Entelechie II

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Die Skulp­tur

Am 13. Dezem­ber 2005 schenk­te Eber­hard Rob­ke, lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der des Kunst- und Muse­ums­ver­eins und Mit­grün­der der “Rena­te und Eber­hard Rob­ke-Stif­tung”, die das Von der Heydt-Muse­um unter­stützt, der Stadt die Skulp­tur Ent­el­echie II des Bar­mer Künst­lers Fried­rich Werth­mann, die seit­dem im Foy­er des Bar­mer Rat­hau­ses steht.1


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Ande­re Per­spek­ti­ve

Das zerbrochene Herz

Die Bal­lons gehö­ren nicht zum Kon­zept.

Im Dezem­ber 2000 stell­te man im Rat­haus Bar­men die Skulp­tur “Das zer­bro­che­ne Herz” auf, mit der die 2012 ver­stor­be­ne Wup­per­ta­ler Bild­haue­rin Ulle Hees an die Dich­te­rin Else Las­ker-Schü­ler erin­ner­te. Das zer­bro­che­ne Herz sym­bo­li­siert die drei Begrif­fe Trau­er, Exil und Poe­sie, die das Wesen und Leben Else Las­ker-Schü­lers beschrei­ben. Sie mahnt vor der von Natio­nal­so­zia­lis­ten ver­ord­ne­ten Wort­lo­sig­keit durch erzwun­ge­ne Emi­gra­ti­on und Bücher­ver­bren­nung, erin­nert an das lite­ra­ri­sche Schaf­fen Las­ker-Schü­lers, ihre Weg­be­glei­ter und ihre Kind­heit in Elber­feld. Die 1,65 m hohe Ste­le wur­de der Stadt Wup­per­tal vom Rons­dor­fer Unter­neh­mer Enno Spring­mann gestif­tet. Nach­dem sie zunächst im Ein­gang des Bar­mer Rat­hau­ses eine Hei­mat gefun­den hat­te, soll­te sie zur Spiel­zeit 2001/2002 ins Schau­spiel­haus umzie­hen.1


Auf den Herz­tei­len fin­den sich Wort und Moti­ve aus Las­ker-Schü­lers Wer­ken.

Im Juni 2014 zog die Skulp­tur dann vom Opern­haus in das Rat­haus Elber­feld. Enno Spring­mann hat­te dar­um gebe­ten, da er der Mei­nung war, dass im Opern­haus zu wenig Betrach­ter “Das zer­bro­chen Herz” sehen konn­ten. Nun steht sie auf dem ers­ten Trep­pen­ab­satz gegen­über dem Haupt­ein­gang.2


Die Inschrift

Das zer­bro­che­ne Herz
Bron­ze-Ste­le von Ulle Hees
zur Erin­ne­rung an die Dich­te­rin Else Las­ker Schü­ler
Geb. 1869 in Wup­per­tal, Gest. 1945 in Jeru­sa­lem
Geschenk der Enno- und Chris­ta Spring­mann-Stif­tung
an die Stadt Wup­per­tal, Dezem­ber 2000


Die Boden­plat­te.

Wei­te­re Gedenk­zei­chen zur Erin­ne­rung an Else Las­ker-Schü­ler:
Mein­wärts
Gedenk­ta­fel am Geburts­haus
Gedenk­ta­fel am Wohn­haus


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Karl-Roth-Büste


Wer im Bar­mer Rat­haus ein und aus geht und dabei stets die lin­ke Trep­pe im Alt­bau benutzt, sieht auf dem Trep­pen­ab­satz auf einem schma­len Sockel eine Büs­te mit die­ser Inschrift:

 “Karl Roth
1875 — 1932

Archi­tekt
des
Rat­hau­ses
der Stadt
Bar­men”

Karl Roth wur­de am 17. August 1875 in Mann­heim gebo­ren und stu­dier­te Archi­tek­tur an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Karls­ru­he und der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Mün­chen. Er errich­te­te als Archi­tekt nicht nur das Bar­mer Rat­haus, son­dern auch jene in Kas­sel, Bochum und Dres­den. 1919 wur­de Roth Stadt­bau­rat in Mann­heim, 1920 ging er an die Tech­ni­sche Hoch­schu­le in Darm­stadt und war dort unter ande­rem Pro­fes­sor für Bau­kunst und Städ­te­bau, Dekan und Rek­tor. Am 9. Febru­ar 1932 ver­starb er in Darm­stadt. 1 Ob die Büs­te wirk­lich 1987, wie auf Barmen-200-Jahre.de behaup­tet wird, auf­ge­stellt wur­de lässt sich man­gels Quel­len nicht über­prü­fen. 2


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


 

Gedenkplakette zum NRW-Tag

Unten rechts, im Ver­gleich zum Figu­ren­schmuck des Rat­hau­ses unschein­bar, die Pla­ket­te zum NRW-Tag.

