de die­ser Stamm von den Sach­sen unter­wor­fen. Suid­bert erhielt dar­auf­hin von Pip­pin dem Mitt­le­ren die Erlaub­nis auf der Rhein­in­sel Kai­sers­werth ein Klos­ter zugrün­den. Er gilt als Apos­tel des Ber­gi­schen Lan­des, auch wenn für eine Mis­si­ons­tä­tig­keit Suid­berts nach der Klos­ter­grün­dung kei­ne ein­deu­ti­gen Bele­ge vor­lie­gen. Am 1.März 713 starb der Angel­sach­se, sei­ne Reli­qiu­en fin­den sich bis heu­te in der ehe­ma­li­gen Stifts­kir­che im Suit­ber­tus­schrein.3


Das zwei­te Suit­ber­tus-Denk­mal auf der Hardt. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.

Der Inha­ber der Far­ben­hand­lung Gebr. Lüttring­hau­sen, Johann Jakob Lüttring­hau­sen, initi­ier­te 1857 die Errich­tung eines zwei­ten Suid­bert-Denk­mals. Am 26.März 1857 trat die Kom­mis­si­on unter dem Vor­sitz des Ober­bür­ger­meis­ters Lisch­ke zusam­men. Der Düs­sel­dor­fer Bild­hau­er Juli­us Bay­er­le wur­de mit dem Auf­trag bedacht und fer­tig­te 1858 das Denk­mal, wel­ches am 12.Mai 1859 in Elber­feld ein­traf und spä­ter ein­ge­weiht wur­de. Es stand auf dem heu­ti­gen Spiel­platz­ge­län­de auf der Alten Hardt. Das Denk­mal aus Sand­stein war ins­ge­samt 3,40 Meter hoch, die Figur stell­te Suid­bert über­le­bens­groß dar. Er trug ein lan­ges, wal­len­des Gewand, in der lin­ken Hand hielt er ein Buch, die rech­te war zur Pre­digt erho­ben.


Die Inschrift auf dem Sockel lau­te­te:

Dem ers­ten Boten des
Evan­ge­li­ums
im Lan­de der Ber­ge
Suid­bert
Gebo­ren in Eng­land, gestor­ben
in Kai­sers­werth
am 1.November DCCXII


Offen­sicht­lich waren die 1859 ver­wen­de­ten Quel­len zu Suid­bert feh­ler­haft, sei­ne Bedeu­tung zur Mis­sio­nie­rung des Ber­gi­schen Lan­des wur­de über­schätzt und sein Todes­da­tum falsch ange­ge­ben.


Das Suid­bert-Denk­mal mit sei­ner Ein­fas­sung auf der Alten Hardt. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2

Finan­ziert wur­de das Denk­mal aus pri­va­ten Spen­den. Die Kos­ten betru­gen 1326 Taler, 1 Sil­ber­gro­schen und 8 Pfen­ni­ge. 800 Taler erhielt der Bil­hau­er Bay­er­le, die schmie­de­ei­ser­ne Umfas­sung schlug mit 360 Talern und 15 Sil­ber­gro­schen zu Buche. Bereits im Juli 1859 war das Denk­mal Opfer von “Unfug”, im Mai 1934 berich­te­te die Ber­gisch-Mär­ki­sche Zei­tung, dass das Denk­mal mut­wil­li­ge Beschä­di­gung auf­wies. Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den die Beschä­di­gun­gen ver­mehrt, doch erst in den 1960er wur­de es ent­fernt, als man das Spiel­platz­ge­län­de umge­stal­te­te. Das Denk­mal wur­de auf den Lager­platz auf der Hardt ver­bracht.4

Das Drei-Kaiser-Denkmal und die Freiheitseiche

Am 9. Novem­ber 1814 wur­de auf dem Elber­fel­der Neu­markt eine Eiche gepflanzt, die dar­an erin­nern soll­te, dass genau ein Jahr zuvor die Stadt von der napo­leo­ni­schen Herr­schaft befreit wor­den war. Dem vor­aus­ge­gan­gen war ein Auf­ruf “zahl­rei­cher ächt deutsch gesinn­ter Män­ner” im Nie­der­rhei­ni­schen Anzei­ger (Nr. 37 vom 2.November 1814), einer Bei­la­ge der Pro­vin­zi­al-Zei­tung Elber­feld. In dem Auf­ruf wur­den die stol­zen Gefüh­le der wie­der­ge­won­nen deut­schen Frei­heit beschwo­ren. Die auf­ru­fen­den Män­ner konn­ten “unmög­lich umhin, den Wunsch, der in ihrer See­le ruht, laut aus­zu­spre­chen, daß man doch auch hier zum ewi­gen Andenken der ret­ten­den Schlacht bei Leip­zig ein Denk­mal stif­ten möch­te[…]”. Die­ses Denk­mal soll­te um die zu pflan­zen­de Eiche ent­ste­hen, wes­we­gen das Denk­mal auch den Namen “Frei­heits­ei­che” trägt. Auf vier Qua­der­stei­nen soll­ten die drei ver­bün­de­ten Mäch­te geehrt und der Grund der Errich­tung erklärt wer­den. Der Ober­bür­ger­meis­ter Brü­ning stimm­te in der nächs­ten Aus­ga­be am Fol­ge­tag der Errich­tung zu und reg­te an, dem Denk­mal eine “Fon­tai­ne” hin­zu­zu­fü­gen, da für kla­res, hel­les Was­ser auf dem Markt­platz ein drin­gen­des Bedürf­nis bestand. Schließ­lich über­leg­te man einen Tag spä­ter sogar, hei­len­des Mine­ral­was­ser zuzu­füh­ren und so “sie­chen Kör­pern” Gene­sung zu ver­schaf­fen. Doch zunächst wur­de die Eiche gepflanzt.


