Gedenktafel für im Dienst getötete Polizisten

Als am 1. Dezem­ber 2000 im Poli­zei­prä­si­di­um die Gedenk­ta­fel für den Poli­zei­be­am­ten Paul Kre­ber fei­er­lich ein­ge­weiht wur­de, wur­de am glei­chen Tag im sel­ben Flur eine Gedenk­ta­fel der Öffent­lich­keit über­ge­ben, die an drei im Dienst getö­te­te Poli­zis­ten erin­nert. Die Tafel ist das Ergeb­nis von Kri­tik aus Rei­hen der Poli­zei an der Anbrin­gung von zwei mah­nen­den Gedenk­ta­fel zur NS-Zeit, ohne dass die nähe­re Ver­gan­gen­heit der Poli­zei­ar­beit mit einem Erin­ne­rungs­zei­chen berück­sich­tigt wur­de.1


Die Gedenk­ta­fel für im Dienst getö­te­te Poli­zis­ten. Lei­der ist auf­grund der Aus­füh­rung in Glas und der Licht­si­tua­ti­on die Qua­li­tät der Bil­der nicht opti­mal.

Die Gedenk­ta­fel aus Glas in Form eines quer­lie­gen­den Kreu­zes wur­de wie die Gedenk­ta­fel für Paul Kre­ber vom Bau- und Lie­gen­schafts­be­trieb NRW, dem Eigen­tü­mer des Poli­zei­prä­si­di­ums, gestal­tet und finan­ziert. Sie zeigt unter der Inschrift:

Sie wur­den in Aus­übung ihres Diens­tes Opfer von Gewalt­ta­ten”

drei Foto­gra­fi­en der Beam­ten, ihre Unter­schrift, den Namen, das Geburts- und Todes­da­tum. Von links nach rechts wird so die­sen drei Kol­le­gen gedacht:
Karl Sewing 13.06.1912 — 08.11.1965.

Der 54jährige Poli­zei­meis­ter Karl Sewing wur­de am 8. Novem­ber 1965 in Rem­scheid getö­tet, als er und sein Kol­le­ge, der den Strei­fen­wa­gen fuhr, um 5 Uhr mor­gens einen Mann stell­ten, nach dem sie zwei Schüs­se gehört hat­ten. Als Sewing den Mann mit vor­ge­hal­te­ner Dienst­waf­fe auf­for­der­te, sei­ne Pis­to­le nie­der­zu­le­gen, schoss der “schwer vor­be­straf­te Kri­mi­nel­le” durch das Fens­ter fünf bis sie­ben­mal2 auf den Poli­zis­ten, der im städ­ti­schen Kli­ni­kum3 starb.4 Die Tat geschah an der Ein­mün­dung der Stra­ße “Zum Greu­el” auf die Len­ne­per Stra­ße.5 Einen Tag spä­ter wur­de der flüch­ti­ge 30jährige Täter fest­ge­nom­men und Haft­be­fehl erlas­sen. Die Obduk­ti­on des Leich­nams Sewings ergab, dass zwei der drei Schüs­se, die ihn tra­fen töd­lich waren, einer drang ins Herz ein, der ande­re traf die Brust­schlag­ader.6


Horst Fied­ler 04.05.1953 — 24.04.1999

Der 45jährige Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Horst Fied­ler war Rausch­gift­fahn­der und wur­de am 24. April 1999 in Solin­gen Auf­der­hö­he bei einer Fest­nah­me erschos­sen. Er lei­te­te an die­sem Tag die Obser­va­ti­on eines 49jährigen Dea­lers und die anschlie­ßen­de Fest­nah­me. Ohne Vor­war­nung eröff­ne­te der Ver­däch­ti­ge durch die geschlos­se­ne Woh­nungs­tür in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus das Feu­er auf die Beam­ten. Horst Fied­ler brach töd­lich getrof­fen zusam­men, ein 35jähriger Kol­le­ge wur­de ange­schos­sen, konn­te das Feu­er aber noch erwi­dern. Der Täter flüch­te­te trotz eines Ober­schen­kel­steck­schus­ses über den Bal­kon. Eine Groß­fahn­dung wur­de aus­ge­löst. Der Ver­däch­ti­ge flüch­te­te zunächst in eine 150m ent­fern­te Gara­ge und erzwang am Abend mit Waf­fen­ge­walt Zutritt zu einem Haus und nahm die Bewoh­ne­rin als Gei­sel, ließ sie aber spä­ter frei. Am Mit­tag des fol­gen­den Sonn­tags wur­de er von den Beam­ten des SEK über­wäl­tigt und fest­ge­nom­men. Horst Fied­ler hin­ter­ließ zwei Kin­der.7


Kirs­ten Späing­haus-Flick 28.07.73 — 27.02.2000

Die 26jährige Poli­zei­ober­meis­te­rin8 Kirs­ten Späing­haus-Flick wur­de am 27.Februar 2000 bei einem Bezie­hungs­streit zwi­schen einem 27jährigen Maze­do­ni­er und sei­ner Frau getö­tet. Die Ehe­frau des Täters hat­te die Poli­zei von einer Tele­fon­zel­le um Hil­fe geru­fen.9 Beim Ein­tref­fen der Poli­zei war die Frau ver­schwun­den. Bei Kon­trol­le eines BMW an der Ecke Albert-Tha­er-Stra­ße/Rönt­gen­stra­ße tra­fen die Poli­zis­ten auf den Ehe­mann, ohne dies zu wis­sen. Der Täter riss die Fah­rer­tür von Späing­haus-Flick auf und atta­ckier­te die Poli­zis­tin mit einem 30cm lan­gen Mes­ser. Der Beam­te auf dem Bei­fah­rer­sitz sprang aus dem Wagen und stopp­te den Täter mit einem Schuss in den Ober­schen­kel, nach­dem die­ser der Auf­for­de­rung, das Mes­ser abzu­le­gen nicht nach­ge­kom­men war. Späing­haus-Flick, deren Ehe­mann eben­falls bei der Rem­schei­der Poli­zei arbei­te­te, ver­starb kur­ze Zeit spä­ter an ihren Ver­let­zun­gen.10 Am 2.März 2003 fand unter gro­ßer Anteil­nah­me die Bestat­tung in Len­nep statt, über 1000 Poli­zis­ten gaben der getö­te­ten Kol­le­gin das letz­te Geleit, auch NRW-Innen­mi­nis­ter Fritz Beh­rens nahm an der Trau­er­fei­er teil.11