Vom 29. bis zum 31. August 2008 war Wup­per­tal ein­mal die Lan­des­haupt­stadt Nord­rhein-West­fa­lens, denn die Stadt war stol­ze Gast­ge­be­rin des NRW-Tags. Aus die­sem Anlass bekam sie, wie vor weni­gen Tagen Bie­le­feld, vom Minis­ter­prä­si­den­ten Jür­gen Rütt­gers die NRW-Tag-Pla­ket­te über­reicht. 1 Sie hängt heu­te am Ein­gang des Bar­mer Rat­hau­ses und zeigt neben dem Umriss des Bun­des­lan­des und dem Wap­pen die Inschrift:


“Nord­rhein-West­fa­len-Tag
Wup­per­tal
29.–31. August 2008
Der Minis­ter­prä­si­dent
des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len

Die Pla­ket­te

Im Novem­ber 2008 wur­de im Bota­ni­schen Gar­ten noch ein Baum zur Erin­ne­rung an den NRW-Tag gepflanzt.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Mahnmal Berliner Mauer

Ent­nom­men aus: Gene­ral-Anzei­ger der Stadt Wup­per­tal, vom 19. Juni 1962.

Wäh­rend einer Kund­ge­bung am 17. Juni 1962 (bis 1990 war der 17. Juni der Tag der deut­schen Ein­heit) wur­de vor der Stadt­hal­le in Elber­feld pro­vi­so­risch eine Mau­er errich­tet, die am 18. Juni 1962 im Foy­er des Bar­mer Rat­hau­ses einen fes­ten Platz fand. Die vier Meter lan­ge Mau­er mit der gemal­ten Auf­schrift “13. August 1961” erin­ner­te an die Errich­tung der Ber­li­ner Mau­er an jenem Datum durch die DDR. Als Mahn­mal und Sym­bol der deut­schen Tei­lung stand sie, durch­aus umstrit­ten, für neun Jah­re im Bar­mer Rat­haus. Die einen sahen in ihr eine Ver­nied­li­chung der Ber­li­ner Mau­er, die ande­ren ein Mahn­mal gegen Unmensch­lich­keit und die Spal­tung Deutsch­lands. Anfäng­li­che Plä­ne, die Mau­er an der “Ber­li­ner Allee” (heu­te nur Ber­li­ner Stra­ße) auf­zu­stel­len, wur­den nicht ver­wirk­licht.

Am 30. April 1971 wur­de auf dem Ber­li­ner Platz in Ober­bar­men der Ber­li­ner Bär ein­ge­weiht, gewis­ser­ma­ßen als neu­es Zei­chen der Ein­heit Deutsch­lands und der Soli­da­ri­tät der Wup­per­ta­ler mit den (West-)Berlinern. Am 26. April ent­schied bereits der Rat der Stadt Wup­per­tal mit den Stim­men von SPD und FDP gegen die CDU (29:23) den Abriss der Mau­er im Rat­haus. Die Wup­per­ta­ler CDU blieb dar­auf­hin der Ein­wei­hung des Ber­li­ner Bärs am 30.April 1971 um 15 Uhr fern. Zwei Stun­den spä­ter war im Bar­mer Rat­haus Dienst­schluss und die Ber­li­ner Mau­er wur­de zer­stört. Bis das Ori­gi­nal das glei­che Schick­sal ereil­te, soll­ten noch 18 Jah­re ver­ge­hen.1