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal auf dem Neu­markt, vor dem 21.6.1894, an dem der Düs­sel­dor­fer Hof (das Haus an der rech­ten Sei­te hin­ter dem der Schorn­stein zu sehen ist) abge­ris­sen wur­de. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/7/2

Am 3.Januar 1815 grün­de­ten dann 46 Män­ner mit “ächt deut­scher Gesin­nung” die Eichen­ge­sell­schaft und began­nen mit der Pla­nung des Denk­mals. Am 29.August 1817 konn­te der Grund­stein gelegt wer­den, am 26.September erklär­te der König sei­ne Zustim­mung zu dem Denk­mal und am 9.November 1817 fand die Ein­wei­hung statt.


Post­kar­te mit der Ansicht des Neu­markts vor 1894. Links vom Mit­tel­punkt des Bil­des die Frie­dens­ei­che und ihre Ein­he­gung. (Bild ergänzt am 9. Juli 2018)

Post­kar­te mit der Ansicht des Neu­markts aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve vor 1894. Im Zen­trum die Frie­dens­ei­che. (Bild ergänzt am 9. Juli 2018)

Im Jahr 1894 wur­de der Neu­markt umge­stal­tet und das Denk­mal muss­te an einen neu­en Stand­ort ver­setzt wer­den. Man ent­schied sich für die Alte Hardt. Am 9.November 1894 rief der “Hülfs-Ver­ein für gedien­te Wehr­män­ner” zur Teil­nah­me an einer neu­en Pflan­zung einer Eiche am sel­ben Tag um 10:30 Uhr auf.


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal um 1910 auf der Hardt. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2

Der genaue Stand­ort ist ein wenig schwer zu bestim­men, da die Hardt ja auch mehr­fach umge­baut und ver­än­dert wur­de. Auf jeden Fall erkennt man im Hin­ter­grund der Post­kar­te die Kirch­tür­me von Sankt Mari­en. Ruth Mey­er-Kahr­weg loka­li­siert das Denk­mal ober­halb des Suid­bert-Denk­mals, wel­ches wie­der­um auf dem heu­ti­gen Spiel­platz­be­reich der Alten Hardt stand.


Die Inschrif­ten der Säu­len lau­ten:
“Franz
dem I.
Kai­ser
von
Oes­ter­reich”
“Alex­an­der
dem I.
Kai­ser
aller
Reus­sen.”

Fried­rich
Wil­helm
dem III.
König
von Preus­sen.”

 “Zum Andenken
des IX.Novembers
MCCCXIII
des Ein­zugs­ta­ges
der ers­ten
ver­bün­de­ten
Trup­pen
Errich­tet
von der
Eichen
Gesell­schaft

Nach­dem das Denk­mal an sei­nem neu­en Stand­ort auf­ge­stellt wur­de, ergänz­te man, ohne dass sich heu­te ein Datum ermit­teln lie­ße, eine Tafel, wie auf dem fol­gen­den Foto zu erken­nen ist. Die Tafel exis­tiert nicht mehr.


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal auf der Hardt Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/15

Die Inschrift lau­te­te:

Errich­tet
auf dem Neu­markt
A.D.1817
————
Über­ge­führt
nach der Hardt
im Novem­ber
1894”

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de die Eiche beschä­digt und muss­te ent­fernt wer­den, der Rest blieb zunächst erhal­ten, bis man das Denk­mal (in den 50er Jah­ren 1) wegen der Erwei­te­rung des Spiel­plat­zes demon­tier­te und auf dem Lager­platz auf der Hardt depo­nier­te.2


Das Drei-Kai­ser-Denk­mal 2011.
Am 13.Januar 1990 erin­ner­te Ulla Dah­men-Ober­bos­sel in der West­deut­sche Zei­tung an das Denk­mal und beklag­te, dass es auf der Hardt ver­gam­me­le. Ein bereits zwei­ein­halb Jah­re zuvor durch die WZ ange­reg­te Auf­stel­lung im Hof des His­to­ri­schen Zen­trums wur­de aus Platz­grün­den vom Gar­ten­amt abge­lehnt.3 Erst fünf Jah­re spä­ter konn­te die WZ einen neu­en Sach­stand ver­mel­den: am 4.März 1995 pflanz­te Minis­ter­prä­si­dent Johan­nes Rau einen neu­en Baum, der eben­so wie das Fun­da­ment des Denk­mals vom Bezirks­ver­band Gar­ten- u. Land­schafts­bau Ber­gisch Land gestif­tet wor­den war. Als Stand­ort bot das Gar­ten- und Forst­amt die ehe­ma­li­ge Kut­schen­auf­fahrt des Ber­gi­schen Hau­ses an. Minis­ter­prä­si­dent Rau bezeich­ne­te die Pflan­zung als “gute Tra­di­ti­on” und Bäu­me als “Sinn­bild des Lebens”. Das Pflan­zen von Bäu­men habe er in Isra­el gelernt, gleich­wohl war er froh, dass er ange­sichts der Grö­ße des Bau­mes die Pflan­zung nur sym­bo­lisch vor­neh­men muss­te. Die Ober­bür­ger­meis­te­rin Ursu­la Kraus freu­te sich über einen neu­en Anzie­hungs­punkt auf der Hardt, aller­dings fehl­ten noch 50.000 DM zur Sanie­rung der Säu­len.4 War­um die WZ in ihren Arti­keln 1995 den Baum hart­nä­ckig als Frie­dens­ei­che bezeich­net, ist unklar, die Moti­va­ti­on war 1814 ein­deu­tig ein Sym­bol der Frei­heit zu schaf­fen.
Wei­te­re vier Jah­re spä­ter konn­te die WZ end­lich die Ret­tung des Denk­mals berich­ten. Die Fir­ma Vor­werk & Co. schenk­te der Stadt zum 70jährigen Stadt­ju­bi­lä­um am 1.August 1999 die Restau­rie­rung der Säu­len in Höhe von 50.000 DM.5 Zunächst muss­te jedoch ein Rück­schlag ver­kraf­tet wer­den, Unbe­kann­te hat­ten im Früh­jahr 2000 die von Johan­nes Rau gepflanz­te Eiche zer­stört. Der Bezirks­ver­ein Gar­ten- u. Land­schafts­bau Ber­gisch Land stif­te­te erneut eine Eiche für das Denk­mal. Am 9.November 2000 — ent­spre­chend der his­to­ri­schen Tra­di­ti­on — wur­de das restau­rier­te Denk­mal vom Ober­bür­ger­meis­ter Hans Kre­men­dahl in Anwe­sen­heit des Stif­ters Dr.Jörg Mit­tel­s­ten Scheid (der per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter der Fir­ma Vor­werk & Co.) sei­ner Bestim­mung über­ge­ben.6 Am 15.November 2001 muss­te die WZ erneut ver­kün­den, dass die Eiche ersetzt wer­den muss­te, da man sie gefällt hat­te.7

Zur Neu­errich­tung wur­de auch eine neue Tafel ange­fer­tigt, die am Rand des klei­nen Plat­zes über das Denk­mal und sei­ne Geschich­te auf­klärt:


Die neue Tafel unweit des Denk­mals.