Am Tat­ort erin­nert ein ein­fa­ches Holz­kreuz an den Tod der jun­gen Poli­zis­tin, für das Schü­ler des benach­bar­ten Rönt­gen-Gym­na­si­ums die Paten­schaft für die Pfle­ge des Kreu­zes über­nom­men haben.12 Am 27.Februar 2003 wur­de im Foy­er der Poli­zei­in­spek­ti­on Rem­scheid eine Gedenk­ta­fel für Kirs­ten Späing­haus-Flick und Karl Sewing ein­ge­weiht. Ein Foto von ihr fin­det sich auf www.corsipo.de 13


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Paul-Kreber-Gedenktafel

Die­ser Ein­trag wur­de am 4. Juli 2012 mit Hil­fe einer neu­en Quel­le (Micha­el Okroy, „… 8 Zigeu­ner­fa­mi­li­en aus der Sied­lung abge­holt.“ Bruch­stü­cke einer Ver­fol­gungs­ge­schich­te der Sin­ti und Roma aus Wup­per­tal, in: Karo­la Frings und Ulrich F. Opfer­manmn (Hg.), Zigeu­ner­ver­fol­gung im Rhein­land und in West­fa­len 1933–1945. Geschich­te, Auf­ar­bei­tung und Erin­ne­rung, Pader­born 2012, S. 279–300.) über­ar­bei­tet. In die­ser fin­den Inter­es­sier­te auch Infor­ma­tio­nen zur Quel­len­pro­ble­ma­tik.

Am 1. Dezem­ber 2000 wur­de im Poli­zei­prä­si­di­um Wup­per­tal eine glä­ser­ne Gedenk­ta­fel für den Poli­zei­be­am­ten Paul Kre­ber ein­ge­weiht. Jener hat­te in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus die Sin­ti-Fami­lie Weiss und wei­te­re Sin­tis vor der Depor­ta­ti­on geret­tet.1


Gedenk­ta­fel für den Poli­zis­ten Paul Kre­ber.

Paul Kre­ber wur­de am 10. April 1910 im loth­rin­gi­schen Dieden­ho­fen gebo­ren und absol­vier­te von 1919 bis 1924 die katho­li­sche Volks­schu­le in Bar­men.2 Anfang der 1930er Jah­re fand er eine Anstel­lung bei der Reichs­post in der neu­en Stadt Wup­per­tal, zuvor hat­te einen mehr­jäh­ri­gen Mili­tär­dienst abge­leis­tet. Spä­ter (1939, 3) bewarb er sich bei der Poli­zei und wur­de als Kri­mi­nal-Assis­tent-Anwär­ter ein­ge­stellt und 1941 als Beam­ter in den Erken­nungs­dienst über­nom­men. Hier wur­de ihm die Über­wa­chung und Kon­trol­le der in der NS-Ideo­lo­gie als “ras­si­sche min­der­wer­tig” ange­se­he­nen Sin­ti und Roma zuge­teilt, die damals noch all­ge­mein “Zigeu­ner” genannt wur­den.4

Die Fami­lie Weiß war im Jahr 1939 aus Gel­sen­kir­chen nach Wup­per­tal gekom­men, wo Hugo Weiss direkt eine Anstel­lung fand und die jün­ge­ren Söh­ne einen katho­li­schen Kin­der­gar­ten besuch­ten. Der neun­jäh­ri­ge Paul Weiß absol­vier­te erfolg­reich die Auf­nah­me­prü­fung am Bar­mer Kon­ser­va­to­ri­um. Die Her­kunft der Fami­lie als Sin­ti war nicht offen­sicht­lich. Die Fami­li­en Weiss und Kre­ber leb­ten zunächst in der Nach­bar­schaft und so tra­fen sich Mar­ga­re­the Kre­ber und Anto­nie Weiß zufäl­lig beim Ein­kau­fen. Hugo Weiss ent­schloss sich, zur Siche­rung des Über­le­bens sei­ner Fami­lie sich mit dem für “Zigeu­ner­an­ge­le­gen­hei­ten” zustän­di­gen Kom­mis­sar “anzu­freun­den”. Aus die­ser geziel­ten und zweck­dien­li­chen Kon­takt­auf­nah­me erwuchs eine freund­schaft­li­che Bezie­hung.5


Im Dezem­ber 1942 befahl Reichs­füh­rer-SS Himm­ler die Depor­ta­ti­on der noch im Reich befind­li­chen Sin­ti und Roma in das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz-Bir­ken­au. Am 3. März 1943 kam die­ser Befehl in Wup­per­tal zur Aus­füh­rung und neun Fami­li­en wur­den per LKW aus städ­ti­schen Not­un­ter­künf­ten ins Gefäng­nis am Ben­dahl gebracht und von dort zum Bahn­hof. Fami­lie Weiss mit den Söh­nen Paul, Johann, Arnold, Rigo­bert und Hel­mut war aller­dings von der Depor­ta­ti­ons­lis­te gestri­chen wor­den — ver­mut­lich von Paul Kre­ber, der auch eine ande­re Fami­lie warn­te, sodass sie unter­tau­chen konn­te und ande­ren Aus­län­der­päs­se für das besetz­te, aber weni­ger gefähr­de­te Frank­reich ver­schaff­te.6 Kre­ber stell­te den Weiss’ ein gutes Leu­munds­zeug­nis aus, sodass man sich in Ber­lin dazu ent­schied, statt einer Depor­ta­ti­on eine Zwangs­ste­ri­li­sa­ti­on durch­zu­füh­ren. Die Bom­ben­an­grif­fe auf Wup­per­tal im Mai und Juni 1943 ver­hin­der­ten dies jedoch. Anto­nie Weiss wur­de mit den Kin­dern nach Thü­rin­gen eva­ku­iert, wäh­rend Hugo wei­ter in der kriegs­wich­ti­gen Fir­ma Espen­lau­hb arbei­te­te.7 Paul Kre­ber wur­de aus­ge­bombt und ließ sich nach Metz ver­set­zen, wohin er die sie­ben­köp­fi­ge Fami­lie Weiss nach­hol­te und ihnen eine Woh­nung und eine Arbeit im einem Wan­der­zir­kus ver­schaff­te.8 Nach einer Denun­zia­ti­on wur­de Hugo und Anto­nie Weiss von Kri­mi­nal­po­li­zei ver­haf­tet und in einem Straß­bur­ger Kran­ken­haus zwangs­ste­ri­li­siert.9 In den Kriegs­wir­ren ver­lor man sich aus den Augen — Paul Kre­ber wur­de nach Wup­per­tal zurück­ver­setzt — und traf sich 1946 wie­der. Fami­lie Weiss hat­te fast alle Ver­wand­te in Aus­schwitz ver­lo­ren.10 Die Fami­li­en sind bis heu­te eng befreun­det11 und so ist es kein Wun­der, dass Hel­mut, Paul und Johann Weiss bei der Ein­wei­hung der Gedenk­ta­fel zuge­gen waren und zusam­men für Onkel Paul auf Gei­ge, Kla­vier und Akkor­de­on musi­zier­ten.12


