Ringel-Denkmal

Ein­trag aktua­li­siert am 6. August 2013. Am 18.September 1883 beschloss die Bar­mer Stadt­ver­ord­ne­ten-Ver­samm­lung, dass man im sog. Rin­gel­tal in den Bar­mer Anla­gen ein Denk­mal für Lud­wig Rin­gel errich­ten wol­le. Die­ser war Begrün­der vie­ler städ­ti­scher und pri­va­ter gemein­nüt­zi­ger Stif­tun­gen und man hat­te bereits einen Teil der Bar­mer Anla­gen nach ihm benannt, da er die­ses Gründ­stück erwor­ben und dem Ver­schö­ne­rungs­ver­ein über­las­sen hat­te. Der gebür­ti­ge Len­ne­per Kauf­mann war auch in sei­nem Tes­ta­ment frei­gie­big und bestimm­te, dass ca. 1 Mil­li­on Mark für ver­schie­de­ne Zwe­cke in Bar­men und Len­nep ver­wen­det wur­den, u.a. 400.000 Mk zum Bau der Chris­tus­kir­che in Unt­er­bar­men.


Blick vom Rin­gel-Denk­mal auf das Rin­gel­tal.

Für den Ent­wurf des Stadt­bau­meis­ters Carl Win­chen­bach stell­ten die Stadt­ver­ord­ne­ten 40.000Mk zur Ver­fü­gung. Am 22.Juni 1886 wur­den noch ein­mal 13.000 Mk zuge­schos­sen, um Ände­run­gen bei der Aus­füh­rung zu finan­zie­ren. Ver­mut­lich wur­de das Denk­mal in die­sem Jahr (1886) dann auch fest­ge­stellt, auch wenn die Inschrift auf das vor­an­ge­gan­ge­ne Jahr ver­weist.


Das Rin­gel-Denk­mal auf einer alten Post­kar­te im Ori­gi­nal-Zustand.

Bereits 1900 gab es die ers­ten Zer­stö­run­gen am Denk­mal. Eine Gedenk­ta­fel für den Erbau­er Carl Win­chen­bach wur­de zer­stört, eine Vase  in der rech­ten Nische beschä­digt. 1938 beschäf­tig­te sich der Denk­mal­aus­schuss der Stadt mit dem Denk­mal, dass es ver­wit­tert war und “häss­lich” aus­sah. Plä­ne zur Besei­ti­gung wur­den aber fal­len gelas­sen, dafür “über­flüs­si­ges Bau­werk” besei­tigt. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war das Denk­mal ver­fal­len, die Nischen zuge­mau­ert, Trep­pen und Balus­tra­de bau­fäl­lig. 1968 erneu­er­te Stein­metz­meis­ter Man­fred Stöl­zel das Denk­mal, aller­dings konn­ten die Trep­pen nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den.1


Das Rin­gel­denk­mal auf einer alten Post­kar­te. Post­kar­ten­samm­lung His­to­ri­sches Zen­trum (Bild hin­zu­ge­fügt am 27.12.2011)

Das Rin­gel-Denk­mal heu­te 2011. Es ist zuge­wach­sen, vie­le Zier­ele­men­te sind ver­schwun­den, die Nischen ver­schlos­sen.

Blick von der ande­ren Sei­te.

Auch von oben sieht das Denk­mal ver­nach­läs­sigt aus.

Die Tafel mit der Inschrift. Das Reli­ef Rin­gels ging im Zwei­ten Welt­krieg ver­lo­ren.

 Die Inschrift auf der braun­ro­ten Gra­nit­ta­fel lau­tet:

Zur Erin­ne­rung
an
Lud­wig Rin­gel
geb. 10.Nov.1808
gest. 15.Nov 1881
die dank­ba­re Stadt
Bar­men
1885”


Ergän­zung vom 6. August 2013:
Das Denk­mal im August 2013

2012 wur­de das Denk­mal durch den Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein gründ­lich reno­viert. Das nöti­ge Geld (70.000 von ins­ge­samt 75.000 €) stell­te die Ilse­lo­re-Luc­kow-Stif­tung zur Ver­fü­gung. Der Erhalt von Denk­mä­lern des 19. Jahr­hun­derts gehört zum aus­drück­li­chen Stif­tungs­zweck. Rüdi­ger Hof­mann vom BVV-Arbeits­kreis für die Denk­mä­ler und Gott­hard Geis­ler von der Fir­ma Con­cret, die bereits die Sanie­rung des Bar­mer Krie­ger­denk­mals für die Gefal­le­nen der Krie­ge von 1864 und 1866 zusam­men durch­ge­führt hat­ten, nah­men fol­gen­de Arbei­ten vor:


“Alle frei­ge­leg­ten Fugen und Fehl­stel­len wur­den mit spe­zi­el­lem Stein­re­stau­ra­ti­ons­mör­tel bei­ge­ar­bei­tet. Das gesam­te, 250 Qua­drat­me­ter gro­ße Objekt wird gerei­nigt: Aus­sichts­platt­form, Ansichts­tei­le Park­sei­te und Sei­ten­tei­le, Strahl­ar­bei­ten. Die losen mine­ra­li­schen Tei­le (Fugen), Algen und Wur­zeln wur­den ent­fernt, Aus­blü­hun­gen bear­bei­tet. Alle Stei­ne wur­den mit Anti­graf­fi­ti-Pro­tec­to­sil schutz­be­schich­tet.“2
Außer­dem wur­de die Ter­ras­se abge­dich­tet, die Boden­plat­ten neu­ver­legt und Was­ser­ab­läu­fe her­ge­stellt. Die bepflanz­te Flä­che vor dem Denk­mal wur­de “plat­tiert” und die Sei­ten­be­rei­che gesi­chert.
Neu und hübsch.

Zwei neue Mar­mor­ta­feln infor­mie­ren über Lud­wig Rin­gel und die Sanie­rung des Denk­mals. Die zen­tra­le Mar­mor­ta­fel wur­de restau­riert und mit einem Foto (anstatt des ursprüng­li­chen Por­traitme­dail­lons) Rin­gels ver­se­hen. Die neue Frei­flä­che vor dem Denk­mal ermög­li­che viel­leicht Sonn­tags-Kon­zer­te, träum­te Rüdi­ger Hof­mann anläss­lich der Ein­wei­hung.


Die neue Tafel.

Die neue lin­ke Tafel trägt fol­gen­de, sehr schlecht les­ba­re Inschrift:

“Denk mal — ein Denk­mal für einen Mäzen­die Bar­mer Stadt­ver­ord­ne­ten beschloss­sen am 18.02.1883 zu Ehren des am / 15.11.1881 Bei­ge­ord­ne­ten Lud­wig Rin­gel ein Denk­mal zu errich­ten. [sic!] / Bewil­ligt wur­de die Bau­sum­me von 53.000,- Mark. / Den Ent­wurf lie­fer­te Stadt­bau­meis­ter Carl Win­chen­bach. Obwohl das / Bau­werk im Rin­gel­tal bereits 1884 fer­tig war, fand die Ein­wei­hungs­fei­er erst / am 10.November 1887, dem Geburts­tag Lud­wig Rin­gels und sechs Jah­re nach / sei­nem Tod statt. 1938/1939 woll­te die Stadt Wup­per­tal das stark ver­wit­ter­te / Denk­mal abrei­ßen las­sen. Nach­dem sich der Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein für / den Erhalt aus­ge­spro­chen hat­te, wur­de nur angeb­lich über­flüs­si­ges Bei­werk / besei­tigt. Nach dem zwei­ten Welt­krieg (1939–1945) war das Denk­mal teilweise/ ver­fal­len. 1968 restau­rier­te Stein­meis­ter Man­fred Stöl­zel das Bau­werk. Auf die / Wie­der­her­stel­lung der monu­men­ta­len Trep­pen­an­la­ge wur­de aus Kos­ten­grün­den / ver­zich­tet. Ursprüng­lich befand sich über dem Text im Mit­tel­bo­gen ein bron­ze­nes / Por­traitme­dail­lon des Geehr­ten, das ver­mut­lich im Krieg ein­ge­schmol­zen wur­de. / Sti­lis­tisch weist die Anla­ge Ele­men­te der Renais­sance und des Barock aus, / was für die Zeit des His­to­ris­mus im 19. Jahr­hun­dert cha­rak­te­ris­tisch ist. 2012 hat die Düs­sel­dor­fer Ilse­lo­re-Luc­kow-Stif­tung, die sich neben ande­ren Zwe­cken der Erhal­tung von
Denk­mä­lern wid­met, eine behut­sa­me Restau­rie­rung durch die Fir­ma
Con­cret GmbH ermög­licht.”

