Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler.
(R. Musil)

Dienstag, 6. März 2012

Heinrich-Heine-Denkmal (1893)

1893 entstand auf Küllenhahn, an der Grenze zwischen Cronenberg und Elberfeld, das erste Heinrich-Heine-Denkmal in Deutschland und das zweitälteste in deutschsprachigen Raum. Bereits 1891 ließ die österreichische Kaiserin Elisabeth eine Heine-Statue auf der Mittelmeerinsel Korfu aufstellen.[1] Zwei Jahre später folgte die Baronin Selma von der Heydt und ließ auf der "Friedensaue", einer heute überbauten Wiese auf Küllenhahn, ein Heinrich-Heine-Denkmal errichten. Damals konnte man von der mit Linden umsäumten Wiese nach Remscheid, Cronenberg und Solingen gucken, an guten Tagen sogar bis zum Kölner Dom. [2]
Eine der wenigen Spuren des Heinrich-Heine-Denkmals findet sich im Zentrum dieses Kartenausschnitts und zeigt die Friedensaue, auf der das Denkmal zu finden war. Diese Karte des "Burgholz'" entstand im Jahr 1916 und wurde von Arthur Riemer veröffentlicht. Sie ist nicht genordet, sondern "gesüdet", d.h. Süden ist oben, Westen rechts, Osten links und Norden ist unten. Der Maßsstab beträgt 1:10000.
Stadtarchiv Wuppertal, Kartensignatur: 55
Einen Bericht von der Errichtung oder Einweihung des Denkmals gibt es nicht. Die erste Erwähnung des Denkmals stammt aus dem General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen, der am 25.10.1901 von einer Auseinandersetzung um den Jubiläumsbrunnen berichtet. Der vom Elberfelder Verschönerungsverein unter Vorsitz des Freiherrn von der Heydt gestiftet Brunnen war vielen Bürgern zu anstößig und die Figuren unzüchtig. Einer der Hauptredner gegen diesen unsittlichen Brunnen verwies auf die "Anschauung" des Familienkreises von der Heydt, die durch die Errichtung des Heine-Denkmals deutlich geworden sei. Überall in Deutschland habe man sich einem Heine-Denkmal verweigert, nur die Freifrau von der Heydt habe dem Dichter "der so viel Unsittlichkeit in die Welt gesetzt" habe, ein Denkmal gesetzt.
Das Heinrich-Heine-Denkmal auf dem Friedrichsberg, genauer der "Friedensaue" auf Küllenhahn, nach einer Zeichnung des Düsseldorfer Stadt-Anzeigers Nr.50 vom 19.02.1931.
Anmerkung: Das vorliegende Abbild der Zeichnung wurde vom Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Auf dem Dokument ist wie auch bei RMK, S.84 der "Düsseldorfer Generalanzeiger" als Quelle genannt. Dies ist falsch, die Zeichnung und ein zugehöriger Artikel erschienen im
Düsseldorfer Stadt-Anzeiger.
Das Heinrich-Heine-Denkmal bestand aus einem etwa zwei Meter hohen Pyramidenstumpf aus Grauwacke und Tonschieferblöcken,[1] aus der Mitte ragte zu Anfang noch ein Fahnenmast, der aber bereits 1906 [2] verschwunden war. Drei Inschrifttafeln waren in das Denkmal eingelassen. Links standen die Initialen der Stifterin und das Jahr der Errichtung,
"S.v.d.H. 1893"
an der rechten Seite fand sich die Widmung:
"Zum Andenken an
Heinrich
Heine"
Auf der vorderen Tafel konnte man eine Strophe aus der Harzreise lesen. Wilhelm Schäfer gibt in seinem Werk "Der Niederrhein und das bergische Land" (1907) den Text so wieder: 
"Auf die Berge will ich steigen,
wo die dunklen Tannen ragen,
Buchen rauschen, Vögel singen,
und die stolzen Wolken jagen."[1]
Im Original lautet der dritte Vers: "Bäche rauschen, Vögel singen". Ob hier ein Fehler des Autors oder ein Fehler der Inschrift vorliegt, läßt sich nicht mehr klären.[1]
Wie bereits erwähnt, fehlte 1906 bereits der Flaggenmast, auch der Rest des Denkmals war in keinem guten Zustand. Die Steinblöcke fielen auseinander und die Fugen waren von Wind und Regen ausgewaschen. Die BMZ vermutete, dass die Stifterin nach den Reaktionen im Streit um den Jubiläumsbrunnen das Interesse an der Pflege des Denkmals verloren habe.[2]
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Denkmal von der Hitlerjugend zerstört[1], 1958 stiftete die Stadt Wuppertal zur Erinnerung an den Dichter und an dieses Denkmal ein neues Heinrich-Heine-Denkmal im Von-der-Heydt-Park, da die Friedensaue inzwischen überbaut worden war.

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[1] RMK, S.184f.
[2] Bergische-Märkische-Zeitung vom 26.02.1906.



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