Auch nach dem Krieg setz­te sich Paul Kre­ber unter ande­rem in Wie­der­gut­ma­chungs­ver­fah­ren für Sin­ti und Roma ein. 1966 schied er krank­heits­be­dingt aus dem Poli­zei­dienst aus.13 Unter den Kol­le­gen hat­te er auf­grund sei­nes freund­schaft­li­chen Umgangs mit den Sin­ti und Roma den Spitz­na­men “Zigeu­ner Paul”, den er bereits zur NS-Zeit erhal­ten hat­te, sodass der Mut die­ses Man­nes noch ein­mal höher ein­zu­schät­zen ist, da er sicher­lich genau beob­ach­tet wur­de. 1988, ein Jahr vor sei­nem Tod, erhielt Paul Kre­ber auf Bestre­ben der Fami­lie Weiss und des Zen­tral­rats der Deut­schen Sin­ti und Roma das Bun­des­ver­dienst­s­kreuz für sei­nen Mut, die inner­halb des NS-Ver­fol­gungs­ap­pa­ra­tes vor­han­de­nen Spiel­räu­me für huma­nes Han­deln auch zu nut­zen.14 Nach­dem er lan­ge Jah­re in Bey­en­burg gelebt hat­te, zog er 1984 an den Boden­see, wo er 1989 ver­starb und in Wup­per­tal in Ver­ges­sen­heit geriet.15

Als aber im Som­mer 2000 eine Wel­le rechts­ra­di­ka­ler und ras­sis­ti­scher Gewalt ein­setz­te, begann man sich für Bei­spie­le von Zivil­cou­ra­ge zu inter­es­sie­ren.16 Der Wup­per­ta­ler His­to­ri­ker Micha­el Okroy, Mit­ar­bei­ter der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge, war bereits auf die Taten von “Onkel Paul” auf­merk­sam gemacht wor­den und initi­ier­te nun die Stif­tung einer Gedenk­ta­fel im Poli­zei­prä­si­di­um.17
Zur Ein­wei­hung erschie­nen nicht nur, wie bereits erwähnt, die Brü­der Hel­mut, Johann und Paul Weiss, son­dern auch Paul Kre­bers Toch­ter, die mit den Brü­dern Weiss befreun­det ist und Kre­bers Enke­lin, sowie Micha­el Okroy, Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Hans Kre­men­dahl und der Haus­herr, Poli­zei­prä­si­dent Klaus Koeh­ler. Neben dem musi­ka­li­schen Andenken erin­ner­te Johann Weiss in einer Anspra­che an Paul Kre­ber.18
Die Gedenk­ta­fel von vor­ne.

Die Gestal­tung der Gedenk­ta­fel oblag dem Bau- und Lie­gen­schafts­be­trieb des Lan­des NRW, der auch die Kos­ten hier­für als Eigen­tü­mer des Gebäu­des über­nahm. Das Foto stammt von der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge, die auch die Inschrift ver­fass­te.19 Die Gedenk­ta­fel besteht aus Glas und zeigt ein sti­li­sier­tes Kreuz aus einer ein­fa­chen waa­ge­rech­ten Linie und einer senk­rech­ten Dop­pel­li­nie. Oben links ist ein Foto Paul Kre­bers zu sehen, dar­un­ter sein Name und das Geburts- und Ster­be­jahr. Unten rechts fin­det sich die Inschrift:


Die Inschrift.

            “Paul Kre­ber

war von 1940 bis 1943
beim Erken­nungs­dienst der
Kri­mi­nal­po­li­zei im
Poli­zei­prä­si­di­um Wup­per­tal
tätig.

Unter Ein­satz sei­nes Lebens
und des sei­ner Fami­lie be-
wahr­te er im Früh­jahr 1943
meh­re­re Wup­per­ta­ler Sin­ti-
Fami­li­en vor der Depor­ta­ti­on
in das Ver­nich­tungs­la­ger
Ausch­witz-Bir­ken­au, indem er
Befeh­le nicht aus­führ­te, Ver-
ste­cke beschaff­te und den
Ver­folg­ten zur Flucht ver-
half.

1988 wur­de Paul Kre­ber auf
Vor­schlag des Zen­tral­rats
der deut­schen Sin­ti und Roma
das Bun­des­ver­dienst­kreuz
ver­lie­hen.

Sein aus­ser­or­dent­lich muti­ges
Han­deln soll uns allen zum
Vor­bild für Zivil­cou­ra­ge und
Mensch­lich­keit die­nen.”


Am sel­ben Tag wur­de im glei­chen Flur eine Gedenk­ta­fel für im Dienst gestor­be­ne Poli­zis­ten der Öffent­lich­keit ohne Zere­mo­nie über­ge­ben. Sie ist eine Reak­ti­on auf Kri­tik aus den Rei­hen der Poli­zei, dass nun zwei Tafeln an die NS-Zeit erin­nern und mah­nen, aber die jün­ge­re Geschich­te der Poli­zis­ten ver­ges­sen wer­de.


Hubert-Pfeiffer-Stele

Irgend­wann am Anfang des Jah­res 20061, das Datum oder der Monat konn­te von den Betei­lig­ten bis­lang nicht ermit­telt wer­den, wur­de auf dem Vor­platz der Herz-Jesu-Kir­che in Unt­er­bar­men eine Ste­le zur Erin­ne­rung an Hubert Pfeif­fer auf­ge­stellt. Anlass dafür war ein Arti­kel in der Fest­schrift zum 100jährigen Bestehen der Gemein­de im Jahr 2003, in dem an den Orga­nis­ten und Kan­tor der Gemein­de erin­nert wur­de. Der Pfarr­ge­mein­de­rat ent­schloss sich dar­auf­hin, dem “Musi­kant Got­tes” eine sicht­ba­re Ehrung zu stif­ten.2


Hubert-Pfeif­fer-Ste­le.