Posi­ti­on des Denk­mals bei der Kar­te


Neuschöpfung des Figurenschmucks am Elberfelder Rathaus: Mein Standpunkt

Am Diens­tag der letz­ten Woche (2. Juli) berich­te­te die WZ vom Plan des Wup­per­ta­ler Mäzens Hans-Joa­chim Cam­p­hau­sen, am Elber­fel­der Rat­haus die vier Fürs­ten­fi­gu­ren zu erneu­ern, die  Bar­ba­ros­sa, Johann III. von Jülich-Kle­ve-Berg, Fried­rich Wil­helm III. und Wil­helm II. dar­stel­len. Wäh­rend es erst zunächst so schien, als sei alles schon beschlos­se­ne Sache (WZ vom 9.Juli), führ­te die ein­set­zen­de Dis­kus­si­on in den Augen der Wup­per­ta­ler Zei­tung zu einer Spal­tung der Stadt. Ges­tern erteil­te der unglück­lich agie­ren­de Ober­bür­ger­meis­ter dem Vor­ha­ben die end­gül­ti­ge Absa­ge, zusätz­lich wird sich die Stadt auf­grund die­ser Erfah­rung eine Schen­kungs­sat­zung geben, sodass der Stadt­rat zukünf­tig zu ent­schei­den hat. Schaut man sich die Kom­men­ta­re unter den WZ-Arti­keln an, ist die Beob­ach­tung einer Spal­tung der Stadt sicher nicht von der Hand zu wei­sen, auch wenn es dort eher laut­stark als sach­lich zuging. 
Ich habe dort auch ein wenig kom­men­tiert (sach­lich, natür­lich), und ich den­ke, es ist sinn­voll, wenn ich in die­sem Blog mei­nen Stand­punkt zur Dis­kus­si­on stel­le.

Vor­ab der Ver­weis auf die bei­den Ein­trä­ge zur den alten Figu­ren und den bereits erfolg­ten Rekon­struk­tio­nen:

Es gibt in mei­nen Augen drei wesent­li­che Punk­te, die man bei der Debat­te berück­sich­ti­gen muss und von denen die ers­ten bei­den dazu füh­ren, dass ich eine Neu­schöp­fung der Stand­bil­der ableh­ne.