Die Inschrift lau­tet:

 “Drei-Kai­ser-Denk­mal
Die Frei­heits­ei­che
Denk­mal der Eichen­ge­sell­schaf­tAm 9.November 1814 Jah­res­tag der Befrei­ung Elber­felds von der napo­leo­ni­schen Herr­schaft auf dem Neu­markt in Elber­feld gepflanzt. Am 9.November 1817 mit einem stei­ner­nen Denk­mal umge­ben.
1894 zur Hardt über­führt
1943, im 2.Weltkrieg, stark zer­stört
Am 4.März 1995 vom Bezirks­ver­band Gar­ten- und Land­schafts­bau Ber­gisch Land unter der Schirm­herr­schaft  des Minis­ter­prä­si­den­ten von Nord­rhein-West­fa­len, Johan­nes Rau, als neu­er Baum gepflanzt.
Rekon­struk­ti­on des Denk­mals unter Ver­wen­dung der his­to­ri­schen Stein­frag­men­te mit einer gross­zü­gi­gen Spen­de der Fami­lie Mit­tel­s­ten Scheid anläss­lich des 70.Jahrestages der Grün­dung der Stadt Wup­per­tal im Jahr 1999 und Wie­der­eröff­nung des Denk­mals am 9.November 2000.”
[Es fol­gen die Inschrif­ten der vier Säu­len.]
Im Dezem­ber 2011 wur­de bekannt, dass rus­si­sche Poli­ti­ker der Stadt ange­bo­ten haben, die Instand­set­zung des gesam­ten Denk­mals zu finan­zie­ren.8 Urhe­ber des Vor­schlags war das Wup­per­ta­ler Deutsch-Rus­si­sche Kul­tur­zen­trum “Applaus”.9  Laut Radio Wup­per­tal zwei­felt die Stadt aber am Wil­len, die Sanie­rung ent­spre­chend dem deut­schen Denk­mal­schutz-Richt­li­ni­en durch­zu­füh­ren.10 Ende Dezem­ber erklär­te die Ver­wal­tung zum Vor­ha­ben des rus­si­schen Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten Gen­adj Kli­mow, dass kei­ne denk­mal­schutz­recht­li­chen Beden­ken vor­lä­gen. Aller­dings mahn­te man eine gründ­lich über­leg­te poli­ti­sche Ent­schei­dung an, schließ­lich besitzt eine Instand­set­zung die­ses Denk­mals, das drei auto­ri­tä­re Herr­scher ehrt, erheb­li­chen Sym­bol­cha­rak­ter — eben­so wie die Ableh­nung die­ses Vor­schlags.11 Ergän­zung vom 29.November 2012:
Am 21. Mai 2012 stell­te die Kom­mis­si­on der Kul­tur des Erin­nerns fest:

Dr. Ill­ner erläu­tert die his­to­ri­sche Aus­gangs­si­tua­ti­on des Drei-Kai­ser-Denk­mals. Wie ande­re Denk­mä­ler sei auch das Drei-Kai­ser-Denk­mal auf der Hardt als Hin­weis auf die Macht des rus­si­schen Zaren zu ver­ste­hen. Aus sei­ner Sicht ist es frag­lich, das Denk­mal in sei­nen ursprüng­li­chen Zustand zurück­zu­ver­set­zen. Auf­grund einer Restau­rie­rung des Denk­mals vor acht Jah­ren mit Unter­stüt­zung von Dr. Mit­tel­s­ten Scheid befin­det es sich in einem gepfleg­ten Zustand. Eine Hin­weis­ta­fel zur Bedeu­tung des Denk­mals ist vor­han­den.
Die Kom­mis­si­on ist sich einig, dem Anlie­gen der Initia­to­ren nicht zu ent­spre­chen.”
12