Hubert Pfeif­fer wur­de am 14.Oktober 1891 in der Ben­dah­ler Stra­ße Nr.2 gebo­ren. Kurz nach der Geburt ver­lor er sei­ne Seh­fä­hig­keit, ent­wi­ckel­te aber schon in sei­ner Jugend mit Hil­fe einer Zit­ter sein musi­ka­li­sches Talent. Zunächst erhielt er Pri­vat­un­ter­richt, spä­ter besuch­te er die Blin­den­schu­le in Düren, die er mit 18 Jah­ren abschloss. Zwei Jah­re spä­ter bestand er die Orga­nis­ten- und Chor­lei­ter­prü­fung. Da er kei­ne ein­zi­ge Note schrei­ben und lesen konn­te, ent­wi­ckel­te er ein phä­no­me­na­les musi­ka­li­sches Gedächt­nis und konn­te bei­spiels­wei­se ein Fuge von Johann Sebas­ti­an Bach nach ein­ma­li­gem Hören feh­ler­frei wie­der­ge­ben.

Von 1911–1914 stu­dier­te am Elber­fel­der Kon­ser­va­to­ri­um Pott­hof-Zim­mer­mann, anschlie­ßend arbei­te­te er als Pri­vat­mu­sik­leh­rer, Kom­po­nist und gab Kon­zer­te. Beson­ders gern spiel­te er Orgel, Kla­vier und Cel­lo. Bei der Nie­der­schrift sei­ner Kom­po­si­tio­nen half ihm der mit der Fami­lie Pfeif­fer befreun­de­te Gene­ral­mu­sik­di­rek­tor Franz von Hos­se­lin. Von 1922 bis 1926 wirk­te er als Orga­nist und Kan­tor an der Unt­er­bar­mer Kir­che Herz-Jesu und schuf Musik für Mes­sen, Vio­li­ne und Kla­vier, Orgel, Orgel und Blech­blä­ser, Kla­ri­net­te, Motet­ten und Anti­pho­ne, sowie Kla­vier­so­na­ten. Hubert Pfeif­fer erhielt zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen, dar­un­ter den Beet­ho­ven Preis und den Staats­preis der Preu­ßi­schen Aka­de­mie der Küns­te. Am Ers­ten Weih­nachts­tag des Jah­res 1932 starb er an einer Blut­ver­gif­tung.3


Foto und Inschrift

Die Ste­le ent­warf das Wup­per­ta­ler Design­bü­ro Visu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on Neis­ser | Zöl­ler, gefer­tigt wur­de sie von der Kunst- und Bau­schlos­se­rei Richard Bogusch.4Sie zeigt den Musi­ker auf einer Foto­gra­fie im Pro­fil und dar­un­ter die Inschrift:


Die Rück­sei­te der Ste­le

Zur Erin­ne­rung an
den blin­den Wup­per­ta­ler
Künst­ler, Musik- und
Kom­po­si­ti­ons­leh­rer­Hu­bert Pfeif­fer
1891–1931von 1922–1926
Kan­tor und Orga­nist
unse­rer Gemein­de
Herz-Jesu”

Auf der Rück­sei­te der Stee­le ste­hen in Blin­den­schrift der Name und die Lebens­da­ten des Musi­kers. 5


Die Ein­wei­hung der Ste­le ist nach der Fer­tig­stel­lung der Neu­ge­stal­tung  des Kirch­plat­zes geplant, die nach der Sanie­rung der Kir­che in die­sem Jahr in Angriff genom­men wer­den soll.6 Hubert Pfeif­fer wur­de auf dem kath.Friedhof an der Lie­big­stra­ße begra­ben, wo heu­te noch sein Grab zu fin­den ist. Außer­dem benann­te die Stadt Wup­per­tal eine Stra­ße und einen Platz im Kom­po­nis­ten­vier­tel im Bar­mer Süden nach ihm.
Vie­len Dank an den Mit­in­itia­tor der Ste­le, Hel­mut Frink, für die Hil­fe bei der Recher­che.

Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung durch die Geheime Staatspolizei

Am 1. Sep­tem­ber 1939 über­fiel das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deutsch­land Polen und ent­fes­sel­te den Zwei­ten Welt­krieg. Am sel­ben Tag wur­de in Wup­per­tal das Poli­zei­prä­si­di­um ein­ge­weiht. 60 Jah­re spä­ter wur­de aus Anlass die­ses Jah­res­ta­ges eine glä­ser­ne Gedenk­ta­fel am Ein­gang ein­ge­weiht, die an die Ver­fol­gung durch die Gehei­me Staats­po­li­zei (Gesta­po) erin­nert, die in die­sem Gebäu­de eine Dienst­stel­le mit 40 Beam­ten bezo­gen hat­te. In den 70 Zel­len des zuge­hö­ri­gen Poli­zei­ge­fäng­nis­ses fol­ter­te und miss­han­del­te die Gesta­po unter Dul­dung der Staats­an­walt­schaft ihre Opfer. Für vie­le waren die Zel­len “War­te­zim­mer des Todes”, so Poli­zei­prä­si­dent Köh­ler, bevor sie in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ermor­det wur­den. Auch ver­brach­ten 64 der 71 Opfer der Mor­de in der Wen­zeln­berg­schlucht hier ihre letz­te Nacht.1

Aus­lö­ser für die Anbrin­gung der Gedenk­ta­fel war eine Ver­an­stal­tung im Saal 300 des Poli­zei­prä­si­di­ums, die die Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge
1997 zur Erin­ne­rung an den Bia­lys­tok-Pro­zess, der in die­sen Räu­men statt­fand,
aus­ge­rich­tet hat­te. Es folg­te ein Gesprächs­kreis auf Initia­ti­ve des Sozi­al­wis­sen­schaft­lers Micha­el Okroy, der zusam­men mit dem Poli­zei­prä­si­den­ten die Auf­stel­lung eines Gedenk­zei­chens vor­an­trieb.2


Die Gedenk­ta­fel am Poli­zei­prä­si­di­um.