  1. Der zen­trals­te Punkt ist der Fakt, dass es sich nicht um Restau­ra­tio­nen, son­dern um Neu­schöp­fun­gen han­delt. Die in den WZ-Kom­men­ta­ren und der Stel­lung­nah­me der CDU zu lesen­den For­mu­lie­rung,
    man stel­le ja nur den “dama­li­gen” oder “Ur-“Zustand des Rat­hau­ses wie­der her, ist
    irre­füh­rend. Es bleibt zunächst unklar, wel­cher Zustand gemeint ist. Bei der Ein­wei­hung des Rat­hau­ses 1900 durch eben jenen nun den Streit erzeu­gen­den Kai­ser, waren die Figu­ren noch nicht vor Ort. Dar­über hin­aus gibt es meh­re­re “his­to­ri­sche” Pha­sen des Rat­hau­ses, aber des­we­gen hän­gen wir ja am 30. Janu­ar auch kei­ne Haken­kreuz-Fah­nen am Rat­haus auf. War­um also soll genau die­ser Zustand wie­der­her­ge­stellt wer­den? Das bleibt in der Argu­men­ta­ti­on der Befür­wor­ter unklar.
    Aber viel ent­schei­den­der ist: Hier wird nichts restau­riert, hier wird Neu­es
    geschaf­fen. Denk­mä­ler sind, nach dem Ber­li­ner
    Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und His­to­ri­ker Peter Rei­chel, Deu­tungs- und
    Iden­ti­fi­ka­ti­ons­an­ge­bo­te, sie die­nen der Fest­schrei­bung eines
    Geschichts­bil­des in der Öffent­lich­keit und tref­fen eine Aus­sa­gen
    über den his­to­ri­schen Gegen­stand und den Stif­ter und
    sei­ne Zeit. Da es Neu­schöp­fun­gen sind, trä­fen die Denk­mä­ler eine Aus­sa­ge über unse­re Gegen­wart von 2013, nicht jene von 1901/02! Wel­che Aus­sa­ge wird also heu­te getrof­fen, in dem wir unter ande­rem Wil­helm II. ein Denk­mal set­zen? War­um sind die genann­ten Herr­scher auch heu­te noch erin­ne­rungs­wür­dig?
    1901/02 dien­ten sie der Illus­tra­ti­on der Geschich­te Elber­felds,
    ent­spre­chend dem Geschichts- und Poli­tik­ver­ständ­nis der Zeit
    über­nahm man die damals gän­gi­ge Ver­eh­rung der deut­schen Köni­ge
    und Kai­ser. Wie aber kön­nen wir in einer Demo­kra­tie, in der das
    Volk der Sou­ve­rän ist, Mon­ar­chen ehren? Wie kön­nen wir, wenn wir
    den Namen Let­tow-Vor­beck von unse­ren Stra­ßen­schil­dern neh­men,
    sei­nen obers­ten Dienst­her­ren neu ehren? Einen Anti­se­mi­ten und
    Anti­de­mo­kra­ten, einen Mili­ta­ris­ten und Kolo­nia­lis­ten? Einen Herr­scher, unter des­sen Diplo­ma­tie das
    Deut­sche Reich sich selbst in Euro­pa iso­lier­te und schließ­lich die
    ent­schei­den­de Rol­le beim Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs spiel­te. Man
    mag dar­über strei­ten, ob die­ser schwa­che Mann und schwa­che Regent,
    der zu kei­ner kon­se­quen­ten, lang­fris­ti­gen Poli­tik in der Lage war,
    ein „Kriegs­trei­ber“ war. Fak­tum ist, dass er den Krieg nicht
    ver­hin­dert hat, obwohl die Ent­schei­dung über Krieg und Frie­den
    gemäß der Ver­fas­sung des Deut­schen Rei­ches bei ihm lag. Die
    hek­ti­schen Ver­su­che den Krieg in letz­ter Minu­te zu ver­hin­dern,
    spre­chen dabei eher für sein man­geln­des Urteils­ver­mö­gen und die
    Lau­nen­haf­tig­keit des Kai­sers als dafür, dass er den Krieg von Anfang nicht woll­te. Wel­che Schlag­zei­le pro­vo­zier­ten wir mit der Ehrung Wil­helms II. 99 Jah­re nach dem Ers­ten Welt­krieg?
    Fried­rich Wil­helm III. wur­de dafür geehrt, Elber­feld von
    den Fran­zo­sen 1813 befreit und 1815 Preu­ßen ange­glie­dert zu haben.
    Wol­len wir die­se Aus­sa­ge, die damals eng im Zusam­men­hang mit der
    deutsch-fran­zö­si­schen Feind­schaft stand, heu­te wie­der­ho­len? Wol­len
    wir einen Herr­scher ehren, der vom Got­tes­gna­den­tum sei­ner
    Königs­wür­de über­zeugt war? Wol­len wir einen Herr­scher ehren, der
    die Pres­se­zen­sur ein­führ­te und die Uni­ver­si­tä­ten über­wa­chen ließ?
  2. Min­des­tens eben­so wich­tig ist es
    in mei­nen Augen, eine Stif­tung von jeman­dem abzu­leh­nen, der nicht in
    der Lage ist, das Ver­spre­chen einer his­to­risch kor­rek­ten Rekon­struk­ti­on ein­zu­lö­sen. Wie die WZ am 2. Juli berich­tet, erklär­te Herr Cam­p­hau­sen, dass
    „kei­ne his­to­ri­schen Abbil­dun­gen vor­lie­gen“. Wie kann es sein,
    dass jemand mit einem so teu­ren und bedeu­tungs­vol­len Vor­ha­ben, sich
    nicht im Stadt­ar­chiv die ent­spre­chen­den Abbil­dun­gen besorgt? Oder
    sich an die Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de wen­det? Hier auf denkmal-wuppertal.de sind sol­che Abbil­dun­gen vor­han­den.
    Wenn man die bereits erfolg­te
    Neu­stif­tung des Rit­ters von Elber­feld, der Gerech­tig­keit und Wahr­heit betrach­tet, erkennt man, dass von einer
    Rekon­struk­ti­on,  die “den Ori­gi­nal­zu­stand” wie­der her­stellt, kei­ne Rede sein kann. Es sind schlech­ten
    Kopi­en, die, da auf die „Rekon­struk­ti­on“ nicht ver­wie­sen wird, den den his­to­ri­schen Ein­druck für den unbe­darf­ten Betrach­ter eher ver­fäl­schen als wie­der­her­stel­len. Auch wenn man sich das
    Armen­pfle­ge­denk­mal und den Gerech­tig­keits­brun­nen ansieht, fällt auf, dass bei bei­den sowohl der Stand­ort als auch die Aus­rich­tung des Denk­mals
    kei­nes­wegs dem his­to­ri­schen Vor­bild nach­emp­fun­den wur­de. Einen Hin­weis dazu sucht man ver­ge­bens. (Die his­to­ri­schen Vor­bil­der: Armen­pfle­ge-Denk­mal (1903),  Der Gerech­tig­keits­brun­nen (1910) )
  1. Der drit­te Punkt bezieht sich auf das Ver­fah­ren. Es kann in einer Demo­kra­tie nicht sein, dass die Legis­la­ti­ve (der Stadt­rat) und damit die Ver­tre­tung aller Bür­ger, aus die­sem Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen wird. Ein öffent­li­ches Denk­mal an einem öffent­li­chen Gebäu­de, einst das Zen­trum der Elber­fel­der Demo­kra­tie, kann nicht als Ver­wal­tungs­vor­gang beschlos­sen wer­den. Die Stadt trifft mit der Annah­me (oder Nicht­an­nah­me) einer sol­chen Schen­kung eine Aus­sa­ge. Die Stadt, das sind wir, und wir wer­den ver­tre­ten vom Stadt­rat. Nicht vom Ober­bür­ger­meis­ter.
Zum Schluss will ich noch zwei Din­ge klar­stel­len. Ich bin Herrn Cam­p­hau­sen dank­bar, dass er sich so für sei­ne unse­re Stadt ein­setzt. Lei­der über­zeu­gen sei­ne Bemü­hun­gen, das alte Elber­feld zurück­zu­brin­gen, qua­li­ta­tiv nicht. Und er hat nicht bedacht, dass eine Neu­stif­tung eines Denk­mals einer his­to­ri­schen Per­son nicht das glei­che ist, wie die Neu­stif­tung von alle­go­ri­schen Figu­ren. Die Aus­sa­ge “Gerech­tig­keit” ist etwas ande­res, als das Abbild deut­scher Kai­ser und Herr­scher. 
Die Argu­men­ta­ti­on in Punkt
1 in kein Auf­ruf zum Denk­malsturm. Das Bis­marck-Denk­mal oder das
Kai­ser Wil­helm II.-Denkmal am IC-Hotel sol­len und dür­fen
selbst­ver­ständ­lich das Stadt­bild berei­chern. Denn sie ste­hen dort
als his­to­ri­sches Relikt des Geschichts­bilds einer ver­gan­ge­nen Zeit
und erzäh­len von der Inter­pre­ta­ti­on die­ser Per­so­nen in ihrer Zeit.
Genau­so wie die Denk­mä­ler von heu­te unser Geschichts­bild den
nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen erzäh­len. Wel­che Aus­sa­gen wol­len wir hin­ter­las­sen?