Im Juni 2012 fand auf Ein­la­dung des Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Kul­tur­fo­rums im Deutsch-Rus­si­schen Kul­tur­zen­trums “Applaus” eine Podi­ums­dis­kus­si­on zur Fra­ge der Restau­rie­rung des Denk­mals statt. Teil­neh­mer waren der Lei­ter des His­to­ri­schen Zen­trums, Dr. Ill­ner, der Wup­per­ta­ler His­to­ri­ker Micha­el Oko­ry, Lud­mil­la Guti­na, die Geschäfts­füh­re­rin von “Applaus”, Jew­ge­nij Schma­gin, Gene­ral­kon­sul der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on in Bonn und der SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Rein­hard Grätz. Wäh­rend Schma­gin und Guti­na die rus­si­sche Initia­ti­ve als Bei­trag zur deutsch-rus­si­schen Völ­ker­ver­stän­di­gung  und eine Erin­ne­rung an deutsch-rus­si­sche Gemein­sam­keit (der Kampf gegen Napo­le­on) ver­stan­den wis­sen woll­ten, lehn­ten die His­to­ri­ker Okroy und Ill­ner die Ein­mi­schung Russ­lands in eine Denk­mal der Elber­fel­der Bür­ger­schaft ab. Außer­dem ver­deut­li­che der jet­zi­ge Zustand die wech­sel­vol­le Geschich­te des Denk­mals und der Stadt und eben­so die Geschich­te der deutsch-rus­si­schen Bezie­hun­gen.13
Im Juli 2012 beton­te Lud­mil­la Guti­na noch ein­mal den Wil­len, das Denk­mal mit Hil­fe von Spen­den, unter ande­rem aus Russ­land, zu restau­rie­ren, da es ein­zig­ar­tig in Euro­pa sei. Im Vor­der­grund ste­he das Geden­ken an die Befrei­ung Elber­felds von den Fran­zo­sen und nicht das Geden­ken an die Mon­ar­chen. Die Moti­va­ti­on der rus­si­schen Initia­ti­ve, die das Kul­tur­zen­trum ver­trat, sei die Erin­ne­rung an die Rus­si­sche Geschich­te.14
Im Novem­ber 2012 star­te­ten dann 15 Wup­per­ta­ler Bür­ger einen neu­en Auf­ruf zur Restau­rie­rung des Denk­mals, unter ihnen die His­to­ri­ker Klaus Goe­bel, Ruth Mey­er-Kahr­weg und der ehe­ma­li­ge Kul­tur­de­zer­nent Heinz Theo­dor Jüch­ter. Idea­ler­wei­se soll­te die Restau­rie­rung des Bür­ger­denk­mals von den Wup­per­ta­ler Bür­gern auch finan­ziert wer­den.15
Am 28. Novem­ber 2012 beschloss über­ra­schen­der Wei­se der Kul­tur­aus­schuss der Stadt auf einen am sel­ben Tag ein­ge­reich­ten Antrag der CDU und der SPD, dass die Ver­wal­tung das Denk­mal restau­rie­ren soll­te und die Finan­zie­rung dafür ver­trag­lich mit der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on geklärt wer­den soll­te. Begrün­det wur­de der Antrag damit, dass die Hardt-Anla­ge als Gar­ten­denk­mal ins Euro­päi­sche Gar­ten­netz­werk auf­ge­nom­men wur­de und dabei auch das Denk­mal als eines der ältes­ten in Deutsch­land eine Rol­le gespielt habe. Die­se Sach­ver­hal­te sei­en der Kom­mis­si­on für die Kul­tur des Erin­nerns bei ihrer gegen­tei­li­gen Ent­schei­dung nicht bekannt gewe­sen.16
Im Okto­ber 2013 berich­te­te die West­deut­sche Zei­tung, dass Gaz­prom Ger­ma­nia 70.000 € für die Restau­rie­rung des Denk­mals zur Ver­fü­gung stel­le. Den Kon­takt her­ge­stellt habe der Duma-Abge­ord­ne­te Vla­di­mir Sche­mya­kin. Obwohl damit augen­schein­lich die 71.000 € teu­re Sanie­rung des Denk­mals bis zum 200. jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Denk­mals am 9. Novem­ber 2014 erfol­gen könn­te, sah Lud­mil­la Guti­na eine Finan­zie­rungs­lü­cke, da man die “dile­tan­ti­sche” Teil­re­stau­rie­rung aus dem Jahr 2000 kor­ri­gie­ren müs­se, um eine ori­gi­nal­ge­treue Wie­der­her­stel­lung zu errei­chen.17

Ergän­zung vom 15. Novem­ber 2014
Die für den 9. Novem­ber 2014 geplan­te Ein­wei­hung wur­de auf­grund eines Beschlus­ses des Ältes­ten­ra­tes des Stadt­ra­tes ver­scho­ben. Grund hier­für war die Ankün­di­gung des rus­si­schen Bot­schaf­ters aus Ber­lin anrei­sen zu wol­len, was vor dem Hin­ter­grund des wei­ter schwe­len­den, undurch­sich­ti­gen Ukrai­ne-Kon­flikts für pro­ble­ma­tisch gehal­ten wur­de. “Es sah so aus, als ob das eine groß­rus­si­sche Ver­an­stal­tung wer­den könn­te”, sagt Kul­tur­de­zer­nent Mat­thi­as Nocke der Süd­deut­schen Zei­tung.18 “Ich wün­sche mir, dass Russ­land zu einer inne­ren Sou­ve­rä­ni­tät zurück­fin­det, die es ihm gestat­tet, die äuße­re Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät sei­ner Nach­barn zu ach­ten”, äußer­te Nocke gegen­über der WZ. Andern­falls gibt es dem­nach kei­ne Ein­wei­hungs­fei­er mit dem rus­si­schen Bot­schaf­ter.19 Die­ser beschwer­te sich dar­auf­hin bei der nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­re­gie­rung, die die­sen Brief nach Rück­spra­che mit der Stadt­ver­wal­tung beant­wor­te­te. Die Ent­hül­lung erfolg­te nun am 9.11 infor­mell, die Arbei­ten sind abge­schlos­sen. Eine Ein­wei­hung wird es erst 2015 geben — wenn über­haupt.20

Ergän­zung vom 16. Febru­ar 2015
So sieht das reno­vier­te Denk­mal aus.


Win­ter auf der Hardt
Blick von der ande­ren Sei­te.
Inschrift für Alex­an­der I.

Ergän­zung vom 3. Janu­ar 2017:
Am 18. Novem­ber 2017 wur­de eine Infor­ma­ti­ons­ste­le gegen­über dem Denk­mal ein­ge­weiht. Sie erklärt die Geschich­te des Denk­mals und sei­ner Restau­rie­rung. Finan­ziert wur­de sie von der Spar­kas­se. Damit wur­de der Streit um das Denk­mal in Anwe­sen­heit des rus­si­schen Gene­ral­kon­suls und in Abwe­sen­heit des Ver­eins Applaus e.V. abge­schlos­sen. “Erin­nern ist gar nicht so ein­fach”, erklärt Ste­fan Seitz von der Wup­per­ta­ler Rund­schau.21


Reno­vier­tes, besprüh­tes Denk­mal mit Ergän­zungs­ta­fel aus dem Jahr 2000 (li.) und 2017 (re.)

Die Ste­le, mit QR-Code für mehr­spra­chi­ge Über­set­zung.