Die Inschrift der Gedenk­ta­fel lau­tet:

“Wir wol­len nicht ver­ges­sen!
Am 1.September 1939 wur­de das
neu­erbau­te Poli­zei­prä­si­di­um Wup­per­tal
bezo­gen. Neben dem Poli­zei­ge­fäng­nis
befand sich in die­sem Gebäu­de bis
1945 auch die ört­li­che Dienst­stel­le der
Gehei­men Staats­po­li­zei.
Die Gesta­po inhaf­tier­te, ver­hör­te und
miß­han­del­te hier Men­schen, die aus
poli­ti­schen, reli­giö­sen, ras­sis­ti­schen oder
welt­an­schau­li­chen Grün­den ver­folgt
wur­den. Zu den Opfern gehör­ten Sozi­al-
demo­kra­ten, Kom­mu­nis­ten, Ange­hö­ri­ge
der Kir­chen und ande­rer Reli­gi­ons-
gemein­schaf­ten, Juden, Sin­ti und Roma,
Homo­se­xu­el­le und aus­län­di­sche
Zwangs­ar­bei­ter. Vie­le von Ihnen kamen
von hier direkt in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger.

Zwi­schen 1941 und 1944 organ­sier­te die
ört­li­che Gesta­po sechs Mas­sen­trans­por­te.
Etwa 1.000 jüdi­sche Män­ner, Frau­en und
Kin­der aus Wup­per­tal, Rem­scheid
und Solin­gen und umlie­gen­den Städ­ten
wur­den in Ghet­tos und Ver­nich­tungs­la­ger
depor­tiert und dort ermor­det.

Der Poli­zei­prä­si­dent Wup­per­tal

1.September 1999”


Zur Gedenk­fei­er, die der Ein­wei­hung vor­aus­ging, erschie­nen Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl, Bür­ger­meis­te­rin Woh­lert, der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Bertl (SPD), Ver­tre­ter des Innen­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des und der Bezirks­re­gie­rung, zahl­rei­che Rats­mit­glie­der aus Wup­per­tal, Solin­gen und Rem­scheid, Ver­te­ter der christ­li­chen Kir­chen und der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­de, dar­un­ter der ehe­ma­li­ge lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de Blei­cher, der selbst Opfer des NS-Regimes gewor­den war. Außer­dem erschie­nen Ver­tre­ter des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des, des Lan­des­ver­bands der Sin­ti und Roma, der Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes und Ver­tre­ter der Wach­turm­ge­sell­schaft.3


Poli­zei­prä­si­dent Köh­ler führ­te in sei­ner Rede aus, dass es kei­ne Kon­ti­nui­tät zwi­schen der Poli­zei von damals und der von heu­te gebe. “Mit der dama­li­gen Poli­zei wol­len wir nichts zu tun haben.“4 Den­noch müs­se man sich der eige­nen Geschich­te stel­len und sie nicht mit Tabus bele­gen. Der Anfang der Nazi-Ver­bre­chen geschah in unse­ren Städ­ten und Gemein­den. “Von hier aus die­sem Poli­zei­prä­si­di­um führ­te die Blut­spur direkt die in die Ver­nich­tungs­la­ger”, das sol­le an die­sem Tag in Erin­ne­rung geru­fen wer­den.5


Anschlie­ßend sprach Ober­bür­ger­meis­ter Kre­men­dahl. Er erin­ner­te unter ande­rem dar­an, dass das Gebäu­de in der Nach­kriegs­zeit als Rat­haus fun­gier­te und mit Robert Daum ein Ober­bür­ger­meis­ter die Stadt führ­te, der selbst in den Zel­len der Gesta­po geses­sen hat­te. Gera­de Ange­sichts der Ver­bre­chen, die in die­sem Gebäu­de von Men­schen ver­übt wor­den waren, “ist es so wich­tig, daß wir unse­re Demo­kra­tie nicht selbst­ver­ständ­lich hin­neh­men.” Kre­men­dahl appel­lier­te an die Zuhö­rer sich immer wie­der für die Demo­kra­tie ein­zu­set­zen, in der Hoff­nung, dass sol­che Ver­bre­chen nie wie­der gesche­hen mögen.6


Es folg­te die Anspra­che von Dr.Ulrike Schra­der, Lei­te­rin der Begeg­nungs­stät­te Alte Syn­ago­ge, die die “qua­li­fi­zier­te” Beschäf­ti­gung des Poli­zei­prä­si­di­ums mit sei­ner NS-Ver­gan­gen­heit begrüß­te und ver­deut­lich­te, dass nur 43 Gesta­po-Beam­te inklu­si­ve der Schreib- und Hilfs­kräf­te eine 400.000 Ein­woh­ner-Stadt über­wa­chen soll­ten. Eine all­um­fas­sen­de Über­wa­chung der Bür­ger in der NS-Zeit hat es nicht gege­ben, auch wenn His­to­ri­ker die so lau­ten­de Insze­nie­rung der Gesta­po unge­prüft lan­ge Jah­re in die Geschichts­er­zäh­lung über­nah­men. Es war ein Mythos. (Um so erschre­cken­der wird inzwi­schen die weit­ver­brei­te­te Denun­zia­ti­on von der For­schung wahr­ge­nom­men, die ja auch im Fall der Cari­tas-Sekre­tä­rin Maria Huse­mann zur Ver­haf­tung führ­te.) Nach die­sem eher all­ge­mei­nen Bemer­kun­gen zur Gesta­po ging Frau Schra­der auf ein­zel­ne Schick­sa­le ein, die sich aus den Akten erschlie­ßen las­sen und beton­te das Wir­ken des Kri­mi­nal­be­am­ten Paul Kre­ber, an den inzwi­schen eine eige­ne Gedenk­ta­fel erin­nert. Sie erin­ner­te an die Lei­tung der Depor­ta­ti­on der Juden durch die Gesta­po und begrüß­te, dass alle Opfer­grup­pen auf der Gedenk­ta­fel ver­tre­ten sei­en und auch lan­ge Zeit dis­kri­mi­nier­te Grup­pen wie Homo­se­xu­el­le oder “Aso­zia­le” nicht län­ger miss­ach­tet wer­den. Aber sie mahn­te auch an, dass die Arbeit der His­to­ri­ker nun erst begin­nen müs­se, um auch am Bei­spiel der Poli­zei­be­hör­den Tabus zu ent­kräf­ten und Kli­schees und Mythen zu erken­nen, damit das Erin­ne­rungs­zei­chen als glaub­wür­dig wahr­ge­nom­men wer­de.7


Die Gedenk­fei­er wur­de vom Kla­ri­net­ten­en­sem­ble des Lan­des­po­li­zei­or­ches­ters NRW beglei­tet. Nach der Gedenk­fei­er folg­te die Ent­hül­lung der Gedenk­ta­fel und eine Kranz­nie­der­le­gung durch den Ober­bür­ger­meis­ter und den Poli­zei­prä­si­den­ten8Hol­ger Ste­phan, “Das Ver­gan­ge­ne ist nie­mals tot”, in: WZ vom 2.9.1999./note] unter musi­ka­li­scher Beglei­tung des Blech­blä­ser­en­sem­bles des Lan­des­po­li­zei­or­ches­ters NRW. Am 1. Dezem­ber 2000 wur­de im Poli­zei­prä­si­di­um eine Gedenk­ta­fel für den Poli­zis­ten Paul Kre­ber ent­hüllt, der wäh­rend des NS-Zeit Sin­ti und Roma vor der Depor­ta­ti­on bewahr­te.