Hoeft-Plakette im Sitzungssaal des Elberfelder Rathauses

1935 stif­te­te Eli­sa­beth Hoeft, die Toch­ter des ehe­ma­li­gen Reichs­bahn­prä­si­den­ten Chris­ti­an Hoeft, der Stadt Wup­per­tal eine bron­ze­ne Pla­ket­te mit einem Reli­ef ihres Vaters. Geschaf­fen wur­de sie laut Stadt­rats­pro­to­koll von Prof. Jans­sen, mög­li­cher­wei­se ist damit der Düs­sel­dorf Bild­hau­er Karl Jans­sen gemeint. Die Pla­ket­te des Wup­per­ta­ler Ehren­bür­gers wur­de zunächst im Sit­zungs­zim­mer der Rats­her­ren (Zim­mer 18) und spä­ter im Sit­zungs­saal ange­bracht. Am 11. März 1935 nah­men die Rats­her­ren die Schen­kung offi­zi­ell an.1


Licht­bild der Pla­ket­te, auf­ge­nom­men im Sit­zungs­saal des Elber­fel­der Rat­hau­ses im August 1940. Samm­lung Unte­re Denk­mal­be­hör­de, N2736

Chris­ti­an Hoeft wur­de am 10. Mai 1847 in Schle­si­en (Rie­sen­berg) gebo­ren und war seit dem 15. Okto­ber 1894  in der König­li­chen Eisen­bahn­di­rek­ti­on Elber­feld tätig, ein Jahr spä­ter wur­de er zum Direk­tor ernannt. 1902 wur­de er nach Königs­berg ver­setzt und kehr­te 1903 als Prä­si­dent der Eisen­bahn­di­rek­ti­on nach Elber­feld zurück. Die­ses Amt übte er bis zu sei­nem Ruhe­stand am 30. Sep­tem­ber 1919 aus. 1910 wur­de er bereits zum Ehren­bür­ger der Stadt Elber­feld ernannt. In sei­ner Amts­zeit wur­de die Ber­gisch-Mär­ki­sche Eisen­bahn­li­nie (BME), die heu­ti­ge Eisen­bahn­stre­cke durchs Tal, zwi­schen Voh­win­kel und Ober­bar­men auf vier Glei­se erwei­tert, 15 wei­te­re Eisen­bahn­stre­cken wur­den im Zustän­dig­keits­be­reich der Direk­ti­on Elber­feld gebaut.2

Was mit der Pla­ket­te geschah, ist unklar. Mög­li­cher­wei­se wur­de sie im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört.