Wilberg-Denkmal

Das Wil­berg-Denk­mal stand einst unweit des Fels­bo­gens auf der Hardt, heu­te ist hier der Vor­platz zur Wald­büh­ne. Post­kar­te um 1901. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 2.11.2 (Bild ergänzt am 4.August 2012)

Am 31.August 1867 wur­de auf der alten Hardt (am Zugang zur heu­ti­gen Wald­büh­ne) ein Denk­mal zu Ehren des Päd­ago­gen Johann Fried­rich Wil­berg voll­endet und ein­ge­weiht. Das Comi­te über­gab im Täg­li­chen Anzei­ger für Berg und Mark das Denk­mal sei­ner Bestim­mung und stell­te es unter den Schutz der Bevöl­ke­rung und der Stadt. Bereits am 5.November 1866 hat­te es in der Real­schu­le eine Schul­fei­er zu Ehren des 100.Geburtstages Wil­bergs gege­ben, gefolgt von einem Fest­mahl für 150 Per­so­nen, dar­un­ter die ein­zi­ge noch leben­de Toch­ter Frau Dr. Wirth, im Casi­no. Die­se Fei­er­lich­kei­ten gel­ten fälsch­li­cher­wei­se als Datum der Denk­ma­lerrich­tung, da die­ses Datum auch auf dem Denk­mal ver­zeich­net ist.1


Das Wil­berg-Denk­mal auf einer Post­kar­te. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6

Das Denk­mal wur­de geschaf­fen vom Bild­hau­er Robert Schöpp. In einer eiser­nen Ein­frie­dung thron­te auf einem Hügel ein Pos­ta­ment aus Stein (aus Ander­nach) mit vier Mar­mor­ta­feln, die die Inschrif­ten tru­gen. Dar­über folg­te dann eine abge­bro­che­ne Säu­le, als “Sym­bol des Todes”, wie der Bar­mer Anzei­ger fand.2


Auf die­ser Foto­gra­fie unbe­kann­ten Datums ist die Säu­le mit Efeu bewach­sen und kaum noch zu sehen. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum, 010/9/14

Johann Fried­rich Wil­berg wur­de am 5. Novem­ber 1766 in Zie­sar bei Pots­dam gebo­ren. 1790 bestand er das Leh­rer­ex­amen und erhielt eine Stel­le in Ham­me bei Bochum,3 1802 kam er als Inspek­tor und Leh­rer an die Elber­fel­der Armen­schu­le und wirk­te an die­ser Stel­le 30 Jah­re. 1817 zeich­ne­te die Uni­ver­si­tät Tübin­gen mit dem Titel Magis­ter aus, 1835 pro­mo­vier­te er dort zum Dok­tor der Phi­lo­so­phie.4 Am 17.Dezember 1846 ver­starb er Bonn.


Das Wil­berg Denk­mal heu­te.

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Denk­mal beschä­digt. Am 5.November 1966 — zu Wil­bergs 200.Geburtstag — wur­de es an sei­nem neu­en Stand­ort wie­der ein­ge­weiht. Es steht unweit des Bis­mark­turms nahe der Jus­tiz­voll­zugs­schu­le auf der Hardt. Die Säu­le und der Unter­bau feh­len, von den Mar­mor­ta­feln blie­ben drei erhal­ten. Ihre Inschrif­ten lau­ten: 5


Dr.Joh.Friedr.
Wil­berg
wei­land Leh­rer
u.Schulinspektor in Elber­feld
geb.5.Novbr.1766
in Zie­sar
gest.17.Dezbr. 1846
in Bonn.”

So ihr blei­ben wer­det
an mei­ner Rede, wer­det
ihr die Wahr­heit erken-
nen und die Wahr­heit
wird euch frei machen.
Joh.8,31″


Die rech­te Inschrift­ta­fel wur­de 1966 hin­zu­ge­fügt, da Ori­gnal-Tafel beschä­digt war.

 ‘Es ist eine schö­ne
Sit­te, das Andenken der
Freun­de zu fei­ern, sich
des­sen zu erin­nern, was
sie für uns waren…
Wil­berg
Von dank­ba­ren Schü­lern
und Freun­den errich­tet
am 5.Novbr.1866”

Die ursprüng­li­che vier­te Tafel trug bis zur Beschä­di­gung die Inschrift:

Was ich im Schul­we­sen nah
und fern gewirkt habe,
kennt Gott allein ganz und
wägt mit rech­ter Waa­ge,
und er wird dem, was davon
des Bestehens wert ist,
Segen verleihen.Wilberg” [6]6

Heu­te lau­tet die Inschrift:

Errich­tet 1866
zum 100.Geburtstag
*
Beschä­digt 1943–1945
*
Wie­der auf­ge­stellt
am 5.Nov.1866”

Das Diemel-Denkmal auf der Hardt

Es ist eines des ältes­ten Denk­mä­ler Wup­per­tals und es liegt ver­steckt auf der Hardt, am stei­len Fuß­weg, der vom Spiel­platz­haus an der Wald­büh­ne hin­auf zum Gärt­ner­haus führt. Der genaue Zeit­punkt der Ein­wei­hung ist nicht bekannt, es gibt zwei sich wider­spre­chen­de Quel­len, die ein­mal vom 31. März 1824 und vom 30. April 1824 spre­chen. Klar ist jedoch, wer mit die­sem Denk­mal geehrt wer­den soll­te: Dr. Johann Ste­phan Anton Die­mel, Wund­arzt in der Schö­nen Gas­se in Elber­feld (zwi­schen Alte Frei­heit und Platz am Kolk). In sei­ner Funk­ti­on als Arzt drang er dar­auf, dass für die städ­ti­sche Bevöl­ke­rung, die in Elber­feld immer dich­ter bei­sam­men wohn­te, ein Aus­gleich geschaf­fen wur­de und setz­te sich für Auf­fors­tung am Hardtberg ein, wo bis­her nur ein Stein­bruch lag. In der Fol­ge setz­te er sich für die Anle­gung der Hardtan­la­gen ein, mit deren Pla­nung man 1810 begann.