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Heinrich-Eisenlohr-Denkmal

Das Hein­rich-Eisenlohr-Denk­mal mit dem ihn umge­be­nen Zaun um 1900. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.

Am 8.Januar 1899 starb der Bar­mer Kauf­mann und Ehren­bür­ger Hein­rich Eisenlohr. Der am 15.April 1816 gebo­re­ne Eisenlohr war stol­ze 45 Jah­re Stadt­ver­ord­ne­ter in Bar­men, 33 Jah­re Mit­glied der städ­ti­schen Armen­ver­wal­tung, dar­un­ter zwi­schen 1871 und 1880 deren Vor­sit­zen­der. Er trieb die Grün­dung der Anstalt für ver­las­sen Kin­der, die am 1.Dezember 1873 voll­zo­gen wur­de, maß­geb­lich vor­an. Dar­über hin­aus war er Direk­ti­ons­mit­glied des Bar­mer Kran­ken­hau­ses, Kura­to­ri­ums­mit­glied  der Höhe­ren Töch­ter­schu­le Unt­er­bar­mens, Mit­glied der städ­ti­schen Schuld­de­pu­ta­ti­on, Mit­glied der Sani­täts­kom­mis­si­on, Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rat der Bar­mer Bau­ge­sell­schaft und 28 Jah­re Vor­stands­mit­glied im Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein. Auf Beschluss der Stadt­ver­ord­ne­ten-Ver­samm­lung wur­de er 1888 Pro­vin­zi­al-Land­tags-Abge­ord­ne­ter als Ange­hö­ri­ger der natio­nal­li­be­ra­len Par­tei.
Für sei­ne Diens­te um die Ver­wun­de­ten und Kran­ken wäh­rend des Deutsch-Fran­zö­si­schen Krie­ges (1870/71) erhielt er vom Kai­ser den Kro­nen­or­den IV.Klasse mit rotem Kreuz am Erin­ne­rungs­band. Im Sep­tem­ber 1893 erhielt er den Roten Adler­or­den IV.Klasse.

Ange­sichts der Ver­diens­te die­ses Man­nes um das Gemein­we­sen der Stadt Bar­men ist es kein Wun­der, dass ihm ein Denk­mal errich­tet wur­de. Dies geschah am 22.Mai 1900 in den Unt­er­bar­mer Anla­gen (auch Kai­ser-Fried­rich-Höhe genannt), ober­halb des Unt­er­bar­mer Fried­hofs. Zur Ein­wei­hung waren zahl­rei­che Stadt­ver­ord­ne­te, Bei­geord­ne­te, Mit­glie­der der Fami­lie Eisenlohr und der Ober­bür­ger­meis­ter Dr.Lentzen gekom­men. Im Auf­trag der Freun­de und Ver­eh­rer des Ver­stor­be­nen, die das Denk­mal gestif­tet hat­ten, über­gab Stadt­ver­ord­ne­ter Dr.Wittenstein das Denk­mal in die Obhut in die Hän­de der Stadt Bar­men.
Das Hein­rich-Eisenlohr-Denk­mal im August 1940. Samm­lung Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de, N 2744.

Das Denk­mal bestand aus einem zwei Meter hohen Sockel der Fir­ma G.Krebs aus Bal­duin­stein an der Lahn, wor­auf sich eine Bron­ze­büs­te befand, die heu­te ver­lo­ren ist. Geschaf­fen wur­de sie vom Bar­mer Bild­hau­er Wil­helm Gies­ecke, gegos­sen wur­de die über­le­bens­gro­ße Büs­te in der Rupprecht­schen Gie­ße­rei in Mün­chen. Das Denk­mal war von einem Eisen­zaun umge­ben, der vom Archi­tek­ten Gel­ci­haus gezeich­net und von der Fir­ma Fried­rich Hue in der Allee­stra­ße gefer­tigt wur­de. Die Inschrift auf dem Sockel ver­kün­det:
Die Inschrift. 

Hein­rich

Eisenlohr
Ehren­bür­ger
der
Stadt Bar­men
1816–1899”
Die Über­res­te des Denk­mals am 1.September 1959. Samm­lung Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de, 8280.

1957 war des Denk­mal, das den Zwei­ten Welt­krieg über­stan­den hat­te, in erbärm­li­chen Zustand, die Büs­te fehl­te. Man dach­te dar­an, das Denk­mal mit den Res­ten des nahen Otto-Jäger-Denk­mals zusam­men in einer Gedenk­stät­te auf­zu­stel­len, das wur­de jedoch nicht ver­wirk­licht. Im März 1962 wur­de es Instand gesetzt und auch die Büs­te wie­der ange­bracht. Vor 1982 ver­schwand sie erneut und so steht vom Denk­mal heu­te nur noch der Sockel.1
Das Denk­mal heu­te. Das Fun­da­ment des Zauns ist noch gut zu erken­nen.