 

Die Bronzesockel der Lichtmasten am Alten Markt

Der Alte Markt auf einer Post­kar­te. Im Hin­ter­grund die Schwe­be­bahn, im Vor­der­grund einer der Licht­mas­ten mit den heu­te noch exis­tie­ren­den Bron­ze­so­ckeln. Die Auf­nah­me ent­stand um das Jahr 1930. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 12.6.1

1927 wur­de auf dem Alten Markt in Bar­men die Ver­kehrs­in­sel ver­grö­ßert und dabei umge­stal­tet. Dabei stell­te man drei gro­ße, vier­ar­mi­ge Licht­mas­ten auf, deren auf­wen­di­gen Bron­ze­so­ckel vom aus Elber­feld stam­men­den Bild­hau­er Paul Wyn­and gestal­tet wur­den. Im “Drit­ten Reich” dien­ten sie auch als Flag­gen­mas­ten.


Der Alte Markt im Jahr 1963. Vor der Ver­kehrs­in­sel ist einer der Licht­mas­ten zu sehen. Das Bild wur­de freund­li­cher Wei­se zur Ver­fü­gung gestellt von Bern­hard Ter­jung.

Die Luft­an­grif­fe des Zwei­ten Welt­kriegs über­stan­den die Licht­mas­ten auf wun­der­sa­me Wei­se unbe­scha­det. 1963 wur­de der Alte Markt erneut umge­stal­tet. Die Stra­ßen­bah­nen ver­schwan­den aus die­sem Bereich und wur­den auf die neue B7 ver­legt, die gro­ße Kreu­zung und der neue Schwe­be­bahn­hof ent­stan­den. Die Linie nach Hatz­feld wur­de ein­ge­stellt. Die Ver­kehrs­in­sel (der “Pud­ding”) ver­schwand. Die Bron­ze­so­ckeln der Licht­mas­ten ver­wen­de­te man für drei neue Kan­de­la­ber mit gedrun­ge­nem Auf­bau, die auf dem Rat­haus­platz in Bar­men (zwei) und in der Elber­fel­der Fuß­gän­ger­zo­ne (einer) auf­ge­stellt wur­den. 1969 wur­de der ers­ten Kan­de­la­ber am heu­ti­gen Johan­nes-Rau-Platz auf­ge­stellt, 1971 wur­de die drit­te zum Abschluss des Umbaus des von-der-Heydt-Plat­zes in Elber­feld dort plat­ziert.1


Einer der bei­den Kan­de­la­ber am Johan­nes Rau Platz.

Den Abschluss der Sockel bil­den Tier­ge­stal­ten, hier ein Löwe, wäh­rend am Fuß des Sockels…

…Dar­stel­lun­gen von sit­zen­den Men­schen zu fin­den sind.

Der Kan­de­la­ber an der Ecke Herzogstr./Erholungstr.

Sit­zen­der Mann.

Gehörn­tes Getier

Posi­ti­on des Kan­de­la­bers in Elber­feld


Posi­ti­on des Kan­de­la­bers in Bar­men


Turmkreuz zur Erinnerung an das Cronenberger Rathaus

Das alte Cro­nen­ber­ger Rat­haus, 1900–1943. Es wur­de 1953 trotz der Mög­lich­keit des Wie­der­auf­baus und gro­ßer Pro­tes­te der Cro­nen­ber­ger abge­ris­sen.

Am 8. Mai 2011 wur­de neben dem alten Cro­nen­ber­ger Rat­haus an der Ecke Haupt­stra­ße und Herich­hau­ser Stra­ße ein kom­pak­tes, stei­ner­nes Kreuz auf­ge­stellt. Es han­delt sich hier­bei um das Turm­kreuz des im Zwei­ten Welt­krieg zer­stör­ten neu­en Rat­hau­ses. Die Geschich­te des Kreu­zes begann im Jahr 1900, als das Rat­haus in Cro­nen­berg errich­tet wur­de und mit sei­nem hohen Turm weit­hin sicht­bar die Stadt Cro­nen­berg ver­trat. Zehn Jah­re nach dem ver­hee­ren­den Bom­ben­an­griff im Jahr 1943 konn­te Horst Don­ner, Metz­ger und Gast­wirt, das Turm­kreuz beim Abriss des Bau­werks vor der Zer­stö­rung bewah­ren und stell­te es in sei­ner Gast­wirt­schaft an der Schor­fer Stra­ße aus. 2002 wur­de das Kreuz von den Nach­fol­gern Don­ners, den Ehe­leu­ten Kauf­mann, an den Cro­nen­ber­ger Hei­mat- und Bür­ger­ver­ein über­ge­ben.