Die rech­te Tafel, die mit einer Post­kar­ten­an­sicht des ursprüng­li­chen Denk­mals ver­se­hen ist, erklärt:

Was kann ich für mei­ne Stadt tun?

Lud­wig Rin­gel sag­te vor der Wahl der Bei­ge­ord­ne­ten der Stadt Bar­men
am 19. Janu­ar 1858: “Ich freue mich, wenn ich mit mei­nen schwa­chen
Kräf­ten etwas zum Woh­le und Bes­ten der Stadt bei­zu­tra­gen ver­mag.”
Über eige­ne gute Taten zu reden war nicht sei­ne Sache. Lud­wig Rin­gel
(10. Novem­ber 1808–15.November 1881) ver­mach­te der Stadt Bar­men,
der Unt­er­bar­mer Kir­chen­ge­mein­de für die Chris­tus­kir­che und der
Anstalt für ver­las­se­ne Kin­der, auch in sei­ner Geburts­stadt Len­nep
gro­ße Stif­tun­gen. 1000.000,- [sic!] Mark depo­nier­te der Unter­neh­mer 1880 für den Bar­mer Ver­schö­ne­rungs­ver­ein bei der Stadt Bar­men.
Die Zin­sen soll­ten für die Pfle­ge des spä­ter nach ihm benann­ten
Rin­gel­ta­les ver­wen­det wer­den. Rin­gel hat­te das “Vor­me­tal” erwor­ben
und von zwei mit gekauf­ten Wohn­häu­sern befrei­en las­sen.
Mit der Park­ge­stal­tung wur­de Hof­gar­ten­di­rek­tor Hering beauf­tragt.
Fazit damals wie heu­te: “schöns­te von allen Par­ti­en”.
Bit­te gehen Sie links oder rechts vom Denk­mal die Wege hin­auf.
Die obe­re Platt­form ist erhal­ten geblie­ben und von einer Balus­tra­de
begrenzt, die frü­her an den Außen­sei­ten je zwei Vasen trug.
Die­ser “Archi­tek­tur-Kulis­se” war ein mehr­fach geglie­der­te Frei­trep­pe
vor­ge­la­gert. Die Ter­ras­se erlaubt einen herr­li­chen Blick auf das
gar­ten­ar­chi­tek­to­nisch her­vor­ra­gend gestal­te­te, ehe­mals tief ein­ge­schnit­te­ne Tal und das Bar­mer Zen­trum bis hin­über zu den Nord­hö­hen.”


Das Rin­gel-Denk­mal von oben

Am 23. Novem­ber 2012 wur­de das reno­vier­te von dem BVV- Vor­sit­zen­dem Peter Pran­ge und Ober­bür­ger­meis­ter Peter Jung wie­der­ein­ge­weiht. Der Ober­bür­ger­meis­ter erklär­te:

“Es ist schön die­ses wun­der­ba­re Denk­mal wie­der in Besitz zu neh­men. Lud­wig Rin­gel gilt noch heu­te als Vor­bild für ehren­amt­li­chen Ein­satz für unse­re Stadt, um den uns vie­le ande­re Städ­te benei­den. Das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment des Ver­schö­ne­rungs­ver­eins seit 1864 macht Wup­per­tal zu einer rei­chen Stadt. Die Bar­mer Anla­gen sind ein Schmuck­stück und ein kos­ten­lo­ses groß­ar­ti­ges, täg­li­ches Geschenk an die Mit­bür­ger. Es soll­te selbst­ver­ständ­lich sein, dass jeder Nut­zer pfleg­lich mit dem Ver­eins­ei­gen­tum umgeht!”

Fußnoten:

  1. RMK, S. 65f.
  2. Klaus-Gün­ther Con­rads, Lud­wig Rin­gel stif­te­te viel Geld für wich­ti­ge Ein­rich­tun­gen, in: Heid­ter Blätt­chen Nr. 42, Infor­ma­tio­nen des Heid­ter Bür­ger­ver­eins e.V., 2013, S. 18f.