Otto-Jäger-Denkmal

Am 11.Oktober 1893 ent­hüll­te der Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein in den Anla­gen der Kai­ser-Fried­rich-Höhe fei­er­lich das vom Ver­ein gestif­te­te Otto-Jäger-Denk­mal. Die “Spit­zen der städ­ti­schen Behör­den”, eini­ge Stadt­ver­ord­ne­te und zahl­rei­che Bür­ger Unt­er­bar­mens waren zuge­gen. Die Unt­er­bar­mer Lie­der­ta­fel und ein Chor des Fischer­ta­ler Wai­sen­hau­ses waren eben­falls an der Gestal­tung der Fei­er­lich­kei­ten betei­ligt.
Otto Jäger war Mit­in­ha­ber der Bar­mer Far­ben­fa­brik Carl Jäger, Pro­vin­zi­al­land­tags-Abge­ord­ne­ter, Mit­glied der Han­dels­kam­mer seit ihrer Ein­rich­tung 1871, Direk­ti­ons­mit­glied der Bar­mer Bau­ge­sell­schaft für Arbei­ter­woh­nun­gen seit deren Grün­dung 1872 und Mit­glied des Bar­mer Bank­ver­eins. Außer­dem för­der­te er die “Anstalt für ver­las­se­ne Kin­der”, sowie Kunst und Wis­sen­schaft. Von 1880 bis zu sei­nem Tod am 23.August 1892 war er stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­eins.1 Im August 1890 wur­de er Vor­sit­zen­der im Komi­tee zur Ver­schö­ne­rung
der Unt­er­bar­mer Anla­gen. Unter sei­ner Füh­rung leg­te man Wege an und gestal­te­te die Kai­ser-Fried­rich-Höhe (süd­lich der Unt­er­bar­mer Fried­hofs).2
Foto­gra­fie des Otto-Jäger-Denk­mals auf der Kai­ser-Fried­rich-Höhe, ent­nom­men aus: Deut­sches Geschlech­ter­buch, Genea­lo­gi­sches Hand­buch Bür­ger­li­cher Fami­li­en, her­aus­ge­ge­ben von Bern­hard Kör­ner, Bd.35, zugleich Ber­gi­sches Geschlech­ter­buch, her­aus­ge­ge­ben von Bern­hard Kör­ner, Bd.2, Gör­litz 1922, vor S.65.

Am Tag der Ein­wei­hung des Denk­mals gedach­te der Vor­sit­zen­de des Denk­mal-Komi­tees, Hein­rich Eisenlohr, für den 1900 unweit die­ses Denk­mals ein eige­nes Denk­mal errich­tet wur­de, dem edlen Cha­rak­ter, der Lie­bens­wür­dig­keit, der uner­müd­li­chen Tätig­keit und der Ver­diens­te des Ver­stor­be­nes für die Stadt und das Gemein­wohl.3

Die Büs­te aus wei­ßem Mar­mor, die heu­te ver­lo­ren ist, wur­de vom Bild­hau­er Paul Dis­sel­hoff für 1.500 Mark geschaf­fen, die Säu­le schuf der Stein­metz Fried­rich Back­haus für 1.300 Mark. Ins­ge­samt hat­te die Wit­we Jägers 5.000 Mark zum Andenken an den Ver­stor­be­nen gestif­tet, die ver­blie­be­nen Mit­tel wur­de für die Erhal­tung der Kai­ser-Fried­rich-Höhe ver­wen­det.4


Das Otto-Jäger-Denk­mal heu­te.

Die Inschrift der Säu­le lau­tet:
“Unserm
ver­dien­ten
Mit­bür­ger
Otto Jäger
— -
geb.6.Juni 1827
gest.23.Aug.1892”
Nach dem 1957/58 noch Über­le­gun­gen bestan­den, aus Eisenlohr- und Jäger-Denk­mal eine gemein­sa­me Gedenk­stät­te zu machen, wur­de das Denk­mal 1964 ent­fernt und auf dem Bar­mer Ehren­fried­hof unter­ge­stellt.5 1991 lös­te das Gar­ten und Forst­amt die­se Unter­kunft auf und das Denk­mal kam in das Lager Nord­park. Aus Platz­grün­den wur­de das Denk­mal auf der Wie­se nahe der Turm­terras­sen auf­ge­stellt und fiel dort Bür­gern und der Wup­per­ta­ler Rund­schau auf.6 Zunächst rät­sel­te man, wer denn die­ser Otto Jäger war und wo das Denk­mal einst stand. Die Fra­gen konn­ten nach dem Auf­ruf der Rund­schau beant­wor­tet wer­den.7 Im Dezem­ber 1991 ent­schloss man sich, dass Denk­mal wie­der auf­zu­stel­len.8 Die Büs­te, die sich bereits vor 1953 in der Obhut der Gärt­ne­rei des BVV befand, nach­dem sie vom Sockel gestürzt wor­den war, ging ver­lo­ren.9

Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te


Der Springbrunnen vor “Dahls Schloss”

Um 1834 ließ sich der Elber­fel­der Kauf­mannn Carl Feld­hoff in Unt­er­bar­men, ober­halb des Unt­er­bar­mer Bahn­hofs, nach den Plä­nen des Archi­tek­ten Johann Peter Cre­mer, der bereits das alte Elber­fel­der Rat­haus (heu­te Von-der-heydt-Muse­um) errich­tet hat­te, einen Som­mer­sitz bau­en. Das Haus lag inmit­ten eines gro­ßen Gar­tens, besaß zwei Eta­gen mit begeh­ba­rem Dach, auf dem über­le­bens­gro­ße Sta­tu­en stan­den, und den ers­ten Spring­brun­nen im Tal. Das Haus lag zunächst an der “Auer Rot­te”, Sek­ti­on A, Nr.1233, spä­ter “Unter den Eichen 65”.


Bau­zeich­nung von J.P.Cremer (um 1824) vom Som­mer­sitz Carl Feld­hoffs, spä­ter Dahls Schloß genannt. Samm­lung Unte­re Denk­mal Behör­de.

Weni­ge Jah­re nach der Fer­tig­stel­lung des Hau­ses starb Carl Feld­hoff und sei­ne Wit­we ver­kauf­te das Haus zwi­schen 1845 und 1849 an den Öko­nom und Kom­mis­sär Lieb­recht Wer­ner Dahl, der den Bau um eine Eta­ge auf­sto­cken ließ. Das Gebäu­de mit dem park­ähn­li­chen Gar­ten wur­de im Volks­mund als “Dahls Schloss” bezeich­net, die Schloß­stra­ße, an der das Grund­stück heu­te liegt, erhielt daher sei­nen Namen.


Der Spring­brun­nen heu­te.