Das Cro­nen­ber­ger Rat­haus­kreuz.

An die­se Geschich­te des Kreu­zes erin­ner­te der Vor­sit­zen­de des CHBV, Rolf Tesche, bei Ein­wei­hung des klei­nen Denk­mals am 8. Mai 2011 und bedank­te sich für die Hil­fe bei Dr. Heinz Häus­chen, dem Besit­zer des Grund­stücks, dem Archi­tek­tur­bü­ro Flig­ge für den Ent­wurf der Hal­te­rung, die der Form des eins­ti­gen Tur­mes ent­spricht, der Fir­ma Gis­bert Krä­mer für die Aus­füh­rung der­sel­bi­gen und der Fir­ma Schoe­nen Bau­stof­fe für die Bereit­stel­lung des Mate­ri­als hier­für. Wal­ter Fried­rich erhielt den Dank für die Gestal­tung der Infor­ma­ti­ons­ta­feln, die neben dem neu­en Denk­mal ange­bracht wur­den. Der Cro­nen­ber­ger Bezirks­bür­ger­meis­ter, Micha­el-Georg von Wen­c­zow­sky, begrüß­te in einer Anspra­che die Auf­stel­lung des Denk­mals und wies dar­auf­hin, dass dies in einem Jahr gesche­he, in dem städ­ti­schen Spar­maß­nah­men die Öff­nungs­zei­ten des Cro­nen­ber­ger Bür­ger­bü­ros wei­ter ein­schränk­ten.1


Neu und Alt. Im Hin­ter­grund das alte Cro­nen­ber­ger Rat­haus, im Vor­der­grund das Kreuz der Turm­spit­ze des neu­en.

1876 wur­de das Haus an der Haupt­stra­ße 61 erbaut und dien­te als ers­tes Cro­nen­ber­ger Rat­haus. Der fol­gen­de rasan­te Auf­schwung der Cro­nen­ber­ger Werk­zeug­in­dus­trie ermög­lich­te und erfor­der­te den Bau eines neu­en Rat­hau­ses am heu­ti­ge Rat­haus­platz. Das alte Gebäu­de dien­te nun einer höhe­ren Töch­ter­schu­le, die 1932 in die Real­schu­le am Len­z­haus inte­griert wur­de. Spä­ter zog das Café Trel­le ein2, heu­te haben hier Ärz­te ihre Pra­xen.

Bereits 2001 war das Sand­stein­re­li­ef mit dem Cro­nen­ber­ger Wap­pen, wel­ches das Rat­haus geziert hat­te, zur Erin­ne­rung an die­ses Gebäu­de und Sym­bol Cro­nen­ber­ger Eigen­stän­dig­keit am Rat­haus­platz auf­ge­stellt wor­den.


Ergän­zung vom 3. Janu­ar 2018:

Am 10. März 2017 wur­de das Turm­kreuz auf den Rat­haus­platz zum Sand­stein­re­li­ef ver­setzt. Der CHBV erhofft sich am his­to­ri­schen Ort mehr Auf­merk­sam­keit.3


Ob der Ort nun wirk­lich bes­ser ist?

Figurenschmuck am Barmer Rathaus

Die Atti­ka des Bar­mer Rat­hau­ses im Herbst 2012.

Am 23.April 1921 wur­de das neue Bar­mer Rat­haus ein­ge­weiht. Der Grund­stein für den vom Darm­städ­ter Pro­fes­sor Karl Roth ent­wor­fe­nen Bau wur­de bereits am 23.Mai 1908 durch Kai­ser Wil­helm II. gelegt, doch finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten und der Ers­te Welt­krieg sorg­ten dafür, dass der Bau erst fer­tig gestellt wur­de, als Deutsch­land bereits eine Repu­blik war. Karl Roth, der zuvor bereits das Dresd­ner Rat­haus geplant hat­te, beauf­trag­te den Dresd­ner Bild­hau­er Richard Guhr mit der Aus­schmü­cken des Rat­hau­ses durch Bau­plas­ti­ken. Für die Atti­ka schuf Guhr dar­auf­hin die Model­le für die “acht Bei­ge­ord­ne­ten”, die vor Ort vom Bar­mer Bild­hau­er Hein­rich Ost­lin­ning geschaf­fen wur­den. Sie stel­len — von links nach rechts — die fol­gen­den Zwei­ge der städ­ti­schen Ver­wal­tung dar:


Wohl­fahrts­pfle­ge und All­ge­mei­ne Ver­wal­tung

Tief­bau und Rechts­pfle­ge
Gesund­heits­pfle­ge und Hoch­bau

Finanz­we­sen und Schul­we­sen.