Die­mel-Denk­mal auf der Hardt (vor 2017)

Am 31. März 1821 ver­starb Dr. Die­mel und Elber­fel­der Bür­ger um den Ober­bür­ger­meis­ter Brü­ning ent­schlos­sen sich ihm ein Denk­mal zu set­zen. Man beauf­trag­te den Bild­hau­er Peter Joseph Imhoff mit der Aus­füh­rung des Denk­mals, des­sen Ent­wurf am 19. März 1922 vor den Mit­glie­dern der Denk­mals-Depu­ta­ti­on bestand. Sie beauf­trag­ten den Ober­bür­ger­meis­ter das Denk­mal in Auf­trag zu geben, wenn er sich mit dem Künst­ler auf 800 Reichstha­ler eini­gen kön­ne, Imhoff hat­te 1.000 Reichstha­ler gefor­dert. Die end­gül­ti­ge Sum­me, die nicht über­lie­fert ist, wur­de durch Spen­den auf­ge­bracht.


Der Kopf des Engels (vor 2017)

Das Denk­mal aus Sand­stein zeigt einen Engel Geni­us, der gelas­sen an einem Grab­stein lehnt, und mit der lin­ken Hand einen Äsku­lap­stab, das Sym­bol der Medi­zin, umfasst. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Denk­mal weni­ge Meter nach Osten gesetzt, als man die Anla­gen umge­stal­te­te. 1974 muss­te die Hand erneu­ert wer­den, nach­dem man sie zer­stört hat­te, dabei wur­de auch die Inschrift auf­ge­frischt. Heu­te ist das Denk­mal in kei­nem guten Zustand, die Inschrift ist  mehr­fach beschmiert wor­den, der Kopf des Engels weist Beschä­di­gun­gen auf.


Die Inschrift (vor 2017)

Die Inschrift lau­tet:

Unse­rem
gemein­nüt­zi­gem
Mit­bür­ger
dem Dr. J.S.A
Die­mel
Stif­ter die­ser
Anpflan­zun­gen”


Inschrift an der Sei­te. 

An der Sei­te des Gedenk­steins fin­det sich die Behaup­tung, dass das Denk­mal 1823 errich­tet wur­de, was even­tu­ell den Zeit­punkt sei­ner Fer­tig­stel­lung in der Köl­ner Werk­statt des Bild­hau­ers meint. Die Ent­hül­lung fand spä­ter statt (s.o.) Unab­hän­gig davon ist das Die­mel-Denk­mal eines des ältes­ten noch erhal­te­nen Bür­ger-Denk­mal des Rhein­lands aus dem 19.Jahrhundert. 1


Das restau­rier­te Denk­mal im Som­mer 2017

Ergän­zung vom 3. Janu­ar 2018:
Im Juni 2017 wur­de das Denk­mal an sei­nen ursprüng­li­chen Stand­ort ver­setzt und restau­riert erneut ein­ge­weiht. Die Kos­ten in Höhe von 40.000 € haben die Lions- und Rota­ri­er Clubs Wup­per­tals, der För­der­ver­ein His­to­ri­sche Park­an­la­gen Wup­per­tal und der Ver­ein der Freun­de und För­de­rer des Bota­ni­schen Gar­tens Wup­per­tal sowie die Bezirks­ver­tre­tung Elber­feld seit 2014 gesam­melt. 2 Bei der Restau­rie­rung wur­den auch Feh­ler der Restau­rie­rung 1974 kor­ri­giert, so erhielt die Hand des Geni­us den Lor­beer­kranz zurück. Mitt­ler­wei­le ist das Die­mel-Denk­mal nicht nur der Erin­ne­rung an eine Per­son des 19. Jahr­hun­derts, son­dern viel­mehr der Kunst des 19. Jahr­hun­derts. Das klas­si­zis­ti­sche Denk­mal ori­en­tiert sich an anti­ken For­men und Figu­ren. Der Geni­us  der Stadt Elber­feld hält den Lor­beer­kranz in der einen Hand und das Sym­bol der Ärz­te, den Äsku­lap­stab. Das Die­mel-Denk­mal gehört zu den frü­hes­ten von Bür­gern — nicht Ade­li­gen — gestif­te­ten Erin­ne­rungs­zei­chen des 19. Jahr­hun­derts.3


Der Äsku­lap-Stab.

Der Genuis mit Lor­beer­kranz in der Hand.

Die restau­rier­te und unbe­schmier­te Inschrift

Auch die Umzäu­nung wur­de rekon­stru­iert.

Hardtstein

Der Hardt­stein auf der Hardt

Im Früh­jahr 1905 schaff­te der Hardtver­ein, der von Rein­hardt Schmidt am 17.Dezember 1880 gegrün­det wor­den war, den oben ste­hen­den drei­stu­fi­gen Obe­lis­ken vom Has­pel auf die Hardt, um die­sen zum anste­hen­den 25 jäh­ri­gen Jubi­lä­um des Ver­eins auf­zu­stel­len. Zur Erin­ne­rung brach­te man an der Vor­der­sei­te eine Inschrift­ta­fel an, die am 19.Juli 1930 ersetzt wur­de:

“50 Jah­re Hardtver­ein
1880–1930”
Mit­te der 1930er wur­de der Ver­ein auf­ge­löst. Heu­te steht der Hardt­stein ohne jede Inschrift auf der Hardt und sym­bo­li­siert für den keu­chen­den Spa­zier­gän­ger, dass der Auf­stieg voll­bracht ist.1

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Friedrich-Ebert-Denkmal auf der Hardt

Fried­rich Ebert — Satt­ler, SPD-Vor­sit­zen­der und ers­ter Reichs­prä­si­dent der Wei­ma­rer Repu­blik — starb am 28.Februar 1925 in Ber­lin. Ein Jahr danach, am Volks­trau­er­tag des Jah­res 1926, wur­de auf der Hardt in der Nähe der dama­li­gen Gärt­ne­rei und der heu­ti­gen Gewächs­häu­ser ein Denk­mal zu sei­nen Ehren errich­tet. Die ursprüng­li­che Inschrift lau­te­te:


“Dem ers­ten Prä­si­den­ten
der Deut­schen Repu­blik
Fried­rich Ebert
Des Vol­kes Wohl
Mei­ner Arbeit Ziel
28.Februar 1925”
Fried­rich-Ebert-Denk­mal am west­li­chen Ende der Reichs­al­lee

Das Denk­mal besteht aus einem Gra­nit­find­ling aus dem Fich­tel­ge­bir­ge, 100 Zent­ner schwer und 3,05 Meter hoch und einem Bron­ze­re­li­ef von 50cm Durch­mes­ser, das der Elber­fel­der Bild­hau­er Wil­helm Koop­mann anfer­tig­te. 1933 wur­de es zer­stört und am 10.August 1946 weih­te man ein neu­es Reli­ef, dies­mal von Edu­ard Don­ner­schell gefer­tigt, ein. Seit­dem lau­tet die Inschrift bis heu­te:

Reichs­prä­si­dent
Fried­rich Ebert”

Noch zwei­mal wur­de das Reli­ef gestoh­len, Ende Mai 1987 und am 16.November 1987, bei­de Male konn­te das Reli­ef ersetzt wer­den, da das Ori­gi­nal-Gips­mo­dell noch exis­tier­te.


Fried­rich-Ebert-Denk­mal auf der Hardt

Fried­rich Ebert selbst war das Tal der Wup­per nicht unbe­kannt, im Gegen­teil. 1891 übte er hier sei­nen Beruf aus und war Schrift­füh­rer des Satt­ler­ver­ban­des. 1912 wur­de er als sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Abge­ord­ne­ter der Wahl­krei­se Bar­men und Elber­feld in den Ber­li­ner Reichs­tag ent­sandt. Aus einer sei­ner Wahl­re­den im Elber­fel­der Tha­lia-Thea­ter zitiert ihn Ruth Mey­er-Kahr­weg mit den Wor­ten:1


“Lang genug ist das Volk Amboß gewe­sen, es wird Zeit, daß es Ham­mer wird,
daß es selbst sei­ne Geschi­cke in die Hand nimmt”.

Kriegerdenkmäler des Vaterländischen Frauenvereins Elberfeld

Am 3.November 1871 weih­te der Vater­län­di­sche Frau­en­ver­ein auf den Fried­hö­fen an der Hoch­str. in Elber­feld drei Denk­mä­ler ein und zwar je eins auf dem katho­li­schen, refor­mier­ten und dem luthe­ri­schen Fried­hof. Sie sind den in Elber­fel­der Laza­ret­ten gestor­be­ne Sol­da­ten (“Krie­ger”) gewid­met. Die Gestor­be­nen sind auch auf die­sen Fried­hö­fen bestat­tet.
Im Vor­der­grund das unge­pfleg­te Denk­mal, im Hin­ter­grund die impo­san­te Fried­hofs­kir­che.

Der drei Jah­re zuvor gegrün­de­te Vater­län­di­sche Frau­en­ver­ein unter­hielt selbst ein Laza­rett, dass sich anfangs in einer Turn­hal­le auf der Hardt befand. Für die Errich­tung der drei weit­ge­hend iden­ti­schen Denk­mä­ler gab der Ver­ein 815 Taler aus.


Erneut das Denk­mal auf dem refor­mier­ten Fried­hof.
Inschrift des Stein­metz’.

Auf dem obi­gen Bild sieht man noch zwei Eisen­stan­gen aus dem Denk­mal ragen. Sie ver­wei­sen auf die Zer­stö­rung der in Zink gegos­se­nen preu­ßi­schen Adler, die bis 1979 über jedem Denk­mal thron­ten.

Ange­fer­tigt wur­den die Denk­mä­ler vom Elber­fel­der Stein­metz Alex­an­der Dungs.


Das Denk­mal auf dem luthe­ri­schen Fried­hof.

Die Denk­mä­ler sind aus Sand­stein und ver­jün­gen sich nach oben, gekrönt wur­den sie, wie schon erwähnt, von preu­ßi­schen Adlern. An den vier Sei­ten wur­den Mar­mor­ta­feln ein­ge­las­sen, die jeweils vorn und hin­ten mit einer Inschrift ver­se­hen sind und an den Sei­ten die Namen der Gestor­ben ver­zeich­nen. Durch die Ver­wit­te­rung und das Zuwach­sen kann man die kom­plet­te Inschrift nur erken­nen, wenn man sie aus allen Denk­mä­lern zusam­men­setzt.


Die Inschrift auf dem Denk­mal auf dem katho­li­schen Fried­hof.

Die Inschrif­ten der Denk­mä­ler auf den evan­ge­li­schen Fried­hö­fen zei­gen am Kopf der Tafel das Eiser­ne Kreuz mit einem “W” in der Mit­te, nur bei dem Denk­mal auf dem katho­li­schen Fried­hof ist ein christ­li­ches Kreuz zu sehen.Die Inschrift (ehe­mals in ver­gol­de­ter Schrift aus­ge­fer­tigt) lau­tet:


“Ruhe­stät­te
für
unse­re tap­fe­ren
Krie­ger
aus dem Feld­zu­ge von 1870/71
gestor­ben in den Laza­re­then
von Elber­feld”
Die Rück­sei­te des Denk­mals auf dem luthe­ri­schen Fried­hof.

Die Inschrift der Rück­sei­te lau­tet:

“Ihrem
Andenken gewid­met
von dem
vater­län­di­schen
Frau­en­ver­ein
zu
Elber­feld”
Die noch halbs­wegs les­ba­re Sei­ten­ta­fel des Denk­mals auf dem luthe­ri­schen Fried­hof.

Die Tafel ver­zeich­net 6 Namen, Hei­mat­ort, Regi­ment und das Ster­be­da­tum.

Das Denk­mal auf dem katho­li­schen Fried­hof, mit vor­ge­la­ger­ter Stein­ta­fel.