Der Spring­brun­nen an der ehe­ma­li­gen Vor­der­sei­te blieb erhal­ten. In einem gro­ßem stei­ner­ne Becken steht eine Brun­nen­säu­le, die die Brun­nen­scha­le trägt. Der Brun­nen ist nicht funk­ti­ons­tüch­tig und nicht öffent­lich zugänglich.Ich bedan­ke mich für die Mög­lich­keit Fotos anzu­fer­ti­gen und für die Erlaub­nis die­se hier zu ver­öf­fent­li­chen.1


Posi­ti­on des Brun­nens auf der Kar­te


Denkmal für Friedrich Wilhelm III. (“Königs-Denkmal”)

Die Unt­er­bar­mer Haupt­kir­che.
Nach­dem 1813 die Fran­zo­sen aus dem Wup­per­tal ver­trie­ben wor­den waren, kam das Her­zog­tum Berg 1815 zum König­reich Preu­ßen und des­sen Staats­ober­haupt, König Fried­rich Wil­helm III., wur­de auch Herr­scher über die Ber­gi­schen. Im Jahr 1817 rief Fried­rich Wil­helm III. anläß­lich des 300. Jah­res­ta­ges der Refor­ma­ti­on die Pro­tes­tan­ten dazu auf, die Spal­tung in Luthe­ra­ner und Refor­mier­te zu been­den und ver­ei­nig­te evan­ge­li­sche Gemein­den zu grün­den. Die ers­te Gemein­de, die die­sem Auf­ruf im Ber­gi­schen Land nach­kam, war die Unt­er­bar­mer Gemein­de im Jahr 1822. Sie errich­te­te anschlie­ßend die Unt­er­bar­mer Haupt­kir­che, die zehn Jah­re spä­ter 1832 ein­ge­weiht wer­den konn­te.
Am 7.Juni 1840 starb Fried­rich Wil­helm III. nach 43 Regie­rungs­jah­ren und 25 Jah­ren der Herr­schaft über das Ber­gi­sche Land. Kurz nach dem Tod des Königs baten die Bar­mer des­sen Sohn, Fried­rich Wil­helm IV., um die Geneh­mi­gung ein Denk­mal für den Ver­stor­be­nen zu errich­ten.1 Eine auf den 15.August 1840 datier­te Urkun­de, die bei der Grund­stein­le­gung des Denk­mals ein­ge­mau­ert wur­de, ent­hält die Erlaub­nis des Königs:

Ich habe die von den Bür­gern der Stadt Bar­men in der Anzei­ge vom 21. v.M. aus­ge­spro­che­ne Gesin­nung wohl­ge­fäl­lig auf­ge­no­menn, und will die beab­sich­ti­ge Errich­tung des bezeich­ne­ten Denk­mals ger­ne geneh­mi­gen.
Sans-sou­ci, den 8.August 1840

                                                                                 Fried­rich Wil­helm“2


Denk­mal für Fried­rich Wil­helm III., im Hin­ter­grund die Unt­er­bar­mer Haupt­kir­che. Dazwi­schen ist die heu­ti­ge Fried­rich-Engels-Allee zu sehen. Ent­nom­men aus: Deut­sches Geschlech­ter­buch, Genea­lo­gi­sches Hand­buch Bür­ger­li­cher Fami­li­en, her­aus­ge­ge­ben von Bern­hard Kör­ner, Bd.35, zugleich Ber­gi­sches Geschlech­ter­buch, her­aus­ge­ge­ben von Bern­hard Körner,Bd.2, Gör­litz 1922, vor S.65. Laut RMK S.32. han­delt es sich um einen Stahl­stich, gez. v. L.Rohbock, gest.v.G.Heisinger.

Am 28.August 1842 wur­de das Denk­mal auf dem Fried­rich-Wil­helm-Platz (heu­te Fried­rich-Wil­helm-Stra­ße/Wit­ten­stein­stra­ße) in Anwe­sen­heit des Königs Fried­rich Wil­helm IV. und sei­ner Gemah­lin ein­ge­weiht. Die Nacht hat­te das könig­li­che Paar in der Woh­nung der Wit­we Bredt-Rübel in Unter­dör­nen ver­bracht, zum ers­ten Mal hat­te ein Fürst in Bar­men über­nach­tet. Das Denk­mal wur­de im neu­go­ti­schen Stil errich­tet und stand auf einer klei­nen Anhö­he gegen­über der Unt­er­bar­mer Haupt­kir­che, um den Bezug zwi­schen dem Gebäu­de und der Idee Fried­rich Wil­helms her­zu­stel­len. Der Schaft des Denk­mals dien­te nicht zur Auf­nah­me einer Figur, son­dern bot Platz für die bron­ze­nen Gedenk­ta­feln.3[3] Die­se ent­hiel­ten an den vier Sei­ten des Denk­mals


“[…]die könig­li­chen Wor­te der bei­den vom 1.Dezember 1827 datier­ten Doku­men­te, von denen das eine bezeich­net war ‘Mein letz­ter Wil­le’ und das ande­re mit den Wor­ten: ‘Auf Dich Mei­nen lie­ben Fritz’.“4[4]

Ober­halb der Gedenk­ta­feln befand sich im Gie­bel über dem Maß­werk je ein preu­ßi­scher Adler, ver­mut­lich auch aus Bron­ze gefer­tigt.


Auf die­ser Post­kar­te aus dem Jahr 1912 wird das Denk­mal als “Krie­ger­denk­mal” bezeich­net. Die Gedenk­ta­feln sind aus wei­ßem Stein. Stadt­ar­chiv Wup­per­tal, 19.6.7

Eine wei­te­re Post­kar­te mit einer eben­so fal­schen Beschrif­tung, das Denk­mal was Fried­rich Wil­helm III. gewid­met. Die Per­son vor dem Denk­mal macht die Grö­ßen­ver­hält­nis­se deut­lich. (Bild ergänzt am 24. Janu­ar 2014)

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Denk­mal so beschä­digt, dass man es bei anste­hen­den Stra­ßen­bau­ar­bei­ten nicht ver­set­zen konn­te. 1946 beschloss man des­halb die Besei­ti­gung. Im April 1955 ent­deck­te man bei Bau­ar­bei­ten unter den Res­ten des Denk­mals eine ein­ge­mau­er­te Kas­set­te, die dem Stadt­ar­chiv über­ge­ben wur­de. Dar­in fan­den sich die oben erwähn­te Urkun­de, sechs Mün­zen aus dem Jahr 1841, zwei Amts­blät­ter der Regie­rung zu Düs­sel­dorf vom 23. und 24.August 1841 sowie das Werk “Bar­men in his­to­ri­scher, topo­gra­phi­scher und sta­tis­ti­scher Bezie­hung von sei­ner Ent­ste­hung bis zum Jah­re 1841”.5


Eine sel­te­ne Foto­gra­fie des Denk­mals. Samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum 020/8/137. Dort wird ver­wie­sen auf: “Stü­ring, Album von Bar­men von 1891” (Bild ergänzt am 8.November 2012)

Das Bar­mer Denk­mal, das auch Königs-Denk­mal genannt wird, gilt als das ers­te Denk­mal für Fried­rich Wil­helm III. in Preu­ßen. An der Stel­le des Denk­mals befin­det sich heu­te der Spiel­platz Wittensteinstraße/ Fried­rich-Wil­helm-Stra­ße.6


Posi­ti­on des Denk­mals auf der Kar­te