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den die Figu­ren auf der Atti­ka beschä­digt und ent­fernt, bis sie ab 1953 vom Wup­per­ta­ler Bild­hau­er Joa­chim Wolf-Mül­ler und der Werk­statt Hugo Wes­sel­mann restau­riert wur­den, eini­ge Figu­ren wur­den auch in der Fir­ma Dor­gatehn in Duis­burg-Ham­born auf­ge­ar­bei­tet. Im Dezem­ber 1957 konn­ten sie ihren Platz in luf­ti­ger Höhe wie­der ein­neh­men.
An den Sei­ten der Frei­trep­pe fin­den sich — eben­falls von Guhr ent­wor­fen und von Ost­lin­ning aus­ge­führt — die alle­go­ri­schen Dar­stel­lun­gen der Rhein­pro­vinz und der Bar­me­nia, die das Selbst­ver­ständ­nis der Stadt selbst und ihrer Zuge­hö­rig­keit zur preu­ßi­schen Rehin­pro­vinz aus­drü­cken sol­len.


Die alle­go­ri­sche Figur der Rhein­pro­vinz “Rhen­ania” mit Kind, Schild und Adler.

Rhen­ania von der ande­ren Sei­te.

Bar­me­nia mit Helm.

… Kind und Löwe.

Über dem Sei­ten­ein­gang an der Weg­ner­stra­ße wur­de ein wie­der­um von Richard Guhr ent­wor­fe­nes und dies­mal vom Bar­mer Bild­hau­er Georg Kau­per in Muschel­kalk aus­ge­führ­tes Reli­ef ange­bracht.


Das Reli­ef an der Weg­ner­stra­ße. Es zeigt unter ande­rem einen Löwen­kopf, Put­ten, einen ver­wun­de­ten Sol­da­ten, ein jun­ges Mäd­chen, zwei Non­nen, und meh­re­re Gelehr­te oder auch Rats­her­ren. Außer­dem ist eine Flam­me auf einem Sockel aus­zu­ma­chen, an deren Scha­le ein Eiser­nes Kreuz zu sehen ist.

An der West­sei­te des Rat­hau­ses, am heu­te geschlos­se­nen Ein­gang am Heu­bruch, fin­det sich eine Bron­ze­fi­gur des aus Elber­feld stam­men­den und in Ber­lin arbei­ten­den Bild­hau­er Paul Wyn­and. Die Figur, die frü­her ver­gol­det war, sym­bo­li­siert die für Bar­men so wich­ti­ge Tex­til­in­dus­trie.


Die Figur der Tex­til­in­dus­trie mit ihrer Spin­del von Paul Wyn­and.

Paul Wyn­and ent­warf auch die Model­le der Put­ten aus Stein für den Innen­hof des Rat­hau­ses, die vom Düs­sel­dor­fer Bild­hau­er Theo­dor Haa­ke aus­ge­führt wur­den und nicht mehr exis­tie­ren. Paul Wyn­and schuf außer­dem die Bron­ze­so­ckel der bei­den Fah­nen­mas­ten auf dem Rat­haus­platz.1


Der figu­ren­rei­che Sockel.

Detail­an­sicht

Ende Mai 1999 muss­ten die 80 Jah­re alten Mas­ten wegen Rost­schä­den ent­fernt und durch rost­freie Nach­fol­ger ersetzt. Bei der Gele­gen­heit wur­den die Bron­ze­so­ckel mit ihren Figu­ren gerei­nigt und poliert. Die für 80.000 DM sanier­ten Mas­ten mit ihren Sockeln wur­den Ende Juni 2000 wie­der auf­ge­stellt.2


nsicht des Rat­hau­ses auf einer Post­kar­te, die 1932 ver­schickt wur­de. Die ursprüng­li­che Dach­form ist gut zu erken­nen. (Bild ergänzt am 7.November 2012)

Posi­ti­on der Kunst­wer­ke auf der Kar­te