Eine Beson­der­heit neben dem nicht vor­han­de­nen Eiser­nen Kreuz über der Inschrift der Mar­mor­ta­fel hat das katho­li­sche Denk­mal noch. Nach dem Ers­ten Welt­krieg wur­de eine ein­fach Stein­ta­fel dem Denk­mal hin­zu­ge­fügt:1


Auch hier ist die Schrift nur noch schlecht erkenn­bar. Sie ist auch denk­bar ein­fach:

Welt­krieg
1914–1918”

 Dar­un­ter fol­gen in alpha­be­ti­scher Rei­hen­fol­ge neun Namen.

Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 8. Westfälischen Inf.Reg.57

Es war ein Sonn­tag­mor­gen im Okto­ber 1872, genau­er der 27., als das 8.Westfälische Infan­te­rie-Regi­ment Nr.57 auf der Hardt ihr Krie­ger­denk­mal ein­weih­te. Wenig spä­ter wird im Osten der heu­ti­gen Stadt  das Krie­ger­denk­mal auf dem Lang­er­fel­der Markt ein­ge­weiht. Das Krie­ger­denk­mal des West­fä­li­schen Infan­te­rie­re­gi­ments steht ober­halb des Ein­gangs zur Wald­büh­ne, ober­halb der Kreu­zung Zie­gen­burg und Hardt­str.
Krie­ger­denk­mal des 8.westfälischen Inf.Reg. 57

Das Fun­da­ment wur­de vom Elber­fel­der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein gespen­det, dazu umgab man das Denk­mal mit einem eiser­nen Git­ter, an dem Tafeln mit dem Namen der gefal­le­nen ein­fa­chen Sol­da­ten ange­bracht waren. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krieg wur­de es beschä­digt und ent­fernt. Die rest­li­chen Kos­ten für das Denk­mal, das genau 29 Fuß hoch ist, wur­de aus Spen­den der Bevöl­ke­rung erbracht.

An allen vier Sei­ten des Sand­stein-Denk­mals sind Inschrif­ten ange­bracht.
“Wenn einst die Fah­ne weht / Die Trom­mel ruft zum Streit / Dann seid wie Eure Brü­der / Zu Kampf und Tod bereit.”

Die Inschrift ruft den Betrach­ter dazu auf, dem Bei­spiel der Gefal­le­nen zu fol­gen. Der tote Sol­dat wird als Held dar­ge­stellt. Mit die­sem Bild des Krie­ges wer­den vie­le jun­ge Sol­da­ten in den Ers­ten Welt­krieg zie­hen und den Krieg und vor allem dem Tod dort ganz anders ken­nen ler­nen.


Die Inschrift.

Unter zwei ange­deu­te­ten, gekreut­zen Fackeln steht eine Wid­mung:

“Sei­nen
Gefal­le­nen Waf­fen­brü­dern
das Offi­cier-Corps
des 8ten West­phä­li­schen
Infan­te­rie-Regi­ments II-57
 Zwei wei­te­re Tafel ver­zeich­nen wei­te­re Gefal­le­ne, die eine unter der Über­schrift: “Den Stra­pa­zen des Feld­zu­ges sind erle­gen:” Dar­un­ter fol­gen die Namen eines Oberst-Leut­nants, eines Leut­nants und eines Dok­tors. Pau­schal wird “6 Unter­of­fi­zie­ren” und “60 Mann” gedacht. Die ande­re Tafel sieht so aus:
Namen der Gefal­le­nen
Dazu kom­men am unte­ren Ende der Tafel noch: “27 Unter­of­fi­zie­re” und “272 Mann”.
Im fol­gen­den möch­te ich noch kurz auf die Sym­bo­lik des Denk­mals ein­ge­hen:
An der Spit­ze ist das Bal­ken­kreuz ange­bracht, in dem eine Kro­ne und der Buch­sta­be “W” ange­bracht sind.

Da das Wap­pen­tier des Deut­schen Kai­ser­rei­ches und Preu­ßens jeweils der Adler ist (wenn­gleich in unter­schied­li­cher Aus­füh­rung), ist zu ver­mu­ten, dass es eben­falls Adler sind.

Ein­deu­ti­ger ist es bei dem wei­ter unten ange­brach­ten Wap­pen: Ein Adler mit aus­ge­brei­te­ten Schwin­gen und her­aus­ge­streck­ter Zun­ge hält in den Kral­len ein Zep­ter und den Reichs­ap­fel, klas­si­sche herr­schaft­li­che Sym­bo­le:

Ein wei­te­res Sym­bol sind ein Lor­beer­kranz und die­ses Wap­pen, das schon recht ver­wit­tert ist:

Lei­der ist die Figur nicht mehr gut zu erken­nen. Viel­leicht ist es ein west­fä­li­sches Pferd, mög­lich wäre auch ein Ber­gi­scher Löwe.
Im Jahr 1935 wur­de das Krie­ger­denk­mal des west­fä­li­schen Regi­ments durch die Kame­rad­schaft der ehe­ma­li­gen 57er des Infan­te­rie­re­gi­ments Her­zog Fer­di­nand von Braun­schweig ergänzt. Eine Bron­ze­ta­fel gedenkt seit dem den Gefal­le­nen des Ers­ten Welt­kriegs.
Die ergän­zen­de Tafel.

Unter dem Eiser­nen Kreuz und zwei Eichen­blät­tern beschreibt die Inschrift nun­mehr nüch­tern und ohne Hel­den­ver­eh­rung die Fol­gen des Krie­ges, auch wenn das Wort Hel­den­tod auf­taucht. Und wenn man die Zah­len der Gefal­le­nen ver­gleicht, erhält man einen trau­ri­gen Ein­druck von der Wir­kung eines indus­tria­li­sier­ten Krie­ges.

Zum Geden­ken
an die im Welt­krie­ge
1914–1918 Gefal­le­nen
des Inf. Regi­ments 57.
Es star­ben den Hel­den­tod:
168 Offi­zie­re
5465 Unter­of­fi­zie­re u.
Mann­schaf­ten“1